Transaktionskosten – Aufwände, Höhe & Grenzen

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Die Definition von Transaktionskosten und die Bedeutung im Wirtschaftskreislauf für Unternehmen. (Foto: Watchara Ritjan / Shutterstock.com)


Alles über Transaktionskosten

Definition: Kosten für die Übertragung von Kapital & Gütern sowie der zugrundeliegenden Verfügungsrechte

Arten: Informationskosten, Vereinbarungskosten, Abwicklungskosten, Anpassungskosten

Höhe: Wird beeinflusst von Faktorspezifität, Unsicherheit, Häufigkeit

Transaktionskostentheorie: Wettbewerb & Markttransparenz im Abhängigkeitsverhältnis zu den Transaktionskosten


Definition Transaktionskosten: Aufwände bei Übertragungen von Kapital & Gütern

Der Begriff der Transaktionskosten beschreibt per Definition alle Kosten, die für die Übertragung von Kapital und Gütern anfallen. Dies beinhaltet auch die zugrundeliegenden Verfügungsrechte von Gütern und Kapital. 

Dementsprechend beschreibt der Begriff also die Kosten, die bei der Übertragung von Gütern oder Kapital zwischen den Wirtschaftssubjekten entstehen. Als konkretes Beispiel können dies Anbahnungskosten sein, die auftreten, bevor ein Geschäftsabschluss zustande kommt.

Niedrige Transaktionskosten haben sich in der Wirtschaft als ein entscheidender Wettbewerbsvorteil herauskristallisiert. Daher sollten alle Betriebe bestmöglich daran arbeiten, diese so effizient wie möglich zu senken.

Was sind Verfügungsrechte?

Das Verfügungsrecht beschreibt die Eigentumsrechte eines Wirtschaftssubjektes an einem Gut. Wenn eine weitere Definition auch Menschen (Arbeitsleistung) oder Tiere umfassen, so sind die Arten von Verfügungsrechten nur teilweise anwendbar.

Arten von Verfügungsrechten:

  • Nutzungsrechte an dem Gut
  • Ertrags- & Verlustrecht, wenn die Güter Rendite oder Verluste abwerfen
  • Veränderungsrechte in Form & Gestaltung
  • Das Verfügungsrecht als solches, also die Möglichkeit, zu entscheiden, was mit einem Gut passieren soll;
  • Recht auf Veräußerungsgewinne, die einbehalten werden können

Der Grundgedanke dieser Theorie besteht darin, den Wert eines Gutes zu bestimmen. Dieser besteht nicht nur aus dem reinen Sachwert, sondern auch aus den Nutzungsmöglichkeiten. So ist ein neues Auto ohne Fahrzeugschein weniger wert als ein altes Auto, welches im Straßenverkehr aber bewegt werden darf.

Was sind Wirtschaftssubjekte?

Ein Wirtschaftssubjekt beschreibt eine selbstständige Entscheidungseinheit mit einem einheitlichen Wirtschaftsplan. Wer also eigenständig Entscheidungen trifft, die die Wirtschaft betreffen, wird als Wirtschaftssubjekt bezeichnet.

Es gibt vier Gruppen, die sich als Wirtschaftssubjekte bezeichnen lassen:

  • Private Haushalte
  • Unternehmen
  • Staat
  • Ausland

Arten von Transaktionskosten

InformationskostenKosten, die bei der Vorbereitung der Transaktion stattfinden. Dazu gehört unter anderem die Beschaffung und Suche nach geeigneten Geschäftspartnern; man spricht auch von Anbahnungskosten
VereinbarungskostenKosten, die bei Vertragsverhandlungen, Entscheidungen, Einigungen und Vertragsgestaltung entstehen
AbwicklungskostenKosten für den Vertrag oder den Verkauf und die Vertragsabwicklung; dazu zählt beispielsweise Abwicklung von Qualitätsvereinbarungen
AnpassungskostenKosten, die bei Vertragsveränderungen oder Insolvenz eines Partners anfallen

Abgrenzung zu den Produktionskosten

Der Begriff der Produktionskosten impliziert alle Kosten, die während dem tatsächlichen Produktionsprozess entstehen. Als Produktionskosten werden alle Kosten verstanden, die aufgrund des Produktionsvorganges vom Betrieb aufgebracht werden müssen. Diese Kosten sind ein maßgeblicher Faktor dafür, welchen Preis der Endverbraucher für das Produkt zu zahlen hat.

