Apple will sich neu erfinden – Was ist für Anleger noch drin?

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Apple steht vor einem größeren Umbau. Schafft es der iPhone-Gigant, sich neu zu erfinden? (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Am 9. Januar 2007 stellte Steve Jobs das erste iPhone vor, damals notierte die Apple-Aktie noch bei 11,9 US-$. Inzwischen wird die Apple-Aktie bei über 180 US-$ gehandelt, ein Kurszuwachs von über 1.400 %.

Doch nach 12 Jahren iPhone-Boom neigt sich die große Zeit der Smartphones dem Ende entgegen. Der Smartphone-Markt gilt insbesondere in westlichen Industrienationen als gesättigt. Auch die iPhone-Verkaufszahlen sinken und Apple muss sich neu erfinden.

Weg von Hardware, hin zu Services

Apple-Chef Tim Cook tut daher gut daran, den iPhone-Konzern neu auszurichten. Das Hardware-Geschäft rund um das iPhone, Mac-Rechner, iPad-Tablets und der Computeruhr Apple Watch zeichnet zwar nach wie vor für den Großteil des Umsatzes verantwortlich, doch das Servicegeschäft (Apple Pay, Apple Music, iCloud etc.) wächst schneller.

Apple stellt eigenen Streaming-Service Apple TV+ vor

Um dieses wachsende Servicegeschäft weiter auszubauen, will Apple seine Basis an über 1,4 Mrd. Apple-Geräten nutzen, um Apple-Fans weitere Services zu verkaufen. Dazu zählt der neue Video-Streaming-Dienst Apple TV+, der mit anderen Video-Diensten wie Netflix und Amazon Prime konkurrieren soll.

Laut US-Medienberichten will Apple 1 Mrd. US-$ in seinen neuen Streaming-Service Apple TV+ investieren, der vor allem auch eigene TV-Serien wie „The Morning Show“ vorsieht. Als Partner fungieren Starz und Showtime, zudem konnte Apple die beiden Filmemacher J.J. Abrams und Steven Spielberg gewinnen. Apple TV+ wird im Herbst 2019 zur Verfügung stehen, über Preise wurde zunächst nichts bekannt.

Apple Arcade und Apple News Plus ergänzen das Servicegeschäft

Ebenfalls im Herbst starten soll ein neuer Spiele-Aboservice mit dem Namen Apple Arcade. Gegen eine monatlich fixe Gebühr sollen Kunden dann mehr als 100 kostenpflichtige Spiele herunterladen und sowohl auf dem iPhone als auch auf anderen Apple-Geräten nutzen können.

Für eine monatlich fixe Gebühr von 9,99 US-$ steht künftig auch die Apple News Plus App zur Verfügung. Dabei handelt es sich um einen Aboservice für Zeitschriften, der Lesern den Zugriff auf bis zu 300 Magazine und Zeitungen gewährt.

Apple erweitert Apple Pay um eine eigene Kreditkarte

Nach dem Apple mit Apple Pay offenbar auch nach Estland, Griechenland, Portugal und andere Länder expandiert, erhält der Bezahldienst mit der Apple Card eine weitere Ergänzung. Um Apple Card handelt es sich um eine Apple-Kreditkarte, die gemeinsam mit den Partnern Goldman Sachs und Mastercard realisiert werden soll.

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Das Besondere an diesem Serviceangebot: Apple verspricht einen besonders strengen Datenschutz. Dies bedeutet, dass Apple nicht weiß, was der Kunde zu welchem Preis, wo und wann gekauft hat. Auch auf der Apple Card wird nur der Name stehen, nicht aber die Kartennummer und auch keine Unterschrift – dadurch sollen diese sensiblen Daten nicht in die falschen Hände geraten. Darüber hinaus gibt es eine Cash-Back-Funktion, wodurch Kunden Geld für Ankäufe zurückerhalten sollen.

Was können Anleger erwarten?

Im Analystenlager wird die Vorstellung der neuen Serviceangebote weitgehend positiv aufgenommen. Morgan Stanley Analystin Katy Huberty hob das Kursziel für die Apple-Aktie zum Beispiel von 197 auf 220 US-$ an.

Auch ansonsten dürften Anleger damit rechnen, dass das Servicegeschäft künftig einen noch größeren Umsatzanteil am Apple-Umsatz einnimmt. Bei Morgan Stanley geht man beispielsweise davon aus, dass Apple durch die Apple TV Hardware und den neuen Service Apple TV+ einen Umsatz von 22 bis 37 Mrd. US-$ bis 2025 generieren wird.

Fazit: Apple stellt das Servicegeschäft in den Fokus

Apple hat die Zeichen der Zeit erkannt und plant bereits für die Ära nach dem iPhone. Apple will seine breite Hardware-Basis dazu nutzen, um mehr Kunden im Service- bzw. Abo-Geschäft zu gewinnen. Dies verspricht stabile Einnahmen für die Zukunft.

Da Apple bereits im Mediengeschäft mit Apple TV vertreten ist, gilt Apple TV+ als logische Erweiterung des bisherigen Angebots. Für die etablierten Anbieter Amazon Prime und Netflix dürfte die neue Konkurrenz dafür sorgen, dass beide Firmen im Streaming-Markt möglicherweise langsamer wachsen werden.

Dennoch sollten Apple-Fans nicht in Euphorie verfallen. Es ist unwahrscheinlich, dass Apple Netflix im Streaming-Markt vom Thron stoßen kann, denn der Branchenpionier marschiert in diesem Bereich auf die Marke von 200 Mio. Abonnenten zu. Daher verfügt Netflix über die notwendigen Abo-Einnahmen, um für die besten TV-Inhalte zu bieten. Zudem haben Umfragen gezeigt, dass sich die Mehrheit der Abonnenten mit einem Streaming-Angebot im Monat zufriedengibt.

Kurzum: Apple fokussiert sich stärker auf das Servicegeschäft und versucht sich als Servicekonzern neu aufzustellen. Dabei kann Apple von einer breiten Apple-Fangemeinde (1,4 Mrd. installierte Geräte) profitieren, um seine neuen Serviceangebote an die Kunden zu bringen. Die Apple-Aktie bleibt damit trotz des massiven Kuranstiegs in den letzten 12 Jahren weiterhin für Privatanleger interessant.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands