Riester Rente – Vorteile & Nachteile

Sparschwein Frau Hand – Syda Productions – shutterstock_316713254

Der Abschluss einer Riester-Rente lohnt sich für viele, aber nicht für jeden. Das sind Ihre Vor- und Nachteile. (Foto: Syda Productions / Shutterstock.com)

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Alles über Vor- & Nachteile der Riester-Rente

Definition: Privat finanzierte Altersvorsorge bzw Rentenversicherung als Ergänzung zur gesetzlichen Rente

Namensgeber: Walter Riester, ehemaliger Bundesarbeits- & Sozialminister

Formen: Riester-Vertrag, Fonds-gebundene Riester-Rente, Riester-Fondsparplan, Riester-Banksparplan, Wohn-Riester

Berechnung: 4 % vom Einkommen abzüglich Zulagen = Eigenanteil

Vorteile: Hohe Förderung für bestimmte Einleger-Gruppen, attraktive Vergünstigungen

Nachteile: Steuerlast, geringe Flexibilität, hohe Lebenserwartung führt zu konservativ-niedrigen Monatsbeträgen


Definition: Was ist die Riester-Rente?

Bei der Riester-Rente handelt es sich um eine privat finanzierte Rentenvorsorge, die vom Staat finanziell unterstützt wird und steuerliche Vergünstigungen bietet. Ziel ist es, dass die Riester-Rente neben der gesetzlichen Rente existiert und die Gesamtrente letztlich erhöht. Dabei werden laut Riester-Vertrag 4 % des Bruttojahreseinkommens als Eigenanteil des Beschäftigten eingezahlt. Bei Erreichen des Renteneinstiegsalters erhält der Versicherte lebenslang eine monatliche Rente.

Statistiker zählen über 16 Millionen abgeschlossene Riester-Verträge in Deutschland, was durchaus für ein beliebtes Modell spricht. Doch was ist dran an der großen Kritik und was ist mit den Vorteilen, die noch immer rund um die Riester-Rente angepriesen werden? Dieser Artikel soll eine Grundlage bilden und sowohl die Basis der privaten Rentenvorsorge erklären als auch die Vor- und Nachteile zusammenfassen, die das Modell bietet, welches nun schon über 15 Jahre die staatliche Rentenvorsorge unterstützt.

Wie funktioniert die Riester-Rente?

Die Riester-Rente wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen, der BaFin, in Form von Sparprodukten zertifiziert, die staatlich gefördert werden. Dadurch ist gewährleistet, dass das angelegte Guthaben sicher ist und der Versicherte seine Sparsumme im Alter zuzüglich der staatlichen Zulagen vollständig zurück erhält. Die Höhe der Förderung ist von der Höhe der Beiträge abhängig, die sich wie oben beschrieben an dem Jahreseinkommen bemisst. Gleichzeitig können die Beiträge steuerlich abgesetzt werden, was zu weiteren finanziellen Vorteilen führt.

Staatliche Förderung Riester Rente

Die Riester-Rente läuft mindestens bis zum 62. Lebensjahr (60 bei Verträgen, die vor 2011 abgeschlossen wurden) und wird anschließend nach der Ansparphase ausgezahlt. Dieses Rentengeld muss allerdingsim Alter versteuert werden, wodurch nicht die gesamte angesammelte Summe des Guthabens erstattet wird. Gleichzeitig kommen Verwaltungsgebühren während der Ansparphase bzw. Laufzeit auf den Versicherten zu. Dennoch kann sich die Riester-Rente lohnen, sie muss nur im Einzelfall berechnet, geplant und auf Sinnhaftigkeit überprüft werden.

Riester-Rente Vorteile: Staatliche Förderung

Die Riester-Rente lohnt sich nicht immer, dennoch gibt es Fälle, in denen ein Vertragsabschluss sehr vorteilhaft als Rentenversicherung für die zukünftige Altersvorsorge ist. Besonders beiFamilien mit jungen Kindern, bei denen nur ein Ehepartner berufstätig ist, kommt die Riesterrente einem großen Hilfspaket gleich. Gleiches gilt für junge Berufseinsteiger, die vor der Vollendung des 25. Lebensjahr einen Riester-Vertrag abschließen, sowie für Vielverdiener mit Einkommen über 60.000 €.

Zudem kann mit Wohnriester flexibel der Eigenheimbau oder -kauf unterstützt werden. Aber auch hier gilt: Vorher muss das Konzept mit einem Experten durchgerechnet und auf Rendite überprüft werden.

