Steuerklassen in Deutschland – ein Überblick über die Lohnsteuer

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Die Eingruppierung in die einzelnen Steuerklassen entscheidet sich in der Regel anhand des Familienstandes. Dabei spielt sowohl eine Rolle, ob der Steuerzahler ledig oder verheiratet ist und ob er Kinder hat.

Steuerkombinationen nach der Ehe.
Verheiratete Paare können sich je nach Einkommensverteilung für unterschiedliche Steuerkombinationen entscheiden. © beeboys / Shutterstock.com

Die einzelnen Steuerklassen in Deutschland

In Deutschland existieren aktuell sechs Steuerklassen plus eine Sonderform. Anhand dieser Einteilung berechnet der Arbeitgeber die Lohnsteuer, die dann direkt einbehalten und an das Finanzamt abgeführt wird.

 


Das wichtigste zu Steuerklassen im Überblick:

  • Für Ledige und Geschiedene gibt es keine Möglichkeit zum Steuerklassenwechsel
  • Ehepaare können grundlegend zwischen drei Modellen von Lohnsteuerklassen wählen. Durch eine geschickte Auswahl der Steuerklasse kann ein erheblicher Nettogewinn entstehen.
  • Die monatlich Lohnsteuerabzug, der direkt vom Gehalt abgeht, ist nur eine geschätzte Vorauszahlung. Erst wenn am Ende des Jahres eine Steuererklärung gemacht wird, wird die tatsächliche Steuerlast berechnet, was meist zu einer erheblichen Rückzahlung für den Steuerzahler führt.

    Übersicht: Die Steuerklassen in der Tabelle für 2019

Steuer-klasseFür wen?Grund-freibetragKinderfreibetragArbeitnehmer-pauschalbetrag
1Alleinstehende, getrennt lebende9.168 €7.620€ (pro Kind)1.000 €
2Alleinerziehende9.168 €7.620€ (pro Kind) + 1.908€ Entlastung1.000 €
3Verheiratete, verwitwete18.336 €7.620€ (pro Kind)1.000 €
4Verheiratete mit gleichem Verdienst9.168 €3.810€ (Pro Ehepartner) Gesamt 7.620 €1.000 €
5Verheiratete (nur in Kombination mit Sueuerklasse 3)0 €0 €1.000 €
6Zweit- und Nebenjob0 €0 €0 €

Quelle: Bundesfinanzministerium


Steuerklasse 1 – Ledige und Geschiedene

Die Lohnsteuerklasse 1 gilt für alle Personen, die ledig und kinderlos sind. Die meisten Menschen starten ihr Berufsleben als Arbeitnehmer mit dieser Steuerklasse. Eine Ausnahme von den Klasse 1 bildet ein Minijob auf 450 Euro Basis. Dieser ist von der Lohnsteuer befreit.

Sofern der Arbeitnehmer mehr als 450 Euro im Monat verdient, muss er Lohnsteuer entsprechend seiner Klasse und Sozialabgaben abführen. Die Abzüge in der Klasse 1 hängen von der Höhe des Verdienstes ab. Die ersten 9.000 Euro sind jedoch steuerfrei.

Voraussetzungen für Steuerklasse 1

  • Der Steuerzahler ist ledig und kinderlos
  • Der Steuerzahler verdient mehr als 450€ und hat keinen Nebenjob über 450€ (dieser würde in Steuerklasse 6 rutschen)
SteuerfreibeträgeHöhe des Steuerfreibetrags
Grundfreibetrag9.168 Euro
Arbeitnehmerpauschbetrag1.000 Euro
Sonderausgabenpauschbetrag36 Euro
Vorsorgepauschaleabhängig vom Bruttoverdienst
Kinderfreibetrag7.620 Euro

Steuerklasse 2 – Alleinerziehende

Steuerklasse 2 ist für Alleinstehende, die allgemein Steuerklasse 1 zugeordnet werden würden, jedoch allein ein Kind erziehen. Der Unterschied zur Steuerklasse 1 liegt bei Steuerklasse 2 im deutlich angehobenen Steuerfreibetrag. Dadurch honoriert der Staat die Sonderaufgabe der alleinerziehenden, ledigen Person. Das monatliche Einkommen bis 1.051 Euro ist steuerfrei (zum Vgl. in Lohnsteuerklasse 1 beträgt der Freibetrag 920 Euro).

