Steuerklassen in Deutschland – ein Überblick

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Die Eingruppierung in die einzelnen Steuerklassen entscheidet sich in der Regel anhand des Familienstandes. Dabei spielt sowohl eine Rolle, ob der Steuerzahler ledig oder verheiratet ist und ob er Kinder hat.

Steuerkombinationen nach der Ehe.
Verheiratete Paare können sich je nach Einkommensverteilung für unterschiedliche Steuerkombinationen entscheiden. © beeboys / Shutterstock.com

Die einzelnen Steuerklassen in Deutschland

In Deutschland existieren aktuell sechs Steuerklassen plus eine Sonderform. Anhand dieser Einteilung berechnet der Arbeitgeber die Lohnsteuer, die dann direkt einbehalten und an das Finanzamt abgeführt wird.

Steuerklasse 1

Die Lohnsteuerklasse 1 gilt für alle Personen, die ledig und kinderlos sind. Die meisten Menschen starten ihr Berufsleben als Arbeitnehmer mit dieser Steuerklasse. Eine Ausnahme von den Klasse 1 bildet ein Minijob auf 450 Euro Basis. Dieser ist von der Lohnsteuer befreit.

Sofern der Arbeitnehmer mehr als 450 Euro im Monat verdient, muss er Lohnsteuer entsprechend seiner Klasse und Sozialabgaben abführen. Die Abzüge in der Klasse 1 hängen von der Höhe des Verdienstes ab. Die ersten 9.000 Euro sind jedoch steuerfrei.

Voraussetzungen für Steuerklasse 1

  • Der Steuerzahler ist ledig und kinderlos
  • Der Steuerzahler verdient mehr als 450€ und hat keinen Nebenjob über 450€ (dieser würde in Steuerklasse 6 rutschen)
SteuerfreibeträgeHöhe des Steuerfreibetrags
Grundfreibetrag9.000 Euro
Arbeitnehmerpauschbetrag1.000 Euro
Sonderausgabenpauschbetrag36 Euro
Vorsorgepauschaleabhängig vom Bruttoverdienst
Kinderfreibetrag7.428 Euro

Steuerklasse 2

Steuerklasse 2 ist für Alleinstehende, die allgemein Steuerklasse 1 zugeordnet werden würden, jedoch allein ein Kind erziehen. Der Unterschied zur Steuerklasse 1 liegt bei Steuerklasse 2 im deutlich angehobenen Steuerfreibetrag. Dadurch honoriert der Staat die Sonderaufgabe der alleinerziehenden, ledigen Person. Das monatliche Einkommen bis 1.051 Euro ist steuerfrei (zum Vgl. in Lohnsteuerklasse 1 beträgt der Freibetrag 920 Euro).

Der sogenannte Alleinerziehendenentlastungsbetrag entspricht im Jahr 2018 bei einem minderjährigen Kind im Haushalt 1.908 Euro. Mit dem zweiten Kind steigt dieser Entlastungsfreibetrag um 2.148 Euro. Den Entlastungsfreibetrag gibt es seit 2004 in Deutschland und er gilt ausschließlich in Lohnsteuerklasse 2.

Voraussetzungen für Steuerklasse 2

  • Im Haushalt lebt mindestens eine minderjährige Person mit einem Erziehungsberechtigten.
  • Es lebt keine weitere volljährige Person im Haushalt, die als erziehungsberechtigte Person in Erscheinung treten darf.

Volljährige Geschwister sind im Haushalt kein Problem, da Geschwister keine Erziehungsberechtigten sind. Sie sind für Steuerklasse 2 kein Widerspruch.

SteuerfreibeträgeHöhe des Freibetrags
Grundfreibetrag9.000 Euro
Arbeitnehmerpauschbetrag1.000 Euro
Sonderausgabenpauschbetrag36 Euro
Vorsorgepauschaleabhängig vom Bruttoverdienst
Kinderfreibetrag7.428 Euro
Alleinerziehendenentlastungsbetrag1.908 Euro

Steuerklasse 3/5

Während Ehepaare vom Staat automatisch in Steuerklasse 4 eingestuft werden, kann sich ein Wechsel in die Doppelsteuerklassen 3 und 5 lohnen. Dies ist immer dann der Fall, wenn ein Ehepartner deutlich mehr verdient als der andere. Als Faustregel gilt hierbei ein Mehrverdienst von mindestens 50 Prozent.