Es ist für das Unternehmen von enormer Wichtigkeit, die Produktionskosten im Auge zu behalten. Andernfalls kann es, besonders bei kleinen Unternehmen, existenzgefährdende Folgen haben, wenn diese ausufern. Ein Unternehmen kann seine Produktionskosten anhand der Fixkosten und der variablen Kosten berechnen. Ein Businessplan kann Aufschluss darüber geben, in welchem Rahmen sich die Produktionskosten befinden.

Hinweis

Produktionskosten sind die Summe von Material- und Fertigungskosten.

Was beeinflusst die Höhe der Transaktionskosten?

Es gibt drei Faktoren, die die Höhe der Transaktionskosten maßgeblich beeinflussen.

  1. Spezifität: Innerhalb eines Transaktionsvorganges kann es zu Investitionen kommen, die den Ausgang des Prozesses optimieren. Durch diese Investitionen können die Transaktionskosten erheblich gesenkt werden. Wird nicht im richtigen Ausmaß vorgegangen, kann allerdings auch das Gegenteil bewirkt werden. Die Transaktionskosten können steigen.
  2. Unsicherheit: Auch Unsicherheit kann die Höhe der Transaktionskosten beeinflussen. Parametrische Unsicherheit bezeichnet hier die Ungewissheit über zukünftige Umweltzustände und ihre Wirkung auf die Transaktion. Verhaltensunsicherheit basiert auf dem Verhalten der Akteure. Diese Art der Unsicherheit spielt aber nur dann eine Rolle, wenn parametrische Unsicherheit vorliegt.
  3. Häufigkeit: Wird ein Produkt vermehrt produziert, kann hieraus eine Senkung der Transaktionskosten erzielt werden.

Transaktionskosten in der Ökonomie: Was ist die Transaktionskostentheorie?

Mit Blick auf Transaktionskosten kommt auch der Transaktionskostentheorie eine wichtige Rolle zu. Laut dieser Theorie wird davon ausgegangen, dass Wettbewerb und Markttransparenz in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Transaktionskosten stehen. Nimmt der Wettbewerb zu, die Markttransparenz aber ab, wird die Rolle der Transaktionskosten von größerer Bedeutung.

Unterscheidung von fixen & variablen Transaktionskosten

Bei Transaktionskosten ist es wichtig, zwischen fixen und variablen Transaktionskosten zu unterscheiden. Fixe Transaktionskosten sind hierbei die Aufwände, die immer anfallen. Diese können zu keinem Zeitpunkt mehr rückgängig gemacht werden und gleichen sich häufig stark in der Höhe. Als Beispiel sind hier Anbahnungskosten für einen Erstkontakt zu nennen.

Variable Transaktionskosten hängen von Art und Umfang einer Transaktion ab. So reicht es bei der Anbahnung von einem Kunden vielleicht aus, einen Vertragsentwurf zu senden, der direkt unterzeichnet wird. Ein anderer Kunde könnte hier aber einige Punkte nachverhandeln oder rechtlich überprüfen lassen wollen, was die variablen Transaktionskosten in die Höhe treibt.

Was besagt der Transaktionskostenansatz nach Coase & Williamson?

Der Ursprung des Transaktionskostenansatzes liegt in den Theorien des britischen Wirtschaftswissenschaftlers Ronald Coase. Coase war der erste Wissenschaftler, der sich mit der Frage beschäftigt hat, weshalb die Theorie des vollkommenen Marktes nicht auf alle Unternehmensformen anzuwenden ist. Er kam zu dem Entschluss, dass der Grund hierfür die Ignoranz gegenüber den Kosten sei, die während des Entwicklungsprozesses für das Unternehmen entstehen.

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Coase vertritt den Standpunkt, dass jedes Handeln in einem Zusammenhang mit der Wirtschaft steht. Diese Zusammenhänge können direkter oder indirekter Natur sein. Williamson hat diese Theorie noch weiter ausgebaut. Hier werden Transaktionskosten in ex-ante-Transaktionskosten und ex-post-Transaktionskosten differenziert.

Was sind Ex-ante- & Ex-post-Transaktionskosten?

Unter den Ex-ante-Transaktionskosten werden die Kosten verstanden, die noch vor der tatsächlichen Transaktion entstehen. Geläufig sind die Kosten auch unter dem Begriff der Werbekosten.

Dementsprechend handelt es sich also um Kosten, die noch vor einer vertraglichen Vereinbarung anfallen.

Ex-ante-Transaktionskosten gliedern sich in:

  • Anbahnungskosten (bspw. Kontaktaufnahme mit Interessenten)
  • Informationsbeschaffungskosten (bspw. Informationssuche über potenzielle Transaktionspartner)
  • Vereinbarungskosten (bspw. Verhandlungen mit potenziellem Partner, Vertragsformulierung, Einigung)

Ex-post-Transaktionskosten bezeichnen die Kosten, die entstehen, nachdem die Transaktion stattgefunden hat. Es handelt sich hier um die Kosten nach Vertragsabschluss.

