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Fondskosten: Diese Gebühren fallen an – Überblick für Anleger

Fondskosten: Diese Gebühren fallen an – Überblick für Anleger
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Inhaltsverzeichnis

Zahlreiche Bürger haben ihr Kapital in Fonds investiert, insbesondere in sogenannte Publikumsfonds. Darüber hinaus werden Investmentfonds gerne zum regelmäßigen Vermögensaufbau genutzt, weil die Anteile meistens schon ab 50 Euro erhältlich sind. Beim Vergleich der Investmentfonds achten vielleicht auch Sie vor allem auf die Performance, also die Wertentwicklung der einzelnen Fondsanteile. 

Das Problem dabei besteht darin, dass die Rendite nicht nur von der Performance bestimmt wird, sondern ebenfalls von der Höhe der Fondskosten. Doch welche Gebühren sind eigentlich mit dem Investment in Fonds verbunden?

Was ist der Unterschied zwischen Rendite und Performance?

Beim Anteilswert eines Fonds wird gerne – insbesondere bei einem Vergleich – die Performance verschiedener Fonds als Maßstab für die Bewertung des Anlageerfolgs herangezogen. Gleichzusetzen ist die Performance mit der Wertentwicklung, also der Preisveränderung beim entsprechenden Fondsanteil. Viele Anleger wissen allerdings nicht, dass es einen Unterschied zwischen der Performance und der Rendite gibt.

Die Wertentwicklung spiegelt tatsächlich ausschließlich wider, wie sich der Preis des Fondsanteils verändert hat. Die Rendite hingegen stellt dar, welchen Ertrag der Anleger unter Berücksichtigung aller Faktoren erzielen konnte. Prinzipiell wirken sich alle Kosten einer Geldanlage stets negativ auf die Rendite aus, so auch bei Fonds. Am besten lässt sich der Unterschied zwischen Wertentwicklung und Rendite an einem Praxisbeispiel darstellen:

  • Performance des Fonds: 6,9 %
  • Fondskosten: 2,1 %
  • Rendite: 4,8 %

Hier erkennen Sie deutlich, dass Sie von der Performance die Kosten abziehen müssen, sodass die Rendite deutlich von der Wertentwicklung des einzelnen Fondsanteils abweicht. Daher sollten Sie auch bei einem Vergleich unterschiedlicher Investmentfonds unbedingt neben der Wertentwicklung die Kosten beachten. Welche Gebühren es im Zusammenhang mit der Anlage in Fonds geben kann, das erfahren Sie in den nächsten Abschnitten.

Welche Kosten gibt es bei Publikumsfonds?

Mit Publikumsfonds werden klassische Investmentfonds bezeichnet, die für eine Vielzahl von Anlegern geeignet sind. Ein anderer Begriff sind offene Fonds, weil eben jeder Anleger und Sparer jederzeit die entsprechenden Fondsanteile kaufen und wieder verkaufen kann. Diese Fonds können mit den folgenden Kosten ausgestattet sein:

Zunächst möchten wir allerdings auf Kosten eingehen, die prinzipiell in Verbindung mit Wertpapieren stehen und sich nicht speziell auf Fonds ausrichten, allerdings auch bei Investmentfonds zu berücksichtigen sind. Dabei geht es zum einen um die Depotführungs- und zum anderen um die Ordergebühren.

Gibt es Depotgebühren und Ordergebühren bei Fonds?

Bevor Sie sich für die Anlage in Publikumsfonds entscheiden, müssen Sie ein Wertpapierdepot besitzen. Die einzelnen Fondsanteile werden nämlich später eben in dieses Depot eingebucht und dort verwahrt. Die meisten Banken und Broker berechnen für die Führung eines Wertpapierdepots eine Gebühr, die sich entsprechend Depot- oder Depotführungsgebühr nennt. Diese Kosten fallen somit nicht nur beim Handel oder dem Investment in Fonds an, sondern zum Beispiel auch dann, wenn Sie eines der folgenden Wertpapiere im Bestand haben:

Positiv ist immerhin, dass es noch eine Reihe von Brokern und Banken gibt, die auf die Depotgebühr verzichten. Manchmal müssen Sie dazu einige Voraussetzungen erfüllen, wie zum Beispiel einen Mindestabstand im Depot oder Guthaben auf einem Verrechnungskonto. Mitunter können Sie allerdings noch von einem bedingungslos kostenfreien Depot profitieren und so die jährlich anfallenden Depotgebühren einsparen. 

