Sparquote – Vermögen von privaten Haushalten & der Volkswirtschaft

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Wie man die Sparquote berechnen kann und was dabei zu beachten ist. (Foto: RomanR / Shutterstock.com)


Wissenswertes zur Sparquote

Definition: Relation zwischen Einkommen und Ersparnissen

Deutschland: Im internationalen Vergleich eine hohe Sparquote von ~10% (2018)

Grundlage: Individuelle Berechnung anhand einer Formel

Profil: Junge Menschen sparen im Schnitt besonders viel.

Verteilung: Menschen mit geringem Einkommen haben höhere Sparquoten.

Bewegung: Frugalisten setzen auf extreme Sparquoten einen für frühen Rentenbeginn.


Definition: Was ist die Sparquote?

Der Begriff der Sparquote kommt aus der Volkswirtschaftslehre. Er wird verwendet, um das Einkommen in Relation zu den Ersparnissen zu setzen. Die Sparquote beschreibt den prozentualen Anteil des monatlichen Einkommens, der zum Sparen, nicht zum Konsum, verwendet wird.

Innerhalb der Gesellschaft spielen unterschiedliche Sparquoten eine Rolle. Insbesondere die persönliche und die volkswirtschaftliche Sparquote sind von großem Interesse. Beide Quoten lassen sich anhand von Formeln berechnen. Bei der Berechnung der Sparquote werden sowohl Ersparnisse als auch Verschuldungen abgerechnet. Befindet sich der Saldo nach der Berechnung im negativen Bereich, spricht man von einer negativen Sparquote.

Persönliche Sparquote

Die persönliche Sparquote errechnet sich aus dem monatlich verfügbaren Haushaltseinkommen. Bei der Berechnung der Sparquote ist wichtig, dass der Betrag der Ersparnisse mit den Ausgaben ins Verhältnis gesetzt wird. Es ist nicht sinnvoll, eine Pauschale festzulegen, die als gute Quote zum Sparen angesehen wird. Die persönliche Sparquote mussindividuell ermittelt werden.

Um dies zu erreichen, teilt man den monatlich gesparten Betrag durch das zur Verfügung stehende Gesamteinkommen. Der sich daraus ergebende Wert, der zwischen null und eins liegt, wird anschließend mit 100 multipliziert. Das Ergebnis dieser Rechnung entspricht der persönlichen Sparquote in Prozent.

Formel für die persönliche Sparquote

(monatlich gesparter Betrag : verfügbares monatliches Gesamteinkommen) * 100 = Sparquote in %

Ein Beispiel: Wer bei einem Nettoeinkommen von € 1.700,00 monatlich € 100 zum Sparen auf die Seite legt, kommt laut obiger Prozentrechnung, 100 : 1700 * 100, auf eine Sparquote von rund 5,9 %.

Da es sich hierbei um eine Verhältniszahl handelt, wird ein Vergleich unterschiedlicher Sparquoten möglich. Um herauszufinden, wie weit die eigene Sparquote dem Gesamtdurchschnitt entspricht, bietet es sich an, die individuelle Quote mit der Deutschlandquote zu vergleichen. So erhält man einen besseren Gesamtüberblick über das Sparverhalten der Deutschen und kann sein eigenes Verhalten damit in Relation setzen. Die Sparquote von 5,9 % aus dem Beispiel liegt deutlich unter dem deutschlandweiten Durchschnitt, siehe unten.

Aspekte wie das Zinsniveau haben Auswirkungen auf das Sparverhalten der Menschen. Bei geringem Zinssatz ist die Motivation zu sparen deutlich geringer als bei einem hohen Zinssatz. Aspekte der Konjunktur spielen mit Blick auf das Sparverhalten ebenfalls eine große Rolle. Ist die wirtschaftliche Lage angespannt oder schwer vorhersehbar, tendiert der Mensch dazu, Geld anzulegen. Der Grund für dieses Verhalten liegt in dem menschlichen Trieb nach Sicherheit. Nicht nur nach körperlicher Sicherheit, sondern auch nach finanzieller Absicherung wird gestrebt. Scheint die wirtschaftliche Lage aber sicher zu sein, wird das Einkommen gerne in die Wirtschaft und den Konsum investiert.

Unterscheidung Privathaushalt und Gesamtwirtschaft

Ein Privathaushalt ist eine Wirtschaftseinheit, die aus mindestens einer Person besteht. Nach oben ist die Zahl unbegrenzt. Bei einem Privathaushalt mit mehreren Personen ist es meist der Fall, dass die Teilnehmer verheiratet oder verwandt sind. Dementsprechend ist hier auch die Rede von einem Mehrpersonenhaushalt. Bildet eine einzelne Person einen Privathaushalt, bezeichnet man diesen als Einpersonenhaushalt.

Unter dem Begriff der Gesamtwirtschaft versteht man die Summe aller Privathaushalte. Auch Wirtschaftssubjekte, wie Unternehmen oder der Staat selbst, bilden einen Anteil der Gesamtwirtschaft.

Volkswirtschaftliche Sparquote

Die volkswirtschaftliche Sparquote wird verwendet, um die Ersparnisse aller Wirtschaftssubjekte ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt zu setzen. Sie lässt Rückschlüsse über die Konjunktureinschätzung der Bevölkerung zu und kann bei der Fundamentalanalyse Verwendung finden.

Formel für die volkswirtschaftliche Sparquote

Ersparnisse aller Wirtschaftssubjekte : Bruttoinlandsprodukt (BIP) = volkswirtschaftliche Sparquote

Die Ersparnisse der einzelnen Wirtschaftssubjekte werden, wie oben angegeben, vom Statistischen Bundesamt zentralisiert ermittelt. Das Bruttoinlandsprodukt wird ebenso jährlich vom Statistischen Bundesamt ermittelt und publiziert.

Was ist das verfügbare Haushaltseinkommen?

Unter dem verfügbaren Haushaltseinkommen ist der Betrag des Einkommens zu verstehen, der nach Abzug der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zur Verfügung steht. Das verfügbare Haushaltseinkommen wird auch als Haushaltsnettoeinkommen bezeichnet. Es umfasst die summierten Einkünfte der gemeinsam in einem Haushalt lebenden Personen.

Zahlen & Fakten

Seit 1871 sinkt die Anzahl der Personen pro Haushalt kontinuierlich. Von 4,5 Personen im Jahr 1871 hat sie sich 2016 auf knapp unter 2 Personen pro Haushalt verringert.

Was ist die durchschnittliche Sparquote?

Die durchschnittliche Sparquote gibt an, welcher Anteil des verfügbaren Haushaltseinkommens zum Sparen zur Seite gelegt wird. Sie beschreibt den prozentualen Anteil der Ersparnisse am Bruttoinlandsprodukt (BIP), am Volkseinkommen oder dem verfügbaren Einkommen der Privathaushalte. Sie zeigt auf, wie viel Geld mit Blick auf das Volkseinkommen durchschnittlich gespart wird.

Definition der marginalen Sparquote

Die marginale Sparquote fasst Umstände wie Gehaltsveränderungen ins Auge, die eine Änderung des Sparverhaltens zur Folge haben. Sie gibt also an, in welchem Ausmaß das Sparverhalten zu- oder abnimmt, wenn das verfügbare Einkommen steigt bzw. sinkt.

Was sind Frugalisten?

Frugalisten sind Menschen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen. Diese soll durch ausschließlich bewusste Ausgaben und die damit verbundenen Investitionen ihrer finanziellen Überschüsse erreicht werden. Durch diesen Lebensstil ist es häufig möglich, weit vor dem Alter von 67 Jahren in Rente zu gehen.

Im Vordergrund steht hierbei nicht, wie man vielleicht vermuten würde, der Verzicht. Es geht den Frugalisten viel mehr um die Steigerung der Lebensqualität. Es wird berichtet, dass der bewusste Umgang mit Geld und Ressourcen das persönliche Empfinden der eigenen Lebensqualität verbessert. Die Auslegung dieser Begrifflichkeit ist sehr individuell. Was Sparen, Verzicht auf überschüssige Konsumgüter und sinnvolle Investitionen bedeutet, liegt zu weiten Teilen im Auge des Betrachters.

Natürlich gibt es beim Frugalismus, wie auch bei jeder anderen Lebensweise sehr extreme Ausprägungen. Beispielsweise gibt es Frugalisten, die in winzigen Waldhäuschen leben, um ihren Konsum und ihre Ausgaben so gering wie möglich zu halten.

