Umsatzrentabilität: Die Formel zur operativen Ertragskraft

Die Umsatzrentabilität eines Unternehmens lässt sich mit einer Grundformel errechnen. Die eingesetzten Größen können der Gewinn oder das EBIT sein. (Foto: hywards / Shutterstock.com)

Ist die Firma wettbewerbsfähig? Stimmen Preise und Kostenstruktur? Im richtigen Kontext lässt die Umsatzrentabilität verschiedene Aussagen zu.

Mit der Umsatzrentabilität lassen sich verschiedene Aussagen treffen. Zentral ist zwar die Erkenntnis, wie profitabel ein Unternehmens im operativen Geschäft ist. Doch im Detail hängt die Bewertung von den jeweiligen Umständen ab.

Während die Kapitalrentabilität dem Anleger generell zeigt, ob sich sein Investment lohnt, gibt die Kennzahl Umsatzrentabilität genauere Aufschlüsse in Bezug auf das operative Geschäft.

Kennzahl Umsatzrentabilität: Wie viel jeder umgesetzte Euro bringt

Hier geht es um das Wie und Warum. Also: Wie viel konnte mit welchem Umsatz verdient werden? Stimmen die Preise? Funktioniert der Absatz? Ist der Materialaufwand zu hoch Besonders bei Handelsunternehmen ist die Aussagekraft der Umsatzrentabilität höher als die reine Kapitalrendite.

Aussage der Umsatzrentabilität: Was jeder umgesetzte Euro bringt

Zunächst ist die Umsatzrentabilität – man spricht auch von Umsatzrendite oder Margen – das Ergebnis der Beziehung zwischen Ertrag und Umsatz. Also: Wie viel hat das Unternehmen in Bezug auf den erreichten Umsatz verdient?

Die Umsatzrentabilität eines Unternehmens lässt sich mit einer Grundformel errechnen. Die eingesetzten Größen können der Gewinn oder das EBIT sein.

Umsatzrentabilität: Die Formel zur operativen Ertragskraft

Zur Berechnung der Umsatzrentabilität gibt es verschiedene Ansätze. Und die hängen vom Schwerpunkt der Betrachtung ab. So kann man das Verhältnis zwischen Umsatz und dem absoluten Endgewinn beleuchten.

Man kann aber auch das operative Betriebsergebnis ohne Steuern verwenden. Hinzu kommt die Möglichkeit, Finanzierungseffekte oder Abschreibungen außen vor zu lassen. Je nachdem ergeben sich verschiedene Formen der Umsatzrentabilität.

Die Umsatzrentabilität zeigt, wie viel Gewinn jeder umgesetzte Euro erbracht hat. Hierzu gibt es eine Grundformel:

Formel  

Umsatzrendite berechnen

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Diese Formel zeigt die Berechnung der Umsatzrendite ohne Zinsaufwand an.
$$\bo\text"Umsatzrendite" = ( \text"Gewinn" / \text"Umsatz"\)*100$$
Ergebnis berechnen

Umsatzrentabilität – Grundformel

Beispiel: Ein Unternehmen weist in der Bilanz einen Umsatz von 10 Mio. € und einen Jahresüberschuss vom 1.200.000 € aus. Die Formel zur Berechnung sieht dann so aus:

1.200.000 / 10.000.000 * 100 = 12% Netto-Umsatzrendite bezogen auf den Jahresgewinn

Dies ist die Netto-Umsatzrendite, bei der alle Posten der Gewinn und Verlustrechnung (GuV) inklusive Steuern miteinbezogen sind. Bei der Formel wird im Zähler der Jahresüberschuss eingesetzt.

Der Nachteil dieser Berechnung: Außerordentliche Erträge, Finanzierungseffekte, und Steuern verzerren das Bild. Dieses reine Finanzergebnis ist dadurch von Jahr zu Jahr Schwankungen unterworfen und lässt sich schwer vergleichen.

Formel der Umsatzrentabilität ohne Steuereffekte

Will man nun nur die Steuereffekte herausnehmen, so müssen zunächst in der Bilanz die Steuern zum Ergebnis hinzugerechnet werden. Denn die Steuern haben das Ergebnis gemindert. Damit ergibt sich das EBT (Earnings before Taxes). Belaufen sich die „Steuern vom Einkommen und Ertrag“ beispielsweise auf 400.000 €, so ist das Ergebnis vor Steuern 1.600.000 €.

Die Formel: 1.600.000 / 10.000.000 * 100 = 16% Umsatzrendite auf EBT-Basis

Gängige Formel der Umsatzrentabilität: Ohne Zinsen und Steuern

Nun lassen sich aber nicht nur Steuern, sondern auch außerordentliche Erträge und Finanzierungseffekte wie Zinsen herausrechnen. Damit kann man Unternehmen besser vergleichen. Hier zählt rein das Betriebsergebnis, das EBIT (Earnings before Interests and Taxes).