Der sogenannte Alleinerziehendenentlastungsbetrag entspricht im Jahr 2018 bei einem minderjährigen Kind im Haushalt 1.908 Euro. Mit dem zweiten Kind steigt dieser Entlastungsfreibetrag um 2.148 Euro. Den Entlastungsfreibetrag gibt es seit 2004 in Deutschland und er gilt ausschließlich in Lohnsteuerklasse 2.

Voraussetzungen für Steuerklasse 2

  • Im Haushalt lebt mindestens eine minderjährige Person mit einem Erziehungsberechtigten.
  • Es lebt keine weitere volljährige Person im Haushalt, die als erziehungsberechtigte Person in Erscheinung treten darf.

Volljährige Geschwister sind im Haushalt kein Problem, da Geschwister keine Erziehungsberechtigten sind. Sie sind für Steuerklasse 2 kein Widerspruch.

SteuerfreibeträgeHöhe des Freibetrags
Grundfreibetrag9.168 Euro
Arbeitnehmerpauschbetrag1.000 Euro
Sonderausgabenpauschbetrag36 Euro
Vorsorgepauschaleabhängig vom Bruttoverdienst
Kinderfreibetrag7.620 Euro
Alleinerziehendenentlastungsbetrag1.908 Euro

Steuerklasse 3/5 – Ehepaar mit unterschiedlichen Einkommen

Während Ehepaare vom Staat automatisch in Steuerklasse 4 eingestuft werden, kann sich ein Wechsel in die Doppelsteuerklassen 3 und 5 lohnen. Dies ist immer dann der Fall, wenn ein Ehepartner deutlich mehr verdient als der andere. Als Faustregel gilt hierbei ein Mehrverdienst von mindestens 50 Prozent.

Der Besserverdiener sollte dann in Steuerklasse 3 wechseln, der Geringerverdienende in Steuerklasse 5. In der Lohnsteuerklasse 3 sind monatliche Einkünfte von bis zu 1.736 Euro, in Klasse 5 jedoch nur 104 Euro im Monat von der Steuer befreit.

Voraussetzungen für Steuerklasse 3/5

  • Das Gehalt der Ehepartner liegt deutlich auseinander
  • Der Wechsel in Steuerklasse 3/5 muss beim Finanzamt beantragt werden
Art des Abzugs von der LohnsteuerHöhe der Freibeträge (Kl. 3)Höhe der Freibeträge (Kl. 5)
Grundfreibetrag18.336 Euro0 Euro
Pauschbetrag für Arbeitnehmer1.000 Euro1.000 Euro
Pauschbetrag für Sonderausgaben36 Euro36 Euro
Kinderfreibetrag7.620 Euro0 Euro
Vorsorgepauschalegehaltsabhängiggehaltsabhängig

Steuerklasse 4 – Verheiratete bei gleichem Einkommen

Verheiratete Bürger werden direkt nach der Hochzeit vom Finanzamt in Steuerklasse 4 eingeteilt. Im Vergleich zur Steuerklasse 1 können beide dann jedoch (fast) keine Geldbeträge an Steuern sparen. Mit dem Jahresbeginn 2018 werden neue Ehepaare automatisch in die Steuerklasse IV eingruppiert.

Steuerklasse 4 ergibt jedoch nur dann Sinn, wenn beide berufstätig sind und über in etwa gleich hohe Einkommen verfügen. Verdient eine Seite hingegen deutlich mehr, sollte ein Wechsel in die Steuerklassen 3 und 5 vorgenommen werden.

In der Steuerklasse 4 sind monatliche Einkünfte bis zu 920 € steuerfrei.

In Steuerklasse 4 existiert außerdem eine Sonderform, die “Steuerklasse 4 mit Faktor“. Diese richtet sich genauer am Gehalt der einzelnen Berufstätigen aus und ist daher empfehlenswert, wenn der Unterschied zwischen den Gehältern zwischen 10 und 50 Prozent beträgt. So vermeiden Ehepaare Nachzahlungen nach Einreichung der Steuererklärung.