Hohe staatliche Förderung der Riester-Rente

Im Grunde ist die Riester-Rente ein durchaus lohnenswertes Finanzprodukt. Bei keinem anderen Modell kann stärker von staatlicher Unterstützung profitiert werden. Gleichzeitig ist die private Rentenvorsorge ein interessantes und profitables Geschäft für die Anbieter, die sich durch Provisionen Rendite erwirtschaften können. Dies geht allerdings in einigen Fällen zu Lasten der Rendite der Sparer, die deshalb gut zwischen verschiedenen Angeboten vergleichen müssen.

Die staatliche Förderquote unterscheidet sich je nach Fall enorm. Während ein alleinlebender Vielverdiener ohne Kinder mit 50.000 € Bruttojahresgehalt 2.000 € anlegen muss, um die Grundförderung von 175 € zu erhalten (8,75 % Förderquote) müsste ein arbeitsuchender oder nicht-sozialversicherungspflichtiger, alleinerziehender Vater mit zwei kleinen Kindern nur 60 € im Jahr bezahlen und würde dafür 775 € Förderung erhalten. Das entspricht einer Förderquote von ca. 93 %.

Hinweis

Gerade Vielverdiener ohne Kinder profitieren zwar weniger von der staatlichen Förderung, dafür aber umso mehr bei den Steuervorteilen der Riester-Rente.

Beitragsgarantie & stabile Rente

Ein großer Vorteil der Riester-Rente, der sogar gesetzlich vorgeschrieben ist, ist die sogenannte Beitragsgarantie. Diese besagt, dass immer mindestens die investierten Einlagen des Riester-Sparers am Ende ausgezahlt werden müssen. Das heißt, egal wo geriestert wird, es kann nicht zu einem negativen Geschäft kommen, zumindest was die Gesamtsumme der Einzahlungen des Guthabens, abzüglich aller Gebühren, angeht.

Wie zuvor schon erwähnt, heißt dies aber nicht, dass die Riester-Rente immer eine positive Rendite abwirft. Gebühren und Inflation können dafür sorgen, dass am Ende weniger Wert bleibt, als über Jahre hineingesteckt wurde. Dennoch: Die Beitragsgarantie und einer sicheren, stabilen Rente bis ans Lebensende können sich die Einleger sicher sein.

Freibetrag der Grundsicherung

Bezüglich der Grundsicherung im Alter gibt es seit Anfang 2018 gute Neuigkeiten, denn alle Rentner, die nur eine kleine Rente erhalten, dürfen nun100 € im Monat aus einer freiwilligen Altersvorsorge (beispielsweise der Riester-Rente) erhalten, ohne, dass dadurch die staatliche Hilfe gekürzt wird. Aber auch ein höherer Freibetrag ist möglich. Maximal die Hälfte des Eckregelsatzes, des per Gesetz für die Sicherung des Lebensunterhaltes festgesetzte notwendige Betrag für einen Erwachsenen, darf ohne Abzüge einbehalten werden. Dieser verändert sich von Jahr zu Jahr.

Abschaffung der Doppelverbeitragung seit 2018

Seit einiger Zeit setzt sich die SPD zudem für die Lösung eines Problems ein, welches sie selbst verursacht hat. 2003 hatte die rot-grüne Regierung beschlossen, die gesetzlichen Krankenkassen finanziell zu unterstützen, indem Rentner ab sofort für ihre betriebliche Krankenversicherung den vollen Beitrag bezahlen müssen. Dies führt seitdem teilweise zu einer doppelten Belastung der Beitragszahler. Diese Doppelverbeitragung soll nun ein Ende haben, zumindest setzt sich die Partei seit 2018 für dieses Ziel ein.

Weitere Vorteile der Riester-Rente

  • Schutz vor Pfändung: Alle Einzahlungen bis zum Mindesteigenbeitrag können nicht gepfändet werden.
  • Sozialleistungen: Das Riester-Kapital ist auch beim Erhalt von Hartz-IV & Co. geschützt.
  • Steuervergünstigungen: Auch Vielverdiener können von der Riester-Rente profitieren, denn sie können viele Steuern sparen.

