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Private Altersvorsorge: Was sich lohnt – und was nicht

Unzählige Angebote gibt es am Markt, privat fürs Alter vorzusorgen. Im Dschungel der Geldanlagen ist es nicht ganz einfach, sich zurechtzufinden. Mit diesem Leitfaden verschaffen Sie sich einen Überblick.

Direktversicherung

Die Direktversicherung ist eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung für die die gleichen Vorschriften in Sachen garantierter Mindestzins gelten wie für andere Policen dieser Art auch. Abgeschlossen wird sie von Ihrem Arbeitgeber, eingezahlt wird ein Teil Ihres Gehalts, Empfänger der Auszahlungen sind Sie selbst.

Rentabler als andere Rentenversicherungen scheinen Direktversicherungen vor allem deshalb zu sein, weil die Einzahlungen bis zu einer Höchstgrenze von derzeit 2.784 Euro pro Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei aus dem Bruttogehalt bestritten werden können. Aber Vorsicht, die vermeintliche Attraktivität der Direktversicherung täuscht oft.

Denn der Gesetzgeber hat einen offensichtlichen Makel bis heute nicht behoben: Auf die Auszahlungen fallen nicht nur Steuern an, sondern auch Krankenkassenbeiträge. Das schluckt oft fast die gesamte Rendite, sodass am Schluss kaum mehr bleibt als die Einzahlungen. Zweites Manko: Bei einem Arbeitgeberwechsel ist nicht garantiert, dass Sie den Vertrag mitnehmen können.

Fazit: Ein Neuabschluss lohnt sich nicht. Bei bestehenden Verträgen sollten Sie abwägen: Ist die garantierte Verzinsung (garantierter Mindestzins mal Sparanteil der Prämie) höher als das, was ein Banksparplan bietet? Falls ja, besparen Sie den Vertrag weiter, falls nein, stellen Sie die Direktversicherung beitragsfrei und zahlen Sie das Geld lieber in einen anderen Sparvertrag ein.

Riester­‐Vertrag

Unter dem Begriff „Riester-Vertrag“ findet sich ein ganzes Sammelsurium verschiedener Altersvorsorge-Produkte. Am beliebtesten ist derzeit ein Riester-Bausparvertrag. Davon rate ich Ihnen jedoch aufgrund der hohen Kostenbelastung und schlechten Verzinsung ab.

Auch Riester-Rentenversicherungen und Wohn-Riester sind nicht allzu attraktiv, ersteres wegen der schlechten Verzinsung, letzteres wegen fehlender Transparenz und undurchsichtiger Steuerregeln. Interessant sind vor allem Riester-Fondssparpläne (für jüngere Erwerbstätige) und Riester-Banksparpläne (für ältere Arbeitnehmer, die kurz vor der Rente stehen).

Hauptvorteil: Der Staat gewährt Zulagen, die umso höher ausfallen, je größer die Kinderzahl ist. Deshalb ist Riester vor allem für Familienväter und -mütter ein sinnvoller Baustein zur Altersvorsorge. Möglich ist zusätzlich eine Steuerersparnis, die vor allem Besserverdienende erzielen. Außerdem müssen Sie wissen: Bei Riester-Verträgen sind mindestens die Einzahlungen plus die staatlichen Zulagen am Schluss garantiert.

Daher gehen Sie auch mit Riester-Fondssparplänen keine Verlustrisiken ein, können aber von den höheren Renditechancen gewaltig profitieren. Der wichtigste Nachteil von Riester-Verträgen: Sie können nicht vererbt werden (außer an Ehegatten) und eine vorzeitige Auszahlung des Ersparten ist nicht erlaubt, ohne sofort alle Zulagen und Steuervergünstigungen zurückzahlen zu müssen.

Rürup-­Vertrag (Basisrente)

So heißt die zweite staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge. Möglich ist nur eine Rürup-Rentenversicherung oder ein Rürup-Fondssparplan (selten). Die Förderung besteht hier einzig und allein in einer Steuerersparnis. Was Sie in Rürup einzahlen, bleibt steuerfrei (2014 bis zu 15.600 Euro pro Jahr, dann schrittweise mehr bis 2025, wo volle 20.000 Euro absetzbar sind).

Dafür müssen Sie die Auszahlungen mit einem Prozentsatz versteuern, der ebenfalls bis 2025 kontinuierlich ansteigt. Der größte Vorteil ist die mögliche Steuerersparnis. Die aber erzielen nur Gutverdienende, die kurz vor der Rente stehen. Am besten lassen Sie Ihren Steuerberater berechnen, was Sie dadurch an Steuern sparen und welche Steuern Sie dann in der Auszahlungsphase erwarten.

