Rechtsschutzversicherung – Definition, Kosten, Vor- & Nachteile

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Die Rechtsschutzversicherung: Notwendig oder nicht? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, so unser Experte, es kommt auf die Details an. (Foto: REDPIXEL.PL / Shutterstock.com)


Wissenswertes zur Rechtsschutzversicherung

Definition: Private Zusatzversicherung zum Schutz des Versicherten in Rechtsstreitigkeiten

Arten der Rechtsschutzversicherung: Privatrechtsschutz, Arbeitsrechtsschutz, Verkehrsrechtsschutz, Wohn- und Mietrechtsschutz, Vermieterrechtsschutz

Kosten: Variabel – Je mehr abgesichert wird, desto höher ist der monatliche Versicherungsbeitrag

Kündigungsfrist: 3 Monate


Definition: Was ist eine Rechtsschutzversicherung?

Egal ob Privatperson oder Unternehmer, es gibt Situationen im Leben, die nicht ohne die Hilfe eines Rechtsbeistands geregelt werden können. Anwalts– und Gerichtskosten sind im Vorfeld kaum kalkulierbar. Diese Kosten kann dann die Rechtsschutzversicherung abdecken.

Von Verträgen bis zu Gerichtsprozessen: Die Rechtsschutzversicherung übernimmt die dabei entstehenden Kosten. Darüber hinaus kann eine Rechtsschutzversicherung flexibel für verschiedene Rechtsbereiche abgeschlossen werden. Es handelt sich dabei um eine private Zusatzversicherung, die man freiwillig abschließen kann. Sie deckt Schadensfälle im juristischen Zusammenhang ab.

Beim Abschluss einer Rechtsschutzversicherung sollte jedenfalls auf das Kleingedruckte geachtet werden. Es kommt vor, dass die Versicherung das jeweilige Anliegen im Ernstfall nicht abdeckt.

Rechtsschutzversicherung Facts

Wann braucht man eine Rechtsschutzversicherung?

Eine Rechtsschutzversicherung schützt vor hohen Kosten, die bei juristischen Streitigkeiten entstehen können. Damit die Kosten einer Rechtsschutzversicherung nicht in die Höhe schnellen, ist es wichtig, sich vorab Gedanken zu machen, welche Rechtsbereiche man absichern will.

Diese Rechtsbereiche kann der Rechtsschutz decken: 

  • Privatrechtsschutz
  • Arbeitsrechtsschutz
  • Verkehrsrechtsschutz
  • Wohn- und Mietrechtsschutz
  • Vermieterrechtsschutz

Der Zweck einer Rechtsschutzversicherung besteht in erster Linie darin, dass man die Kosten für rechtliche Auseinandersetzungen nicht selbst tragen muss. Schließlich können Anwalts- undGerichtskosten sehr hoch ausfallen.

Oft schrecken diese Kosten Leute ab, überhaupt rechtliche Schritte einzuleiten. Nicht jeder hat das Budget, um vor Gericht auf eigene Kosten für sein Recht zu kämpfen. Gerade aus diesem Grund ist der Rechtsschutz allgemein gesprochensinnvoll. Er übernimmt die Kosten, die ein Rechtsstreit mit sich bringen kann.

Ist eine Rechtsschutzversicherung Pflicht?

Die Rechtsschutzversicherung ist keine Pflichtversicherung, wie beispielsweise die KFZ-Haftpflichtversicherung. Die Privathaftpflichtversicherung oder auch die Berufsunfähigkeitsversicherung, sind Versicherungen, die jeder haben sollte, aber nicht muss, da es sich im Falle von Streitigkeiten um die Bedrohung der eigenen Existenz handelt. Sehr oft verursachen Rechtsstreitigkeiten mehr Kosten als ursprünglich erwartet, was für Personen ohne Rechtsschutz zu einer erheblichen finanziellen Herausforderung werden kann. Im schlimmsten Falle können diese Kosten existenzbedrohend sein.

Ein Rechtsstreit kann teuer werden. Vor allem im Straßenverkehr kann es sehr schnell passieren, dass man in einen Unfall verwickelt wird und nicht klar ist, wer die Schuld trägt. Daher raten Experten jedenfalls eine Verkehrsrechtsschutzversicherung abzuschließen.