Nachteile der Riester-Rente: steuerpflichtig & schwer kündbar

Auf der anderen Seite lassen sich natürlich auch diverse Nachteile der Riester-Rente als Rentenversicherung finden. Häufig sind die Vor- und Nachteile stark miteinander verwoben und bedingen sich gegenseitig. Im folgenden Abschnitt geht es um die wichtigsten kritischen Aspekte, die jeder Anleger beachten sollte, bevor er sich dazu entschließt, einen Riester-Vertrag zu unterschreiben.

Kann man sich die Riester-Rente auszahlen lassen?

Eine Frage, die in Beratungsgesprächen bereits früh gestellt wird, ist die nach der Möglichkeit einer Auszahlung zum beliebigen Zeitpunkt und nicht erst zum Rentenbeginn. Im Grunde lässt sich jeder Riester-Vertrag jederzeit wieder auflösen, schließlich handelt es sich um das Geld des Versicherten. Allerdings ist dabei mit großen Nachteilen zu rechnen, denn in den meisten Fällen resultiert die Aktion in der Verpflichtung alle Zinsen und Zulagen wieder zurückzuzahlen. Nach vielen Jahren des Sparens ist dies in kaum einem Fall gerechtfertigt.

Abgesehen davon gibt es natürlich auch die Möglichkeit, bei Eintritt ins Rentenalter 30 % der Rentensumme als Paket auszahlen zu lassen, allerdings vollständig versteuert. 70 % der Einlagen verbleiben dann als lebenslange Rente.

Riester-Rente Änderung: Was ist die Fünftelregelung?

Unter Umständen kann es zu der Situation kommen, dass die errechnete jährliche Rente unterhalb von 1 % des Bezugswertes eines Jahres liegt. Dieser Wert wird jährlich festgelegt und steigt immer weiter an. Im Jahr 2018 lag er bei 36.540 €, das entspricht einer zu erwartenden Monatsrente von knapp über 30 €. Eine derart niedrige Riester-Rente wird als Kleinstbetragsrente bezeichnet.

In einem solchen Fall darf sich der Anleger die Riester-Rente auch vollständig als Einmalzahlung oder gestückelt über mehrere Jahre auszahlen lassen. Laut §18 des Sozialgesetzbuches (SGB) IV ist dies festgeschrieben. Das ist grundsätzlich kein Nachteil, allerdings muss auch dieser Auszahlungsbetrag versteuert werden, wodurch der bereits verhältnismäßig kleine Betrag noch mal reduziert wird.

Hinweis

Der Name Fünftelregelung kommt daher, dass eine einmalige Einnahme steuerlich behandelt wird, als erfolge sie über fünf Jahre verteilt.

Aufgrund einer Änderung der Bestimmungen im Jahr 2018 wurde diese Steuerverpflichtung zwar reduziert, allerdings auch nur für eine Einmalauszahlung des gesamten Rentenbetrags. Unter Umständen möchte ein Versicherter den Betrag allerdings dennoch jährlich stückeln. In diesem Fall fallen weiterhin höhere Steuern an.

Ist eine Riester-Rente vererbbar?

Eine Riesterrente ist grundsätzlich vererbbar. Allerdings darf nur der nicht-geschiedene Ehepartner des verstorbenen Sparers die Rente übernehmen. Alle anderen Erben müssen die staatliche Förderung zurückzahlen und den Gesamtbetrag versteuern. Dies kann die Höhe, der meist sowieso nicht besonders hohen Riester-Rente signifikant reduzieren.

Nach dem 85. Geburtstag des ursprünglich Versicherten ist ein Vererben der Rente in der Regel nur noch möglich, wenn dies im Riester-Vertrag entsprechend festgelegt ist. Das ist allerdings wiederum mit Zusatzgebühren verbunden, die die Riester-Rente drücken.

Kann eine Riester-Rente gekündigt werden?

Wer eine Riester-Rente kündigt, muss mit starken Verlusten rechnen. Nicht nur müssen bereits erhaltene Förderungen zurückgezahlt werden, auch die bereits getätigten Kosten für die Verwaltung sowie den Abschluss des Riester-Vertrags können nicht mehr kompensiert werden. Teilweise kostet die Auflösung selbst ebenfalls eine unangenehme Gebühr. In jedem Fall ist die Kündigung eines Riester-Vertrags in der Ansparphase keine lohnenswerte Idee, die nur in äußersten Notfällen in Erwägung gezogen werden sollte. Besser ist es, den Riester-Vertrag einfach ruhen zu lassen und die Beiträge auf ein Minimum zu reduzieren.

