Tesla-Chef twittert – Bitcoin bricht ein

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Tesla akzeptiert Bitcoin nicht mehr als Zahlungsmittel, die Kryptowährung bricht ein. Kurz zuvor hatte Tesla noch erfolgreich spekuliert. (Foto: Wit Olszewski / shutterstock.com)

Das war ein kurzes Intermezzo: Nachdem Tesla seit März die Kryptowährung Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptierte, folgt nun die Rolle rückwärts.

Nach gerade einmal zwei Monaten zieht Firmengründer Elon Musk den Stecker – und verkündet die Entscheidung auf demselben Wege wie zuvor sein neu aufgeflammtes Interesse am Bitcoin, nämlich via Twitter, und das tief in der Nacht.

Tesla-Chef entdeckt lang bekanntes Öko-Problem

In seinem Statement verwies Musk auf die problematische Umweltbilanz, die das sogenannte Mining, also das Erzeugen neuer Bitcoins sowie die Abwicklung von Transaktionen, aufweise. Tatsächlich entspricht der Stromverbrauch der Kryptowährung Expertenschätzungen zufolge in etwa dem Energiebedarf der Niederlande, auch der CO2-Abdruck ist verheerend.

Allerdings: All das sind keine neuen Informationen, sondern seit Langem bekannt und von Kritikern immer wieder vorgetragen. Warum der Tesla-Chef diesen Umstand erst jetzt entdeckt hat oder zumindest erst jetzt als problematisch einstuft, bleibt vorerst sein Geheimnis.

Tesla macht 100 Mio. Dollar Gewinn mit Bitcoin-Handel

In den vergangenen Monaten hatten sowohl Musk selbst als auch Tesla im großen Stil mit Bitcoins gehandelt. Allein durch teils kryptische Tweets des visionären Unternehmers schnellte der Kurs des Bitcoins seit Jahresbeginn massiv in die Höhe und erreichte einen Rekordwert nach dem anderen. Tesla selbst investierte rund 1,5 Milliarden Dollar in die Kryptowährung und verkaufte kurz darauf Bitcoins im Wert von rund 300 Millionen Dollar wieder. Für das Geschäftsquartal von Januar bis Ende März brachte allein dieses Geschäft dem Unternehmen rund 100 Millionen Dollar ein.

Doch auch damit ist nun vorläufig Schluss: Tesla werde keine Bitcoin-Transaktionen mehr vornehmen, solange sich die Ökobilanz der Kryptowährung nicht deutlich verbessert habe. Der hohe Energiebedarf an sich ist demnach nicht das vorrangige Problem aus Sicht des Tesla-Chefs, vielmehr kritisiert er, dass die für die Bitcoin-Erzeugung aufgewendete Energie noch viel zu oft aus klimaschädlicher Kohlekraft gewonnen werde. Musk forderte ein Umstellen auf erneuerbare Energien.

Das erscheint bis auf Weiteres jedoch kaum realistisch, immerhin stehen die Serverfarmen in Billigstromländern, die eben gerade nicht für besonders nachhaltige Ressourcenverwendung bekannt sind. So sehr das Bitcoin-Vermögen im ersten Quartal zum guten Geschäftsergebnis beigetragen hat, so sehr könnte das Ganze nun im zweiten Quartal für Tesla nach hinten losgehen, denn einen Großteil der erworbenen Bitcoins hält das Unternehmen offenbar noch.

Tesla Aktie und Kryptowährungen rauschen in den Keller

Der Kurs der Kryptowährung ist nach den nächtlichen Tweets von Elon Musk allerdings massiv eingebrochen. Innerhalb weniger Stunden sackte der Wert eines Bitcoins von knapp 55.000 auf zeitweise unter 46.000 US-Dollar ab.

Der Kurssturz beim Bitcoin riss auch andere Kryptowährungen mit in die Tiefe, nicht wenige verzeichneten zweistellige Verluste. So sank der Wert der zweitwichtigsten Kryptowährung Ether um rund 10 Prozent von knapp 4.180 Dollar auf unter 3.800 Dollar. Auch für die Tesla Aktie ging es abwärts: Auf Wochensicht notiert das Papier satte 15 Prozent im Minus bei zuletzt gut 570 Dollar.

Analysten raten angesichts der starken Volatilität der Tesla Aktie bereits seit Langem zur Vorsicht. Nach den jüngsten Quartalszahlen, die vor allem dank der Bitcoin-Spekulationen einigermaßen stark ausgefallen waren, rechnen einige Experten mit einem Einbruch des Aktienkurses um mehr als die Hälfte und raten zum Verkauf des Papiers, darunter Analysten der US-Großbank JP Morgan (Kursziel: 155 Dollar) sowie der britischen Barclays-Bank (Kursziel: 230 Dollar).

Musk glaubt weiter an Krypto-Konzept

Tatsächlich war der Kurs der Tesla Aktie in der Vergangenheit immer wieder stark in Bewegung geraten, was häufig mit kurzfristigen Launen des exzentrischen Firmenchefs zusammenhing – der neuerdings auch noch den Kurs der Kryptowährungen mit seinen Tweets scheinbar nach Belieben steigen oder fallen lässt.

Dabei outete sich Musk in seinem Statement durchaus als Fan von Kryptowährungen. Er sieht in ihnen vielversprechende Zahlungsmittel der Zukunft. Tesla allerdings ist wohl erst wieder an Bord, wenn sich die Ökobilanz verbessert hat.

Dass diese Erkenntnis erst nach der 100-Millionen-Dollar-Spekulation gereift ist – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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