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Aktien verschenken: Gründe, Möglichkeiten und Steuern

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Aktien sind attraktive Geschenke, da sie sich hervorragend zur langfristigen Vermögensbildung eignen
  • Der Zinseszinseffekt und der pädagogische Nutzen durch die Heranführung an Wirtschaftsthemen machen Aktien vor allem für Kinder und Enkelkinder zum idealen Geschenk
  • Sowohl Aktien, als auch Aktienbündel und ETFs eignen sich zum Verschenken, zudem gelten viele Papieraktien als begehrte Sammlerstücke
  • Um Aktien verschenken zu können, benötigen sowohl der Schenkende, als auch der Beschenkte ein Wertpapierdepot
  • Schenkungssteuer und Abgeltungssteuer können beim Verschenken von Aktien unter Umständen vermieden werden

Aktien: Eine besondere Geschenkidee

Geldgeschenke und Geschenke zur Vermögensbildung sind besonders unter Verwandten und sich nahestehenden Personen sehr beliebt. Unangefochtener Spitzenreiter ist in Deutschland zu diesem Zwecke nach wie vor das Sparbuch. Aber auch Bausparverträge oder etwa Gold und andere Edelmetalle in Form von Münzen oder kleinen Barren werden immer wieder gerne verschenkt.

Durch die langanhaltende Niedrigzinsphase kehrte man in den letzten Jahren jedoch nach und nach von den klassischen Geldanlageformen ab und auch bei Geschenken sucht man mittlerweile nach attraktiven Alternativen zum Sparbuch. Immer häufiger werden Aktien oder ganze Aktienbündel und ETF-Portfolios verschenkt. Auch Aktien- und ETF-Sparpläne stellen interessante Geschenk-Alternativen zum klassischen Sparbuch dar.

Warum sich Aktien als Geschenke so gut eignen, welche Möglichkeiten es gibt, Aktien zu verschenken, wie sich der praktische Ablauf gestaltet und wie die Aktiengeschenke steuerlich zu behandeln sind, klären wir in diesem Beitrag.

Warum sollte man Aktien verschenken?

Um Vermögen bilden zu können, müssen die entsprechenden Geldanlagen in irgendeiner Form an Wert gewinnen. Sie sollten jedenfalls dazu imstande sein, einen Ausgleich zur Geldentwertung durch die Inflation zu schaffen. Die letzten Jahre waren vor allem durch niedrige Zinsen geprägt und haben gezeigt, dass klassische Sparformen wie das Sparbuch, keinesfalls dazu geeignet sind, langfristig Vermögen zu bilden. Ganz im Gegenteil: Das auf Sparbüchern gehortete Geld verliert durch die inflationäre Entwertung zunehmend an Kaufkraft und stellt somit ein über die Jahre sehr teures Unterfangen dar.

Wieso Aktien ein gutes Geschenk sind

Aktien hingegen haben sich in der Vergangenheit hervorragend zur Vermögensbildung geeignet. Sie waren nicht nur dazu imstande, die Inflation auszugleichen, sie konnten sogar deutlich an Wert gewinnen. Die Wertsteigerung erfolgt dabei durch die Aktienrendite, die sich aus Kurssteigerungen und Dividendeneinnahmen zusammensetzt. Besonders die Kombination aus Aktien und einem langen Anlagehorizont kann zu erheblichen Wertzuwächsen führen. Das Zauberwort heißt „Zinseszinseffekt“, ein Konzept, das beschreibt, wie Geld weiteres Geld verdienen kann. Durch den Zinseszinseffekt kann man sozusagen „Geld für sich arbeiten lassen“.

Zeit ist neben der Rendite die wichtigste Voraussetzung, dass der Zinseszinseffekt zum Tragen kommt. Je länger die Veranlagungsdauer, desto mehr kann sich der Wert einer Geldanlage über die Zeit steigern und umso höher wird der Gewinnanteil sein, der rein durch vorangegangene Gewinne erwirtschaftet wurde. Insofern sind Aktien und ETFs gerade als Geschenke für Kinder und Enkelkinder besonders gut geeignet, da der zeitliche Hebel hier besonders gut zum Tragen kommt.

Nebenbei haben Wertpapiere als Geschenk auch einen pädagogisch wertvollen Nutzen, da sie Kinder an Wirtschaftsthemen heranführen und dadurch einen guten Einblick in die Welt der Börse und deren Zyklen ermöglichen.

Durch den Zinseszinseffekt, wenn Dividenden ausgeschüttet und reinvestiert werden, kann der Wert ebenfalls in erheblichem Maße ansteigen. Grundlage ist in diesem Zusammenhang, dass die Aktie Dividenden auszahlt. Ist dies nicht der Fall, kann der Beschenkte von der Kurssteigerung der Aktie als solche profitieren.