Folgen der Riester Renten Kündigung

Die Rolle der Lebenserwartung bei der Riester-Rente

Ein wichtiger Punkt, um die Riester-Rente vollständig zu verstehen, ist die Kalkulation der Lebenserwartung der Anleger. Da die Rente garantiert bis zum Lebensende ausgezahlt wird, könnte diese den Anbieter teuer zu stehen kommen, wenn der Versicherte ein hohes Alter erreicht. Tatsächlich kalkulieren viele Anbieter die Lebenserwartung der Riester-Anleger sehr großzügig. Das hat zur Folge, dass die monatliche Rente sinkt. Wer das errechnete Alter nicht erreicht, verliert also angespartes Geld.

Hinweis

Riester-Anbieter kalkulieren oftmals mit einer Lebenserwartung von über 80 Jahren. Das ist eine hohe Schätzung.

Kostenfallen bei Riester-Rente vermeiden

Insgesamt ist es wichtig, dass bereits bei Abschluss der Riester-Rente das richtige Paket gewählt wird. Eine umfassende Beratung ist dafür unerlässlich. Viele Ratgeber im Internet versprechen schnell viele Infos und den richtigen Überblick. Die beste Hilfe ist allerdings die, bei der auch individuelle Fragen direkt beantwortet werden können. Dies ist nur bei einem realen Berater möglich, der über alle Tricks und Fallstricke der Riester-Rente aufklären kann.

Besonders bei den Abschlusskosten ist es wichtig, diverse Angebote zu vergleichen, denn die Gebühren sind je nach Anbieter stark unterschiedlich. Zugleich lohnt es sich, sich darüber im Klaren zu sein, wie man sein Geld zu welchem Zeitpunkt in seinem Leben einsetzen möchte. Dies muss nicht auf den Euro genau geschehen, das wäre auch kaum möglich, stattdessen sollte ein entsprechendes Bewusstsein entwickelt werden. So können eventuelle Kostenfallen bei der Riester-Rente erfolgreich vermieden werden.

Riester-Rente: Viele Vorteile & nicht zu vernachlässigende Nachteile

Zusammengefasst finden sich in der folgenden Tabelle die wichtigsten Vor- und Nachteile der Riester-Rente:

VorteileNachteile
Hohe Förderungsquoten für einige ZielgruppenTeilweise kaum lohnend, Monatsbeträge stark durch hoch kalkulierte Lebenserwartung gedrückt, teils teuer
Gesetzlich garantierte Rentenzahlung (= Einzahlungen)Steuerpflichtig und inflationsabhängig
Vor Insolvenz und Pfändung geschütztNur mit großen Nachteilen kündbar

In Anbetracht dieser Vor- und Nachteile bleibt es wichtig und unerlässlich, unterschiedliche Tests und Vergleiche verschiedener Anbieter zurate zu ziehen, um das jeweils passendste Angebot herauszufiltern, welches nicht nur die Konditionen betrachtet, sondern gleichzeitig auch die größten Rendite-Aussichten vergleicht. Ansonsten kann und wird sich das Riestern nicht lohnen.

Welche Formen der Riester-Rente gibt es?

Es gibt unterschiedliche Arten des der privaten Altersvorsorge. Zum einen gibt es die klassischen Riester-Verträge, welche die beliebteste und häufigste Art der Riester-Rente darstellen. Darüber hinaus gibt es allerdings auch andere Riester-Modelle, darunter die fonds-gebundene Riester-Rente sowie den Riester-Fonds– und Banksparplan und das Wohn-Riester. Je nach Riester-Form gelten unterschiedliche Voraussetzungen, die den Plan lohnenswert machen können. Im Folgenden werden die einzelnen Riester-Formen genauer vorgestellt.

