Aktien-Depots absichern – So geht’s!

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Welche Depot-Absicherungsstrategien gibt es an der Börse? Informieren Sie sich hier über alle wichtigen Facts inkl. Praxisbeispiele. (Foto: Tzido Sun / shutterstock.com)

An der Börse geht es mal hinauf – und mal steil bergab. Fallende Kurse sind jedoch kein aussichtsloses Problem, wenn der Händler sein Depot richtig absichern konnte. Hierfür stehen ihm die verschiedensten Möglichkeiten zur Verfügung, um auch mit fallenden Kursen Gewinne zu erzielen. Die entscheidende Frage lautet: Welche Absicherungsstrategien gibt es an der Börse?

Grundsätzlich können Sie besonders riskante Papiere gleich verkaufen, Stop-Loss-Limits setzen, oder Gegengeschäfte eingehen. Gegengeschäfte eignen sich gut, um den schwankungsstärkeren Teil eines Depots abzusichern. Hier bietet sich zum Beispiel der Einsatz von Put-Optionsscheinen an. Die Funktionsweise: Fallen die Aktienkurse, steigt der Wert des Put-Optionsscheins.

Behalten Sie Ihren Anlageplan immer im Auge

Wichtig ist es jedoch, vor einer hektischen Entscheidung die eigene Finanzsituation und Anlagestrategie genau zu untersuchen. Oftmals kann es – vor allem bei langfristigen Anlageplänen – besser sein, die Durststrecke der Börsen einfach auszusitzen. Nach dem großen Sturz des DAX zum Jahresende 2008 dauerte es beispielsweise nur rund zwei Jahre, bis die Kurse wieder das alte Niveau erreicht hatten.

Der Kauf von Zertifikaten, CFDs und Optionen ist hingegen risikoreich. Kann der Anbieter der Produkte seinen Zahlungen nicht mehr nachkommen, ist das angelegte Geld meist verloren. Dagegen geschützt sind nur börsengehandelte Indexfonds, die sich jedoch nur an langfristige Anleger richten.

Aber auch in einem normalen Börsenumfeld sollten Anleger entsprechende Notausgänge kennen. Klar sollte beispielsweise sein, dass das in Aktien angelegte Geld im Extremfall komplett verloren gehen kann. Lebenswichtige Rücklagen sollten daher nicht für den Börsenhandel genutzt werden.

Welche zwei Strategien zur Absicherung von Depots gibt es?

Strategie 1) Aktien mit Stopp-Loss-Orders absichern

Zur Absicherung von Aktien können Sie Stopp-Loss-Orders nutzen. Bei dieser Orderart verkaufen Sie Ihre Aktien, sobald diese einen von Ihnen vorher festgelegten Kurs erreichen oder unterschreiten. Stopp-Loss-Orders müssen Sie unbefristet erteilen. Wenn das Stopp-Loss-Limit oberhalb Ihres Kaufkurses liegt, sind die Aktiengewinne damit passabel abgesichert. Ich schreibe „passabel“. Das ist also nicht perfekt.

Der Grund ist einfach:

Wenn es über Nacht oder am Wochenende zu einem richtigen Crash kommt und die Kurse direkt zur Börsen-Eröffnung massiv gefallen sind, dann greift Ihre Stopp-Loss-Order sofort zum Börsen-Auftakt.

Der Kurs, zu dem Ihre Papiere dann verkauft werden, kann deutlich unter Ihrem Stopp-Loss-Limit liegen. Aktiengewinne können sich in Verluste wandeln. Trotzdem ist diese Absicherung eine passable Wahl.

2) Aktiengewinne mit Put-Optionen absichern

Den Nachteil der Stopp-Loss-Orders können Sie ausschalten. Hier kommen Put-Optionen ins Spiel; damit ist die Absicherung ganz einfach und sicher: Sie kaufen Put-Optionen auf den DAX 30. Diese Absicherung von Aktien ist perfekt, wenn Ihr Depot den DAX 30 nachbildet oder viele Aktien aus dem DAX 30 beinhaltet.

Wenn Sie viele Nebenwerte oder exotische Aktien haben, kann es aber sein, dass diese Absicherung nicht ideal funktioniert. Dann müssen Sie ggf. einen anderen Index als Basiswert wählen.

Ein Put-Optionsschein mit dem Basispreis 9.000 erlaubt Ihnen, den DAX am Tag der Fälligkeit für 9.000 Punkte zu verkaufen (auch wenn der Index dann nur noch bei 7.000 Punkten notieren sollte). Die Anzahl der erforderlichen Put-Optionsscheine können Sie rechnerisch ermitteln:

Formel  

Depot-Absicherung berechnen

Ergebnis berechnen

Das Ergebnis: Wenn Sie (gerundet) 111 dieser Put-Optionsscheine kaufen, haben Sie eine Art „Depot-Versicherung“ abgeschlossen.

Wie genau funktioniert die Depot-Versicherung?

Angenommen, ein Jahr nach dem Kauf der Put-Optionsscheine notiert der DAX nur noch bei 4.500 Punkten (-50%). Ihre DAX-Indexfonds wären dann nur noch 5.000 € wert (10.000 Euro Startsumme abzüglich 50% Kursverlust). Gleichzeitig wäre der Wert der Put-Optionsscheine sprunghaft angestiegen. Wie beschrieben, verbrieft der ausgewählte Put-Optionsschein das Recht, dass Sie den DAX für 9.000 Punkte verkaufen dürfen.

Da der DAX in diesem Beispiel nur noch bei 4.500 Punkten notiert, würden Sie die Differenz zwischen 9.000 und 4.500 Punkten (multipliziert mit dem Bezugsverhältnis des Optionsscheins) kassieren.

Die Rechnung lautet: 4.500 x 0,01 = 45 € je Put-Optionsschein. Da Sie 111 Put-Optionsscheine gekauft haben, würde Ihr Wertpapier-Depot wie folgt aussehen: Position 1: Die Indexfonds auf den DAX sind noch 5.000 € wert. Position 2: Die 111 Put-Optionsscheine sind 4.995 € wert (111 x 45 €). Ihr Gesamt-Depot-Wert läge damit bei 9.995 €.

Fazit: Während der DAX in diesem Beispiel innerhalb von 12 Monaten um 50% eingebrochen wäre, hätte sich Ihr Depot-Wert praktisch nicht verändert. Sie besäßen noch immer Wertpapiere im Wert von rund 10.000 €. Praxis-Test bestanden.

Fazit: Aktien-Depot absichern

Wenn Sie mit nennenswerten Summen in Aktien investieren, sollten Sie Ihr Depot nicht ohne Put-Optionen absichern. Eine Depot-Absicherung ist relativ einfach möglich (wie im Beispiel gezeigt), allerdings müssen Sie dann auch bereit sein, die Kosten für diese „Versicherung“ zu tragen. In Jahren, in denen der Aktienmarkt stagniert oder sogar steigt, werden die ausgewählten Put-Optionsscheine am Ende wertlos verfallen.


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Rainer Heißmann
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen. Mit Heißmanns Börsenkommentar bringt er wochentäglich die Börse auf den Punkt. Seine Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie jedem verständlich und nachvollziehbar werden.

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