Welche Arten von Rechtsschutzversicherungen gibt es?

Grundsätzlich kann man mit einer Rechtsschutzversicherung verschiedene Rechtsbereiche abdecken. Dafür bieten die Versicherer mehrere Bausteine an, die je nach Bedarf miteinander kombiniert werden können.

Dabei gilt:

Je mehr Gebiete man absichert, desto höher ist der monatliche Beitrag für die Rechtsschutzversicherung.

Die wichtigsten Bausteine einer Rechtsschutzversicherung:

  • Privatrechtsschutz: Dieser Grundbaustein ist verpflichtend, wenn man eine Rechtsschutzversicherung abschließen möchte. Privatrecht ist Bestandteil jedes Rechtsschutztarifs.
  • Arbeitsrechtsschutz: Mit dem Arbeitsrechtsschutz ist man in juristischen Meinungsverschiedenheiten im Berufsleben versichert.
  • Verkehrsrechtsschutz: Auch im Straßenverkehr kann es zu Situationen kommen, die ein juristisches Nachspiel haben. Mit einem passenden Verkehrsrechtsschutz ist man bei juristischen Streitigkeiten in Verbindung mit Verkehrsunfällen abgesichert.
  • Wohn- & Mietrechtsschutz: Treten rechtliche Probleme mit dem Vermieter oder der Eigentümergemeinschaft auf ist ein passender Wohnrechtsschutz von Vorteil.
  • Vermieterrechtsschutz: Er gibt Vermietern Sicherheit bei rechtlichen Streitigkeiten mit dem Mieter, beispielsweise bei nicht bezahlten Mieten oder Wohnungsmängeln.

Rechtsschutzversicherung: Bereiche

Was kostet eine Rechtsschutzversicherung?

Bei der Auswahl einer geeigneten Rechtsschutzversicherung ist es sinnvoll, nicht nur nach Preis, sondern vor allem nach Leistungen zu vergleichen. So vermeidet man es, Tarife mit schlechten Leistungen abzuschließen. Sollte es tatsächlich zum Schadensfall kommen, ist es wichtig, dass die Versicherung den Fall auch wirklich übernimmt und man finanziell bei der Einforderung der eigenen Rechte unterstützt wird.

Diese Tabelle gibt einen Überblick über Anbieter und mögliche Tarife:

TarifJahresprämie in Euro
Arag Aktiv Komfort302
Auxilia Jurprivat289
Huk24 PBV Plus279 – 317
WGV Optimal259
ARAG Premium415
Roland Premium-Schutz434
HUK-Coburg PBV Plus282 – 322
Auxilia RS inkl. Automobilclub267

Quelle: Finanztip-Analyse (Stand: 1. August 2019)

Um solche Fallen beim Versicherungsabschluss zu umgehen, sollten die Vertragsbedingungen genau analysiert und verglichen werden, ehe man sich auf einen Anbieter festlegt. Das Kleingedruckte muss beachtet werden, damit man im Ernstfall nicht von etwaigen Leistungsausschlüssen überrascht wird.

Auf diese Klauseln sollte man beim Abschluss einer Rechtsschutzversicherung achten:

  • Die Deckungssumme sollte mindestens 250.000 € betragen.
  • Die Kautionssumme sollte weltweit mindestens 100.000 € betragen.
  • Der Versicherungsschutz sollte auch außerhalb Europas bestehen.
  • Stichentscheid: Der Versicherer sollte die Kosten für die Stellungnahme eines unabhängigen Gutachters übernehmen, falls er Übernahmen eines Rechtsschutzfalls ablehnt.
  • Die Versicherung sollte von der „Ereignis-Theorie” ausgehen. Dabei ist der Zeitpunkt des Schadenereignisses maßgeblich.
  • Das Unternehmen sollte Mitglied im Versicherungsombudsmann e.V. sein.
  • Im Familien- und Erbrecht sollte Mediation mitversichert sein.
  • Kapitalanlegerklagen sollten mitversichert sein.

