Japan: Geldschwemme und keine Fortschritte

Die Geldpolitik in Japan setzt seit 20 Jahren vergeblich auf Geldschwemme und Nullzinsen. Tiefgreifende Reformen aber stehen noch aus. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Mit Blick auf den Nikkei Index sieht Japans Wirtschaft auf Anhieb eigentlich nicht schlecht aus. Über die verschiedensten Zeiträume ist er im grünen Bereich. Meist liegt seine Performance etwas unter der des Dax.

Auf die letzten fünf Jahre gesehen mit über 97 % sogar besser. Aktien von Sony, Toyota oder Hitachi sind zwar keine schlechte Wahl. Doch letztlich ist es die Geldpolitik, die Japan als drittgrößte Volkswirtschaft einigermaßen am Laufen hält.

Japans Geldpolitik – ewiger Kampf gegen die Deflation

Nullzinsen, Anleihekäufe, Geldmengenausweitung – auch Amerika und die EU haben damit ihre Wirtschaft angekurbelt. Die EZB tut es derzeit noch. Der Unterschied: Japan ist ein Langzeitproblem. Als 1990 eine Riesenspekulationsblase platzte, war es mit dem einstigen Boom vorbei. Die Aktien fielen in nur zwei Jahren um die Hälfte. Seitdem tut sich das Land schwer und kommt kaum voran.

Mit schuldentreibenden Konjunkturhilfen und expansiver Geldpolitik kämpft Japan nahezu verzweifelt gegen die Deflation. Seit 2013 ist der Yen gegenüber dem Dollar um gut 20 % abgesackt. Hinzu kommen Staatsschulden in Höhe von 248 % der jährlichen Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 68 % vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Und während die Schulden hierzulande sinken, steigen sie in Japan immer weiter. Haushaltsdefizite gibt sind seit 20 Jahren Normalität.

Darunter leiden auch die Einkommen der Bevölkerung. 2015 ist der Lebensstandard erstmals unter OECD-Durchschnitt gesunken. Gerade die jungen Japaner tragen den Großteil der enormen Schuldenlast.

Bisherige Bemühungen verpufft

Ein Vorteil des Landes: Es hat mit 1,26 Bio. US-$ noch die zweithöchsten Devisenreserven weltweit, was das Problem etwas relativiert. Eine echte Pleite wäre allenfalls in 10 Jahren zu erwarten.

Allerdings sind die Japaner zur Sparsamkeit gezwungen. Da die Altervorsorge vorwiegend auf Kapitaldeckung basiert und die Zinsen schon zwei Jahrzehnte nichts mehr hergeben, sinkt die Konsumbereitschaft entsprechend. In der Folge investieren auch die Unternehmen weniger, es sei denn zum Export. Auf den ist Japan massiv angewiesen.

Zwar hilft hier der schwache Yen einigermaßen. Doch fiele er weiter, wäre es auch nicht besser. Zudem zündet das billige Geld nicht. Die Geldpolitik Japans ist eigentlich längst verpufft. Zuletzt hatte es etwas Wachstum gegeben, nachdem der heutige Premier Shinzu Abe 2013 ein neues Konjunkturprogramm aufgelegt hatte, bekannt als Abenomics.

Neuer Anlauf aber ohne Reformen

Seit diesem Jahr versucht Japan mit einer differenzierteren Geldpolitik. Einerseits flutet die Bank of Japan (BoJ) weiterhin die Märkte mit Geld. Pro Jahr kauft sie Anleihen und Wertpapiere in Höhe von 659 Mrd. €. Gleichzeitig hat sie ihren Schwerpunkt verlagert. Sie setzt etwa beim Anleihenkauf anstatt auf immer höhere Beträge nun verstärkt auf die Kontrolle der Renditen, die für die Konjunktur wichtig sind.

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Die Renditen 10jähriger Anleihen bleiben bei 0 %. Unternehmen sollen so zusätzlich zu den Minizinsen profitieren und ihre Finanzierungskosten niedrig halten können. Ob dies die Inflation endlich belebt, bleibt abzuwarten.

Japan hat nämlich noch eine Reihe struktureller Baustellen: Laut OECD ist es zu verschlossen gegenüber Investoren und Handelspartnern aus dem Ausland. Die an sich hohen Ausgaben für Forschung und Bildung bleiben ohne große Wirkung. Zudem leidet das Land unter den Folgen einer alternden Gesellschaft. Und: Bislang sind kaum Reformen geplant.

Japan hat also durchaus noch ein paar Stellschrauben, an denen es drehen kann. Ein Schritt allerdings ist bereits gemacht. Um junge qualifizierte Fachkräfte anzulocken, wurde die Einwanderung erleichtert. Seit März bekommt man schon nach einem Jahr die Erlaubnis für einen dauerhaften Wohnsitz.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.