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Aktienkauf: So findet man den idealen Zeitpunkt

Aktienkauf: So findet man den idealen Zeitpunkt
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Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Den richtigen Zeitpunkt beim Aktienkauf zu bestimmen kann deutlich schwieriger sein, als den richtigen Verkaufszeitpunkt zu finden
  • Der Zeitpunkt des Aktienkaufs ist umso wichtiger, je kürzer der Anlagehorizont ist und umso unbedeutender, je länger der Anlagehorizont ist
  • Langfristige Buy-&-Hold-Investoren betrachten Aktien eher als Unternehmensanteile mit dem Fokus auf längerfristige Entwicklungschancen
  • Bei kurz- und mittelfristigen Investoren spielen hingegen Kursentwicklungen und damit die Technische Analyse eine größere Rolle
  • Erfahrene Trader setzen auf bestimmte Tageszeiten und Wochentage um größere Gewinnchancen beim Aktienhandel zu erzielen

Was ist der beste Zeitpunkt für den Aktienkauf?

Es gibt kaum eine Frage, die Anleger mehr beschäftigt, als die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt beim Aktienkauf. Wäre diese Frage einfach zu beantworten, so würde sie nicht so häufig gestellt werden.

Erfahrene Anleger wissen, dass die größte Schwierigkeit nicht darin besteht, aus dem Markt auszusteigen, wenn es zu einem Abschwung kommt. Viel schwieriger gestaltet sich die Entscheidung, wieder in den Markt einzusteigen, vor allem dann, wenn sich am Ende eines Bärenmarktes oder nach einer stärkeren Marktkorrektur die Begeisterung für den Aktienmarkt in Grenzen hält. Das trifft insbesondere für Privatanleger zu. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die bei der Entscheidung über den perfekten Zeitpunkt des Aktienkaufs zu beachten sind. Die wichtigsten werden wir in diesem Beitrag klären.

In welcher Börsenphase sollte man Aktien kaufen?

Das Börsengeschehen verläuft üblicherweise in Zyklen. In Zeiten steigender Aktienmärkte spricht man von einem Bullenmarkt oder von einer sogenannten Hausse. Auf solche Aufwärtsphasen, die durchaus viele Jahre andauern können, folgt üblicherweise ein Bärenmarkt bzw. eine sogenannte Baisse. Die Aktienmärkte bewegen sich also wie ein Pendel hin und her. Anleger werden jedoch immer wieder vor einem Dilemma stehen, egal in welcher Börsenphase man sich befindet.

Einerseits kann es sinnvoll sein, in einem Aufwärtstrend Aktien zu kaufen, um von weiteren Kursgewinnen zu profitieren. Viele Privatanleger lassen sich dabei jedoch von Allzeithochs abschrecken, da sie daraus folgern, dass auf ein All-Time-High zwangsläufig eine Korrektur eintreten muss. Ein Allzeithoch sagt zwar grundsätzlich nichts über das allgemeine Bewertungsniveau einer Aktie oder eines Aktienmarktes aus, natürlich kann es aber sein, dass in heiß gelaufenen Märkten die Korrektur einsetzt und die Aktienkurse schließlich nach unten drehen. Nur lässt sich leider kaum vorhersagen, wann das passieren wird.

In fallenden Märkten stehen Anleger mit der Kaufentscheidung vor einem ähnlichen Problem. Sollte man nun Aktien kaufen, da sie zu besonders günstigen Preisen zu haben sind („Buying the Dip“) oder sollte man lieber die Füße stillhalten, um in kein fallendes Messer zu greifen?

Letztlich gibt es sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten viele Argumente für oder gegen den Kauf von Aktien, sodass per se keine richtige oder falsche Entscheidung getroffen werden kann. Ein wichtiges Entscheidungskriterium ist jedoch der Anlagehorizont.

Der Anlagehorizont: wichtiges Kriterium für den Zeitpunkt des Aktienkaufs

Allgemein lässt sich sagen, dass der Zeitpunkt des Aktienkaufs umso weniger wichtig ist, je länger der Anlagehorizont ist. Je kürzer der Anlagehorizont bzw. der Handelszeitraum ist, umso mehr werden Anleger und Trader auf verschiedene Faktoren, Signale und Indikatoren achten, die vor allem der technischen Analyse und der Chartanalyse entstammen. Es lohnt sich also, beim Anlagehorizont genauer zu differenzieren, bevor man die richtigen Schlüsse über einen guten Einstiegszeitpunkt zieht.

Was ist der beste Zeitpunkt für den Aktienkauf bei langfristigem Buy & Hold?