Angenommen, das Betriebsergebnis beläuft sich auf 2 Mio. €, dann sieht die Formel so aus:

2.000.000 / 10.000.000 * 100 = 20% Umsatzrendite auf EBIT-Basis

Die Form der Umsatzrentabilität auf EBIT-Basis wird auch EBIT-Marge genannt. Sie erlaubt einen unverfälschten Blick auf das operative Geschäft des Unternehmens und ob unter Umständen Optimierungsbedarf besteht.

Umsatzrentabilität ohne Steuern, Zinsen und Abschreibungen

Ein weiterer Schritt wäre, zusätzlich die Abschreibungen außer Acht zu lassen, da auch Abschreibungen im internationalen Vergleich verschieden sind. Diese Ertragsgröße ist dann das EBITDA (Earnings before Interests, Taxes, Depriciation and Amortisation). Es ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

Wenn die Abschreibungen 1 Mio. € betragen, erhöht sich das Betriebsergebnis auf 3 Mio. €. Entsprechend der Formel ergibt sich hier eine Umsatzrendite von 30% auf EBITDA-Basis.

Will man nun den Einfluss der operativen Ertragskraft auf die Gesamtkapitalrentabilität berechnen, so muss die Umsatzrentabilität um den wichtigen Faktor Kapitalumschlag erweitert werden.

In diesem Fall sieht die Formel wie folgt aus:

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EBIT-Ergebnis / Umsatz * Umsatz / Gesamtkapital = Gesamtkapital

Die Gesamtkapitalrentabilität ergibt sich aus dem Produkt von Umsatzrendite und Kapitalumschlag. Hierbei wird – wie auch sonst üblich – das EBIT-Betriebsergebnis zur Berechnung verwendet.

Umsatzrentabilität im Branchenvergleich

Es ist jedoch wichtig, sich nicht auf die Formeln und reinen Zahlen zu verlassen.

Es ist beispielsweise auch immer der Branchenvergleich wichtig. Pharmaunternehmen haben eher hohe Umsatzrenditen um die 20%. Im Handel dagegen ist eine Umsatzrendite von 3% durchaus üblich.

Allein schon hieran zeigt sich, dass die Aussage “je höher die Umsatzrentabilität, desto besser” nicht pauschal anzuwenden ist. Grundsätzlich kann die Umsatzrentabilität durchaus eine Aussage über die Effizienz im Absatz machen. Ist sie beispielsweise im Vorjahresvergleich gesunken, so stellt sich natürlich die Frage nach Optimierungen im Unternehmen.

So könnten schlicht die Preise zu niedrig sein. Andererseits können Preiserhöhungen bei der Kundschaft derart schlecht ankommen, dass der Umsatz spürbar einbricht. Hohe Umsätze stärken normalerweise die Marktposition. Doch sie allein sagen wenig aus.

Aussagen der Umsatzrentabilität: Keine isolierte Betrachtung

Und damit sind wir beim zweiten wichtigen Aspekt. Die Umsatzrendite kann nicht isoliert betrachtet werden. Mitentscheidend ist der Kapitalumschlag. Also: Wie häufig fließen die Umsatzerlöse zurück? Gerade bei großen Handelsketten und Discountern ist entscheidend, dass sich die Ware schnell “dreht”.

Durch den schnellen Massenverkauf können auch wettbewerbsbedingt niedrige Preisspannen und Umsatzrenditen ausgeglichen werden. Das Gegenstück ist der Verkauf von teureren Premiumprodukten. Die verkaufen sich nicht so schnell, haben aber einen größeren Abstand zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis. Der Kapitalumschlag ist zwar geringer, doch die Umsatzrentabilität stimmt.

Aussagen der Umsatzrentabilität für die Kapitalrentabilität

Diese Erkenntnis führt zur zentralen Aussage: Umsatzrentabilität und Kapitalumschlag sind letztlich Teil bei der Ermittlung der Kapitalrentabilität und haben wesentlichen Einfluss auf sie.

Hier zeigt sich das Wechselspiel: Ein niedrigere Umsatzrentabilität kann durch den Kapitalumschlag, und der Kapitalumschlag kann durch eine höhere Umsatzrentabilität ausgeglichen werden.

Man könnte den Umsatz aber auch durch den Kapitaleinsatz beeinflussen. Wird der Kapitaleinsatz verringert, so erhöht dies zwar die Rendite. Die Gefahr ist jedoch, dass unter Umständen dringende Investitionen ausbleiben.

Bei der produzierenden Industrie kann eine hohe Umsatzrentabilität aber auch eine andere Aussage machen: Wenn der Kapitalumschlag gestiegen ist, haben sich vermutlich die Fixkosten auf mehr verkaufte Produkte verteilt. Wenn diese pro Stück (Stückkosten) gesunken sind, hat sich die Marge eben erhöht. Und dies deutet auf eine verbesserte Kostenstruktur hin.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.