Wichtig: Ein Fondssparplan ist hier – anders als bei Riester – nicht attraktiver als eine Rentenversicherung. Denn schon sehr früh muss er mit einer Rentenversicherung kombiniert werden, die die Auszahlungen bis ins hohe Lebensalter garantiert. Von Rürup- Verträgen ist deshalb in den meisten Fällen abzuraten.

Bausparvertrag

Ein Bausparvertrag ist meistens ein Kombiprodukt. Er besteht aus einem Sparvertrag, also einer Art Bankkonto, auf das Sie laufend Geld einzahlen und Zinsen dafür bekommen. Irgendwann ist die vereinbarte Sparsumme erreicht. Früher oder später wird der Bausparvertrag dann zuteilungsreif. Dann erhalten Sie nicht nur das gesparte Geld mitsamt Zinsen, sondern zusätzlich auch noch einen sehr zinsgünstigen Kredit.

Den allerdings können Sie meist nur für Bau, Kauf oder Renovierung einer Immobilie einsetzen. Hauptvorteil: Der günstige Kredit, den Sie bei Zuteilung erhalten. Es gibt aber auch gravierende Nachteile: Sie zahlen eine hohe Summe schon bei Abschluss des Bausparvertrags (in der Regel 1 bis 1,6% der Bausparsumme) und erhalten auf Ihre Sparraten sehr, sehr niedrige Guthabenzinsen.

Was zudem kaum einer weiß: Ausgerechnet den günstigen Bausparkredit müssen Sie sehr schnell tilgen, also zurückzahlen. Im Zweifel also nutzen Ihnen die niedrigen Soll-Zinsen nicht viel, weil die Bausparkasse das geliehene Geld schneller zurückhaben will als eine normale Bank, die einen normalen Hypothekenkredit vergibt. Fazit: Von einem Bausparvertrag rate ich Ihnen ebenfalls ab.

Aktien

Ein eigenes Aktiendepot empfehle ich Ihnen unbedingt. Vor allem jüngere Sparer sollten es haben. Wer mindestens ein Jahrzehnt Zeit hat, kann Schwankungen bei den Aktienkursen einfach aussitzen. Hauptvorteil: Aktien sind reale Unternehmenswerte und schützen vor Inflation.

Außerdem sind Investitionen in Aktien Produktivvermögen und werfen in der Regel jährlich eine Dividende ab. Nachteil: Die Aktienmärkte schwanken stark, und bei fallenden Kursen schrumpft das Vermögen schnell. Deshalb empfiehlt es sich, den Aktienanteil mit steigendem Alter zu verringern. Eine Daumenregel lautet: Aktienanteil (in Prozent) = 100 – Lebensalter.

Fonds(sparpläne)

Den Kauf von Fondssparplänen empfehle ich Ihnen immer dann, wenn Sie nicht auf einmal größere Beträge investieren wollen, sondern stattdessen laufend kleinere Beträge erübrigen können. Dann kaufen Sie davon am besten laufend Fondsanteile. Auch hier gilt: Je jünger Sie sind, desto größer darf der Aktienanteil im Fonds sein.

Einen Fondssparplan können Sie bei jedem Broker einrichten, oft empfiehlt sich aus Kostengründen aber der Umweg über einen Fondsvermittler. Vorteil: Sie können Ihre Sparraten beliebig aufstocken oder reduzieren und kommen an Ihr Geld heran, wenn Sie es benötigen.

Banksparpläne

Sie zahlen regelmäßig Geld auf ein Bankkonto, und die Bank verzinst es Ihnen mit einem bestimmten Zinssatz. Dieser richtet sich meistens nach den Marktzinsen. In Hochzinsphasen ist ein Banksparplan eine durchaus empfehlenswerte Form der Altersvorsorge. Bei dem aktuell extrem niedrigen Zinsniveau ist dies leider nicht der Fall.

Besonders ratsam: Riester-Banksparpläne, bei denen Ihre Rendite durch die staatlichen Zulagen erheblich verbessert wird. Hauptvorteil aller Banksparpläne: Es gibt keine Gebühren, und Sie haben von Anfang an Klarheit darüber, wie sich Ihr Guthaben verzinst.

Edelmetalle

Gold und Silber bringen zwar bekanntlich keine Zinsen ein. Trotzdem macht die Beimischung von Edelmetallen zu Ihrer Altersvorsorge Sinn. Schließlich sichern Sie mit der „Krisenwährung Nr.1“ zuverlässig vor Gefahren wie einem Eurocrash oder einer Hyperinflation ab. Wenn andere Anlagen in Ihrem Depot in einer Krise verlieren, können die Gewinne von Gold und Silber dies (zumindest zum Teil) wieder ausgleichen.

15. Februar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst hat sich auf die publizistische Beratung im Bereich Wirtschaft und Finanzen spezialisiert und speziell zum Thema Geldanlage mehrere Bücher verfasst.