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Was passiert mit Aktien bei einer Insolvenz?

Was passiert mit Aktien bei einer Insolvenz?
Marco2811 | Adobe Stock
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Insolvenz sinkt der Aktienkurs des Unternehmens massiv
  • Anleger erleiden durch eine Insolvenz hohe Verluste
  • Trotzdem sollten Aktionäre die Wertpapiere nicht immer sofort verkaufen, weil auch anschließende Kurssteigerungen möglich sind
  • Anleger haben in einer Insolvenz faktisch keine Rechte, haften allerdings auch nicht als Schuldner gegenüber Gläubigern

Für Aktionäre ist die Insolvenz der Aktiengesellschaft ein Horrorszenario. Wird das eingeleitete Insolvenzverfahren bekannt gegeben, sinken die Wertpapiere fast immer massiv im Kurs. Was können Anleger in dem Fall noch mit den Aktien tun? 

Zunächst gehen wir im Beitrag darauf ein, was die Insolvenz für Aktiengesellschaften bedeutet. Ferner zeigen wir die häufigsten Ursachen einer Insolvenz auf, welche Rechte und Pflichten Aktionäre haben, welche Möglichkeiten die Unternehmen haben und ob Sie Ihre Aktien immer sofort verkaufen sollten.

Was bedeutet eine Insolvenz bei Aktiengesellschaften für Investoren?

Eine Insolvenz bedeutet bei allen Unternehmen, so auch bei Aktiengesellschaften, dass momentan keine ausreichenden Mittel mehr zur Verfügung stehen, um alle ausstehenden Verbindlichkeiten zu bedienen. Die Aktiengesellschaft hat also Schulden, die aktuell nicht zurückgezahlt werden können. In diesem Kontext spricht man auch von Zahlungsunfähigkeit.

Eine Insolvenz bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Zahlungsunfähigkeit auf Dauer existieren muss und eine Liquidation stattfindet. Trotzdem drohen den Anlegern bei einer eröffneten Insolvenz häufig Verluste, nicht selten auch ein Totalverlust, da die Aktien massiv an Wert verlieren und Aktionäre somit erhebliche finanzielle Verluste erleiden.

Was sind die häufigsten Ursachen einer Insolvenz?

Es gibt eine Reihe von Ursachen, die zur Zahlungsunfähigkeit einer Aktiengesellschaft und somit zu einer Insolvenz führen können. Das sind insbesondere:

  • Mangelhaftes oder fehlendes Controlling
  • Finanzierungsvarianten
  • Unzureichendes Forderungsmanagement
  • Fehler bei Investitionen, die zu Schulden führen
  • Angebot wird nicht genügend angenommen
  • Produktionsausfall, beispielsweise wegen Zulieferproblemen

Welche Rechte haben Aktionäre bei einer Insolvenz?

Bei einer Insolvenz haben Aktionäre faktisch keine Rechte. Da die Anleger nicht Gläubiger, sondern stattdessen Miteigentümer der Aktiengesellschaft sind, gibt es dementsprechend keine finanziellen Forderungen gegenüber der Aktiengesellschaft. Der Aktionär kann sein Geld, welches er in das Unternehmen investiert hat, also nicht zurückverlangen. Das im Grunde einzige Recht des Aktionärs besteht darin, dass er die letzten Bilanzen der AG analysieren darf, damit er sich auf diese Weise ein Bild zur Situation und zur Werthaltigkeit der Vermögenswerte machen kann.

Haften Aktionäre bei einer Insolvenz?

Auf der einen Seite sind Aktionäre zwar Gesellschafter im insolventen Unternehmen und damit in der Gesellschaft. Damit wären Aktionäre streng genommen Schuldner, müssen allerdings dennoch nicht gegenüber Gläubigern bei einer Insolvenz haften. Da es keine Nachschusspflicht gibt, haften die Anleger lediglich theoretisch mit ihrem eingesetzten Geld bzw. Vermögen, welches allerdings aufgrund des massiven Kursverfalls der Aktie ohnehin in der Regel kaum noch einen Wert haben wird. Eine Übernahme der Schulden des Unternehmens – als Schuldner – ist nicht vorgesehen.

Welche Möglichkeiten haben Aktiengesellschaften nach dem Insolvenzantrag? 

