Squeeze Out: Kursgewinne ohne Kapitalbindung

Dass das Übernahme-Geschäft attraktive Gewinnchancen trägt, ist vielen nicht neu. Was viele aber nicht wissen, ist, wie der Übernahme-Prozess abläuft. […] (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Dass das Übernahme-Geschäft attraktive Gewinnchancen trägt, ist vielen nicht neu.

Was viele aber nicht wissen, ist, wie der Übernahme-Prozess abläuft. Diese Wissenslücke kann viel Geld kosten.

Seit 2009 schreibe ich Ihnen fast täglich von den heißesten Deals und wie diese einzuordnen sind. Darüber hinaus erfahren Sie mehr vom Übernahme-Geschäft und erhalten wertvolle Tipps:

  • In welcher Region ist die Aktivität gerade besonders hoch?
  • Durch welche Branche rollt gerade eine Übernahme-Welle?
  • Was ist zu tun, wenn Ihnen eine Übernahme-Offerte unterbreitet wird?

An dieser Stelle will ich Ihnen nun das Ende des Übernahme-Prozesses, den sogenannten Squeeze Out, vorstellen. Denn der bietet Gewinne, ohne dass Ihr Kapital gebunden ist.

Übernahmen helfen nicht nur dem Käufer, sondern auch dem übernommenen Konzern

Ohne Hilfe kann im Übernahme-Geschäft einiges schiefgehen.

Erhalten Anleger ein Schreiben der Bank mit Übernahme-Offerte, wird häufig angenommen, dass es sich um eine Terminsache handelt, auf die man reagieren muss.

Doch dem ist nicht so. Übernahme-Offerten sind Angebote; keine Aufforderungen. Wer das Schreiben der Bank ignoriert, bleibt Aktionär. Das kann nachteilig sein, aber auch zu Ihrem Vorteil.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass die Aktie nach einer erfolgreichen Offerte häufig weiter klettert.

Das ist auch verständlich, denn i. d. R. verbessert eine Übernahme die Geschäfts-Entwicklung beim Übernahme-Kandidaten.

Kosten- und Umsatz-Synergien sorgen für Schwung und mehr Effizienz. Der Wert des Unternehmens steigt – und damit auch der Aktienkurs.

Spruchverfahren soll Angemessenheit des Squeeze-Out-Preises prüfen

Der Aktienkurs kann auch weiter steigen, wenn der neue Großaktionär das Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt komplett schlucken will.

Schafft er es die Marke von 95% zu überspringen, kann er die verbliebenen Aktionäre herausdrängen.

Das ist sinnvoll, denn sonst könnte ja jeder Querulant die Komplett-Übernahme verhindern.

Sie werden dann enteignet – aber keine Sorge: Der Großaktionär ist verpflichtet Ihnen zumindest den 3-Monats-Durchschnittskurs zu zahlen!

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Und auch nach der Enteignung sind Sie nicht komplett „raus“.

Sie erhalten zwar den Wert ihrer Investition zum 3-Monats-Durchschnittskurs zurück, doch im Nachgang wird dann überprüft, ob der Wert auch wirklich angemessen war.

Damit soll sichergestellt werden, dass der Bieter auch den letzten Aktionär fair abfindet.

Nachzahlungen können über 100% Aufschlag auf den Squeeze-Out-Preis betragen

Stellt sich im Nachgang heraus, dass die Abfindungs-Zahlung zu gering war, erhalten Sie einen Nachschlag.

Das kann mehrere Jahre dauern, doch Sie haben ja schon den Squeeze-Out-Wert Ihrer Investition zurückerhalten.

Und da die Nachzahlung nicht selten recht üppig ausfällt, wird der Schmerz über die Enteignung schnell kleiner. Ich habe für Sie kurz nachgeschaut, was zuletzt an Nachzahlungen floss:

  • GeneScan: Erhöhung der Barabfindung um +29,3%
  • Hotel-Aktiengesellschaft Wuppertal: +100%
  • Aditron: +16,5%
  • Gerresheimer Glas: +20% (zzgl. Zinsen)

Scherzer und GfK: 2 Möglichkeiten für Squeeze-Out-Investitionen

An der Börse können Sie sich an Squeeze-Out-Beteiligungen recht einfach beteiligen:

Es gibt Firmen wie z. B. die Scherzer AG, welche in dem Bereich seit vielen Jahren erfolgreich sind; in den vergangenen 5 Jahren hat die Scherzer-Aktie um 130% zugelegt.

Aber auch direkte Squeeze-Out-Spekulationen sind möglich:

Ende März/Anfang April 2017 gab der Finanz-Investor KKR bekannt, dass er die Minderheits-Aktionäre von der GfK herausdrängen wird.

Es ist gut möglich, dass auch dort bei der Überprüfung später ein höherer Wert festgestellt wird.

Nach unten ist das Risiko auf den 3-Monats-Durchschnittskurs beschränkt.

Aber denken Sie daran: Es kann auch keine Nachzahlung geben – und das Verfahren wird mit hoher Sicherheit nicht im Jahr 2017 oder 2018 abgeschlossen sein.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.