Wer langfristiges Buy & Hold praktiziert, muss sich mit der Frage nach dem idealen Zeitpunkt für den Aktienkauf nicht lange herumquälen. Das Ziel ist vor allem der langfristige Vermögensaufbau, meist zum Zwecke der privaten Altersvorsorge, um ein langfristiges Sparziel zu erreichen, oder um ein Aktiendepot an seine Nachkommen zu vererben. Ein solcher Investor betrachtet Aktien in erster Linie als Beteilungen an Unternehmen. Dabei stehen eher die längerfristigen Entwicklungschancen im Vordergrund, als kurzfristige Kursentwicklungen. Der beste Zeitpunkt für den Aktienkauf lautet bei langfristigem Buy & Hold also sehr oft: Jetzt!

Doch was gilt als „langfristig“? Eine allgemeine Faustregel besagt, dass man mindestens fünf Jahre, besser jedoch 10 bis 15 Jahre oder noch länger als Anlagehorizont planen sollte, um mögliche Schwankungen, vor allem ausgewachsene Börsencrashs, aussitzen zu können. Man möchte als Privatanleger schließlich nicht in die Bredouille geraten, Aktien gerade dann verkaufen zu müssen, wenn ihr Preis so stark gesunken ist, dass man Verluste machen würde. Derart langfristig orientierte Investoren setzen meist auch auf ein breit diversifiziertes Portfolio, da sich die Kombination aus langer Haltedauer und breiter Streuung in der Vergangenheit durchaus bewährt hat.

Je länger man investiert bleibt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes. Wer zwischen 1969 und 2021 für drei Monate im MSCI World Index investiert war, hätte durchschnittlich in 35 % der 3-Monats-Halteperioden Verluste gemacht, also in jedem dritten Fall. Wer fünf Jahre investiert gewesen wäre, hätte in etwa 18 % der 5-Jahres-Perioden Verluste erzielt. Bei einer Haltedauer von 20 Jahren sanken die Fälle hingegen auf 0 %. Unabhängig davon, wann man also innerhalb des Zeitraums von 1969 bis 2021 in den Aktienmarkt eingestiegen wäre, hätte man kein einziges Mal Verlust gemacht, wenn man das Investment mindestens 20 Jahre gehalten hätte.

Was ist der beste Zeitpunkt für den Aktienkauf bei einer Haltedauer von wenigen Jahren?

Für langfristige Privatanleger, die Aktien vielleicht nicht für 20 Jahre halten wollen, zumindest aber für ein paar Jahre, empfiehlt es sich hingegen durchaus, sich ein umfassendes Verständnis für Markt- und Börsenzyklen anzueignen, um nach geeigneten Einstiegszeitpunkten Ausschau zu halten. Zudem sind umfangreiche Branchenkenntnisse von Vorteil, da sich nicht alle Branchen und Sektoren in den verschiedenen Marktphasen gleichermaßen entwickeln. Spätestens seit dem Technologie-Crash im November 2021 wurde beispielsweise vielen Tech-Aktien-Fans schlagartig bewusst, dass auch die langweiligen und schon oft für tot erklärten Value-Aktien in der richtigen Marktphase auch weiterhin ihre Berechtigung haben.

Wer nicht nur über breit gestreute ETFs in den Aktienmarkt investiert, sondern in Einzelaktien, für den kann zudem das Führen einer Watchlist nützlich sein. Auf diese Liste wandern jene Aktien, für deren Kauf man sich interessiert und für die man einen Kaufpreis festlegt, den man bereit ist zu zahlen und der zuvor anhand einer fundamentalen Kennzahlenanalyse ermittelt wurde. Wird dieser Schwellenwert unterschritten, wird eine Kauforder platziert. Es versteht sich von selbst, dass dafür im Vorfeld entsprechende Rücklagen an liquiden Mitteln gebildet werden müssen, um zu gegebener Zeit Geld auch tatsächlich zuschlagen zu können.

Was ist der beste Zeitpunkt für den Aktienkauf bei kurzfristigen Trades?

Am anderen Ende des zeitlichen Handelsspektrums stehen HFT-Trader („High Frequency Trading“) bzw. Hochfrequenzhändler, die im Millisekundenbereich Aufträge erteilen und löschen. Dabei entscheiden Softwareprogramme mit programmierten Formeln und Algorithmen darüber, möglicherweise sogar unter Zuhilfenahme Künstlicher Intelligenz, was wann gekauft und verkauft wird.

Auch Daytrader bauen mehrmals am Tag Positionen auf und ab, mit dem Ziel, alle offenen Geschäfte bis zum Ende des Handelstags zu schließen. Es gibt verschiedene Varianten des kurz- und mittelfristigen Tradings. Die Anlagedauer ist aber meist zwischen wenigen Stunden und wenigen Monat angesiedelt.

Da bei kurzfristigen Handelsstrategien weniger die langfristigen Entwicklungschancen von Unternehmen im Vordergrund stehen, ist in der Regel vor allem das Kursverhalten der Aktien entscheidend. Man versucht also, kurzfristige oder mittelfristige Kursbewegungen gewinnbringend auszunutzen.