Riester-FormBeschreibung
Riester-VertragDie klassische Riester-Rente bringt alle Vor- und Nachteile des Konzeptes mit sich. Auf der einen Seite ist bereits bei Vertragsabschluss die garantierte Höhe der Altersvorsorge klar (die Summe der Einzahlungen), auf der anderen Seite machen die Versicherten in Zeiten von niedrigen Zinsen kaum Gewinne.
Fonds-gebundene Riester-RenteBei einer spekulativeren Variante der Riester-Rente wird nur die eingezahlte Sparsumme garantiert. Dafür wird die Summe allerdings in einem Fonds investiert und kann erhöht werden. Dies ist vom Aktienmarkt abhängig.
Riester-FondsparplanDer Fondssparplan ist der Fonds-gebundenen Riester-Rente ähnlich, bringt aber einige Besonderheiten mit sich. So muss ein Depotkonto angelegt werden, das zusätzliche Kosten verursacht. Dafür sind die Kosten des Sparplans selbst niedriger. Der Riester-Fondssparplan rechnet sich nur in wenigen Fällen bei Privatpersonen.
Riester-BanksparplanDer Riester-Banksparplan ist eine Art vergünstigter Riester-Vertrag, der allerdings nur noch von wenigen Banken angeboten wird. Auch hier schwankt die Verzinsung stark.
Wohn-RiesterDas Wohn-Riester lohnt sich ausschließlich für Menschen, die ihre eigene Wohn-Immobilie finanzieren wollen. Die Voraussetzung ist, dass das Haus für eine gewisse Zeit nicht verkauft werden darf.

Auszahlung der Riester-Rente

Es ist wichtig, dass die Beiträge immer mindestens 4 % des Bruttojahresgehalts entsprechen, damit die Förderung zu 100 % ausgezahlt wird. Daher muss der Vertrag dauerhaft im Blick gehalten werden, denn jeder Stellenwechsel und jede Gehaltserhöhung muss eine Anpassung nach sich ziehen. Gleichzeitig gibt es einen Mindestbeitrag von 60 € im Jahr .

Zum Zeitpunkt des Rentenbeginns erfolgt die Auszahlung der angesparten Summe im monatlichen Rhythmus bis ans Lebensende. Dabei fallen Steuern entsprechend der sogenannten nachgelagerten Besteuerung an, die allerdings von dem Einkommen des Rentners abhängig sind und demnach meist gering ausfallen.

Bezüglich der Höhe der Auszahlung der Riester-Rente gibt es zwei Alternativen:

  • Monatliche Auszahlung der Rente
  • Sofortige Auszahlung von 30 % (bzw. 20 % bei älteren Verträgen). Der Betrag wird dabei allerdings voll versteuert.

Die Auszahlung läuft bis zum Lebensende, dies ist vertraglich abgesichert und garantiert. In einigen Fällen gibt es aber auch Mindestgarantiezeiten, bei denen die Rente beispielsweise im Falle eines frühen Todes des Versicherten an die Verbliebenen weitergezahlt wird. Dies ist vertragsabhängig und nicht immer ratsam, denn es wirkt sich auf die Höhe der Rente aus.

Entstehung der Riester-Rente

Als die Rot-Grüne-Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 2002 die Rentenreform einführte, wurde das Rentenniveau erheblich gekürzt, um die Bezahlbarkeit des staatlichen Rentensystems zu gewährleisten. In der Folge musste ein Ausgleich und Anreiz geschaffen werden, dass private Arbeitnehmer ihre Rente durch eine private Altersvorsoge aufstocken können. In diesem Zusammenhang wurde die Riester-Rente als Ergänzung der gesetzlichen Rentenversicherung begründet.

Der Name Riester entstammt dabei dem damaligen Bundesarbeits- und Sozialminister Walter Riester, der das Modell auf den Weg gebracht hatte. Schon damals war das Konzept der privaten Rente nicht unumstritten. Bereits zwei Jahre vor der Einführung kritisierte Winfried Schmähl, der Vorsitzende des Sozialbeirates – ein sozialpolitisches Beratungsgremium, welches dem Arbeitsministerium zugehört – die Riester-Rente als ein Mittel um dieInteressen der Finanzwirtschaft durchzusetzen. In der Folge wurde er von Riester durch Bert Rürup ersetzt.

Hinweis

Selbstständige, die nicht Riester-berechtigt sind, können auch mit der sogenannten Rürup-Rente vorsorgen. Hierbei handelt es sich um ein alternatives privates Renten-Modell zur Altersvorsorge.

Doch auch danach wurden die kritischen Stimmen nicht stumm. Nach drei Monaten hatten erst 1,5 Millionen Menschen die Riester-Rente abgeschlossen, sie galt als unnötig bürokratisch und schwierig zu durchschauen. In den Folgejahren kam es zu verschiedenen Reformen der Reform, die viele Verbesserungen brachten und die Riester-Rente deutlich zugänglicher machten. Zum einen gehören dazu weniger Verpflichtungen, zum anderen wurden die Tarifbedingungen für Männer und Frauen vereinheitlicht, sodass es keine Geschlechtsunterschiede mehr in der Beitragshöhe gibt.

