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Auf fallende Kurse setzen: alle Infos für Anleger

Auf fallende Kurse setzen: alle Infos für Anleger
Phongphan / Shutterstock.com
Inhaltsverzeichnis

Wer mit Aktien handelt oder langfristig in die Wertpapiere investieren möchte, der profitiert in der Regel von steigenden Kursen, während fallende Kurse zu Verlusten führen. Insbesondere bei einer Spekulation kommt es häufig vor, dass aus fallenden Kursen der entsprechenden Finanzprodukte höhere Verluste resultieren.

Wann und warum fallen die Kurse an der Börse?

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, unter welchen Voraussetzungen und wann die Kurse von Aktien und anderen Finanzprodukten an der Börse fallen. Die entsprechenden Ursachen für fallende Kurse an der Börse lassen sich in mehrere Kategorien einteilen, insbesondere:

  • Anlegerverhalten (Psychologie)
  • Politische Situation / Ereignisse
  • Wirtschaftliche Lage / Entwicklung
  • Zinsen am Markt
  • Unternehmensnachrichten
  • Nachrichten aus der Branche

Lassen Sie uns an der Stelle kurz auf die verschiedenen Ursachen eingehen, warum die Kurse an der Börse fallen können.

Psychologie und das Verhalten der Anleger

Natürlich werden auch die Kurse an den Börsen in erster Linie auf der Grundlage des Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage gebildet. Interessieren sich viele Anleger für Aktien oder sonstige Finanzprodukte, steigen die Kurse. Ist das Interesse gering und möchten die Marktteilnehmer eher Wertpapiere verkaufen, führt dies in der Regel zu fallenden Kursen. Das Verhalten der Anleger wiederum wird oft durch die sogenannte Börsenpsychologie bestimmt. 

Damit ist gemeint, dass insbesondere Privatanleger oft einem vorhandenen Trend folgen. Ist die jüngste Entwicklung an den Börsen positiv, neigen Marktteilnehmer eher dazu, Aktien oder andere Finanzprodukte kaufen und damit den Trend zu stabilisieren. Das Gleiche gilt allerdings auch für das Gegenteil. Sprechen wir von einem sogenannten Bärenmarkt, also einer schlechten Stimmung an der Börse, neigen Anleger in erster Linie zum Verkauf. Das wiederum kann zu fallenden Kursen führen. Im Rahmen der Börsenpsychologie spielen auch die Spekulationen eine immer größere Rolle, innerhalb derer auch Privatanleger teilweise bewusst und sogar organisiert auf steigende oder fallende Kurse setzen.

Politische Situation und Entwicklung

Dass auch die politische Lage, sowohl national als auch international, einen großen Einfluss auf die Börsen haben kann, zeigt sich unter anderem in der aktuellen Energie- und Ukraine-Krise. Spätestens seit Beginn der Gas- und Energiekrise schwächeln die Börsen im Grunde fast rund um den Globus. Eine nicht besonders stabile politische Lage oder sogar internationale Krisenherde führen meistens dazu, dass sich die Aktienmärkte und damit auch die einzelnen Kurse der Wertpapiere negativ entwickeln. Das zeigt sich seit dem Ukraine-Krieg aktuell ganz deutlich.

Wirtschaftliche Situation wirkt sich auf Börsen aus

Grundsätzlich wirkt sich natürlich auch die gesamtwirtschaftliche Lage darauf aus, wie sich Anleger verhalten und die Kurse an den Börsen sich entwickeln. Tendenziell lässt sich festhalten, dass eine gute Wirtschaftsentwicklung zur Folge hat, dass es auch den Unternehmen gut geht und dementsprechend die Aktienkurse meistens steigen. Befindet sich die Wirtschaft allerdings in einer schwierigen Lage oder sogar in einer Rezession, führt dies in den meisten Fällen eher zu sinkenden Kursen am Markt. Dies betrifft dann die meisten Finanzprodukte, angefangen von Aktien über ETFs bis hin zu sonstigen Wertpapieren.

Börse wird auch vom Zinsmarkt beeinflusst

Ein weiterer Einflussfaktor auf die Kurse an den Börsen sind die Zinsmärkte. Hier spielt insbesondere der EZB-Leitzins eine Rolle. Befindet sich dieser auf einem niedrigen Niveau, wie es in den letzten Jahren der Fall war, investieren Anleger ihr Geld vermehrt in Aktien oder andere Wertpapiere, also an der Börse. Hebt die Europäische Zentralbank die Leitzinsen allerdings an, wie sie es in diesem Jahr schon zweimal getan hat, schichten Anleger wieder vermehrt von Aktien in sichere, verzinsliche Geldanlagen um. Das wiederum führt aufgrund der nachlassenden Nachfrage ebenfalls häufig zu sinkenden Kursen an den Börsen. Die Notenbanker der EZB haben also durchaus einen größeren Einfluss darauf, wie sich auch die Kurse an den Börsen entwickeln könnten.

