So können Anleger Aktienverluste steuerlich geltend machen

Wenn es eine Weisheit am Aktienmarkt gibt, die fast jeder nachvollziehen kann und auch so ziemlich jeder selbst durchlebt hat, dann ist es: Die Börse ist keine Einbahnstraße. Will heißen, nicht immer laufen die Kurse in die gewünschte Richtung. Und dann gibt es zwangsläufig Verluste. Das ist zwar unangenehm, aber oft nicht zu vermeiden.

Dennoch steht der Anleger mit seinen Aktienverlusten nicht alleine da. Er kann diese steuerlich geltend machen – unter bestimmten Voraussetzungen und nach besonderen Regeln. Mit den roten Zahlen ersparen dann auch private Investoren einen Teil der Steuer, die ansonsten auf andere Erträge der Geldanlage angefallen wäre.

Aktienverlust steuerlich geltend machen: Wann ist das überhaupt möglich?

Wer seinen Aktienverlust beim Fiskus anerkannt bekommen möchten, sollte vor allem daran denken: Verluste mit Aktien können bei den Finanzbehörden ausschließlich mit Gewinnen aus verkauften Aktien oder Aktienfonds ausgeglichen werden. Andere Erträge am Finanzmarkt wie Dividenden, Zinsen oder Gewinne mit anderen Wertpapieren werden dagegen getrennt versteuert. Das Finanzamt wird diese nicht mit Aktienverlusten verrechnen.

Außerdem gilt: Wenn ein Anteilseigner seine Aktien trotz Kursrückgängen in seinem Depot behalten hat, können seine Verluste nicht mit anderen Gewinnen aus Aktien steuermindernd verrechnet werden. Verluste können beim Finanzamt nur dann geltend gemacht werden, wenn diese auch in der Realität mit Verlust veräußert worden sind.

Wer beim Handel mit Aktien einen Verlust erlitten hat, jedoch im selben Jahr bei der gleichen Bank keine Aktiengewinne einstreichen konnte, für den gibt es 2 Möglichkeiten. Zum einen kann er den angefallenen Verlust im folgenden Jahr mit dann erzielten Gewinnen verrechnen lassen. Zum anderen kann er bei der Bank bis spätestens 15. Dezember des betreffenden Jahres eine Verlustbescheinigung beantragen.

Diese legt er der Anlage KAP der entsprechenden Steuererklärung bei und kann auf diese Weise die Verluste bei der einen Bank mit Gewinnen bei anderen Geldinstituten vom Finanzamt verrechnen lassen.

In jedem Fall sollte der Sparerfreibetrag beachtet werden

Bei der Berechnung der Gewinne und Verluste aus Aktienverkäufen sollte in jedem Fall der Sparerfreibetrag beachtet werden. Denn wenn dieser nicht anderweitig verbraucht ist, schmälert er den Gewinn und damit die zukünftige Steuerbelastung.

Ein Beispiel: Ein Anleger verkauft ein Aktienpaket mit einem Gewinn von 1.000 €. Davon hat er 26,375 % Abgeltungsteuer inklusive Solidaritätszuschlag zu zahlen. Allerdings kann er noch 500 € aus seinem noch nicht verbrauchten Sparerfreibetrag geltend machen. Darüber hinaus ist der Anleger aus einem anderen Aktienhandel bei einer weiteren Bank ein Verlust von ebenfalls 500 € angefallen. Somit belaufen sich seine steuerlichen Verpflichtungen aus den Börsengeschäften auf 0.

16. August 2017

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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