Aktiensplits in Nahaufnahme: Definition, Vorteile, Gründe & Co.

Stock Split, Aktiensplit

Aktiensplits wirken auf den ersten Blick positiv: Anleger haben automatisch mehr Aktien und diese wirken günstiger. Aber Vorsicht vor Nachteilen. (Foto: MQ-Illustrations - adobe stock)

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Definition: Was ist ein Aktiensplit?

Ein Aktiensplit, engl. forward stock split, wandelt existierende Aktien in mehr Aktien um, die zu einem geringeren Nominalwert erhältlich sind. Das Gegenteil eines Aktiensplits ist eine Aktienzusammenlegung, engl. reverse stock split).

Welche Gründe gibt es für einen Aktiensplit?

Der häufigste Grund für einen Aktiensplit ist ein Kurs im drei- oder vierstelligen Bereich. Kostet eine Aktie 100 oder gar 1.000 Euro, dann erscheint sie rein optisch sehr teuer. Das schreckt mögliche Investoren ab.

Ein Aktiensplit ist daher nicht selten eine psychologische Maßnahme. Das Eigenkapital der Gesellschaft bleibt unverändert. Der Aktienkurs wird nur scheinbar billiger und soll so Anleger zum Investieren animieren. Der Grund: Viele Kleinanleger investieren oft nur vierstellige oder niedrige fünfstellige Summen.

Beispiel Aktiensplit

Der Aktienkurs der ABC AG ist auf 100 € gestiegen. Das Unternehmen beschließt einen Aktiensplit im Verhältnis von 1:2. Der Anleger erhält dann für eine Aktie, die sich im Depot befindet, einen weiteren Anteilsschein.

Gleichzeitig verbilligt sich das Papier der ABC AG auf 50 €. Die Anzahl der ausstehenden Anteile verdoppelt sich.

Hat der Anleger vor dem Split 100 Aktien gehalten, erscheinen nunmehr 200 Stück im Depot. Der Depotwert bleibt damit insgesamt unverändert. Unter bestimmten Voraussetzungen führen Aktensplits zu Kostenersparnissen bei der Verwaltung.

Welche Bedeutung hat ein Aktiensplit für Anleger?

Für Sie als Anleger hat ein Aktiensplit im ersten Schritt keine große Bedeutung. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel einen Aktiensplit von 1:2 vornimmt, wird jede alte Aktie gegen zwei neue „umgetauscht“. Durch diese Vorgehensweise verdoppelt sich der Aktienbestand, und der Aktienkurs halbiert sich. Der Gesamtwert Ihrer Aktien-Position ändert sich also nicht.

Bei einem Aktiensplit werden die bisherigen Aktien eingezogen und durch Aktien mit einem niedrigeren Nennwert ersetzt. Für Sie auch wichtig: Die Wertpapierkennnummer (WKN) und die International Securities Identificiation Number (ISIN) bleiben gleich.

Die historische Kursentwicklung wird angepasst

Normalerweise hätte ein Aktiensplit im Chart (dem optischen Kursverlauf) einen Kurseinbruch zur Folge. Bei einem 1:2 Aktiensplit, bei dem zwei neue Aktien für eine alte Aktie ausgegeben werden, würden sich sowohl der Nominalwert als auch der Kurswert plötzlich halbieren, was unerfahrene Anleger zu dem Glauben verleiten könnte, dass der Kurs um 50% eingebrochen sei.

Daher werden die historischen Kurse in vielen Chart und Kursanalyseprogrammen automatisch angepasst, so dass ein Aktiensplit in der Grafik nicht zu erkennen ist.

In den meisten Darstellungen der Handelssysteme sind die Zeitpunkte von Splits jedoch gekennzeichnet. Gleiches gilt für die Handelsvolumen, die sich in diesem Beispiel – in Stück betrachtet – plötzlich verdoppeln würden.