Unternehmensnachrichten beeinflussen einzelne Kurse

Einen sehr direkten Einfluss auf die Kurse einzelner Aktien haben natürlich Nachrichten zum entsprechenden Unternehmen. Werden zum Beispiel Geschäftszahlen veröffentlicht und sind diese schlechter als erwartet, gibt es nicht selten erst einmal einen kleineren Kursrutsch. Gleiches gilt für negativen Nachrichten, welche die gesamte Branche betreffen, in der das Unternehmen beheimatet ist. Auch dann müssen Anleger damit rechnen, dass die Kurse an den Börsen eher fallen oder sich sogar in einen längerfristigen Abwärtstrend begeben. 

Wie sollte man als Anleger auf fallende Kurse reagieren?

Die häufig gestellte Frage von Anlegern im Hinblick auf fallende Kurse an den Börsen ist natürlich, wie man jetzt reagieren sollte. Vom Grundsatz her gibt es drei Möglichkeiten, wie Anleger auf fallende Kurse reagieren könnten, nämlich:

  1. Aktien kaufen
  2. Position halten
  3. Bestand verkaufen

Eine dieser drei Aussagen treffen übrigens auch Analysten, die entsprechende Empfehlungen nennen. Zwar mag es auf den ersten Blick paradox erscheinen, wenn eine Option darin besteht, bei fallenden Kursen trotzdem die entsprechenden Aktien oder sonstige Finanzprodukte zu kaufen. Dahinter steckt allerdings der Gedanke, dass nach einem bestimmten Kursrückgang das Niveau niedrig ist und entsprechende Wertpapiere vielleicht sogar unterbewertet sind. Dann könnte es durchaus Sinn ergeben, die Wertpapiere zu kaufen oder nachzukaufen, falls man bereits eine entsprechende Position hat. 

Die zweite Alternative besteht darin, abzuwarten und weder zu kaufen noch zu verkaufen. Man nennt das auch „Halten“ der Position. Diese Option ist in erster Linie für mindestens mittel- bis zu langfristig orientierten Investoren oft die beste Entscheidung. Zwischenzeitliche Kursverluste machen nämlich historisch betrachtet faktisch kaum etwas aus, wenn Sie einen Anlagehorizont von mindestens acht bis zehn Jahren haben. Deshalb müssen Sie nicht unbedingt auf Kursrückgänge an den Börsen reagieren, es sei denn, es ist tatsächlich ein einzelnes Wertpapier als Ausnahme betroffen. Dann sollten Sie sich näher damit beschäftigen, warum zum Beispiel Ihre Aktien so gefallen sind und ob es sich doch sinnvoll sein könnte, die Position abzustoßen.

Bei fallenden Kursen an den Börsen würden sich die meisten Anleger sicherlich aus dem Bauch heraus dafür entscheiden, die Wertpapiere zu veräußern. Dahinter steckt der Gedanke, dass sich so vielleicht noch größere Verluste vermeiden lassen. Historisch betrachtet ist es allerdings – ebenfalls bei einem längerfristigen Anlagehorizont – meistens die falsche Entscheidung gewesen, in sinkende Kurse hinein zu verkaufen. In aller Regel erholen sich die Börsen nämlich nach einigen Monaten oder spätestens Jahren wieder, sodass anschließend das Kursniveau sogar höher als vor dem Kursrückgang ist.

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass es sehr darauf ankommt, ob Anleger mit den entsprechenden Finanzprodukten spekulieren, mittelfristig handeln oder langfristig in die Wertpapiere investieren möchten, wie sie sich bei fallenden Kurse an der Börse verhalten sollten. Bei der Spekulation und einem eher kurzfristigen Handel kann es durchaus sinnvoll sein, die Position bei fallenden Kursen zu veräußern, um größere Verluste zu vermeiden. Bei längerfristig orientierten Anlegern ist es hingegen meistens ratsamer, die Position zu halten und keine Finanzprodukte zu verkaufen. Manchmal kann es sogar eine Überlegung sein, nachzukaufen oder interessante Wertpapiere erstmals zu erwerben.

Wie setzt man auf fallende Kurse?

Im Normalfall hoffen Sie durch den Kauf von Aktien und den meisten anderen Finanzprodukten natürlich darauf, dass die entsprechenden Kurse steigen. Insbesondere mit Aktientiteln lassen sich dann gute Gewinne erzielen, vor allem dann, wenn zum Kursgewinn noch eine Dividende hinzukommt. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Anleger, die ihr Geld nicht langfristig in steigende Kurse investieren möchten, sondern gerne auf fallende Kurse setzen wollen. 