Der Besserverdiener sollte dann in Steuerklasse 3 wechseln, der Geringerverdienende in Steuerklasse 5. In der Lohnsteuerklasse 3 sind monatliche Einkünfte von bis zu 1.736 Euro, in Klasse 5 jedoch nur 104 Euro im Monat von der Steuer befreit.

Voraussetzungen für Steuerklasse 3/5

  • Das Gehalt der Ehepartner liegt deutlich auseinander
  • Der Wechsel in Steuerklasse 3/5 muss beim Finanzamt beantragt werden
Art des Abzugs von der LohnsteuerHöhe der Freibeträge (Kl. 3)Höhe der Freibeträge (Kl. 5)
Grundfreibetrag18.000 Euro0 Euro
Pauschbetrag für Arbeitnehmer1.000 Euro1.000 Euro
Pauschbetrag für Sonderausgaben36 Euro36 Euro
Kinderfreibetrag7.428 Euro0 Euro
Vorsorgepauschalegehaltsabhängiggehaltsabhängig

Steuerklasse 4

Verheiratete Bürger werden direkt nach der Hochzeit vom Finanzamt in Steuerklasse 4 eingeteilt. Im Vergleich zur Steuerklasse 1 können beide dann jedoch (fast) keine Geldbeträge an Steuern sparen.

Steuerklasse 4 ergibt jedoch nur dann Sinn, wenn beide berufstätig sind und über in etwa gleich hohe Einkommen verfügen. Verdient eine Seite hingegen deutlich mehr, sollte ein Wechsel in die Steuerklassen 3 und 5 vorgenommen werden.

In der Steuerklasse 4 sind monatliche Einkünfte bis zu 920 € steuerfrei.

In Steuerklasse 4 existiert außerdem eine Sonderform, die “Steuerklasse 4 mit Faktor“. Diese richtet sich genauer am Gehalt der einzelnen Berufstätigen aus und ist daher empfehlenswert, wenn der Unterschied zwischen den Gehältern zwischen 10 und 50 Prozent beträgt. So vermeiden Ehepaare Nachzahlungen nach Einreichung der Steuererklärung.

Voraussetzungen für Steuerklasse 4

  • Das Gehalt der Ehepartner liegt auf ähnlichen Niveau, bei kleineren Unterschieden lohnt sich ein Wechsel ins Faktorverfahren
  • Die Steuerklasse 4 muss nicht beantragt werden, sondern wird nach der Hochzeit zugeteilt
SteuerfreibeträgeHöhe des Steuerfreibetrags
Grundfreibetrag9.000 Euro
Arbeitnehmerpauschbetrag1.000 Euro
Sonderausgabenpauschbetrag36 Euro
Vorsorgepauschaleabhängig vom Bruttoverdienst
Kinderfreibetrag7.428 Euro

Steuerklasse 6

Die Steuerklasse 6 unterscheidet sich ganz wesentlich von allen anderen Klassen, da sie einzig von der Anzahl der Beschäftigungen abhängt. Während die Steuerklassen 1 bis 5 abhängig vom Familienstand sind, d.h. ob jemand verheiratet, ledig oder alleinerziehend ist, betrifft die sechste Lohnsteuerklasse jene Arbeitnehmer, die noch mindestens einen weiteren Erwerb haben und dabei über 450 € verdienen. Während alles unter diesem Freibetrag steuerfrei ist, fallen für den Arbeitnehmer in Steuerklasse 6 die höchsten steuerlichen Abzüge an.