Aktiensplits können positive Kursentwicklungen begünstigen

Generell kann ein Aktiensplit eine positive Kursentwicklung einer Aktie fördern – tut dies aber nicht zwangsläufig. Daher sollten Sie nicht davon ausgehen, dass die Kursentwicklung durch einen solchen Schritt automatisch begünstigt wird.

Die Ankündigung eines Aktiensplits ist isoliert betrachtet noch kein Kaufgrund. Zwar können Sie in den meisten Fällen davon ausgehen, dass ein Aktiensplit neue Investoren anspricht, dennoch sollten Sie vor einem Kauf unbedingt die Gesamtlage des Unternehmens analysieren und die Perspektiven des Unternehmens in die Bewertung mit einbeziehen. Der Aktiensplit ist dann nur ein zusätzlicher Pluspunkt.

Das Gegenteil eines Aktiensplits ist ein sogenannter Reverse-Split

Das genaue Gegenteil eines Aktiensplits ist ein sogenannter Reverse-Split. Auf deutsch heißt das so viel wie Aktienzusammenlegung. Während ein Aktiensplit dazu dient, den Kurs einer Aktie optisch günstiger aussehen zu lassen, dient ein Reverse-Split dazu, den Kurs optisch teurer aussehen zu lassen.

Mit einem Reverse-Split können jedoch auch andere Ziele verfolgt werden. Wenn die Aktien eines Unternehmens zu sehr niedrigen Börsenkursen – genauer gesagt unter dem Nennwert der Aktien – gehandelt werden, ist es nach dem deutschen Aktiengesetz dem Unternehmen untersagt, neue Aktien zu emittieren, da neue Aktien nicht unter dem Nennwert der alten Aktien ausgegeben werden dürfen.

Das bedeutet konkret, dass dann keine Kapitalerhöhung mehr möglich ist und sich eine Aktiengesellschaft kein frisches Geld mehr an der Börse besorgen kann. Die Angst davor veranlasste beispielsweise die Commerzbank im vergangenen Jahr dazu, einen Reverse-Split durchzuführen.

Aktienzusammenlegung bzw. Reverse-Split am Beispiel der Commerzbank

Durch den Reverse-Split fand bei der Commerzbank im vergangenen Jahr eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis 10:1 statt. Der Wert der Commerzbank- Aktie verzehnfachte sich dadurch. Die Commerzbank- Aktionäre waren dadurch allerdings nicht plötzlich reicher als vorher, da sie für 10 alte Aktien jeweils nur 1 neue Aktie erhielten.

Wie schon erwähnt, entschloss sich die Commerzbank zu diesem Schritt, da der Aktienkurs zuvor drohte, unter die 1-Euro-Marke zu fallen. Und das wiederum hätte dazu geführt, dass für die Commerzbank keine Kapitalerhöhung mehr möglich gewesen wäre, was bedeutet hätte, dass die Commerzbank nicht mehr in der Lage gewesen wäre, neues Geld über die Börse einzusammeln.

Kurz nachdem die Commerzbank den Reverse-Split durchgeführt hatte, folgte übrigens eine Kapitalerhöhung, da die Bank dringend Geld benötigte, um zuvor erhaltene Staatshilfen zurückzuzahlen.

Fazit: Aktiensplits und Reverse-Splits sind weder pauschal gut noch pauschal schlecht

Abschließend und zusammenfassend lässt sich sagen, dass Aktiensplits und Reverse-Splits weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht sind. Aktiensplits führen zwar oftmals dazu, dass die Aktie in der Folge wegen des optisch günstigeren Kurses neue Investoren anzieht und dadurch steigt. Doch dies ist keinesfalls automatisch so und daher auch keine „Gewinn-Garantie“.

Kommen wir jetzt zu einem Reverse-Split: Dieser ist nicht unbedingt schlecht, nur weil ein Unternehmen sich die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung offenhalten will. Sie sollten sich aber fragen, warum die Aktie vorher so tief gefallen ist. Oft ist das ein Warnsignal.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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