Neueste Änderungen seit dem 01.01.2018:

  • Höhere Zulagen
  • Kürzere Fristen für Beamte, die Einwilligung zur Weitergabe ihrer Einkommensdaten zu erteilen
  • Weniger Steuern für niedrige Renten
  • Freibetrage für die Grundsicherung im Alter
  • Den Entfall von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen für betriebliche Riester-Renten in der Auszahlungsphase

Riester-Rente Berechnung: staatliche Zulagen ausschöpfen

Um die Riester-Rente im Vorfeld berechnen zu können und zu kontrollieren, ob sich ein Vertrag lohnt, müssen einige Angaben gemacht werden.

Angaben zur Berechnung der Riester-Rente:

  • Beruflicher Status: Nicht jeder ist förderungsberechtigt, daher muss der Beruf kontrolliert werden.
  • Bruttojahreseinkommen: Das Einkommen ist die Grundlage für die Höhe der Riester-Rente. Daher ist die Angabe des Gehalts notwendig.
  • Anzahl an Kindern: Je größer die Familie, desto größer die staatliche Förderung der Riester-Rente. Jedes Kind, das nach 2007 geboren ist, bringt einen Betrag von 300 €, ältere Kinder bis maximal 25 Jahre bringen 185 € an Zulagen.
  • Familienstand: Steuerlich macht es einen Unterschied, ob man verheiratet oder ledig ist. Somit hat auch der Familienstand einen Einfluss darauf, wie hoch die Riester-Rente ausfällt.

Wer ist zulagenberechtigt bei der Riester-Rente?

  • Arbeitnehmer, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen
  • Selbstständige, die rentenversicherungspflichtig sind
  • Beamte

Es gibt auch noch eine andere Personengruppe, die zulagenberechtigt ist. Das heißt, auch wenn man nicht in die obengenannten Berufsgruppen fällt, kann man trotzdem Riester-berechtigt sein. Dies ist der Fall, wenn der Ehepartner einen Anspruch auf Riester-Rente hat. Der Lebenspartner oder die Lebenspartnerin eines Riester-Förderberechtigten kann einen eigenständigen Riester-Vertrag abschließen. Dies muss wie jede Riester-Rente jährlich beantragt werden.

Alternativ können Versicherte auch einen Antrag stellen, der eine Dauerzulage vorsieht. Dies verpflichtet den Anbieter der Riester-Rente die jährliche Antragstellung bei der zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen zu übernehmen.

Wie hoch ist die Grundzulage der Riester-Rente?

Die Grundzulage der Riester-Rente liegt im Jahr 2019 bei175 €. Anfangs lag diese bei nur 38 € und stieg im Laufe der Jahre konstant an, zwischen 2002 und 2007 zunächst im Zweijahreswechsel um jeweils 38 €, anschließend stieg sie 2008 um 40 € und verblieb für zehn Jahre auf diesem Stand. Erst 2018 stieg sie erneut um 21 €. Gleichzeitig wurde auch die jährliche Kinderzulage stetig erhöht.

Familien profitieren von Kinder-Zulage

Die Kinderzulage gibt es bereits seit der Einführung der Riester-Rente. Anfangs lag sie bei 46 € pro Kind und stieg zusammen mit der Grundzulage alle zwei Jahre um diesen Betrag (46 €). Die Kinder-Zulage für Kinder, die seit 2008 geboren wurden, liegt bei 300 € pro Kind.

Das bedeutet, dass Riester-Renten-Versicherte stark von einer eigenen Familie profitieren können. Je mehr Kinder eine Person hat, desto mehr wird der Jahresbeitrag der Riester-Rente gedrückt. Allerdings sinkt der Vorteil wieder ab einer größeren Anzahl Kinder. Die Kinder-Zulage wird dem Kindergeldempfänger (bei verheirateten Paaren die Mutter) so lange gezahlt, wie auch Kindergeld bezogen wird, also maximal bis zum 25. Lebensjahr des Kindes.

Was ist der Berufseinsteiger-Bonus?

Es gibt noch einen weiteren Bonus, der den Abschluss von Riester-Rente schon im jungen Alter interessant machen soll. Wer den Vertrag in einem Jahr abschließt, an dessen 01. Januar er noch nicht 25 Jahre alt war und frühestens am 01. Januar 1983 geboren ist, erhält laut §84 EStG den Berufseinsteiger-Bonus. Dieser umfasst einen Aufschlag von 200 € auf die Grundzulage im ersten Jahr.