Es gibt jedoch eine Besonderheit: Selbst wenn eine Person durch ihren Nebenerwerb in die sechste Steuerklasse rutscht und somit hohe Abzüge hat, kann dies im Zuge der Steuererklärung wieder geltend gemacht werden, wenn der Steuerfreibetrag in Höhe von 8.652 € nicht überschritten wurde. Das ist beispielsweise der Fall, wenn beiden Beschäftigungen nicht ein ganzes Jahr lang nachgegangen wird.

Voraussetzungen für Steuerklasse 6

  • Die Aufnahme eines Nebenjobs führt zur Einteilung dieser Erwerbstätigkeit in Klasse 6
  • Der Arbeitnehmer muss seinem Arbeitgeber rechtzeitig seine Lohnsteuernummer mitteilen, um richtig eingruppiert zu werden

Steuerklasse: Verheiratet haben Sie die Wahl

Eine Besonderheit gilt von vornherein für Verheiratete, denn diese können zwischen einzelnen Steuerklassen wählen. Entweder wählen beide Steuerklasse IV oder eine Kombination aus den Klassen III und V. Das entscheidende Kriterium ist dabei das Gehalt.

Verdient ein Ehegatte deutlich mehr (ab ca. 60% des gesamten Einkommens), sollte er sich für Steuerklasse III und der Partner für Steuerklasse V entscheiden, also den Wechsel in die jeweiligen Klassen beantragen.  Da der steuerfreie monatliche Arbeitslohn in Klasse III deutlich höher als in Klasse V bemessen ist, wird so insgesamt die Steuerlast des Ehepaares gesenkt.

Verdient beispielsweise ein Partner monatlich 4.000 € brutto, der andere dagegen nur 2.400 € brutto, so ist die Kombination III/V sinnvoll. Denn in diesem Fall muss der Partner mit dem höheren Einkommen, und damit auch das Paar, weniger Steuern zahlen. Verdienen dagegen beide 2.000 – 3.000 € brutto, so können sie auch beide Klasse IV beantragen.

Außerdem gibt es seit 2010 das sogenannte „Faktorverfahren“. Dadurch sollen die Lohnsteuerabgaben der Ehepaare gerechter verteilt werden, wenn ein Partner wesentlich mehr oder weniger verdient als der andere. Verdienen die Partner jedoch etwa gleich viel, ist für beide Steuerklasse IV empfehlenswert.

Rentner: Das müssen Sie über Steuerklassen wissen

Steuerklassen in der Rente.
Verheiratete Rentner sind üblicherweise entweder beide in Steuerklasse 4 oder in 3 und 5. © Rido / Shutterstock.com

Auch in der Rente müssen Steuer gezahlt und Einkommenssteuererklärungen gemacht werden. Dabei errechnet sich der Betrag abhängig von der Höhe der monatlichen Rente. Es gibt jedoch keine gesonderte Steuerklasse für Rentner, sondern sie bleibt abhängig vom Familienstand: Verheiratete Rentner können sich für die Steuerkombinationen 4/4 oder 3/5 entscheiden, ledige Rentner sind im Normalfall in Steuerklasse 1.

  • Sonderregelung – Steuererklärung in der Rente: Seitdem die Rente versteuert wird, müssen auch Rentner jährlich eine Steuererklärung abgeben.
  • Anlage R: Über diese Anlage können Rentner im Zuge der Steuererklärung einige Ausgaben wieder geltend machen.

Steuerklasse ändern: So funktioniert es

Die Lohnsteuerklasse zu ändern ist im Grunde sehr leicht und schnell gemacht. Dafür füllen Sie lediglicih das entsprechende Formular aus und schicken es an das Finanzamt. Fertig !

Allerdings gibt es einige Punkte zu beachten:

  • Die Frist für die Abgabe ist immer der 30. November eines Jahres
  • Ein Wechsel der Steuerklasse ist nur 1 mal im Jahr möglich
  • Findet der Wechsel aufgrund einer Ehe bzw. eheänlichen Gemeinschaft statt, muss der Partner einverstanden sein und das Formular unterschreiben

Das Formular zum Ändern der Steuerklassen können Sie hier herunterladen.