Voraussetzungen für Steuerklasse 4

  • Das Gehalt der Ehepartner liegt auf ähnlichen Niveau, bei kleineren Unterschieden lohnt sich ein Wechsel ins Faktorverfahren
  • Die Steuerklasse 4 muss nicht beantragt werden, sondern wird nach der Hochzeit zugeteilt
SteuerfreibeträgeHöhe des Steuerfreibetrags
Grundfreibetrag9.168 Euro
Arbeitnehmerpauschbetrag1.000 Euro
Sonderausgabenpauschbetrag36 Euro
Vorsorgepauschaleabhängig vom Bruttoverdienst
Kinderfreibetrag3.810 Euro (je Kind)

Steuerklasse 6 – Nebenjob

Die Steuerklasse 6 unterscheidet sich ganz wesentlich von allen anderen Klassen, da sie einzig von der Anzahl der Beschäftigungen abhängt. Während die Steuerklassen 1 bis 5 abhängig vom Familienstand sind, d.h. ob jemand verheiratet, ledig oder alleinerziehend ist, betrifft die sechste Lohnsteuerklasse jene Arbeitnehmer, die noch mindestens einen weiteren Erwerb haben und dabei über 450 € verdienen. Während alles unter diesem Freibetrag steuerfrei ist, fallen für den Arbeitnehmer in Steuerklasse 6 die höchsten steuerlichen Abzüge an.

Es gibt jedoch eine Besonderheit: Selbst wenn eine Person durch ihren Nebenerwerb in die sechste Steuerklasse rutscht und somit hohe Abzüge hat, kann dies im Zuge der Steuererklärung wieder geltend gemacht werden, wenn der Steuerfreibetrag in Höhe von 8.652 € nicht überschritten wurde. Das ist beispielsweise der Fall, wenn beiden Beschäftigungen nicht ein ganzes Jahr lang nachgegangen wird.

Voraussetzungen für Steuerklasse 6

  • Die Aufnahme eines Nebenjobs führt zur Einteilung dieser Erwerbstätigkeit in Klasse 6
  • Der Arbeitnehmer muss seinem Arbeitgeber rechtzeitig seine Lohnsteuernummer mitteilen, um richtig eingruppiert zu werden

Das bedeutet die Steuerklasse 6

Wer in welche Steuerklasse eingruppiert wird, entscheidet sich in der Regel anhand des Familienstandes. Ob ledig oder verheiratet, Kinder oder keine Kinder – die Steuerklasse richtet sich nach dem individuellen Status.

Die Steuerklasse 6 unterscheidet sich in einigen entscheidenden Faktoren von den anderen Steuerklassen. Sie hängt nämlich nicht vom Familienstand ab, sondern von der Anzahl der Beschäftigungen. Sie wird benötigt, wenn ein Arbeitnehmer für ein zweites (oder sogar drittes) Beschäftigungsverhältnis eine weitere Lohnsteuerkarte benötigt.

Wer die Steuerklasse 6 hat, hat automatisch auch immer noch eine andere Steuerklasse. Die Steuerklasse 6 wird nämlich nur bei Zweitjobs vergeben, die über einen Minijob mit einem Verdienst von höchstens 450 € hinausgehen. Der wäre steuerfrei.

Die Studentin Johanna ist in einer Bibliothek angestellt und verdient dort 900 € im Monat. Sie ist alleinstehend, hat keine Kinder und dementsprechend die Steuerklasse 1. Da ihr Einkommen nicht ausreicht, arbeitet sie zusätzlich noch in einer Boutique, in der sie 500 € im Monat verdient. Für ihre Stelle in der Bibliothek erhält sie die Steuerklasse 1 und ihren Lohn aus der Boutique muss sie mit der Steuerklasse 6 versteuern.

Hohe Abzüge in der Steuerklasse 6

Die Steuerklasse 6 ist die Klasse hat den höchsten Lohnsteuerabzug, da keine Freibeträge geltend gemacht werden dürfen. Weder der Grundfreibetrag von 8.652 € noch andere Freibeträge wie der Kinderfreibetrag oder der Arbeitnehmerpauschbetrag können in dieser Steuerklasse angerechnet werden.

Johanna muss also auf ihr Einkommen aus der Boutique hohe Abzüge zahlen und hat weniger Netto vom Brutto als in anderen Steuerklassen. Der Grund, weshalb es keine Freibeträge in der Steuerklasse 6 gibt ist der, dass diese Beträge über die andere Steuerklasse geltend gemacht werden können.

Was Steuerzahler wissen müssen

Würde Johanna ihren Steuerfreibetrag in Höhe von 8.652 € in der Steuerklasse 1 nicht vollständig ausschöpfen, kann sie den überschüssigen Betrag mit in die Steuerklasse 6 nehmen und dort anrechnen lassen. Bei einem Einkommen von 900 € im Monat (10.800 € pro Jahr) liegt sie im Jahr aber über dem Freibetrag.

Die meisten Lohnsteuerkarten der Steuerklasse 6 werden an Geringverdiener ausgegeben, bei denen das erste Einkommen nicht ausreicht. Auch Studenten oder Rentner mit mehreren Nebenjobs werden in diese Steuerklasse häufig eingeordnet.