Während langfristig orientierte Value-Investoren in fallenden Märkten achtsam werden und beginnen, ihre Unternehmen auf ihrer Watchlist genau zu beobachten, um gegebenenfalls Schnäppchen zu machen, werden kurzfristig oder mittelfristig orientierte Investoren eher bemüht sein, mit dem Trend zu gehen und nicht gegen den Strom zu schwimmen.

Kurzfristige Trader müssen deutlich mehr Risikofaktoren berücksichtigen, die für den idealen Kaufzeitpunkt von erheblicher Bedeutung sind. So können unerwartete Ereignisse mitunter heftige Kursbewegungen auslösen, die Trader in schwierige Situationen befördern können. Werden etwa niedrigere Quartalsergebnisse erzielt als prognostiziert, kommt es zu Gewinnwarnungen, zu Vorstandswechseln etc? Kurzfristig ausgelegte Trading-Strategien sehen nun mal nicht vor, solche kursschädlichen Ereignisse aussitzen zu können, wie dies Langzeitanleger üblicherweise tun.

Somit kann festgehalten werden, dass kurzfristige Anleger umso besser beraten sind, sich mit Technischer Analyse und Charttechnik zu befassen, je kürzer der Handelsspielraum ist, um richtige Kaufzeitpunkte zu ermitteln. Die Frage, welche Signale und Indikatoren für Trader besonders wichtig sind, lässt sich nur schwer beantworten. Etwas überspitzt ausgedrückt könnte man sagen, dass es beinahe so viele technische Signale und Indikatoren gibt, wie es Anleger gibt.

Das ist natürlich etwas übertrieben, aber dennoch gibt es eine erdrückende Fülle an solchen Indikatoren, die sich teilweise sogar widersprechen. Meist sind bei allen Indikatoren jedoch nur fünf Datenpunkte relevant: Eröffnungskurs, Hoch, Tief, Schlusskurs und das Handelsvolumen. Möglichst viele Indikatoren anzuwenden hat also keinen Zweck, denn sie haben alle dieselbe Grundlage. Daher setzen Trader üblicherweise persönliche Präferenzen, die sie für ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen heranziehen.

Der Psychiater und Trading-Legende Dr. Alexander Elder unterscheidet zwischen drei Gruppen von Indikatoren: Trendfolge-Indikatoren (wie die bei Daytradern besonders beliebten Gleitenden Durchschnitte und MACD-Linien), Oszillatoren (wie das Momentum und den Relative-Stärke-Index) und sonstige Indikatoren (wie das Put-Call-Ratio). Wer verschiedene Indikatoren miteinander kombinieren möchte, sollte also darauf achten, Indikatoren aus den verschiedenen Gruppen miteinander zu kombinieren und nicht mehrere aus derselben Gruppe.

An welchem Wochentag und zu welcher Tageszeit sollte man Aktien kaufen?

Erfahrene Aktienhändler setzen auf bestimmte Tageszeiten, um ihre Kauforders zu platzieren. Der frühe Börsenhandel, in der Regel in den ersten ein bis zwei Stunden nach Handelsbeginn, ist für viele der beste Zeitpunkt, um als aktiver Anleger von Kursschwankungen zu profitieren, da hier die Volatilität besonders hoch ist. Der Grund dafür sind Nachrichten über Nacht, die nach Handelsende veröffentlicht werden und erst nach Börseneröffnung abgewickelt werden können.

Während der Nachmittagsstunden sind die Kursbewegungen in der Regel deutlich ruhiger und die Aktienkurse stabiler. In der Stunde vor dem Börsenschluss kommt es üblicherweise wieder zu einem regen Treiben. Viele Händler wollen vor Börsenschluss ihre Positionen schließen, andere spekulieren wiederum auf eine späte Kursrallye. Erfahrene Händler schlagen hier oftmals Kapital aus dem schlechten Timing von unerfahrenen Anlegern, die sich von den Tagesnachrichten zu sehr beeinflussen ließen.

Abseits von Trading-Strategien empfiehlt es sich aber auch für längerfristige Investoren, auf die Tageszeit beim Platzieren von Kauforders zu achten. Dabei sollte man sich möglichst an die Öffnungszeiten der Handelsplätze halten, da es außerhalb der offiziellen Handelszeiten zu höheren Kosten durch größere Spreads kommt. (ev. internen Link zum Artikel über Kosten beim Aktienkauf einfügen)

Was die Wochentage angeht, so gibt es einige erfahrene Trader, die den Montag als besonders günstigen Tag erachten, um Aktien zu handeln. Der Grund dafür ist die lange Zeitspanne zwischen dem Börsenschluss am Freitagabend und der Eröffnung am Montagmorgen, in der sich oftmals viele Nachrichten und hohe Nachfragen nach bestimmten Aktien aufstauen können.