Tauben und die Falken der Zentralbanken: Was ist damit gemeint?

Dovish und hawkish bezeichnen zwei gegensätzliche Ansätze der Notenbanken: eine lockere Geldpolitik gegenüber strikter Preisstabilität. (Foto: cybrain / Shutterstock.com)

Spätestens seit Donald Trumps Präsidentschaft spielen Währungsfragen eine größere Rolle als zuvor. Weil er neben China auch Japan und Deutschland Außenhandelsüberschüsse vorwirft und kritisiert, dass etwa der Euro viel zu schwach sei, geht mit dem Streit um Währungen, Zinsen und Inflation der lange Jahre ruhige Verlauf in eine turbulentere Phase über.

Dovish und hawkish – wie viel Inflation darfs denn sein?

Durch den stärkeren Fokus auf den Bereich tauchen zugleich vermehrt typische Begriffe auf, die gerade frischgebackenen Anlegern wenig sagen. Was bedeuten dovish und hawkish? Alternativ ist auch von Tauben und Falken die Rede. Rein im Wortsinn ist dovish das Verhalten einer Taube (engl.: Dove). Hawkish ist das, was ein Falke (engl.: Hawk) macht.

Ähnlich wie bei Bären und Bullen bzw. bearish und bullish am Aktienmarkt drücken beide Begriffspaare dasselbe aus. Ist der Markt bearish, ist er in der Defensive, ist er bullish, steigen die Kurse. Mal haben die Bären die Oberhand, mal die Bullen.

Bei Tauben und Falken allerdings geht es nicht um die Marktstimmung von Anlegern, sondern um zwei gegensätzliche Ansätze in der Geldpolitik der Notenbanken. Tauben, die dovish agieren, betreiben eine expansive Geldpolitik. Mit niedrigen Zinsen und billigem Geld soll die Wirtschaft stimuliert werden. Die Falken hingegen verfolgen eine restriktive Geldpolitik zur Bekämpfung der Inflation, was mit höheren Zinsen einhergeht.

Ein Vergleich mit Bullen und Bären beschränkt sich allenfalls oberflächlich auf niedrigere und höhere Kurse bzw. Zinsen am Geldmarkt. Mit dieser Eselsbrücke war es denn auch schon. Denn bei Zentralbanken geht es um ganz eigene Dynamiken und Beweggründe. Vor allem um die Entscheidung, ob man mit etwas mehr Inflation gut leben möchte und sie in Kauf nimmt oder nicht.


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Preisstabilität und Wirtschaftspolitik

Tauben freunden sich leichter mit steigender Inflation an und gelten, wie erwähnt, als Anhänger einer lockeren Geldpolitik. Sie handeln eher dovish und damit weicher. Dies war nach der Finanzkrise 2009 kennzeichnend für die amerikanische Notenbank Fed. Ebenso für die EZB, die noch heute versucht, dovish die lange Zeit bedenklich niedrige Inflation etwas anzuheizen.

Was einerseits sinnvoll ist, um die Abwärtsspirale einer Deflation zu bannen, birgt andererseits Risiken für die Preisstabilität – eine Kernaufgabe der Zentralbank. Die sah etwa der Chefvolkswirt der EZB Jürgen Stark in Gefahr, weshalb er 2011 den Rücktritt einreicht. Für den „letzten Falken der EZB“, wie er genannt wurde, war die lockere Politik der EZB nicht mehr vereinbar mit ihrem Auftrag.

Es ist also das alte Spannungsfeld zwischen Preisstabilität und der Unterstützung der Wirtschaftspolitik. Letztere ist ebenfalls ein definiertes Ziel der EZB, sofern sie nicht die Preisstabilität gefährdet. Ab wann die ernsthaft in Gefahr ist, wird von Tauben und Falken unterschiedlich beurteilt.

Die Falken kommen zurück

In den USA hat sich die Stimmung mittlerweile gedreht. Die Fed verlegt sich von dovish auf hawkish. War sie bisher der Ansicht, die Wirtschaft könne auch bei niedriger Arbeitslosenquote ohne zunehmenden Inflationsdruck wachsen, zeichnet sich mit der protektionistischen Ausrichtung Donald Trumps und seinen inflationären Turbowirtschaftsplänen eine neue Herausforderung ab. Fed-Chefin Janet Yellen hat bereits drei Zinsanhebungsschritte für 2017 angekündigt.

Das wird den Dollar stärken. Der Euro sollte ebenfalls zulegen. Weil die Inflation in der Eurozone stark anzieht, wird auch die EZB weniger dovish agieren. Im Verhältnis zum Dollar hatte der Euro zuletzt immer mal wieder zugelegt. Doch das ist Trump nicht genug. Abgesehen davon, dass ihm dovish zu weich ist, was in seinem Weltbild eigentlich ein Unwort ist, drängt er massiv auf eine Euro-Aufwertung.

Was er übersieht, ist die Spirale, die er mit seinem Protektionismus auslöst: Wenn immer mehr Investitionen und Geld in die USA fließen, treibt das die US-Währung automatisch weiter. Und Steuersenkungen, welche die negativen Folgen für die amerikanischen Exporteure eingrenzen sollen, werden zusätzlich für Auftrieb sorgen. Irgendwann dürfte die Spirale überdreht sein. Bis dahin können Anleger auf US-Investments und einen starken Dollar setzen.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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