+++ Die kostenlosen Online Live Webinare 2022 - Trading, Finanzen, Geldanlage & Vermögen +++

Pennystocks – volatile Aktien im Cent-Bereich mit hohem Verlustrisiko

Inhaltsverzeichnis

Wer kennt nicht das Sprichwort: „Wer billig kauft, kauft teuer.“ Diese Redewendung soll ausdrücken, das preisgünstige Industrieerzeugnisse und Handelsgüter in vielen Fällen wertlos oder aus Qualitätsgesichtspunkten nutzlos sind. Trotz dieser Tatsache gibt es unzählige Waren und Dienstleistungen, die mit wenig Geldeinsatz erworben werden können. Ein paar Knöpfe für 49 ct, ein Brötchen vom Discounter für 19 ct und viele weitere Beispiele zeigen, dass es in allen Branchen und Handelsbereichen Billigangebote gibt. Nicht in jedem Fall sind diese qualitativ minderwertig.

An der Börse werden ebenfalls Aktien gehandelt, die zu einem günstigen Kurs erworben werden können. Hierbei handelt es sich um die sogenannten Pennystocks. Der englische Begriff könnte ins Deutsche mit „Cent-Aktien“ übersetzt werden. Diese Wertpapiere mit äußerst niedrigem Kurswert können teilweise für wenige Cent gekauft und gehandelt werden.

Ähnlich wie bei günstigen Waren und Dienstleistungen steht bei einer Aktie, die ein paar Cent kostet die Frage im Raum, ob sich die Investition wirklich lohnt oder zu risikoreich ist. Dieser Artikel beschäftigt aus diesem Grund eingehend mit Pennystocks und erklärt, welche Chancen und Risiken mit Pennystocks verbunden sind. Er geht darüber hinaus darauf ein, warum unerfahrene Anleger Pennystocks meiden sollten, wie Spekulanten mit Pennystocks Geld verdienen und welche Anlagetypen vor allem von Pennystocks profitieren können.

Pennystocks – preisgünstige und spekulative Aktien 

Pennystocks werden im Allgemeinen als Aktien mit niedrigem Kurswert definiert. Für den Euroraum bedeutet dies, dass unter dem Begriff Pennystocks alle Aktien zusammengefasst werden, die einen Wert unter einem Euro besitzen. Für die USA ist eine Grenze von fünf US-Dollar allgemein anerkannt. Die aktienausgebenden Unternehmen hinter Pennystocks sind in vielen Fällen kleine, unbekannte oder semi-erfolgreiche Firmen, die an einem regionalen Aktien-Handelsplatz Wertpapiere ausgeben, um Fremdkapital zu erwirtschaften.  

Während eine Vielzahl von Pennystocks auf den Börsenplätzen dieser Welt und über die gängigen Onlinebroker gehandelt wird, können einige dieser spekulativen Wertpapiere ausschließlich „Over-the Counter“ (OTC) gezeichnet werden. Ein OTC-Handel von Aktien ist bei den meisten Brokern oder Banken und Sparkassen ebenfalls möglich und in der Regel günstiger und gleichzeitig risikoreicher als der originäre Börsenhandel.

Die wichtigsten Börsenplätze der Welt haben in den letzten Jahren strengere Regeln für den Handel mit Pennystocks gesetzt, da sie Qualitätsstandards etablieren möchten. Dies hat dazu geführt, dass manche Aktien ausgelistet wurden (Delisting) und ausschließlich außerbörslich im OTC-Handel (Downlisting) verfügbar sind. Grund hierfür ist das hohe Risiko, dass mit dem Kauf von Pennystocks einhergeht.

Unkalkulierbare Risiken von Pennystocks – das müssen Anleger wissen

Pennystocks mit niedrigem Kurswert sind auf den ersten Blick für Anleger attraktiv. Mit geringem Kapitaleinsatz besteht die Chance, hohe Gewinne zu erzielen. Dies kann zum Beispiel an der Aktie des Software- und Konsolenherstellers Atari abgelesen werden.  

Vor vielen Jahren gehörte Atari neben Commodore zu den wichtigsten Herstellern für Unterhaltungselektronik. Aktuell konzentriert sich Atari vor allem auf die Entwicklung und den Verkauf von Computerspielen. Betrachtet man die Kursschwankungen der Atari-Aktie, die an der NYSE Euronext in Paris gehandelt wird, fällt auf, wie volatil sie notiert. Im Frühjahr 2021 konnte die Aktie von Atari einen Kurssprung von bis zu 250 Prozent auf über 0,92 Euro erreichen. Der Kurs brach in kürzester Zeit wie in den Jahren zuvor ein. Im August 2021 notierte die Aktie bei 0,38 Euro und damit wesentlich niedriger als ein halbes Jahr zuvor. Wer vor dem steilen Anstieg des Aktienkurses ein Investment in die Atari-Aktie getätigt hatte, konnte kurzfristig hohe Gewinne einstreichen. Gleichzeitig haben diejenigen, die mit dieser Pennystock-Aktie auf weiterhin steigende Gewinne gesetzt haben, exorbitante Verluste eingefahren.