Die Rechtsschutzversicherung deckt in den Leistungen verschiedene Lebensbereiche ab. Zudem ist es wichtig, dass der Versicherungsschutz an die persönliche Lebenssituation angepasst werden kann. Ganz egal, ob man gerade eine Firma gegründet hat, frisch verheiratet ist oder mit dem Studium begonnen hat, jede neue Lebenssituation ändert auch die Bedürfnisse hinsichtlich der eigenen Versicherungen. Deshalb bieten Rechtsschutzversicherer meist verschiedene Tarife an.

Je nach Anbieter gibt es spezielle Tarifvarianten, die gegebenenfalls mit besonderen Nachlässen in der Versicherungsprämie einhergehen.

Für diese Personengruppen gibt es zumeist besondere Tarifvarianten bei der Rechtsschutzversicherung:

  • Singles
  • Verheiratete oder in Lebensgemeinschaft lebende Paare
  • Familien
  • Senioren
  • Freiberufler
  • Firmen
Wichtig: 

Bei der Tarifwahl ist auch der Versicherungsbeginn maßgeblich. Meist ist eine Wartezeit von drei Monaten nach Vertragsabschluss üblich.

Der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit ist nur in Ausnahmefällen möglich. Die Frist wurde eingeführt, damit ein Versicherungsnehmer die Police nicht erst abschließt, wenn sich ein Streitfall bereits abzeichnet.

Eine Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit gibt es in folgenden Bereichen:

  • Schadenersatzrechtsschutz
  • Strafrechtsschutz
  • Rechtsschutz bei Ordnungswidrigkeiten
  • Disziplinar- und Standes-Rechtsschutz

Außerdem kann man oft die Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit in Anspruch nehmen, wenn der Versicherungsfall unvorhersehbar eintritt, wie etwa im Verkehrsrecht, wenn beispielsweise ein neu gekauftes Fahrzeug unerwartet Mängel aufweist.

Was übernimmt die Rechtsschutzversicherung?

Grundsätzlich kann eine Rechtsschutzversicherung in schwierigen Situationen den Rücken freihalten, was finanzielle Angelegenheiten betrifft. Dennoch sollte man wichtige Fakten kennen, ehe man eine Police abschließt.

Rechtsschutzversicherungen funktionieren nach einem Baukastenprinzip. Man kann sich aus einzelnen Bausteinen den für sich selbst passenden Schutz zusammenstellen. Dabei lassen sich folgende Lebensbereiche absichern: Privates, Beruf, Verkehr sowie Miete und Immobilien.

Der Vorteil einer Rechtsschutzversicherung ist, dass Versicherte nicht für Leistungen bezahlen müssen, die sie nicht brauchen.

Der Nachteil ist, dass alles was nicht im Vertrag eingeschlossen ist, auch nicht bezahlt wird. Gibt es etwa Streit mit dem Chef um den Arbeitsvertrag und der Kunde hat ausschließlich Verkehrsrechtsschutz vereinbart, springt die Versicherung nicht ein. Wenn man als Familie oder Paar zusammenlebt, braucht man nur einen Vertrag. Auch erwachsene, unverheiratete Kinder sind in Familientarifen mitversichert. Einige Tarife schließen auch weitere im Haushalt lebende Familienmitglieder ein.

Kosten, die die Rechtsschutzversicherung in der Regel übernimmt:

  • Anwaltskosten im Rahmen der gesetzlichen Gebührenordnung
  • Gerichtskosten sowie Kosten für Gerichtsvollzieher
  • Kosten für Zeugen und Sachverständige
  • Kosten für Verwaltungsverfahren (Widerspruch, Einspruch)
  • Kosten der Gegenseite, sofern der Versicherte zu deren Erstattung verpflichtet ist
  • Stellung einer Kaution bei Strafsachen
  • Ausland: Kosten für Übersetzungen von Unterlagen und Stellung einer Kaution in Strafsachen

Es gibt einige Situationen, in denen eine Rechtsschutzversicherung nützlich ist. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen kein Rechtsschutz besteht.