Der gewöhnliche Aktienkauf scheidet dann natürlich aus, denn dabei würden Sie nur von steigenden Kursen profitieren. Stattdessen gibt es die folgenden Möglichkeiten, mit denen Sie auf fallenden Kurse von Aktien und anderen Basiswerten, wie zum Beispiel Indizes oder Rohstoffe, spekulieren können:

  • Leerverkauf (von Aktien)
  • Optionsscheine
  • Option
  • Futures
  • CFDs

Eine Möglichkeit, von fallenden Kursen an den Börsen zu profitieren, sind die sogenannten Leerverkäufe. Allerdings haben nicht alle Anleger bei jeder Bank oder jedem Broker einen Zugang zu solchen Leerverkäufen, da diese durchaus mit dann höherem Risiko verbunden sind. Ohnehin muss es sich normalerweise um sogenannte gedeckte Leerverkäufe handeln. Das bedeutet, dass Sie sich die Aktien, die Sie nicht im Bestand haben, für den Zeitraum des Leerverkaufs anderweitig leihen. Im besten Fall fallen die Kurse nach dem Leerverkauf tatsächlich, sodass Sie sich später zu einem geringeren Kurs eindecken können, als Sie für den Leerverkauf erhalten haben. So lassen sich mit Leerverkäufen bei fallenden Kursen durchaus gute Gewinne erzielen. 

Eine etwas andere Möglichkeit besteht darin, dass Sie eine Spekulation auf fallende Kurse mittels sogenannter Derivate vornehmen. Diese abgeleiteten Finanzprodukte (Derivate) gibt es in mehreren Varianten, nämlich in erster Linie als Futures, Optionen, Optionsscheine und CFDs. Mit all diesen Derivaten können Sie sowohl auf steigende als auch fallenden Kurse der entsprechenden Basiswerte spekulieren. 

Wenn Sie sich zum Beispiel für einen Optionsschein entscheiden, dann haben Sie grundsätzlich bei allen Basiswerten zwei Möglichkeiten: Sie können einen Call-Optionsschein wählen, würden dann allerdings auf steigende Kurse spekulieren. Das Gegenteil ist der Put-Optionsschein, der Ihnen das Recht gibt, zum Beispiel Aktien zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Das rentiert sich natürlich nur, wenn die Kurse anschließend auch wirklich fallen, sodass Sie sich quasi später indirekt mit einem günstigeren Kurs eindecken. 

Wenn Sie also mittels Derivate auf fallende Kurse spekulieren möchten, müssen Sie immer auf die Richtung achten. Bei Optionen und Optionsscheinen handelt es sich dementsprechend um die Put-Versionen. Beim CFD Handel können Sie ohnehin mit den entsprechenden Differenzkontrakten auf steigende oder fallende Kurse spekulieren. Wenn Sie auf fallende Börsenkurse setzen, dann verkaufen Sie einfach die entsprechenden CFDs

Was sind die Risiken und Chancen bei Investments bei fallenden Kursen?

Grundsätzlich hat die Spekulation auf fallende Kurse keine höheren Risiken, als wenn Sie sich für eine Spekulation auf steigende Kurse entscheiden würden. Trotzdem sollten Sie unbedingt die Chancen und Risiken gegenüberstellen, bevor Sie sich dafür entscheiden, dass Sie von möglichst fallenden Börsenkursen profitieren möchten. Insbesondere bei den angesprochenen Derivaten gibt es die Chance auf überproportional hohe Gewinne, vor allem dann, wenn die Produkte mit einem Hebel arbeiten, wie es zum Beispiel bei den CFDs der Fall ist. Dann können Sie zum Beispiel mit einem geringen Kapitaleinsatz schnell – bezogen auf Ihr Kapital – eine Rendite im höheren zwei- oder sogar dreistelligen Prozentbereich erzielen. 

Auf der anderen Seite sind natürlich gerade bei Derivaten die Risiken ebenfalls sehr hoch. Meistens reichen diese sogar bis hin zum Totalverlust, wenn zum Beispiel der CFD Broker die Position schließen muss oder Ihre Optionsscheine wertlos werden, weil die Kurse des Basiswertes nicht gefallen, sondern gestiegen sind. 

Während das Setzen auf steigende Kurse, zum Beispiel bei Aktien, auch sehr langfristig möglich ist, fällt es eher in den Bereich des kurzfristigen Handels und der Spekulation, wenn Sie von fallenden Kursen profitieren möchten. Da alle entsprechenden Möglichkeiten, angefangen von Derivaten bis zum Leerverkauf, eine zeitliche Begrenzung haben, ist es im Grunde kaum möglich, tatsächlich langfristig von fallenden Kursen zu profitieren.