Tatsächlich gibt es nach der Insolvenzanmeldung mehrere Möglichkeiten, wie es mit der Aktiengesellschaft weitergehen kann. Zunächst wird nach dem Insolvenzantrag ein (vorläufiger) Insolvenzverwalter bestellt. Dieser Insolvenzverwalter hat vor allem die Aufgabe, die Insolvenzmasse festzustellen und eventuelle Forderungen an Dritte geltend zu machen. Zudem prüft der Insolvenzverwalter, wie viel Geld und Vermögen im Unternehmen noch vorhanden sind. 

Je nach Situation gibt es dann eine Möglichkeit, wie es nach Angaben der Insolvenz weitergehen kann, nämlich:

  • Liquidation der Vermögenswerte und damit des Unternehmens
  • Übernahme der Insolvenzmasse (teilweise oder vollständig) durch anderes Unternehmen
  • Sanierung der Gesellschaft

In vielen Fällen findet eine Liquidation der Aktiengesellschaft statt, sodass das Unternehmen anschließend nicht mehr existiert. Ebenfalls kommt es häufiger zu einer Übernahme durch fremde Unternehmen. Diese kaufen allerdings in der Regel nur Teile auf und übernehmen seltener die komplette Insolvenzmasse. Möglich ist natürlich auch eine Sanierung, sodass die Aktiengesellschaft weiter fortgeführt werden kann. 

Welche Folgen hat die Insolvenz für Aktionäre?

Unserer folgenden Tabelle können Sie entnehmen, welche Folgen die jeweiligen Optionen nach Anmeldung der Insolvenz für die Aktionäre haben (können).

Fortgang nach Anmeldung InsolvenzAuswirkung für Aktionäre
Liquidation der Vermögenswerte einer AktiengesellschaftAktien nicht mehr handelbar / Totalverlust für Investoren
Übernahme durch anderes Unternehmenpotenzielles Übernahmeangebot Aktien an Anleger
Sanierung der AktiengesellschaftKurserholung möglich / wahrscheinlich

Können auch insolvente Aktien gekauft oder verkauft werden?

Selbstverständlich haben Anleger die Möglichkeit, Aktien einer Gesellschaft, die gerade Insolvenz angemeldet hat, weiterhin zu kaufen. Das ist solange möglich, wie die Wertpapiere an der Börse oder auch außerbörslich gehandelt werden. Der Verkauf ist ebenfalls während der Handelszeiten zu jedem Zeitpunkt möglich, falls sich allerdings noch Käufer finden. Meistens ist das sogar der Fall, denn vor allem Spekulanten kaufen sehr gerne insolvente Aktien, weil eben die Chance besteht, dass die Kurse – zumindest kurzzeitig – noch einmal massiv steigen. Für Privatanleger, die längerfristig orientiert sind, ist das Kaufen insolventer Aktien allerdings auf keinen Fall empfehlenswert.

Sollten Aktionäre insolvente Aktien verkaufen?

Wenn bekannt wird, dass eine Aktiengesellschaft Insolvenz angemeldet hat, dann fällt der Aktienkurs in der Regel sofort massiv. Die meisten Investoren haben daher kaum eine Chance, die Wertpapiere noch rechtzeitig vor dem Kursfall zu veräußern. Aber lohnt sich der Verkauf zu dem Zeitpunkt noch, wenn der Kurs der Aktie beispielsweise nur ein Zehntel oder ein Zwanzigstel so hoch wie noch vor ein paar Tagen ist? 

Grundsätzlich sollten Sie die Aktien nicht zu schnell veräußern. Immerhin besteht auch nach einer angemeldeten Insolvenz noch die Möglichkeit, dass eine Sanierung stattfindet oder sich die Aktiengesellschaft noch während des Insolvenzverfahrens wieder erholt. Dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch der Wert der Aktien wieder (deutlich) steigt.

Welche Aktiengesellschaften mussten bereits Insolvenz anmelden?

Es gibt eine ganze Reihe namhafter Aktiengesellschaften in Deutschland, die in der Vergangenheit als Insolvenz anmelden mussten. Daran sieht man, dass auch größere Unternehmen keineswegs generell vor einer Insolvenz gefeit sind. Bekannte Beispiele sind: 

  • Wirecard
  • Air Berlin
  • Woolworth
  • Praktiker
  • ARCANDOR

In jüngster Erinnerung ist sicherlich vor allem der Fall Wirecard, denn immerhin handelte es sich dabei sogar um ein DAX-Unternehmen.