Schon der erste verdiente Euro wird in der Steuerklasse 6 versteuert, sodass bei einem geringen Einkommen über einen zweiten Job gut überlegt werden muss, ob dieser sich tatsächlich lohnt.

Steuerklassenrechner: Berechnen Sie Ihre Lohnsteuer

Es ist bekannt – eine Hochzeit kann auch finanzielle Vorteile bringen, wie auch der Vergleich der Steuerklassen im Rechner des Bundesministeriums der Finanzen (BMF)zeigt. Um Ihre Lohnsteuer zu berechnen, klicken Sie auf der Seite des BMF-Steuerrechners auf „Berechnung der Lohnsteuer“. Dort können Sie nun – erneut unter „Berechnung der Lohnsteuer“ das in Frage kommende Jahr auswählen und nach einem weiteren Klick Ihre Daten eingeben. Sind alle Daten korrekt, berechnet der Steuerrechner die anfallenden Kosten. Diesen Rechner können Sie also nutzen, um die beste Steuerklasse für Sie und Ihren Ehepartner zu finden.

Steuerklassen-Rechner im Beispiel

Ein Beispiel: Sabine und Manfred Schultze wurden nach der Hochzeit automatisch durch das Finanzamt in die Steuerklassen 4 eingeordnet. Während Frau Schultze einen monatlichen Bruttolohn von 2.500 € erwirtschaftet, erhält Herr Schultze ein Monatsgehalt in Höhe von 1.200 € brutto. Mit Hilfe des Steuerklassen-Rechners kann das kinderlose Ehepaar nun die für sie am besten geeignete Steuerklassen-Kombination ausrechnen.

In Steuerklasse 4 muss Frau Schultze nun als Mitglied der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung ohne gesonderte Freibeträge eine Lohnsteuer von 335,58 €, einen Solidaritätszuschlag von 18,45 € sowie Kirchensteuer in Höhe von 26,84 € zahlen. Die gesamten steuerlichen Abgaben belaufen sich also auf 380,87 €. Bei Herrn Schultze belaufen sich die Steuern unter den gleichen Voraussetzungen auf insgesamt 41,75 €. Insgesamt zahlt das Ehepaar in Steuerklasse 4 demnach monatliche Abgaben in Höhe von 422,62 €.

Steuerklasse wechseln: Das sollten Sie beachten

Bei der Wahl der richtigen Steuerklasse sind einige wichtige Kriterien zu beachten:

Alleinstehende können die Steuerklasse nicht wechseln

Keinen Einfluss bei der Wahl der Steuerklasse haben Singles ohne Kinder: Sie gehören generell der Steuerklasse I an. Bei Alleinerziehenden sieht die Sache jedoch bereits anders aus, denn sie können in die günstigere Steuerklasse II wechseln. Voraussetzung dabei ist, dass mindestens ein Kind im Haushalt lebt und keine weitere erwachsene Person gemeldet ist.

Steuerklasse II für Alleinerziehende

Der Wechsel in eine andere Steuerklasse muss jedoch durch eine entsprechende Erklärung bei der jeweiligen Meldebehörde mitgeteilt werden – andernfalls wird die neue Steuerklasse nicht auf der Steuerkarte eingetragen. Der Stichtag für den Antrag auf Steuerklasse II war am 20. September – eine nachträgliche Änderung ist nur noch mit einigem Aufwand möglich.

Ehepaaare haben den meisten Steuer-Spielraum

Größere Gestaltungsmöglichkeiten bei der Wahl der richtigen Steuerklasse haben Ehepaare: Ihnen steht die Möglichkeit frei, sich zwischen den Steuerklassen III, IV und V zu entscheiden. Bewegt sich das Einkommen beider Partner ungefähr auf Augenhöhe, so ist Steuerklasse IV die optimale Wahl. Verdient allerdings einer der beiden Partner mehr als 60 Prozent, so sollte ein Wechsel in die günstigere Steuerklasse III in Erwägung gezogen werden. Allerdings ist dabei zu beachten, dass der andere Partner dadurch die Steuerklasse V zugeteilt bekommt, bei der höhere Steuerabgaben fällig sind. Es ist übrigens eine falsche Annahme, dass mit dieser Steuerklassen-Kombination Steuern eingespart werden können. Zwar fällt die Lohnsteuer pro Monat niedriger aus, wenn man sie auf beide Verdienste betrachtet. Durch die Steuerveranlagung werden jedoch bereits abgezogene Lohnsteuern ausgeglichen.