Sonderfälle für Steuerklassen

  • Schwangerschaft: Wenn Sie ein Kind erwarten, sollte der Partner mit dem höheren Einkommen in die Klasse 3 wechseln. Grund: Die Höhe des Elterngeldes berechnet sich nach dem letzten Nettoeinkommen. Da in der Klasse 3 die wenigsten Abzüge stattfinden, fällt das Elterngeld so am höchsten aus.
  • Alleinerziehend: Überlicherweise sind Alleinerziehende in der Klasse 2 veranlagt. Unter Alleinerziehend versteht der Gesetzgeber, dass Sie nicht mit einer weiteren erwachsenen Person eine gemeinsame Haushaltsführung haben und mindestens ein minderjähriges Kind in Ihrem Haushalt betreuen.
  • Ehepaare: Verheiratete werden automatisch in die Klasse 4 eingeordnet. Diese Steuerklasse ist für Sie sinnvoll, wenn Sie in etwa genauso viel verdienen wie Ihr Ehepartner. Verdient ein Partner deutlich mehr als der andere, ist ein Wechsel in die Klasse 3&5
    sinnvoll.
  • Arbeitslosigkeit: Ist absehbar, dass in naher Zukunft die Arbeitslosigkeit droht, sollten Sie einen Wechsel in die günstigste Steuerklasse erwägen. Grund: Genau wie beim Elterngeld wird auch für die Berechnung des Arbeitslosengeldes das letzte Nettoeinkommen herangezogen. Wechselt man rechtzeitig in die günstigere Klasse, fällt das Arbeitslosengeld höher aus.

Steuerklassen: Übersichtliche Erklärung im Video

FAQ – die wichtigsten Fragen zu Steuerklassen

In welcher Steuerklasse bin ich?

Welcher Steuerklasse man angehört, geht aus der vom Arbeitgeber ausgestellten Lohnsteuerbescheinigung hervor.

Welche Steuerklasse hat man bei zwei Jobs?

Wer mindestens ein Nebenjob hat, ist hierfür in Steuerklasse 6 gelistet. Der Hauptberuf bleibt weiterhin in der bisherigen Steuerklasse.

Welche Steuerklasse hat man, wenn man verheiratet ist?

Nach der Hochzeit haben beide Ehepartner automatisch die Steuerklasse 4. Sie können aber ab dann statt der Steuerklassenkombination 4/4 auch 3/5 wählen.

Welche Steuerklasse haben Rentner?

Je nachdem, ob Rentner verheiratet sind, können sie zwischen den Steuerkombinationen 4/4 oder 3/5 wählen. Alleinstehende Rentner sind üblicherweise in Steuerklasse 1 eingeteilt.

Welche Steuerklasse haben Alleinstehende?

Alleinstehende ohne Kinder bleiben in Steuerklasse 2. Mit Kindern werden sie hingegen in Steuerklasse 2 eingeteilt.

Was ist der Alleinerziehendenentlastungsbetrag?

Das Einkommensteuergesetz in Deutschland regelt den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Seit 2004 ersetzt der Alleinerziehendenentlastungsbetrag den sogenannten Haushaltsfreibetrag für Alleinerziehende. Von 2004 bis 2014 betrug dieser 1.308 Euro. Seit 2015 sind es 1.908 Euro. Voraussetzung ist, dass im Haushalt ein Kind lebt für das ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld in Anspruch genommen wird, und das sich nicht mehr als eine volljährige, erziehungsberechtigte Person im Haushalt befindet. Zusätzliche 240 Euro Entlastungsbetrag gibt es für jedes weitere Kind. Die Grundlage für die Berechnung befindet sich in § 24b EStG.

Historische Entwicklung

JahreEntlastungsbetrag
für Alleinerziehende
pro Jahr
1958 – 19741.680 DM
1975 – 19773.000 DM
19783.810 DM
1979 – 19804.200 DM
1981 – 19854.212 DM
1986 – 19874.536 DM
1988 – 19894.752 DM
1990 – 20015.616 DM
2.916 EUR
2002 – 20032.340 EUR
2004 – 20141.308 EUR
2015 – 20181.908 EUR

 


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