Ein weiterer Kostenfaktor, der ebenfalls nicht nur bei Fonds, sondern auch bei anderen Wertpapieren auftritt, sind die Ordergebühren. Diese fallen beim Kauf und Verkauf der Fondsanteile an und werden von der jeweiligen Bank oder dem Broker in Rechnung gestellt. Meistens handelt es sich um einen Festbetrag pro Order, auch als Orderflat bezeichnet. Das zweite, häufige Gebührenmodell beinhaltet, dass die Ordergebühr eine prozentuale Größe ist und sich auf den Handelsgegenwert bezieht. Manche Banken und Broker verzichten allerdings auf die Transaktionskosten, sodass ein Vergleich in diesem Bereich definitiv lohnen kann. 

Wie hoch ist der Ausgabeaufschlag bei Investmentfonds?

Kommen wir nun zu dem ersten Gebührenfaktor, der sich tatsächlich nur auf Fonds bezieht. Es handelt sich dabei um den sogenannten Ausgabeaufschlag. Fondsanteile werden von der jeweiligen Fondsgesellschaft zu einem bestimmten Preis an die Anleger verkauft bzw. ausgegeben. Dieser Preis wird dementsprechend als Ausgabepreis bezeichnet. Wenn Sie allerdings die gleichen Fondsanteile nun an die Fondsgesellschaft zurückverkaufen möchten, dann nennt sich das Rücknahmepreis.

Es besteht immer bei Fonds mit einem Ausgabeaufschlag eine Differenz zwischen dem Ausgabe- und dem Rücknahmepreis. Ähnlich wie bei Währungskursen, so ist dementsprechend der Verkaufspreis aus Sicht der Fondsgesellschaft, also der Ausgabepreis, höher als der Rücknahmepreis. Die Differenz zwischen beiden Preisen wird dann als Ausgabeaufschlag bezeichnet. Wenn die Fondsgesellschaft also den Fondsanteil beispielsweise zu einem Ausgabepreis von 45,70 Euro an den Anleger verkauft, dann könnte der Rücknahmepreis zum Beispiel bei 44,80 Euro liegen. Die Differenz von 0,90 Euro wäre dann der Ausgabeaufschlag. 

In der Praxis wird der Ausgabeaufschlag allerdings meistens in Prozent angegeben. Dessen Höhe kann sich von Fonds zu Fonds deutlich voneinander unterscheiden, insbesondere unter Berücksichtigung der Fondsart. Je nachdem, um welche Art Publikumsfonds es sich handelt, sind in der Praxis die folgenden Ausgabeaufschläge im Durchschnitt üblich:

  • Geldmarktfonds: 0,3 bis 0,8 %
  • Rentenfonds: 1,0 bis 2,5 %
  • Immobilienfonds: 2 bis 4 %
  • Mischfonds: 3 bis 5 %
  • Aktienfonds: 4 bis 6 %

Die Zahl der Investmentfonds mit Ausgabeaufschlag am Markt ist deutlich höher als die Anzahl derjenigen Fonds, bei denen die Fondsgesellschaft keinen Ausgabeaufschlag veranschlagt. Dann allerdings gibt es fast immer eine sogenannte Vertriebsprovision, die als jährliche Gebühr faktisch den Ausgabeaufschlag ersetzen soll.

Managementgebühr: Entgelt für das Fondsmanagement

Eine Gebühr, an der Sie beim Investment in Fonds nicht vorbeikommen werden, sind die Managementgebühren. Es handelt sich dabei um das Entgelt für das Fondsmanagement, denn die Publikumsfonds werden häufig auch als aktiv gemanagte Fonds bezeichnet. Das beinhaltet, dass die zuständigen Fondsmanager ihre Erfahrungen und ihr Wissen einbringen, um zum Beispiel für einen Aktienfonds die möglichst aussichtsreichsten Aktientitel ins Portfolio aufzunehmen. Die Arbeit der entsprechenden Fondsmanager wird also über die Managementgebühr abgedeckt. 

Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Fondsarten, wie hoch die Managementgebühren in der Praxis ausfallen. Am günstigsten sind in der Hinsicht Geldmarktfonds, weil hier das entsprechende Management vergleichsweise einfach ist. Je komplexer die Auswahl der entsprechenden Basiswerte wird, desto höher ist auch die Managementgebühr. Dementsprechend sind diese Gebühren meistens am höchsten im Bereich von Aktienfonds oder auch bei gemischten Fonds. Je nach Fondsart belaufen sich die Managementgebühren zwischen 0,3 und zum Teil mehr als 1,5 Prozent im Jahr.

Verwaltungsgebühren: Kosten für die Verwaltung der Fonds

Ein weiterer Kostenfaktor, der typisch für Publikumsfonds ist, sind die Verwaltungsgebühren. Wie der Name sagt, werden diese Kosten den Anlegern und Sparern in Rechnung gestellt, weil dadurch die Verwaltungskosten des Fonds abgedeckt werden sollen. Hier fließen im Grunde sämtliche administrative Tätigkeiten und der Verwaltungsaufwand ein, den die entsprechende Fondsgesellschaft mit dem einzelnen Fonds hat. Im Vergleich zu den Managementgebühren fallen die Verwaltungskosten allerdings für gewöhnlich deutlich geringer aus und bewegen sich im Durchschnitt zwischen 0,2 und 0,4 Prozent im Jahr.