Einige der typischen Ansätze der Frugalisten sind:

  • Second Hand einkaufen
  • Große Teile des Gehalts sparen (einige sparen bis zu 70 %)
  • Günstig leben
  • Verzicht auf Genussmittel

Vermögen von privaten Haushalten

Das Vermögen privater Haushalte wird aus unterschiedlichen Faktoren gebildet. Bereits viele junge Menschen investieren mittlerweile in Immobilien. Dadurch sind die zum einen nicht mehr auf Mietwohnungen angewiesen und haben zum anderen eine private Absicherung. Auch der Erwerb von Aktien ist eine von vielen Möglichkeiten, Vermögen aufzubauen.

Die Vermögensverteilung mit Blick auf Ost- und Westdeutschland

Wirft man einen Blick auf die Vermögensverteilung deutscher Haushalte, fällt auf, dass zwischen West- und Ostdeutschland große Unterschiede zu erkennen sind. Das Nettovermögen der Westdeutschen war 2017 mit durchschnittlich rund 269.000 € fast dreimal so hoch wie das der Ostdeutschen. Hier lag das Nettovermögen bei durchschnittlich rund 92.500 €.

Zu obigen Ergebnissen kam das Deutsche Institut für Altersvorsorge im Jahre 2019. Die Studie deckt sich mit Ergebnissen vorheriger Jahre. Bereits seit 2002 ist zu beobachten, dass das Nettovermögen in Westdeutschland steigt, während es zwischenzeitlich sogar in Ostdeutschland sank.

Was ist die Konsumquote?

Der Begriff der Konsumquote stellt im Grunde den Gegensatz zur Sparquote dar. Die Konsumquote zeigt den Konsum eines Haushalts, gemessen an seinem Einkommen an. Daran ist abzulesen, ob ein Haushalt tendenziell eher zum Sparen veranlagt ist, oder den Konsum bevorzugt.

Unterteilung der Konsumquote:

  • Die durchschnittliche Konsumquote erfasst den Anteil der Konsumausgaben am Einkommen.
  • Die marginale Konsumquote erfasst das Verhältnis der Änderung der Konsumausgaben zur Änderung des Einkommens.
  • Die gesamtwirtschaftliche Konsumquote erfasst den Anteil der Konsumausgaben an einer Sozialproduktgröße.

Faktoren zur Bildung von Rücklagen: Was verändert die Sparquote?

Zu einer Veränderung der Sparquote kann es kommen, wenn sich beispielsweise die Lebensumstände ändern oder sich das Gesamteinkommen verändert.

Ebenso kann die allgemeinewirtschaftliche Lage Auswirkungen auf das Sparverhalten haben. Bei einer unsicheren Wirtschaftslage tendiert der Mensch dazu, zu sparen, um Rücklagen zu bilden. Ist die Wirtschaft hingegen in einer Hausse, tendieren nicht wenig Verbraucher dazu, ihr Konsumverhalten zu vergrößern.

Zusätzlich dazu haben auch Zinssätze Einfluss auf die Sparquote. Sind die Zinsen hoch, ist es deutlich attraktiver, Geld zu sparen und es anzulegen. Sind die Zinsen hingegen gering, sinkt die Attraktivität des Sparens enorm. Dies führt zu einem höheren Konsumverhalten und dementsprechend zu einer geringeren Sparquote.

Welche Rückschlüsse lassen sich aus der Sparquote ziehen?

Anhand der Sparquote lassen sich diverse Rückschlüsse mit Blick auf unterschiedliche Aspekte ziehen.

Mögliche Rückschlüsse aus der Sparquote:

  1. Auf die Höhe des Haushaltseinkommens: Anhand der Sparquote lässt sich erkennen, in welchem Rahmen das Haushaltseinkommen anzusiedeln ist. Je höher das Einkommen, desto höher ist im Normalfall die Sparquote.
  2. Auf den Lebensstandard: Hat man für sich selbst keinen Anspruch auf einen ausgefallen hohen Lebensstandard, so fällt das Sparen leichter. Ein Beispiel hierfür sind die Frugalisten. Minimale Ausgaben führen zu einer höheren Sparquote.
  3. Auf die konjunkturelle Entwicklung: Je nachdem, in welcher Lage sich die Wirtschaft befindet, tendiert der Mensch mehr bzw. weniger dazu, sein Geld anzulegen. Scheint sich die Konjunktur in einer sicheren Zeit zu befinden, geben die Haushalte mehr Geld für Konsumgüter aus. In kritischen Zeiten wird eher gespart, um Rücklagen zu bilden.

