Übernahme-Wissen: Erfolgsabhängige Komponenten bei Übernahme-Angeboten

Seit mehreren Jahren rollt nun schon eine Übernahme-Welle durch den Pharma-Sektor:

Auf der Suche nach neuen Medikamenten mit Blockbuster-Potenzial, also mit einem Jahres-Umsatz von mehr als 1 Mrd. $, kaufen die Pharma-Konzerne die Biotech-Unternehmen auf.

Das ist nicht verwunderlich; ständig laufen bei den Pharma-Konzernen irgendwelche Patente aus und es schlägt die Stunde der Generika-Hersteller.

Die bringen den gleichen Wirkstoff kostengünstig auf den Markt und wollen ihren Anteil vom Kuchen haben.

Das führt zu Umsatz-Einbußen bei den Pharma-Konzernen. Und um die Lücke zu schließen, ist man ständig auf der Suche nach neuen Wirkstoffen.

Erfolgreiche Biotech-Unternehmen landen häufig bei den Pharma-Konzernen

Die Erforschung neuer Medikamente ist teuer; im Schnitt kostet es ca. 800 Mio. Dollar von der Identifizierung des Wirkstoffträgers bis zur finalen Zulassung.

Viele Pharma-Konzerne haben sich daher in den vergangenen Jahren spezialisiert und arbeiten mit den auf Forschung ausgerichteten Biotech-Unternehmen zusammen.

Das senkt die Kosten und reduziert den Schaden für den Fall, dass der Wirkstoff doch nicht zulassungsfähig ist.

Stellt sich dagegen heraus, dass ein Konzern besonders vielversprechende Ergebnisse bei der Forschung erzielt, folgt nicht selten kurzerhand die Komplett-Übernahme des Biotech-Partners.

Kurssteigerungen von über 1.000% keine Seltenheit

So haben Übernahmen in der Biotech-Branche etwa 2016 enorm hohe Prämien abgeworfen.

Biotech-Schmieden, die vor 5 Jahren völlig unbekannt waren, wechselten für Milliarden die Besitzer. Kaufpreise, die 1.000% über dem 2011er-Niveau lagen, sind schnell zu finden.

Beispiel Medivation:

2011 konnten Sie die Aktie für weniger als 5 € kaufen. 2016 zahlte Pfizer über 75 € pro Anteil. Wer 2011 kaufte, konnte die Aktie 5 Jahre später mit mehr als 1.400% Gewinn verkaufen.

Problem: Bei einer Biotech-Übernahme geht das Forschungs-Risiko auf den Käufer über

Der Medivation-Übernahme ging ein Bieterkampf voraus: Eigentlich wollte Sanofi die US-Amerikaner schlucken, doch ein Deal scheiterte an unterschiedlichen Preisvorstellung.

Wie so oft im Biotech-Sektor, war das Hauptproblem die Bewertung der Medivation-Forschungs-Pipeline.

Selbst echte Profis können nur grob abschätzen, wie groß die Erfolgs-Wahrscheinlichkeit eines Wirkstoffs wirklich ist und welches Umsatz-Potenzial sich daraus ableiten lässt.

Da häufig unklar ist, wie viel Wert ein Wirkstoffträger hat, kommt es bei Übernahmen im Biotech-Bereich auch dementsprechend oft zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Interessenten und dem Übernahme-Kandidaten.

Denn ist der Deal erst einmal unterschrieben, geht das Risiko eines Forschungs-Misserfolgs auf den Käufer über.

Wenn ein vermeintlicher Blockbuster sich dann als Niete herausstellt, kann es für den Bieter somit richtig teuer sein.

Sanofi, gestartet mit einer 9 Mrd. Dollar-Offerte für Medivation, wurde ein Deal bei 14 Mrd. Dollar dann zu riskant. Die Franzosen zogen sich zurück und überließen dem Branchen-Primus das Feld.

Lösung: Die erfolgsabhängige Bezahlung

In keiner anderen Branche findet man bei Übernahmen aufgrund der sehr schwierigen Ermittlung des fairen Unternehmenswerts sogenannte CVRs.

C, V und R sind die Anfangsbuchstaben von Contingent Value Right.

CVRs verbriefen ein erfolgsabhängiges Recht auf eine Nachzahlung wenn bestimmte Forschungs- oder Verkaufs-Ziele erreicht wurden.

Mit diesen CVRs wird Druck von dem Bieter genommen, da dieser nur dann zahlen muss, wenn die Forschung wirklich ein Erfolg ist.

Der Übernahme-Kandidat meint, dass er mehr wert ist? – Dann soll er es auch bitte beweisen!

Contingent Value Rights (CVRs) haben sich bereits öfter als Rettung erwiesen

Im Dezember 2016 tauchten Gerüchte auf, dass der Schweizer Biotech-Konzern Actelion von Sanofi umworben wurde und die CVRs bei den Deal-Verhandlungen eine Rolle gespielt haben sollen.

Im September desselben Jahres war bei der Tobira-Übernahme durch Allergan eine erfolgsabhängige Komponente wesentlicher Deal-Bestandteil.

CVRs können bei festgefahrenen Übernahme-Verhandlungen Deal-Retter sein, sind bei institutionellen Investoren des Übernahme-Kandidaten allerdings oft nicht allzu beliebt.

Die wollen lieber einen Stich unter die Investition ziehen.

Dennoch können Sie davon ausgehen, dass Sie im Zusammenhang mit Übernahmen im Biotech-Sektor noch häufiger die Abkürzung CVR lesen werden.

Denn der Einsatz von CVRs hat schon eine Reihe von Deals gerettet, bei denen sich die Manager nicht auf einen Übernahme-Preis einigen konnten.

3. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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