Es können hohe Renditen und entsprechende Gewinne die Folge sein. Aktien als Geschenk bieten sich ebenfalls für Geschwister, Eltern oder Freunde an. In Abhängigkeit von Alter und Anlagezeit wird der Zinseszinseffekt jedoch unter Umständen keinen hohen Hebel erwirken können.

Welche Möglichkeiten gibt es, Aktien zu verschenken?

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Aktien zu verschenken. So lassen sich Einzelaktien verschenken, aber auch Aktienbündel bzw. ganze Wertpapierdepots. Sofern es durch das Unternehmen nicht eingeschränkt wird, besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit, Namensaktien zu verschenken bzw. zu übertragen. Dazu muss der Name der Namensaktie im Aktienbuch des Unternehmens geändert werden.

Nachdem Aktien heutzutage in der Regel digital gehandelt werden, sind Aktien in Papierform eher eine Seltenheit geworden. Wer Aktien verschenken möchte, wird als Geste möglicherweise die Schenkung in schriftlicher Form selbst gestalten wollen. Zu diesem Zwecke findet man im Internet auch geeignete Urkunden, die man mit den entsprechenden Daten zum Unternehmen und zum Beschenkten befüllen und ausdrucken kann. Sofern es sich um keine offizielle Urkunde des Unternehmens handelt, hat das Dokument natürlich keinerlei rechtliche Gültigkeit und ist offiziell wertlos.

Dennoch werden „echte“ Aktien in Papierform sehr gerne verschenkt. Es gibt dafür sogar eigene Sammlerkreise, bei denen die Wertpapiere in Papierform als Sammelobjekte sehr beliebt sind. Sie haben meist jedoch eher einen Sammlerwert und sind für den tatsächlichen Aktienhandel nicht mehr relevant. Dies gilt insbesondere für sogenannte Schmuckaktien, die oft sehr hochwertig bedruckt und künstlerisch gestaltet sind und der Sammlerwert dabei viel höher liegt als der Nominalwert der Aktie.

Eventuell könnte es auch interessant sein, Sparpläne zu verschenken. Es gibt mittlerweile sehr vielfältige und attraktive Sparplanmöglichkeiten bei diversen Direktbanken und Online-Brokern, bei denen Aktien- und ETF-Bruchstücke schon ab sehr kleinen Eurobeträgen regelmäßig bespart werden können. Besonders für Kinder und Enkelkinder scheint diese Geschenkoption interessant sein, da sich über die Jahre bis zur Volljährigkeit, erhebliche Summen durch den Zinseszinseffekt ansparen lassen.

Zudem kann man bei Sparplänen vom Cost-Average-Effekt (zu Deutsch: Durchschnittskosteneffekt) profitieren, der ungünstige Timing-Effekte neutralisiert, da sowohl zu günstigen als auch zu ungünstigen Zeitpunkten Wertpapierbruchstücke in regelmäßigen Abständen erworben werden.

Wie findet man passende Wertpapiere als Geschenk?

Wertpapiere eigenen sich vor allem dann als Geschenk, wenn sie als langfristige Geldanlage dienen sollen. Dementsprechend wird man bei Aktien besonders nach Unternehmen Ausschau halten, die über viele Jahre hinweg leistungsstark bleiben und konstante Renditen erzielen. Realistisch betrachtet, werden einzelne Unternehmen diese Ansprüche wohl kaum erfüllen können.

Viel sinnvoller erscheint ein breiter Aktienkorb mit Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Branchen. Nur ein breit diversifiziertes Aktiendepot ist dauerhaft imstande, Klumpenrisiken zu beseitigen und Totalausfälle zu vermeiden. Grundsätzlich würde sich das durch ein individuell zusammengestelltes Aktenbündel bewerkstelligen lassen. Viel praktischer, einfacher und kostengünstiger dürfte jedoch ein börsengehandelter Indexfonds, also ein ETF sein.

Mit einem ETF auf den MSCI All Country World Index oder auf den FTSE All World Index lässt sich der weltweite Aktienmarkt auf einen Schlag im Depot abbilden. Wer beispielsweise nur Industrieländer im Depot haben möchte, könnte sich auch nur für einen ETF auf den MSCI World Index entscheiden.

Ein denkbar gutes Geschenk könnte möglicherweise auch ein sogenannter Dividenden-ETF sein, der vor allem den Fokus auf dividendenstarke Titel richtet, sodass sich der Beschenkte über regelmäßige Ausschüttungen freuen kann, auch wenn die Gesamtrendite derartiger ETFs meist hinter jenen der marktbreiten ETFs zurückbleiben. Sollte der Beschenkte etwa ein besonderes Interesse für bestimmte Sektoren oder für spezielle Themen haben, könnten beispielsweise auch Branchen- oder Themen-ETFs eine nette Geschenkidee sein, die immer noch ein deutlich geringeres Klumpenrisiko bergen, als die Aktien einzelner Unternehmen.