Steuerklassenwahl: Steuerklasse ändern, so funktioniert es

Die Lohnsteuerklasse zu ändern ist im Grunde sehr leicht und schnell gemacht. Dafür füllen Sie lediglich das entsprechende Formular aus und schicken es an das Finanzamt. Fertig!

Allerdings gibt es einige Punkte zu beachten:

  • Die Frist für die Abgabe ist immer der 30. November eines Jahres
  • Ein Wechsel der Steuerklasse ist nur 1 mal im Jahr möglich
  • Findet der Wechsel aufgrund einer Ehe bzw. eheänlichen Gemeinschaft statt, muss der Partner einverstanden sein und das Formular unterschreiben

Ein zweiter Wechsel im laufenden Kalenderjahr wird nur in Ausnahmefällen zugelassen. Das ist der Fall, wenn ein Ehepartner stirbt, ein Ehepartner nicht mehr berufstätig ist oder arbeitslos wird, ein Ehepartner in das Ausland zieht oder sich das Paar trennt.

Das Formular zum Ändern der Steuerklassen können Sie hier herunterladen.

Allerdings haben nur Verheiratete bei der Steuerklasse ein Wahlrecht; Alleinstehende sind nach grundlegenden Kriterien auf eine Steuerklasse festgelegt. In Deutschland gibt es 6 Steuerklassen mit unterschiedlichen Tarifen.

Da die Steuerklassenwahl über die Höhe des Nettoeinkommens entscheiden, ist für Ehepaare das so genannte Ehegattensplitting besonders interessant. Fällt der Verdienst beider Partner recht unterschiedlich aus, kann einer von beiden in die Steuerklasse wechseln, die den günstigsten Tarif hat. Das ist die Steuerklasse III.

In der gemeinsamen Veranlagung können zudem die Freibeträge zumeist besser ausgenutzt und die Progressionsspitzen gesenkt werden. Den besten Splittingeffekt erzielt ein Ehepaar, wenn ein Partner überhaupt keine Einkünfte erzielt.

Steuerklassenwahl bei eingetragenen Lebenspartnerschaften

Eingetragene Lebenspartnerschaften wurden von den Finanzämtern bisher ungleich schlechter behandelt als traditionelle Eheschließungen. Auf Antrag war es jedoch in vielen Bundesländern möglich, dass Steuerbürger in eingetragenen Lebenspartnerschaften die gleichen steuerlichen Rechte wie Verheiratete erlangten. Allerdings galten diese Bescheide zur Zusammenveranlagung nur mit Vorbehalt.

Im Jahr 2013 hat das das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass der Splittingtarif bei eingetragenen Lebenspartnerschaften grundsätzlich anwendbar ist. Homosexuelle Paare verfügen damit jetzt ebenfalls über die steuerlichen Vorteile, die bisher nur Ehepartner genießen konnten.

Nach diesem Grundsatzurteil mussten die Steuergesetze rückwirkend zum 1. August 2001 geändert werden – das ist der Tag, an dem das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft trat.

Die vorläufigen Steuerbescheide für Lebenspartnerschaften erlangen damit Bestandskraft. Keines dieser Paare muss nun noch Sorge haben, dass irgendwann Rückzahlungen drohen. Lediglich die Bundesländer Sachsen und Bayern waren in der Vergangenheit nicht konziliant und lassen auch keine Wiederaufnahme abgelehnter Verfahren zu.

Steuerklasse wechseln, um Freibeträge zu erhalten

Freibeträge sind an genau definierte Vorgaben gebunden. Deswegen ist es für Ehepaare oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft kaum möglich, die Steuerklasse II wählen. Hier könnte man vom Kinderfreibetrag und dem Entlastungsbetrag für Alleinerziehende profitieren.

In anderen Bereichen ist das Wechseln der Steuerklasse mit Gewinnabsicht jedoch durchaus möglich – beispielsweise beim Elterngeld oder beim Arbeitslosengeld. Da diese staatlichen Leistungen nach dem Nettolohn berechnet werden, macht eine niedrige steuerliche Belastung des in Frage kommenden Partners Sinn.

Aber auch die optimale Auslastung der vorhandenen Freibeträge spart Zusammenveranlagten bares Geld. Grundfreibetrag, Kinderfreibeträge oder Sparerpauschbetrag können jeweils in doppelter Höhe genutzt werden – unabhängig von der Steuerklasse.