Performance-Fee bei nur wenigen Fonds üblich

Ein weiterer Kostenfaktor, den Sie bei Fonds eventuell berücksichtigen müssen, ist die sogenannte Performance-Fee. Allerdings sind es relativ wenige Investmentfonds, bei denen eine derartige Gebühr in Rechnung gestellt wird. Deutlich häufiger berechnet wird die Performance-Fee bei einer Vermögensverwaltung, sowohl bei der klassischen Variante als auch bei manchen Robo-Advisor. Doch was ist die Performance-Fee eigentlich? In diesem Fall behält die Fondsgesellschaft einen Teil der in Form der positiven Performance erzielten Erträge vom Anleger. Meistens gibt es allerdings eine Grenze bei der Rendite, ab der die Performance-Fee überhaupt in Rechnung gestellt wird.

In der Praxis funktioniert die Performance-Fee so, dass zum Beispiel 20 Prozent Gewinnbeteiligung seitens der Fondsgesellschaft berechnet werden, aber nur dann, wenn die Jahresrendite bei mehr als fünf Prozent liegt. Bis zu fünf Prozent kann der Anleger also den vollen Betrag erhalten, denn erst bei Überschreiten dieser Rendite-Grenze vereinnahmt die Fondsgesellschaft dann 20 Prozent des darüber hinaus gehenden Ertrages.

Die Gesamtkosten bei Fonds: die Total Expensive Rate

Wie Sie an unserem Beitrag erkennen, gibt es bei Fonds einige unterschiedliche Gebühren, die Sie kennen und beachten sollten. Damit Sie sich nicht bei jedem Fonds mit den einzelnen Kostenanteilen beschäftigen müssen, gibt es die sogenannte Gesamtkostenquote. Diese wird im Fachbereich auch als Total Expensive Rate bezeichnet. Diese fasst im Prinzip viele Gebührenarten zusammen und stellten in einem Prozentsatz dar, mit welchen jährlichen Fondskosten Sie bei den entsprechenden Fonds rechnen müssen. Allerdings sind zwei von uns zuvor aufgeführten Fondskosten nicht in der TER enthalten, nämlich zum einen der Ausgabeaufschlag und zum anderen die eventuelle Performance-Fee.

Die Performance-Fee möchten wir an der Stelle vernachlässigen, weil sie von eher wenigen Fonds in Rechnung gestellt wird. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass der Ausgabeaufschlag nicht mit in die Gesamtkostenquote einfließt. Das hat damit zu tun, dass es sich beim Ausgabeaufschlag nur um einmalige Kosten und nicht um laufende Gebühren wie zum Beispiel die Managementgebühr handelt, die jährlich in Rechnung gestellt werden. Trotzdem sollten Sie als Anleger den Ausgabeaufschlag auf ein Jahr herunterrechnen, denn natürlich reduziert er Ihre Gesamtrendite. Wie das funktionieren kann, zeigt unser folgendes Beispiel:

  • Geplante Anlagedauer (Haltedauer) der Fonds: 8 Jahre
  • Ausgabeaufschlag: 5,2 %
  • Kosten pro Jahr: 0,65 %

Sie müssen also lediglich den einmaligen Ausgabeaufschlag auf Ihre geplante Haltedauer hochrechnen und erkennen so, wie hoch die jährlichen Kosten durch den Ausgabeaufschlag sind. Diese prozentuale Gebühr können Sie dann auf die Gesamtkostenquote aufschlagen und erhalten so tatsächlich die Gebühren, die beim entsprechenden Fonds für Sie persönlich Jahr für Jahr anfallen werden.

Aktiv gemanagte Fonds vs. ETFs: deutliche Gebührenunterschiede

Die zuvor genannten Fondskosten beziehen sich größtenteils auf aktiv gemanagte Fonds, zum Teil aber auch auf Indexfonds. Die sogenannten ETFs (Exchange Traded Funds) haben allerdings eine deutlich geringere Gesamtkostenquote als die meisten aktiv gemanagten Fonds. Das liegt daran, dass bei Indexfonds lediglich ein passives Fondsmanagement stattfindet, weil der Fondsmanager nur einen Index nachbilden muss. Während Sie zum Beispiel bei Aktienfonds durchaus auf eine Gesamtkostenquote von über zwei Prozent im Jahr kommen, bewegt sich die TER bei ETFs in den meisten Fällen im Bereich zwischen 0,3 und 0,6 Prozent. Sie können also im Hinblick auf die Fondskosten oft erheblich Gebühren einsparen, wenn Sie sich für ETFs statt für aktiv gemanagte Fonds entscheiden.