Mit solch marktbreiten ETFs lassen sich die erwähnten Klumpenrisiken deutlich reduzieren und die Frage nach der Auswahl geeigneter Unternehmen für das Wertpapierdepot des Beschenkten entfällt komplett. Schließlich beinhalten diese breit gestreuten Indizes wichtigsten Unternehmen nach Marktkapitalisierung und werden automatisch und laufend angepasst.

Natürlich spricht auch nichts gegen das Schenken von Einzelaktien. Man sollte sich aber die nötigen Gedanken zum Thema Diversifikation machen, damit der Beschenkte auch auf lange Sicht Freude an seinem Depot haben wird.

Aktien verschenken: Voraussetzungen und Abläufe

Um Aktien bzw. Wertpapiere überhaupt verschenken zu können, benötigen sowohl der Schenkende, als auch der Beschenkte jeweils ein Wertpapierdepot. Dabei wird man eher Online-Depots bei Direktbanken gegenüber Filialbanken den Vorzug geben, vor allem auf Grund der oftmals deutlich geringeren Gebühren, besseren Konditionen und aufgrund der größeren Produktvielfalt. Wenn der Beschenkte noch minderjährig ist, kann ein sogenanntes Junior-Depot oder Minderjährigen-Depot eröffnet werden, das zum 18. Geburtstag in den Besitz des Minderjährigen übergeht.

Eine andere Variante wäre es, wenn der Erwachsene das Depot für das Kind zunächst unter dem eigenen Namen eröffnet und dann zu einem beliebigen Zeitpunkt nach dem 18. Geburtstag an das Kind überträgt. Dies hat vor allem den Vorteil, dass das Aktiendepot erst dann übertragen werden kann, wenn die nötige Reife zum richtigen Umgang und zum Verwalten des Aktiendepots ausreichend gegeben ist.

Hat man sich erst einmal für ein Wertpapier entschieden, das man gerne verschenken möchte (der Einfachheit halber gehen wir beispielhaft davon aus, dass es sich um eine Aktie handelt), muss die Aktie zunächst einmal gekauft werden. Sobald man im Besitz der Aktie ist, kann die Schenkung schon in Form einer Übertragung in ein anderes Depot vorgenommen werden.

Sofern sich beide Depots nicht beim selben Broker befinden, fallen dabei die üblichen Handelsgebühren des Brokers an. Innerhalb desselben Brokers kann die Übertragung durchaus auch völlig kostenlos sein.

Wie man Aktien verschenkt

Aktien verschenken: Steuerliche Aspekte

In steuerlicher Hinsicht sind beim Verschenken von Aktien vor allem die Abgeltungssteuer und die Schenkungssteuer von Belang. Von der Schenkungssteuer sind verschenkte Aktien bis zu einem gewissen Betrag befreit. Diese Freibeträge hängen jedoch vom Verwandtschaftsgrad bzw. vom Beziehungsgrad zwischen dem Schenkenden und dem Beschenkten ab. Die Schenkungsfreibeträge können alle zehn Jahre in Anspruch genommen und vollständig ausgeschöpft werden.

VerhältnisFreibetrag
Ehepartner/eingetragene Lebenspartner500.000 €
Kinder400.000 €
Enkelkinder200.000 €
Geringerer Verwandtschaftsgrad oder kein Verwandtschaftsverhältnis (Nichten, Neffen, Freunde usw.)20.000 €

Um zu vermeiden, dass die Abgeltungssteuer beim Depotübertrag berechnet wird, ist darauf zu achten, dass der Depotübertrag als Schenkung markiert wird. Andernfalls wird die Abgeltungssteuer auf die Kursgewinne berechnet, die bis zum Zeitpunkt des Übertrags erzielt wurden, da der Übertrag als regulärer Aktienhandel behandelt wird. Dabei führt die Bank die Abgeltungssteuer automatisch ab.

Sind die Freibeträge bereits ausgeschöpft, kann es sich zudem lohnen, den Zeitpunkt der Übertragung zu berücksichtigen. Wenn etwa die Kursgewinne aufgrund einer Abwärtskorrektur der Märkte gerade gesunken sind, könnte somit auch Abgeltungssteuer gespart werden.

Wurden die Wertpapiere bereits vor dem Jahr 2009 erworben, können sie vom Beschenkten sogar steuerfrei mit Gewinn verkauft werden, sofern dem Finanzamt die Schenkung bekannt ist.

Aktien verschenken: Fazit

Aktien eignen sich hervorragend als Geschenk zum Zwecke der langfristigen Vermögensbildung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Wertpapiere zu verschenken. Neben Aktien eignen sich aufgrund der breiten Diversifikation vor allem marktbreite ETFs als Geschenke. Kinder und Enkelkinder profitieren aufgrund ihres langen Anlagehorizonts besonders vom Zinseszinseffekt, der über viele Jahre zu beachtlichen Vermögenszuwächsen führen kann. Als Schenkung deklarierte Depotübertragungen ermöglichen zudem große Steuerersparnisse durch den Wegfall von Schenkungssteuern und Abgeltungssteuern.