Steuerklasse wechseln – so geht’s

Um die Steuerklasse wechseln zu können, muss dem Finanzamt das ausgefüllte Formular „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten” übermittelt werden. Außer den persönlichen Daten braucht man dazu die Steuernummern und Steuer-Identifikationsnummern beider Ehepartner und für das Splittingverfahren den voraussichtlichen Bruttoverdienst beider Lebenspartner für das Jahr des Wechsels.

Je nach Vorhandensein müssen auch die Beiträge zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung sowie Versorgungsbezüge (Renten und Pensionen) angegeben werden. Die Steuerklasse wechseln können Sie frühestens zum folgenden Monat.

Verheiratet haben Sie die Wahl: Durch Steuerklassenkombination Ihren Lohnsteuerabzug senken<

Eine Besonderheit gilt von vornherein für Verheiratete, denn diese können zwischen einzelnen Steuerklassen wählen. Entweder wählen beide Steuerklasse IV oder eine Steuerklassenkombination aus den Klassen III und V. Das entscheidende Kriterium ist dabei das Gehalt.
Verdient ein Ehegatte deutlich mehr (ab ca. 60% des gesamten Einkommens), sollte er sich für Steuerklasse III und der Partner für Steuerklasse V entscheiden, also den Wechsel in die jeweiligen Klassen beantragen.  Da der steuerfreie monatliche Arbeitslohn in Klasse III deutlich höher als in Klasse V bemessen ist, wird so insgesamt die Steuerlast des Ehepaares gesenkt.
Verdient beispielsweise ein Partner monatlich 4.000 € brutto, der andere dagegen nur 2.400 € brutto, so ist die Steuerklassenkombination III/V sinnvoll. Denn in diesem Fall muss der Partner mit dem höheren Einkommen, und damit auch das Paar, weniger Steuern zahlen. Verdienen dagegen beide 2.000 – 3.000 € brutto, so können sie auch beide Klasse IV beantragen.
Außerdem gibt es seit 2010 das sogenannte „Faktorverfahren“. Dadurch sollen die Lohnsteuerabgaben der Ehepaare gerechter verteilt werden, wenn ein Partner wesentlich mehr oder weniger verdient als der andere. Verdienen die Partner jedoch etwa gleich viel, ist für beide Steuerklasse IV empfehlenswert.

Elterngeld: Steuerklasse wechseln – mehr Geld kassieren

Das Bundeselterngeldgesetz und das Elternzeitgesetz gelten seit Anfang 2007 und sind dazu gedacht, Einkommensausfälle abzumildern, die nach der Geburt eines Kindes und dem oftmals damit einhergehenden Wegfall eines arbeitenden Elternteils entstehen.
Das Elterngeld
in Höhe von 67 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens im letzten Jahr vor der Geburt wird über einen Zeitraum von 12 bis 14 Monaten ausgezahlt.

Die Mindesthöhe beträgt 300, die Höchstgrenze 1.800 Euro. Beantragt werden kann es von dem Elternteil, das für die Erziehung des Kindes zuständig ist und nicht bzw. nicht voll berufstätig ist.

Elterngeld: Wechsel der Steuerklasse möglich, wenn vorteilhaft

Da das Nettoeinkommen von der Steuerklasse abhängig ist, kann sich ein Wechsel in eine günstigere Steuerklasse als vorteilhaft erweisen, sofern nur einer der Ehepartnern das Elterngeld beantragt – dadurch erhöht sich das Nettoeinkommen und somit auch das Elterngeld.

Den Wechsel der Steuerklasse hat der Freistaat Bayern allerdings bereits als unzulässig bezeichnet, was jedoch vom Bundessozialgericht in Kassel ganz anders gesehen wird:
Im vorliegenden Fall war eine schwangere Frau von Steuerklasse V in Steuerklasse III gewechselt.

Ihr Mann wechselte hingegen von Steuerklasse III in Steuerklasse V. Durch diesen Wechsel der Steuerklassen erhöhte sich das Nettoeinkommen der werdenden Mutter um 210 Euro.

Diesen Steuerklassenwechsel hält das Bundessozialgericht für zulässig, da sich im entsprechenden Gesetzestext keinerlei Hinweis darauf finden lässt, dass ein Wechsel der Steuerklasse unzulässig ist.

Steuerklasse III bei geplanter Schwangerschaft oder drohender Arbeitslosigkeit

Falls eine der beiden Partner von Arbeitslosigkeit bedroht ist oder der gemeinsame Kinderwunsch endlich in die Tat umgesetzt werden soll, dann kann sich ein Wechsel in Steuerklasse III positiv auf die Einnahmen auswirken:

Da in dieser günstigeren Steuerklasse weniger Steuern fällig werden, erhöhen sich auch die Bezüge bei Lohnersatzleistungen. Erhält also beispielsweise die Ehefrau Elterngeld und ist zuvor bereits in Steuerklasse III gewechselt, dann wird das Elterngeld nach dem zuvor erhaltenen Netto-Einkommen berechnet.