Ein weiteres Beispiel ist das Finanztechnologieunternehmen Ideanomics mit Hauptsitz in New York, das im Nasdaq: IDEX gelistet ist. Ähnlich wie bei vielen anderen Pennystocks sind die Kursschwankungen bei Ideanomics in den letzten Jahren rasant. Kurssprünge von mehr als 200 Prozent wechseln sich mit fulminanten Abstürzen des Aktienkurses ab. Hatte die Aktie im Jahr 2017 zum Beispiel einen Wert von mehr als fünf Euro, lag ihr Wert Ende 2020 bei unter 0,75 Euro.  

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Kursschwankungen bei Pennystocks üblich sind und von Anlegern vor dem Kauf der Aktien eingepreist werden müssen. Sinkt der Börsenwert von Pennystocks, ist dies nicht in jedem Fall das Ende der Aktie. Aktien namhafter Firmen wie Atari, Gigaset oder andere zeigen, dass sie mit entsprechenden Kursschwankungen über Jahre oder Jahrzehnte handelbar sind.

Ausfallrisiko bei unbekannten Unternehmen deutlich erhöht

Am Beispiel von Atari und Ideanomics können Kapitalanleger die Achterbahnfahrt und die Kursschwankungen von Pennystocks objektiv nachvollziehen. Anleger, die Atari-Aktien kaufen, kennen gleichzeitig das Unternehmen und seine Ausrichtung und sind sich des Risikos von Kursschwankungen bewusst. Sie können sich über das Unternehmen und seine Historie umfassend im Internet und bei Börsenanalysten informieren.

Vorsicht geboten ist vor allem bei Pennystocks von unbekannten oder neu gegründeten Unternehmen. Ein Beispiel hierfür ist das 2012 gegründete englische Unternehmen Rapid Nutrition, das Nahrungsergänzungsmittel verkauft und im August 2021 einen Kurs von 0,08 Euro pro Aktie aufwies. Betrachtet man die Kursschwankungen der Aktie, ist auffällig, dass der Kurs regelmäßig bis nahezu 0,00 Euro fällt. In der Folge erholte sich die Aktie bis auf einen Spitzenwert von 0,10 Euro.

Anleger, die zu Hochzeiten in die Aktie investiert haben, mussten nahezu einen Totalverlust verkraften. Die Chance, von der Aktie zu profitieren besteht ebenfalls, wenn zu Zeiten verkauft wird, in denen die Aktie einen hohen Kurs aufweist.

Chancen und Risiken von Pennystocks zusammengefasst

Anhand der drei betrachteten Beispiele wird klar, dass beim Investment von Pennystocks die Risiken überwiegen. Die Aktien im Cent-Bereich sind in vielen Fällen wertlos und beinhalten im besten Fall marginale Gewinnchancen. Weisen Pennystocks fortlaufend hohe Kurssprünge auf, kann darüber hinaus eine Betrugsmasche vorliegen. Bei einem geringen Aktienwert von wenigen Cent pro Aktie übersteigen die Orderkosten darüber hinaus häufig die Gewinne. Ein weiterer wesentlicher Nachteil besteht in der Tatsache, dass Pennystocks in der Regel im schlechter regulierten OTC-Markt gehandelt werden.

Gleichzeitig kann ein Investment in Pennystocks einen exorbitant hohen Wertzuwachs generieren. Dies ist vor allem der Fall, wenn Anleger ihre Aktie zum passenden Zeitpunkt verkaufen und auf diese Weise hohe Gewinne mitnehmen. Anleger mit dem „richtigen Riecher“ können schon bei einem Kursanstieg von wenigen Cent hohe Gewinne verbuchen, wenn sie entsprechend viele Aktien gezeichnet haben. Verluste fallen bei einem überschaubaren Investment gleichzeitig gering aus.

Für welche Anleger sich Pennystocks lohnen

Nicht zu Unrecht wurden Pennystocks von vielen Börsenplätzen weitestgehend verbannt. Mit dem Erwerb von Pennystocks ist ein erhöhtes Risiko verbunden, sodass diese günstigen Aktien vor allem für erfahrene Anleger interessant sind.