Ex-post-Transaktionskosten gliedern sich in:

  • Abwicklungskosten (bspw. Bezahlung des Maklers, Transportkosten)
  • Änderungskosten/Anpassungskosten (bspw. Termin-, Qualitäts-, Mengen- und Preisänderungen)
  • Kontrollkosten (bspw. Einhaltung von Absprachen jeder Art, Abnahme der Lieferung)

Anwendung von Transaktionskosten: Make-or-buy-Entscheidungen treffen

Unternehmen müssen sich häufig mit der Frage auseinandersetzen, ob sie die Produkte selbst produzieren, oder sie von einem anderen Unternehmen anfertigen lassen. Insbesondere wenn eine Abhängigkeit von den Produkten besteht, tendiert ein Unternehmen in der Regel eher dazu, sie eigenständig zu produzieren. Ferner führt die Eigenherstellung des Produktes innerhalb des Unternehmens zu mehr Effizienz.

Was sind interne Transaktionskosten?

Interne Kosten beschreiben jene Kosten, die aufgrund von Strukturen innerhalb des Unternehmens entstehen. Hierbei handelt es sich unter anderem um Kosten für die Koordination und Überwachung der Arbeitsvorgänge im Unternehmen. Aber auch die Kosten, die für den Informationsfluss aufgebracht werden müssen, werden zu den internen Transaktionskosten gezählt. Dazu zählt insbesondere der Wissenstransfer.

Entscheidung für oder gegen Outsourcing

Ein Produkt selbst herzustellen, ist für das Unternehmen dann sinnvoll, wenn die internen Transaktionskosten hierfür geringer sind als die Transaktionskosten beim externen Bezug. Umgekehrt bedeutet dies, dass es für ein Unternehmen dann sinnvoll ist die Produktion nach außen zu verlagern oder Produkte von Drittanbietern zu beziehen, wenn die internen Transaktionskosten höher sind als die externen.

Transaktionskosten im Finanzwesen

Im Bereich der Wertpapiergeschäfte beschreibt der Begriff der Transaktionskosten die anfallenden Gebühren beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Diese Kosten stehen hier in erster Linie im Zusammenhang mit den Provisionen der Banken und der Broker. Aber auch für den Makler können Kosten anfallen.

Depotgebühren, die bei Fonds anfallen, gehören nicht zu den Transaktionskosten.

Transaktionskosten für Fonds im Überblick

Mit Blick auf Fonds fallen bei Betrachtung der Transaktionskosten einige unterschiedliche Aspekte ins Gewicht.

Transaktionskosten bei Fonds:

  • Managementgebühr
  • Depotbankgebühr
  • Sonstige Betriebskosten, wie z. B. die Erstellung von Prospekten oder Werbeschaltung
  • Ongoing charges
  • Ongoing costs
  • Performanceabhängige Gebühren
  • Ausgabeaufschlag, was im Grunde mit einer Provision vergleichbar ist

Grenzen der Transaktionskostentheorie

Wirft man einen Blick auf die Transaktionskosten in der Politik, wird schnell deutlich, dass diese Theorie hier an ihre Grenzen stößt. Die Transaktionskosten, die mit Blick auf politische Güter anfallen, sind nur sehr schwer zu quantifizieren. Dementsprechend ist es beinahe unmöglich, sie vertraglich zu fixieren.

Die Politik arbeitet daher mit einem System in Anlehnung an die Principal-Agent-Theorie bzw. an das Repräsentations- und Delegationsprinzip.

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass unter Transaktionskosten der finanzielle Aufwand bei der Übertragung von Kapital oder Gütern verstanden wird. Sie lassen sich unterscheiden in fixe und variable Transaktionskosten. Weiter differenziert wird in ex-ante und ex-post Transaktionskosten. Die Höhe der Transaktionskosten lässt sich aufgrund verschiedener Faktoren beeinflussen.

Nicht zu verwechseln sind die Transaktionskosten mit den Produktionskosten. Transaktionskosten können unter Umständen von einem Unternehmen gespart werden, wenn es sich für Outsourcing entscheidet. Im Hinblick auf die gesamtwirtschaftliche Situation ist den Transaktionskosten eine gewichtige Rolle zuteilgeworden. Sie haben das Potenzial, echte Wettbewerbsvorteile zu etablieren, wenn sie möglichst effizient reduziert werden.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.