Hinweis

Wird der Mindestbeitrag für die Riester-Rente unterschritten, so wird auch der Berufseinsteiger-Bonus im gleichen Verhältnis gekürzt.

Riester-Rente für Ehepaare: Beitragsberechnung & Kosten

Bei einem Riester-Rentenvertrag einer Einzelperson gelten die Bedingungen, die bereits beschrieben wurden. Für verheiratete Paare gelten aber, wie auch schon angedeutet, etwas andere Regeln. Dort gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, wie eine Riester-Rente abgeschlossen werden kann:

Beide Ehepartner sind rentenversicherungspflichtigIn diesem Regelfall können beide Partner einen einzelnen Vertrag für die Riester-Rente abschließen, denn es liegt eine unmittelbare Zulagenberechtigung vor. Dies kann sehr einträglich sein, ist allerdings bei stark unterschiedlichen Einkommen nicht zwingend der Fall.
Ein Ehepartner ist nicht rentenversicherungspflichtigIm Fall, dass nur ein Partner rentenversicherungspflichtig ist, können trotzdem beide riestern. Dies ist eine Ausnahme von der Regel, gilt allerdings nur, solange beide verheiratet sind, in der EU, bzw. dem EWR und nicht getrennt leben. Man spricht in diesem Fall von einer mittelbaren Zulagenberechtigung. Wichtig ist, dass beide Eheleute einen eigenen Riester-Vertrag auf ihren eigenen Namen besitzen.
Ein Ehepartner ist arbeitslosAuch wenn ein Partner als Alleinverdiener fungiert, ist ein Riester-Renten-Anspruch mittelbar gegeben. Diese Konstellation ist der eigentliche Grund für die Einführung der Zulagenberechtigung über den Ehepartner, denn in diesem Fall wäre die Familie sonst überdurchschnittlich belastet, da auch im Alter nur eine gesetzliche Rente zur Verfügung steht.

Beitrag zur Riester-Rente: Berechnung & Beispiele

Der individuelle Mindestbeitrag für die Riester-Rente, auch Sockelbeitrag genannt, liegt bei 60 €. Das ist der Mindestbeitrag im Jahr, der nötig ist, um die Riester-Förderung zu erhalten. Dieser ist dafür da, damit der Staat verhindern kann, dass eine Person die Riester-Rente ausschließlich aus der staatlichen Förderung heraus finanziert. Stattdessen muss ein gewisser Mindestbeitrag geleistet werden. Ansonsten wird die Förderung anteilig gekürzt.

In zwei Beispielen bedeutet das:

Das verheiratete doppelt-förderungsberechtigte Ehepaar A hat ein Einkommen von jeweils 24.000 € im Jahr und zwei Kinder, die vor 2008 geboren wurden.

  • Die Riester-Förderung beträgt 2 x 175 € plus 2 x 185€ = 720 € bei einem Riester-Eigenanteil von insgesamt 1.920 € im Jahr (4 % von 2 x 24.000 €).

Das verheiratete Ehepaar B, bei dem nur der Vater berufstätig ist, hatte im letzten Jahr insgesamt ein sozialversicherungspflichtiges Einkommen von 1.200 € und vier Kinder, die nach 2008 geboren wurden.

  • Die Riester-Förderung beträgt hier 2 x 175 € plus 4 x 300 € (nur für die Mutter, außer anders beantragt) = 1.550 € bei einem theoretischen 4 %-Riester-Eigenanteil von 48 €. Dieser ist niedriger als der Sockelbeitrag, somit müssen zusätzliche 12 € gezahlt werden.

Beispiel für Riester Rente
Hinweis

Sockelbeitrag und Mindesteigenbetrag sind nicht dasselbe! Auch wer gut verdient, kann nur mit 60 € im Monat riestern. Dann wird allerdings die staatliche Förderung gekürzt.

Welche Kosten fallen bei der Riester-Rente an?

Wer sich mit Riester-Rente beschäftigt, interessiert sich ohne Frage für die Rendite, die in Form einer Altersvorsorge in größerer Höhe resultiert. Daher ist es von großer Bedeutung, dass die Kosten der privaten Altersvorsorge nicht den Nutzen übersteigen. Bei einem Riester-Rente-Vertrag entstehen die meisten Kosten am Anfang des Vertragsabschlusses und ziehen sich über die ersten Riester-Jahre sowie ans Ende, wenn die Auszahlung der Rente abgewickelt wird. Bezüglich der Rendite spielt entsprechend nicht nur die Wahl des richtigen Riester-Modells eine entscheidende Rolle, sondern auch die Laufzeit des Vertrags.