Am häufigsten kommen Leistungsausschlüsse in folgenden Fällen vor:

  • Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Spekulationsgeschäften
  • Spiel- und Wettverträge
  • Abwehr von Schadensersatzansprüchen
  • Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Baumaßnahmen (Baurisikoausschluss)
  • Auseinandersetzungen mit dem Rechtsschutzversicherer
  • Kosten für das Gerichtsverfahren bei einer Scheidung
  • Nachlass-Streitigkeiten beim Erbe

Der Versicherer prüft die Erfolgsaussichten einer Rechtsverfolgung. Sollte ihm die Erfolgsaussichten als zu gering erscheinen, kann er die Kostenübernahme ablehnen. Der Rechtsschutz kann auch verweigert werden, wenn dem Versicherten schuldhaftes Handeln zur Last gelegt wird.

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Damit man im Ernstfall nicht von etwaigen Leistungsausschlüssen überrascht wird, empfiehlt es sich, die Vertragsbedingungen genau zulesen und verschiedene Anbieter einer Rechtsschutzversicherung miteinander zu vergleichen.

Wenn die Versicherung bestätigt, dass diese für den Rechtsstreit zahlt, übernimmt sie in aller Regel neben den notwendigen Anwaltskosten auch andere anfallende Kosten. Grundsätzlich werden jedoch Geldstrafen oder Bußgelder des Versicherten nicht von der Versicherung beglichen.

Rechtsschutzversicherung: Kosten nach verlorenem Rechtsstreit

Was ist eine private Rechtsschutzversicherung?

Bei einer privaten Rechtsschutzversicherung handelt es sich um einen privatrechtlichen Versicherungsvertrag, durch den der Versicherer sich verpflichtet, vereinbarte Leistungen zu erbringen und Kosten zu übernehmen, die durch das Eintreten rechtlicher Interessen entstehen. Grundsätzlich schließt man eine Rechtsschutzversicherung ab, damit diese im Falle einer rechtlichen Streitsituation für die damit verbundenen Kosten aufkommt.

Wenn eine Streitigkeit bis vor Gericht getragen wird und erst dort entschieden werden kann, muss man folglich nicht alles selbst bezahlen, sondern hat einen Anspruch darauf, dass die Rechtsschutzversicherung dies abdeckt.

Der Privatrechtsschutz schützt bei Rechtsstreitigkeiten als Privatperson.

Üblicherweise sind folgende Leistungsarten enthalten:

  • Vertrags- und Sachenrecht
  • Sozial-, Verwaltungs- und Steuerrecht
  • Strafrecht
  • Opferrechtsschutz
  • Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche
  • Beratung im Familien-, Lebenspartnerschafts- und Erbrecht
  • Rechtsschutz bei Ordnungswidrigkeiten

Die private Rechtsschutzversicherung hilft bei Rechtsfällen im privaten Bereich. Sie unterstützt den Versicherungsnehmer bei Streitfällen des Alltags. Dazu gehört etwa der große Bereich des Vertragsrechts und des Steuerrechts.

Im Unterschied zum privaten Rechtsschutz, gibt es noch den Berufsrechtsschutz, Verkehrsrechtsschutz und den Mietrechtsschutz.

Die nicht privaten Rechtsschutzarten regeln folgende Bereiche:

  • Berufsrechtsschutz: Arbeitsrecht, Disziplinarrecht, Standesrecht
  • Verkehrsrechtsschutz: Verwaltungsrecht in Verkehrssachen, Strafrecht, Sozialrecht
  • Mietrechtsschutz: Wohnungsrecht, Grundstücksrecht, Steuerrecht, Ordnungswidrigkeiten

Rechtsschutzversicherung: Pro & Contra

Eine Rechtsschutzversicherung ist eine der am häufigsten nachgefragten Policen. Zu ihren Leistungen zählt mehr als nur die reine Übernahme für Anwaltskosten. Eine gute Rechtsschutzversicherung zahlt neben den üblichen Kosten außerdem notwendige Gutachten und Gerichtskosten. In einigen Policen ist auch die Zahlung einer Kaution im Falle einer Verhaftung vorgesehen.

Für viele Versicherte ist die Sicherheit eines anwaltlichen Rates wichtig, den sie sich im Zweifelsfall telefonisch holen können. Viele Versicherungsgesellschaften sind dazu übergegangen, ihre Rechtsschutzversicherungen auch mit einer Telefonhotline auszustatten. Dies gibt den Versicherten sofortige Auskunft ohne einen Termin beim Anwalt vereinbaren zu müssen. Dies ist kundenfreundlich und auch wirtschaftlich, denn im Ernstfall sparen die Gesellschaften viel Geld.