Durch einen rechtzeitigen Wechsel der Steuerklasse können Sie auf legale Weise mehr Elterngeld kassieren – das Bundessozialgericht macht’s möglich.
Weitere wichtige Informationen zum Elterngeld finden Sie hier:

  • Urteil für Selbstständige: Zu späte Honorarzahlungen ohne Einfluss auf Elterngeld
  • Zuschuss zu den Kindergartengebühren – sinnvolle Alternative zur Gehaltserhöhung
  • Elterngeld ist der Renner

Mehr Elterngeld: Wechselmöglichkeit der Steuerklasse ist Gesetzgeber bekannt

Außerdem sei dem Gesetzgeber bei der Konzipierung des Gesetzes bekannt gewesen, dass die Möglichkeit für werdende Mütter und Väter besteht, die Steuerklasse zu wechseln.

Dennoch wurde diese Möglichkeit nicht durch einen entsprechenden Hinweis im Gesetz unterbunden, weshalb das Bundessozialgericht davon ausgeht, dass diese Methode als zulässig angesehen wird.

Bundessozialgericht Kassel, Aktenzeichen B 10 EG 3/8 R

Rentner: Das müssen Sie über Steuerklassen wissen

Auch wenn es viele Rentner glauben – mit dem Eintritt in den Ruhestand endet das Thema Steuern leider nicht. Sowohl über eine Steuererklärung als auch über ihre Steuerklasse müssen sich Rentner Gedanken machen. Je nach Einstufung fällt die Rente mehr oder weniger üppig aus, denn die Steuerklasse entscheidet über die monatlichen Abzüge.

Steuerklassen in der Rente.
Verheiratete Rentner sind üblicherweise entweder beide in Steuerklasse 4 oder in 3 und 5. © Rido / Shutterstock.com

Auch in der Rente müssen Steuer gezahlt und Einkommenssteuererklärungen gemacht werden. Dabei errechnet sich der Betrag abhängig von der Höhe der monatlichen Rente. Es gibt jedoch keine gesonderte Steuerklasse für Rentner, sondern sie bleibt abhängig vom Familienstand: Verheiratete Rentner können sich für die Steuerklassenkombination4/4 oder 3/5 entscheiden, ledige Rentner sind im Normalfall in Steuerklasse 1.

  • Sonderregelung – Steuererklärung in der Rente: Seitdem die Rente versteuert wird, müssen auch Rentner jährlich eine Steuererklärung abgeben.
  • Anlage R: Über diese Anlage können Rentner im Zuge der Steuererklärung einige Ausgaben wieder geltend machen.

Immer mehr Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben

Dadurch, dass seit 2005 ein Teil der Rente versteuert wird, müssen immer mehr Rentner eine Steuererklärung einreichen. Wie hoch der Anteil ist, der versteuert werden muss, hängt vom Renteneintrittsalter ab. Die genaue Steuerabgabe richtet sich nach der Steuerklasse. Für Ledige sind die Abgaben hoch, Vergünstigungen gibt es in der Ehe.

Da mit der bezogenen Rente genauso umgegangen werden muss wie mit Einkünften, die aus der Erwerbstätigkeit her rühren, sollten auch Rentner mit den verschiedenen Steuerklassen jonglieren und die für sich auswählen, die die meiste Steuerersparnis bringt.

Beispiel: Herr und Frau Schmitz sind beide im Ruhestand und ihrer beider Rente fällt relativ ähnlich aus. Herr Schmitz erhält monatlich 1.300 € und Frau Schmitz 1.200 €. In diesem Fall bietet es sich an, dass beide Partner die Steuerklasse 4 wählen, in der beide dieselben prozentualen Abzüge haben.

Für Rentner zählt die Anlage R in der Steuererklärung

Zwar gibt es keine extra Steuerklasse für Rentner, sie profitieren aber von vielen steuerlichen Vorteilen und Entlastungen. So können Rentner neben höheren Freibeträgen auch höhere Entlastungsbeiträge und Sonderausgaben wie zum Beispiel für Haushaltshilfen oder die Beerdigungskosten von nahestehenden Personen geltend machen.