Kapitalanleger, die risikoreich investieren möchten und Verluste einkalkulieren, sind die richtige Klientel für Pennystocks. Im Rahmen einer professionellen Investment-Strategie können Pennystocks darüber hinaus eine sinnvolle Ergänzung des Portfolios sein und als Risikokapital eingesetzt werden. Auf diese Weise können langfristige Investitionen in Fonds oder Aktien namhafter Unternehmen durch Spekulation in Pennystocks ergänzt werden, um alle Chancen auf den Aktienmärkten zu nutzen.

Unerfahrene Anleger sollten bei einem Investment in Pennystocks vorsichtig sein. Wer auf „Nummer sicher“ gehen möchte, sollte Pennystocks meiden und kann alternativ in sogenannte Small-Cap oder Nebenwertefonds investieren. Diese Fonds setzen auf attraktive Pennystocks. Durch die Streuung in derartigen Sparplänen und Fonds können Verluste besser kompensiert werden als bei einem Einzelinvestment.

Grundsätzlich eignen sich Pennystocks vor allem für kurzfristige Investments. Wer sein Kapital langfristig anlegen möchte, sollte auf die klassischen Aktien oder Aktienfonds setzen, bei denen das Risiko, dass hohe Wertverluste eintreten, geringer ist.

Tipp

Möchten Sie Pennystocks erwerben, achten Sie auf die Nebenkosten ihres Depots und setzen Sie auf Broker, die ihre Orderprovision vom Handelsvolumen abhängig machen, ohne eine Mindestgebühr zu erheben. Auf diese Weise minimieren Sie die Kosten für den Kauf der Aktien und haben die Gewähr, dass sich der Kauf der Cent-Aktien trotz Gebühren rechnet.

Betrug mit Pennystocks – so treiben Spekulanten die Preise in die Höhe

Aufgrund des überschaubaren Aktienwerts versuchen Betrüger und Spekulanten, den Preis von bestimmten Aktien in die Höhe zu treiben. Hierfür kaufen Sie im ersten Step große Mengen einer günstigen Aktie, die beispielsweise für 1 Cent oder 5 Cent pro Aktie erworben werden kann.

Im nächsten Schritt werben diese unseriösen Experten in Börsenbriefen, vermeintlichen Fachmagazinen im Internet und in Newslettern mit fehlerhaften Informationen für den Erwerb dieser Aktie. Beispielsweise erden erfundene Details zu innovativen Produkten und zu den Umsätzen und Marktanteilen des Unternehmens in blumigen Worten dargestellt. Kleinanleger wittern die Chance, in kürzester Zeit mit dem Handel Gewinne einzufahren und kaufen die Aktien ebenfalls zu überhöhten Kursen. Während der Aktienkurs weiter steigt, erhöht sich das Risiko für die Anleger.   

Die Spekulanten verkaufen die Aktien schließlich mit hohem Gewinn. Dies führt dazu, dass der Kurswert des Wertpapier umgehend und rapide einbricht. Die privaten Kleinaktionäre verlieren bei dieser Wette auf Pennystocks ihr eingesetztes Kapital nahezu vollständig.

Fazit: Anleger können Pennystocks kaufen, wenn sie sich des Risikos dieser volatilen Geldanlage bewusst sind.

Pennystocks sind Aktien mit einem geringen Kurswert. Sie werden teilweise an einem professionellen Börsenplatz gehandelt oder müssen im OTC-Markt erworben werden. Bevorzugt werden sie an kleinen Börsen oder Onlineplätzen gehandelt, da die großen Handelsplätze hohe Qualitätskriterien an Aktien anlegen.

In Europa betrachtet man Aktien bis zu einem Aktienkurs eines Euros als Pennystocks. In den USA werden Aktien bis zu einem Wert von fünf Dollar als Pennystocks bezeichnet. Viele Aktien in diesem Bereich kosten wenige Cent und sind aus diesem Grund vor allem bei Spekulanten beliebt. In manchen Fällen wurden Pennystocks ebenfalls für kriminelle Machenschaften genutzt.

Als Investment-Case eignen sich Pennystocks vor allem für kurzfristige Aktienkäufe. Aufgrund ihres geringen Werts besteht bei Pennystocks einerseits die Chance auf hohe Gewinne und ebenfalls das Risiko hoher Verluste. Aus diesem Grund eignen sie sich vor allem für erfahrene Kapitalanleger, die sich objektiv mit den Risiken auseinandersetzen. Manche der als Pennystocks bezeichneten Aktien halten sich seit Jahren oder Jahrzehnten und konnten aufgrund positiver Geschäftsentwicklung hohe Kursgewinne verzeichnen.

Ob und in welche Pennystocks erfahrene und risikobewusste Anleger investieren, muss individuell entschieden werden. Für unerfahrene Kapitalanleger ist es nicht ratsam, sofort in Pennystocks zu investieren, da die Volatilität dieser Anlageform ein zu hohes Risiko beinhaltet, einen großen Teil seiner Einlage zu verlieren.