Optionen: Was beim Dividenden-Abschlag passiert

Stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor:

  • Sie kaufen am Tag vor dem Dividenden-Abschlag einer Aktie eine Put-Option auf diese Aktie.
  • Am Tag des Dividenden-Abschlags oder 1 Tag danach verkaufen Sie die Put-Option mit Gewinn, denn der Aktienkurs ist gefallen.

Wäre das nicht schön!? – Zu schön, um wahr zu sein!

Und eines gleich vorweg: Es funktioniert so leider nicht.

Dividenden-Abschlag

Typischerweise wird die Aktie einer Aktiengesellschaft am Tag nach der Hauptversammlung (HV) mit dem sogenannten Dividenden-Abschlag gehandelt.

Die Kursdifferenz entspricht meist der Höhe der gezahlten Dividende.

Dividenden-Abschlag muss nicht gleich Dividende sein

Der Abschlag ergibt sich aus der Höhe der gezahlten Dividende.

Nehmen Sie eine Aktie mit einem Kurs von 60 €.

In der HV wird eine Dividende von 2 € verabschiedet. Diese Dividende erhält der Investor, der die Aktie am Tag der HV im Depot hat.

Ein Käufer am Tag nach der HV wird dann nur 58 € für die Aktie zahlen. Er rechnet die Dividende herunter. Das macht den „Dividenden-Abschlag“.

Die Kursdifferenz kann aber auch von der Höhe der gezahlten Dividende abweichen.

Stellen Sie sich vor, auf der HV gibt es gute Neuigkeiten zum Unternehmen.

Dann sind die Anleger am Tag nach der HV bereit, z. B. 60 € für die Aktie zu bezahlen, weil sie weitere Kursgewinne erwarten. Dann liegt der Abschlag unter der Dividende.

Sie können sogar erleben, dass der Aktienkurs am Tag nach der HV, trotz gezahlter Dividende, über dem Kurs von vor der HV gehandelt wird.

Typisch: Dividenden-Abschlag = Dividende

Typisch ist jedoch, dass der Dividenden-Abschlag gleich der Dividende ist.

Dies führt zu meiner eingangs angestellten Überlegung und der oft gestellten Frage, ob das funktioniert: am Tag vor dem Dividenden-Abschlag einer Aktie eine Put-Option kaufen.

Am Tag mit dem Dividenden-Abschlag oder am Tag nach dem Dividenden-Abschlag wird die Put-Option mit Gewinn verkauft, weil die Aktie niedriger notiert.

Dividenden-Abschlag ist im Kurs einer Option berücksichtigt

Die Höhe der Dividende ist meist lange im Voraus bekannt. Bei der in der HV verabschiedeten Dividende kommt es meist zu keinen oder nur zu kleineren Abweichungen.

Deshalb sind Dividenden in bekannter Höhe im Kurs der Optionen berücksichtigt.

Diese Kursveränderungen der Aktie durch einen Dividenden-Abschlag sind in den Kursen der Optionen enthalten.

D. h., ein Call wird durch den Dividenden-Abschlag nicht billiger, ein Put aber auch nicht teurer.

Dividenden-Abschlag verändert Options-Preis nur bei Abweichungen

Weicht eine Dividende jedoch deutlich von der geschätzten Dividende ab und ergibt sich deshalb ein deutlich höherer oder niedrigerer Dividenden-Abschlag, so wirkt sich das auf den Preis einer Option aus.

Sonderdividende führt zur Anpassung einer Option

Wenn eine Aktiengesellschaft eine Sonderdividende ausschüttet, fällt der Dividenden-Abschlag für die Aktie entsprechend höher aus.

Hier wird der Optionen-Trader dem Aktionär gleichgestellt. Es gibt dann an den Terminbörsen eine entsprechende Anpassung der Optionen.

Typischerweise werden bei einer Option dann der Basis-Preis und die Anzahl in einem Kontrakt enthaltener Optionen angepasst.

Auf diese Weise sind Sie als Optionen-Trader nicht besser, aber auch nicht schlechter gestellt.

20. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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