Rentner, die ihre Steuererklärung machen, müssen die Anlage R ausfüllen. In ihr werden alle Angaben zu Rentenbezügen, privater Altersvorsorge und sonstigen Nebeneinkünften gemacht, anhand derer sich die Steuer für Rentner bemisst. Hat ein Rentner im laufenden Jahr zu viele Steuern gezahlt, muss er sich nicht sorgen: Über die Steuererklärung erhält er das zu viel gezahlte Geld zurück.

Sonderfälle für Steuerklassen

  • Schwangerschaft: Wenn Sie ein Kind erwarten, sollte der Partner mit dem höheren Einkommen in die Klasse 3 wechseln. Grund: Die Höhe des Elterngeldes berechnet sich nach dem letzten Nettoeinkommen. Da in der Klasse 3 die wenigsten Abzüge stattfinden, fällt das Elterngeld so am höchsten aus.
  • Alleinerziehend: Überlicherweise sind Alleinerziehende in der Klasse 2 veranlagt. Unter Alleinerziehend versteht der Gesetzgeber, dass Sie nicht mit einer weiteren erwachsenen Person eine gemeinsame Haushaltsführung haben und mindestens ein minderjähriges Kind in Ihrem Haushalt betreuen.
  • Ehepaare: Verheiratete werden automatisch in die Klasse 4 eingeordnet. Diese Steuerklasse ist für Sie sinnvoll, wenn Sie in etwa genauso viel verdienen wie Ihr Ehepartner. Verdient ein Partner deutlich mehr als der andere, ist ein Wechsel in die Klasse 3&5
    sinnvoll.
  • Arbeitslosigkeit: Ist absehbar, dass in naher Zukunft die Arbeitslosigkeit droht, sollten Sie einen Wechsel in die günstigste Steuerklasse erwägen. Grund: Genau wie beim Elterngeld wird auch für die Berechnung des Arbeitslosengeldes das letzte Nettoeinkommen herangezogen. Wechselt man rechtzeitig in die günstigere Klasse, fällt das Arbeitslosengeld höher aus.

Steuerklassen: Übersichtliche Erklärung im Video

FAQ – die wichtigsten Fragen zu Steuerklassen

In welcher Steuerklasse bin ich?

Welcher Steuerklasse man angehört, geht aus der vom Arbeitgeber ausgestellten Lohnsteuerbescheinigung hervor.

Welche Steuerklasse hat man bei zwei Jobs?

Wer mindestens ein Nebenjob hat, ist hierfür in Steuerklasse 6 gelistet. Der Hauptberuf bleibt weiterhin in der bisherigen Steuerklasse.

Welche Steuerklasse hat man, wenn man verheiratet ist?

Nach der Hochzeit haben beide Ehepartner automatisch die Steuerklasse 4. Sie können aber ab dann statt der Steuerklassenkombination 4/4 auch 3/5 wählen.

Welche Steuerklasse haben Rentner?

Je nachdem, ob Rentner verheiratet sind, können sie zwischen den Steuerkombinationen 4/4 oder 3/5 wählen. Alleinstehende Rentner sind üblicherweise in Steuerklasse 1 eingeteilt.

Welche Steuerklasse haben Alleinstehende?

Alleinstehende ohne Kinder bleiben in Steuerklasse 2. Mit Kindern werden sie hingegen in Steuerklasse 2 eingeteilt.

Was ist der Alleinerziehendenentlastungsbetrag?

Das Einkommensteuergesetz in Deutschland regelt den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Seit 2004 ersetzt der Alleinerziehendenentlastungsbetrag den sogenannten Haushaltsfreibetrag für Alleinerziehende. Von 2004 bis 2014 betrug dieser 1.308 Euro. Seit 2015 sind es 1.908 Euro. Voraussetzung ist, dass im Haushalt ein Kind lebt für das ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld in Anspruch genommen wird, und das sich nicht mehr als eine volljährige, erziehungsberechtigte Person im Haushalt befindet. Zusätzliche 240 Euro Entlastungsbetrag gibt es für jedes weitere Kind. Die Grundlage für die Berechnung befindet sich in § 24b EStG.

Historische Entwicklung

JahreEntlastungsbetrag
für Alleinerziehende
pro Jahr
1958 – 19741.680 DM
1975 – 19773.000 DM
19783.810 DM
1979 – 19804.200 DM
1981 – 19854.212 DM
1986 – 19874.536 DM
1988 – 19894.752 DM
1990 – 20015.616 DM
2.916 EUR
2002 – 20032.340 EUR
2004 – 20141.308 EUR
2015 – 20181.908 EUR

 


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