Die Kostenübernahme bei Streitigkeiten für Anwälte, Sachverständige und das Gericht ist der wesentliche Vorteil einer Rechtsschutzversicherung.

Vorteile einer Rechtsschutzversicherung:

  • Schutz vor horrenden Anwalt- und Gerichtskosten
  • Kostenlose telefonische Beratung
  • Freie Anwaltswahl
  • Optionale Versicherungssumme im Ausland
  • Vermittlung von Fachanwälten

Zu den Vorteilen zählt, dass eine kostenlose Rechtsberatung auch dann erfolgt, wenn die Versicherten für das betroffene Rechtsgebiet nicht versichert sind.

Ein Nachteil ist die vereinbarte Wartezeit in einigen Rechtsschutzversicherungen. Nicht betroffen ist unter anderem der Verkehrsrechtsschutz. Vorversicherungszeiten und bestimmte Rechtsgebiete können jedoch zu einer Ausnahme führen.

Nachteile einer Rechtsschutzversicherung:

  • Teilweise hohe Beiträge
  • Nicht alle Streitfälle werden uneingeschränkt übernommen
  • Zahlungsverzicht bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit

Wie kündigt man eine Rechtsschutzversicherung?

Die ordentliche Kündigungsfrist einer Rechtsschutzversicherung beträgt in der Regel drei Monate. Häufig haben die Verträge eine Laufzeit von einem Jahr. Versicherte können die Police bis spätestens drei Monate vor Ende derLaufzeit kündigen.

Einige Rechtsschutzverträge haben aber auch längere Laufzeiten. Längere Verträge können Kunden zum Ablauf des letzten Vertragsjahres kündigen. Bei Verträgen über fünf Jahre ist die Kündigung schon eher möglich, meist frühestens zum Ende des dritten Jahres. Sogenannte „Kündigungsdienste” können helfen, die Frist für eine rechtzeitige Kündigung nicht zu verpassen.

Nicht immer müssen sich Versicherte an die reguläre Kündigungsfrist halten. Unter bestimmten Voraussetzungen hat man ein Sonderkündigungsrecht für die Rechtsschutzversicherung.

Das Sonderkündigungsrecht gilt in folgenden Fällen:

  • Der Anbieter zahlt nicht

Lehnt die Versicherung die Kostenübernahme für einen Rechtsstreit ab, obwohl sie vertraglich dazu verpflichtet wäre, kann der Versicherte innerhalb eines Monats kündigen. Alternativ können sich Kunden an den Versicherungsombudsmann wenden und ihn bitten, die Angelegenheit zu klären. Dies ist für Verbraucher kostenlos.

  • Beitragserhöhung

Erhöht der Anbieter den Beitrag, ohne die Leistung der Rechtsschutzpolice zu verbessern, darf der Versicherte innerhalb eines Monats kündigen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, an dem er die Information über die Beitragserhöhung erhalten hat. Kündigen kann man dann mit sofortiger Wirkung. Jedoch nicht vor dem Zeitpunkt, ab dem die Beitragserhöhung gilt.

  • Risikowegfall

Fällt das versicherte Risiko weg, können Kunden den Vertrag mit sofortiger Wirkung beenden. Möglich ist das, wenn der Versicherte beispielsweise sein Auto abmeldet und deshalb keinen Verkehrsrechtsschutz mehr braucht, oder bei einem Berufsrechtsschutz nach dem Eintritt in die Rente, da dieser dann nicht mehr notwendig ist.

  • Veränderte Gefahrenumstände

Nach dem Abschluss der Rechtsschutzversicherung können Umstände dazu führen, dass die Versicherung ein erhöhtes Risiko für Rechtsstreitigkeiten befürchtet. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der Versicherte sich zu seinem Auto zusätzlich ein Motorrad anschafft. In solchen Fällen darf der Anbieter den Beitrag erhöhen. Ein Sonderkündigungsrecht hat der Kunde dann, wenn der Beitrag um mehr als 10 % steigt oder der Anbieter es ablehnt, die erhöhte Gefahr zu versichern.