In Ländern wie Deutschland oder China, die als exportorientiere Konsumgesellschaft eingestuft werden, sparen die Menschen mehr als beispielsweise in den USA, die eine konsumorientierte Wirtschaftsgesellschaft darstellen.

Die Sparquote in Deutschland: Vermögensbildung & Entwicklung

Die Sparquoten variieren mit Blick auf die einzelnen Bundesländer Deutschlands teilweise sogar extrem. Insgesamt ist seit den 1990er Jahren ein Auf und Ab zu erkennen, wenn man sich die Entwicklung der Sparquote der deutschen Haushalte vor Augen führt.

Auffällig ist, dass im ersten Quartal grundsätzlich mehr Geld zurückgelegt wird als in den anderen drei Quartalen.

Entwicklung der Sparquote der deutschen Privathaushalte

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Sparquote Deutschlands im Zeitraum von 1991 bis 2017. Auffällig ist hier, dass die Quote zwischen 1991 und 2001 um rund 4 % gesunken ist.

Zwischen 2001 und 2013 hat sich die Sparquote bei keinem Wert konstant angesiedelt. Seit 2013 steigt die Quote in kleinen Schritten wieder kontinuierlich an.

Das Sparverhalten der Deutschen auf dem Prüfstand

Deutsche Bürger legen im Schnitt mehr zurück als Bürger anderer Länder. Allerdings wird nach Expertenmeinung zu viel Geld auf Sparkonten zwischengelagert. Darüber hinaus wird außerdem in Sachvermögen investiert. Insbesondere durch die niedrigen Zinsen der letzten Jahre war es für den Verbraucher von besonderer Attraktivität, in Eigentum zu investieren.

Experten sind sich einig, dass Deutsche zu wenig in Aktien investieren. Eine Studie der Allianz Versicherung kam schon 2016 zu dem Schluss, dass sich „die Deutschen um ihr Vermögen sparen”. Was reißerisch klingt, ist jedoch bei in der Studie ermittelten Durchschnittsrenditen von 2,3 % über die Jahre von 2012 bis 2015 nah an der Realität, da die Renditen nicht inflationsbereinigt waren. Die Zeitung „Welt” spricht 2019 sogar von einer Aktien-Ignoranz und kommt in einer anderen Studie zu dem Schluss, dass insbesondere die Mittelschicht zu wenig in Aktien investiert.

Tipps zum Bilden von Rücklagen: Wie kann die Sparquote erhöht werden?

Es ist empfehlenswert, regelmäßig Geld zur Seite zu legen. Dadurch wird das Verschuldungsrisiko minimiert. So ist immer Geld da, wenn außerplanmäßig größere Anschaffungen getätigt werden müssen. Es macht außerdem Sinn, ein Sparkonto zu führen. Hier sollten mindestens 5 % des Monatseinkommens eingezahlt werden. Durch das Sparkonto schwindet die Versuchung, das Geld für andere Zwecke zu verwenden. Erst nach Ablauf der Vertragslaufzeit ist Zugriff auf das Geld möglich.

DieFührung eines Haushaltsbuches ist dann sinnvoll, wenn man das Gefühl hat, den Überblick über die Ausgaben zu verlieren. Es schafft mehr Bewusstsein für die Dinge, die konsumiert werden. Rückblickend ist nachvollziehbar, wofür das Geld investiert wurde. Ausgaben können ggfls. überdacht werden. Die offensichtlichste Methode, die Sparquote zu erhöhen, liegt in der Idee, den Konsum einzuschränken. Der Verzicht auf Dinge und das damit verbundene Sparen lassen die Sparquote wachsen.

Wer seinen Konsum nicht gänzlich einschränken möchte, sollte über Alternativen nachdenken. Sparen heißt nicht, komplett zu verzichten. Es gibt auch die Möglichkeit, über den Einkauf von Second Hand-Waren oder zum Beispiel gebrauchter Autos statt Neuwagen, jede Menge Geld zu sparen.

Die Möglichkeiten des Sparens sind vielfältig. Diese Tipps sollen lediglich dazu dienen, einen ersten Anstoß zu geben, um den Blick in die richtige Richtung zu lenken. Wie es im Endeffekt am besten gelingt, Rücklagen zu bilden, sollte jeder individuell herausfinden. Immerhin spielen dabei viele Faktoren eine Rolle, die sich nur schlecht, oder sogar gar nicht, verallgemeinern lassen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.