PEG: Diese Kennzahl ist wesentlich aussagekräftiger als das KGV

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In einem vorangegangenen Beitrag habe ich Ihnen bereits meine ausführliche Einschätzung zum Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) gegeben. Dort habe ich Ihnen auch […] (Foto: Harry Wedzinga / shutterstock.com)

In einem vorangegangenen Beitrag habe ich Ihnen bereits meine ausführliche Einschätzung zum Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) gegeben.

Dort habe ich Ihnen auch erläutert, warum Sie dem KGV nicht allzu viel Beachtung schenken sollten.

Diese fundamentale Kennzahl ist nach wie vor die am weitesten verbreitete. Dennoch ist ihre Aussagekraft begrenzt.

Deshalb möchte ich Ihnen hier eine Kennzahl vorstellen, die sich sehr viel besser eignet, um die Bewertung stark wachsender Unternehmen zu beurteilen:

die sogenannte Price-Earnings-Growth-Ratio (PEG).

KGV berücksichtigt nicht das Wachstum

Wie ich Ihnen gestern erläutert habe, ist ein Vergleich der KGVs verschiedener Aktien nur innerhalb einer Branche sinnvoll.

Eines sollten Sie immer im Hinterkopf haben:

Einem Konzern, der stark wächst, wird an der Börse i. d. R. eine deutlich höhere Bewertung zugebilligt als einer Firma, die in einer sehr konjunkturabhängigen Branche tätig ist und kaum wächst.

Das KGV lässt das Wachstum jedoch komplett außen vor.

Betrachten Sie nur diese Kennzahl, ist eine Aktie mit einem KGV von 20 auf den 1. Blick teuer, eine andere mit einem KGV von 10 günstig.

Wie stark die beiden Unternehmen wachsen, spielt bei der Berechnung keine Rolle.

Wenn die 1. Firma ein jährliches Gewinn-Wachstum von 25% aufweist, die 2. aber nur um 5% pro Jahr wächst, relativiert sich das Ganze erheblich.

PEG setzt das KGV ins Verhältnis zum Gewinn-Wachstum

Genau hier setzt die sogenannte Price-Earnings-Growth-Ratio (PEG) an: „Price-Earnings“ steht für das KGV, „Growth“ für Wachstum.

Bei dieser Kennzahl wird also das KGV ins Verhältnis zum durchschnittlichen jährlichen Gewinn-Wachstum gesetzt. Deshalb wird das PEG auch als „dynamisches KGV“ bezeichnet.

Teilen Sie das KGV durch das jährliche Gewinn-Wachstum in %, erhalten Sie das PEG.

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Entspricht das KGV dem Gewinnwachstum, liegt das PEG also bei 1. Dies wird gemeinhin als faire Bewertung angesehen.

Ist das KGV geringer als das Gewinn-Wachstum, bewegt sich der Wert des PEG unter 1.

Grundsätzlich gilt eine Aktie als günstiger als ein anderer Titel, wenn ihr PEG niedriger ist.

Um als halbwegs vernünftig bewertet zu gelten, sollte das PEG einer Aktie möglichst nicht allzu weit über 1 liegen.

PEG hat klare Vorteile gegenüber dem KGV

Das PEG hat gegenüber dem KGV also einen entscheidenden Vorteil: Es berücksichtigt auch, wie stark ein Unternehmen wächst.

Ziehen Sie das PEG zur Analyse heran, tragen Sie der Tatsache Rechnung, dass schneller wachsenden Firmen an der Börse meist auch eine höhere Bewertung zugebilligt wird.

Ein weiterer Vorteil:

Eben weil das Gewinn-Wachstum in die Berechnung einfließt, können Sie mit dem PEG auch Konzerne aus unterschiedlichen Branchen miteinander vergleichen.

Hohe Bewertung von Highflyern relativiert sich

Als Beispiele für Highflyer, die Sie als Anleger vermutlich niemals kaufen würden, wenn Sie allein das KGV betrachten, hatte ich Ihnen gestern die Aktien von Amazon und Netflix genannt.

Beide haben aktuell ein KGV von über 80 (Stand: Mai 2017). Zieht man jedoch das PEG heran, relativiert sich diese auf den 1. Blick astronomische Bewertung.

Bei Netflix beispielsweise erwarten Analysten bis 2022 ein durchschnittliches Gewinn-Wachstum von 60%.

Das PEG liegt aktuell bei 1,4 – also nicht allzu weit über dem als faire Bewertung angenommenen Wert von 1.

Fazit

Weil es – anders als das KGV – auch das Gewinn-Wachstum berücksichtigt, kann das PEG Ihnen als Anleger deutlich bessere Hinweise darauf geben, ob eine Aktie noch einigermaßen vernünftig bewertet ist.

Bevor Sie eine Aktie wegen eines (zu) hohen KGVs abschreiben, sollten Sie sich daher die Mühe machen das PEG zu berechnen.


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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.