Um das Sonderkündigungsrecht zu nutzen, hat man unterschiedliche Möglichkeiten. Entweder man kündigt mit sofortiger Wirkung oder legt fest, dass die Kündigung zu einem späteren Zeitpunkt in Kraft treten soll, spätestens zum Ende des laufenden Versicherungsjahres. Letzteres kann für die Suche nach einem neuen Anbieter sinnvoll sein, um Zeit zu gewinnen. So kann man in Ruhe die Leistungen des alten Vertrages mit Policen des neuen Anbieters vergleichen. Um einen lückenlosen Versicherungsschutz sicherzustellen, sollte der neue Vertrag beginnen, sobald der alte endet.

Tipp:

Man sollte sich rechtzeitig um einen neuen Vertrag kümmern, falls man die Versicherung wechseln will. Nur wenn der neue Vertrag ohne einen Tag Unterbrechung an den alten anschließt, entfällt die übliche Wartezeit.

Nicht nur Kunden dürfen eine Rechtsschutzversicherung kündigen. Auch der Versicherer kann den Vertrag regulär zum Ende des Versicherungsjahres beenden oder ebenfalls ein Sonderkündigungsrecht nutzen.

Ein Sonderkündigungsrecht hat der Versicherer in folgenden Fällen:

  • Nach einem Versicherungsfall: Falls ein Kunde innerhalb von zwölf Monaten mindestens zwei Schäden meldet, für die Versicherungsschutz besteht, können sowohl Versicherung als auch Kunde den Vertrag beenden. Nachdem der Rechtsschutzanbieter die Deckungszusage für den zweiten Schaden erteilt hat, haben beide Seiten einen Monat Zeit, um zu kündigen.
  • Zahlungsverzug: Zahlt der Versicherte auch nach Aufforderung seine Beiträge nicht, kann der Anbieter fristlos kündigen.

Wird man als Versicherungsnehmer gekündigt, ist man vier Wochen nachdem man das Schreiben erhalten hat, nicht mehr versichert. Sobald die Kündigung wirksam wird, müssen keine Beiträge mehr bezahlt werden.

Fazit

Für viele Menschen ist der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung wichtig. Sie haben Angst, die hohen Kosten eines Rechtsstreits tragen zu müssen und deswegen eventuell nicht zu ihrem Recht zu kommen. Der Abschluss einer solchen Police muss sehr gut durchdacht sein. Viele Risiken werden in den Policen ausgeschlossen und es bestehen häufig Wartezeiten, bis die Versicherung auch einen Schaden wirklich abdeckt.

Bei den Ausschlüssen handelt es sich um Schäden, durch welche die Prämie einer solchen Versicherung in die Höhe gehen würde. Aus diesem Grund sind solche Rechtsschwierigkeiten oft von der Erstattung ausgenommen. So bleibt die Versicherungspolice soll für den Verbraucher bezahlbar. Trotzdem kann üblicherweise jedes Risiko im Rahmen einer individuellen Police versichert werden. Die Prämien für eine individuelle Versicherung sind aber meist sehr hoch, sodass diese kaum nachgefragt werden.

Verkauft werden meistens fertige Pakete, in denen die wichtigsten Punkte mit den häufigsten Fällen abgesichert werden. Dazu gehören Berufsrechtsschutz und Verkehrsrechtsschutz. Sehr häufig findet man hier auch Rechtsschutz in Unterhalts- oder Ehesachen.

Wenn man also einen Abschluss einer Rechtsschutzversicherung in Erwägung zieht, ist es primär wichtig, sich zu überlegen, was in welchem Rahmen versichert werden soll.


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Oliver Mest
Von: Oliver Mest. Über den Autor

Als gelernter Jurist und Versicherungsmakler ist die direkte Kundenberatung das Geschäft von Oliver Mest. Als Fachautor für Steuer- und Versicherungsthemen vermittelt er kompaktes Wissen auch ohne persönliche Beratung für jede Zielgruppe passgenau und leicht verständlich. Als Chefredakteur des Vorsorgeportals www.optimal-absichern.de ist er zudem im Internet mit Vorsorge- und Finanzthemen auf einer eigenen, erfolgreichen Plattform präsent.