Dabei reicht es nicht, am Ende nur die Einlagen herauszubekommen. Viele Anbieter von Riester-Rente garantieren lediglich dies, allerdings lauert an dieser Stelle die Gefahr, dass der Versicherte einen Kaufkraftverlust erleidet. Durch die Inflation, die sich in den Jahren des Riesterns auf die Währung niederschlägt, ist der Betrag, der gespart wurde, am Ende hinsichtlich der Kaufkraft weniger wert, als er zu Beginn des Riester-Vertrags wert war. Daher sind insbesondere Tests und Vergleiche verschiedener Anbieter wichtig, um das Angebot herauszufiltern, das nicht nur die attraktivsten Konditionen, sondern parallel dazu auch die größten Rendite-Aussichten bietet.

Auf dem Papier liegen die Hauptkosten in den Abschlusskosten des Vertrags, die meist hoch ausfallen. Des Weiteren kommen Verwaltungskosten hinzu sowie eine Provision für den Riester-Anbieter. Schließlich müssen nach Abschluss der Einzahlungsphase die Rentenzahlungen wiederum versteuert werden. Dies ist während der Auszahlung der Rente der zweite Zeitpunkt, an dem die Rendite durch Kosten gedrückt wird. Auch wenn sich diese Kosten meist in Grenzen halten, sollten sie nicht vergessen werden, denn anders als ein gespartes Vermögen, von dem ein Rentner zehren kann, zählt die Riester-Rente als eine Einnahme.

Hinweis

Die Provision für den Riester-Anbieter liegen üblicherweise zwischen 3 und 6 % der geleisteten Eigenbeiträge. Die Spanne kann sich im Laufe der Ansparung einer Altersvorsorge durch den fehlenden Zinseszinseffekt zu riesigen Beträgen auftürmen.

Welche Steuervorteile hat man durch die Riester-Rente?

Einer der Hauptvorteile der Riester-Rente sind die Steuervorteile. Diese liegen darin, dass ein Versicherter jedes Jahr Riester-Beiträge in Höhe von maximal 2.100 € steuerlich absetzen kann. Das Finanzamt führt dann eine Günstigerprüfung durch.

Unter einer Günstigerprüfung wird verstanden, dass das Finanzamt überprüft, ob die Summe der Zulagen aus der Riester-Rente niedriger sind als die Steuerentlastung durch den Sonderausgabenabzug. Ist das der Fall, wird dem Steuerzahler die Differenz rückerstattet. Die Größe dieses Steuervorteils wird durch den jeweiligen Grenzsteuersatz definiert.

Fazit: Für wen lohnt sich die Riester-Rente?

Die Riester-Rente hat einen schlechteren Ruf als ihr gebührt. Zwar ist sie auf keinen Fall für jeden geeignet, dennoch muss anerkannt werden, dass sie das umfassendste staatliche Förderungsmittel ist, welches man finden kann. Bis zu über 93 % Förderquote kann beim Riestern erreicht werden. Das Modell eignet sich insbesondere für Geringverdiener mit Kindern sowie für Vielverdiener, die von Steuervorteilen profitieren können.

Als besonders großzügig gilt, dass Eltern mehrerer kleiner Kinder besonders viel Förderung erhalten und auch junge Berufsanfänger bei Eintritt in die Riester-Rente von starken Boni profitieren können. Darüber hinaus empfangen aufgrund einer Sonderregelung auch eigentlich nicht-förderungsqualifizierte Personen Riester-Rente, sofern ihre Ehe- oder Lebenspartner Riester-qualifiziert sind. Als größter Nachteil gelten allerdings die hohen Abschluss- und laufenden Kosten vieler Verträge. Statt der Rieser Rente sind beispielsweise ETF-Sparpläne, Fonds und Aktiensparpläne sinnvolle Alternativen für die private Vorsorge.

Banknoten – Billion Photos – shutterstock_296724287

Riester Bausparen: Steuervorteil kann interessant seinEs gibt einige Nachteile beim Riester Bausparen. Steuervorteile während der Sparphase gehören jedoch eindeutig zu den Vorzügen. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von David Gerginov. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz