Bitcoin Gold: Kryptowährung unter der Lupe

Bitcoin Gold will das zentralisierte Mining beenden - was ist für Anleger drin? (Foto: Billion Photos / Shutterstock.com)

Seit Anfang November gibt es neben dem Bitcoin und Bitcoin Cash eine weitere Kryptowährung, die den Namen Bitcoin trägt. Gemeint ist Bitcoin Gold, eine weitere Abspaltung der weltgrößten Kryptowährung, in der inzwischen mehr als 280 Mrd. US-$ investiert sind.

Viele Anleger fragen sich natürlich, warum gibt es nach Bitcoin Cash nun schon wieder eine Abspaltung und was ist Bitcoin Gold (Währungskürzel: BTG) genau?

Warum Bitcoin Gold?

Bitcoin Gold ist eine Idee von Jack Liao. Dieser ist der Chef der Hongkonger Mining-Firma LightningAsic. Das Unternehmen verkauft Computerausrüstung (Chips und Grafikkarten), mit denen Anwender Kryptowährungen „schürfen“ bzw. „minen“ können. Mithilfe der Hardware werden Kryptowährungen quasi errechnet, indem kryptografische Rechenaufgaben gelöst werden.

Die Idee zum Start von Bitcoin Gold kommt also nicht von ungefähr, sondern hat auch einen geschäftlichen Hintergrund. Denn Jack Liao will nicht nur das Problem des zentralisierten Minings beim Bitcoin angehen, sondern auch das Geschäft mit Mining-Hardware ankurbeln.

Zum technischen Hintergrund von Bitcoin Gold: Aktuell beherrschen vor allem chinesische Miner das Errechnen von Bitcoins und zeichnen dabei für über 70 % der Marktanteile verantwortlich (AntPool, BTC.top, BTC.com, Bixin, ViaBTC, BTCC Pool). Der chinesische Mining-Pool Antpool der von der chinesischen Mining-Firma BitMain betrieben wird, zeichnet dank seiner ASIC-Miner für rund 17 % aller Blöcke verantwortlich, die auf der Blockchain eingetragen werden.

Was zeichnet Bitcoin Gold aus?

Bitcoin Gold soll das Mining von Bitcoins wieder zurück in die Hand der gewöhnlichen Nutzer bringen, die gegen die großen Mining-Pools in China kaum eine echte Chance haben, Blöcke zu finden. Unter dem Strich soll die gesamte Mining-Industrie mit Bitcoin Gold wieder dezentralisierter werden, so die Vision von Jack Liao.

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Dies erreicht Bitcoin Gold dadurch, dass die Kryptowährung nicht mit ASIC-Minern über SHA-256 geschürft wird, sondern mit einem anderen Proof of Work Algorithmus namens Equihash – dem gleichen Algorithmus den auch die Kryptowährung Zcash nutzt.

Dies heißt: Bitcoin Gold kann mit gewöhnlichen Grafikkarten (AMD Radeon, nVidia GeForce usw.) mit einem herkömmlichen PC „geschürft“ werden und ist relativ ASIC-resistent. Dies bedeutet: Es macht vergleichsweise wenig Sinn, Bitcoin Gold mit ASIC-Maschinen zu schürfen, die vor allem beim Bitcoin-Mining eingesetzt werden.

Bitcoin Gold vs. Bitcoin – Wo liegen die Unterschiede?

Ansonsten ist auch bei Bitcoin Gold die Anzahl der Coins, die maximal später im Umlauf sind, wie beim Bitcoin auf 21 Millionen begrenzt. Wie beim klassischen Bitcoin auch, wird beim Bitcoin Gold in der Regel alle 10 Minuten ein neuer Block generiert. Die Blockgröße ist zunächst auf 1MB festgesetzt, soll aber später auf 2 bis 4MB steigen.

Die Schwierigkeitsanpassung beim Mining der Blöcke erfolgt nach jedem Block, während beim klassischen Bitcoin diese ca. alle 2 Wochen stattfindet. Wie Bitcoin unterstützt auch Bitcoin Gold die Auslagerung der Transaktionssignaturen (SegWit) und wartet nach Entwicklerangaben mit einer eigenen Replay Protection auf. Dies bedeutet, dass keine Transaktion auf der jeweils anderen Blockchain wiederholt werden kann.

Fazit: Bitcoin Gold nur für sehr spekulativ orientierte Anleger interessant

Bitcoin Gold gehört mit einer Marktkapitalisierung von6 über 4 Mrd. US-$ weiter zu den Top 10 der Kryptowährungen. Doch bislang hat die Idee hinter Bitcoin Gold noch nicht so recht gezündet, der Kurs der Digital-Währung schwankt zwischen 200 und 400 US-$. Bitcoin Gold hat zwar einen klangvollen Namen, doch wenn es um das Thema Wertspeicher geht, setzen viele Anleger nach wie vor auf den klassischen Bitcoin, der momentan von Rekordhoch zu Rekordhoch eilt.

Kritiker werfen dem Entwicklerteam hinter Bitcoin Gold vor, bereits im Vorfeld Bitcoin Gold geschürft zu haben, wodurch für die übrigen Miner später weniger Coins zum Minen zur Verfügung stehen. Auch große Kryptobörsen wie Coinbase wollen Bitcoin Gold (BTG) zunächst nicht unterstützen, was eher ein negatives Licht auf das Projekt wirft. Unter dem Strich dürfte Bitcoin Gold sogar ein noch risikoreicheres Investment sein als der klassische Bitcoin.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands