Optimale Inflation: Was ist das und warum 2 Prozent?

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Auf der Suche nach der „optimalen Inflation“ hat die EZB einen Wert „nahe 2 %“ definiert. Der frühere Korridor „bis 2 %“ war flexibler. (Foto: Watchara Ritjan / Shutterstock.com)

Als Verbraucher freut man sich natürlich über niedrige Preise. Bei geringen Lebenshaltungskosten bleibt mehr vom Geld übrig. Schließlich nagt die Inflation auch am Ergebnis jeder Geldanlage. Das aber ist zweischneidig. Denn Zuwächse durch Wirtschaftswachstum gehen in der Regel mit steigenden Einnahmen und Ausgaben einher.

Was ist die optimale Inflation?

Niedrige Zinsen bringen keine Zinserträge und fehlende Lohnzuwächse bremsen die Konsumfreude, was sich letztlich auf die Aktien der Unternehmen auswirkt. Ist die Inflation zu hoch, droht der Effekt wiederum zu verkippen. Die Zinsen steigen massiv, das Geld wird für alle teurer.

Doch was ist die optimale Inflation? In der Eurozone lag sie 2017 im Schnitt bei grob 1,5 %. Im Februar dieses Jahres fiel sie sogar auf 1,1 %, steigt aber wieder leicht an. Gleichzeitig hat sich die Wirtschaft gut entwickelt Dennoch: der Wert gilt als zu niedrig. Das gilt auch für Deutschland, wo die Inflation letztes Jahr 1,7 % betrug. Bis Ende nächsten Jahres sollte sie auf 1,9 % steigen.

Das aber wäre nach Ansicht der EZB immer nur fast optimal. Die Inflation sollte der Zentralbank zufolge bei knapp 2 % liegen. Immerhin ist sie für das Thema zuständig, denn oberstes Ziel einer Notenbank ist die Preisstabilität. Was aber nicht bedeutet, dass die Preise auf Dauer quasi unverändert gleichbleiben. Es kommt aufs Gesamtgefüge und die volkswirtschaftliche Entwicklung an.

Tiefstand nach Finanzkrise und Ölpreis-Crash

Als die Inflation in der Finanzkrise 2009 auf Nullkomma-Werte sank, machte plötzlich das Gespenst der Deflation die Runde. Wenn sich alle zurückhalten und warten bis alles noch billiger wird, droht eine Abwärtsspirale. Die EZB versuchte, die Inflation anzuheizen und begann mit der Politik des billigen Geldes. Vor allem in Deutschland wurden sofort Bedenken laut.

Zu sehr hat sich die Hyperinflation von 1923, als ein Frühstücksei, dass über Nacht mehrere Mio. Reichsmark kostete, ins kollektive Gedächtnis eingegraben. Doch mit der Flutung der Märkte lag die EZB letztlich genauso richtig wie etwa die Fed in den USA. Die Börsen waren im Aufwind, die Wirtschaft zog an. 2011 wurde in Deutschland eine Inflation von 2,1 % erreicht. Dass sie 2015 wieder auf Finanzkrisen-Niveau absackte, lag an den rapide gesunkenen Preisen für Öl und Rohstoffe.

Erneut musste die Zentralbank auf ihre optimale Inflation hinarbeiten. Die Zinsen blieben historisch niedrig. Ziel war Preisstabilität bei maximaler Beschäftigung. Das Kalkül: Bei einer leichten Teuerungsrate entsteht ein Anreiz Geld auszugeben bevor es noch teurer wird. Steigen die Preise hingegen zu sehr, droht die Inflation sozusagen davonzulaufen.

Puffer gegen Deflation

Eine als optimal empfundene Inflation wird zudem als ein gewisser Puffer gegen Nullinflation, Nullzins und Deflation gesehen. Nachdem die Gefahr einer Deflation gebannt scheint, ist das Ende der Nullzinsen als Stimulation für die Wirtschaft bereits in Sicht. Vom Sparer bis zu Banken und Versicherungen leiden viele unter den extrem niedrigen Zinsen.

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Die vergessene Gefahr: Hyperinflation in VenezuelaDie Europäische Zentralbank (EZB) pumpt pro Monat 80 Mrd. € in den Markt, weil die Inflation im Euro-Raum unter dem Zielwert von 2% liegt. Aktuell ist die Inflationsgefahr bei uns… › mehr lesen

So nachvollziehbar die Argumentation der EZB auch sein mag, es gibt keine zuverlässigen Daten, die eine Preisstabilität bei „nahe 2 %“ ergeben. Vor 2003 noch wurde sie bei einem Anstieg des Verbraucherindex um „weniger als 2 %“ definiert. Der frühere Korridor erlaubte ein deutlich flexibleres Agieren der Notenbank.

Schließlich ist ein Punktziel mit geldpolitischen Maßnahmen nur sehr schwer anzusteuern. Viel eher verleitet es zu ständigem Aktivismus, während etwas Gelassenheit für alle Beteiligten gut wäre.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.