Shanghai Composite: Die wichtigsten Unternehmen Chinas

Shanghai Composite: Die wichtigsten Unternehmen Chinas
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Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Shanghai Composite Index ist der wichtigste Aktienindex Chinas und einer der wichtigsten Aktienindizes der Welt
  • Der Index beinhaltet alle Unternehmen, die an der Shanghai Stock Exchange gelistet sind und umfasst sowohl A-, als auch B-Aktien
  • Die Shanghai Stock Exchange gilt als der Hotspot Asiens und ist die größte Börse Chinas und die viertgrößte Börse der Welt
  • Chancen und Risiken von chinesischen Aktien müssen gut abgewogen werden
  • Privatanleger investieren am einfachsten mit ETFs in Chinas Aktienmarkt

Welche Unternehmen sind im Shanghai Composite Index gelistet?

Der Shanghai Composite Index ist der wichtigste Aktienindex Chinas und umfasst etwa 1.500 Unternehmen, die an der Shanghai Stock Exchange gelistet sind. Darunter befinden sich die wertvollsten Unternehmen Chinas, wie Kweichow Moutai, Ping An Insurance, Agricultural Bank of China, ICBC, Bank of China, Sinopec und PetroChina. Werfen wir im Folgenden einen Blick auf ein paar der bedeutendsten und interessantesten Unternehmen Chinas, die im Shanghai Composite Index vertreten sind. 4 Beispiele:

1. Kweichow Moutai

Wenn man an große, börsennotierte chinesische Unternehmen denkt, fallen einem meist Tech-Schwergewichte wie Alibaba Group oder Tencent Holdings ein. Weit gefehlt, denn das wertvollste chinesische Unternehmen war Ende 2022 der chinesische Spirituosenhersteller Kweichow Moutai.

Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Aktien von Alibaba und Tencent, als die beiden ehemals wertvollsten Unternehmen Chinas, enorme Kursverluste einstecken mussten, nachdem die Tech-Giganten im Jahr 2020 unter den Eingriffen und Regulierungsmaßnahmen des Staates besonders zu leiden hatten. Neben den strengen Regulierungen mussten die Unternehmen Rechte an den Staat abtreten und zudem milliardenschwere Strafen wegen Monopolverhaltens einstecken. Das äußerte sich unmittelbar in stagnierenden Umsätzen und Gewinneinbrüchen und verdrängte schließlich die Aktien von ihren dominanten Rollen innerhalb von Chinas Aktienmärkten.

Da hatte es der chinesische Schnapshersteller Kweichow Moutai einfach, an die Spitze zu gelangen, denn das Unternehmen gehört ohnehin bereits zu einem großen Teil dem chinesischen Staat. Das Unternehmen produziert den chinesischen Nationalschnaps Maotai, der immer wieder zu staatlichen Anlässen getrunken wird und nicht zuletzt aufgrund seines enorm hohen Preises beachtliche Gewinnmargen aufweist. Ein halber Liter der äußerst starken Spirituose ist in Deutschland kaum unter 300 € zu bekommen.

2. Bank of China

Die Bank of China ist eine der vier großen staatlichen Banken in China. Zu den gerne als „Big Four“ bezeichneten chinesischen Banken zählen neben der Bank of China noch die ICBC, die China Construction Bank und die Agricultural Bank of China, die ebenfalls im Shanghai Composite Index vertreten sind. Die Bank of China unterliegt als eine der 30 Großbanken, die vom Financial Stability Board als systemisch bedeutsames Finanzinstitut eingestuft wurden, besonderen Überwachungen und sehr strengen Anforderungen, was die Verfügbarkeit von Eigenkapital anbelangt.

Das Unternehmen bietet eine sehr breite Palette an Finanzdienstleistungen für Geschäftskunden und Privatkunden an und zeichnet sich zudem für ihre Aktivitäten auf den internationalen Finanzmärkten aus. Die Bank hat viele Tochtergesellschaften, an welche einige der Tätigkeitsbereiche ausgelagert werden. Dazu zählen etwa die Bank of China International Holdings Ltd., welche den Bereich des Investment Bankings abwickelt, die Bank of China Group Insurance Company Ltd., die sich um das Versicherungssegment kümmert und die Bank of China Investment Management Company Ltd., die im Fondsmanagement aktiv ist.

Die Bank of China zählt zu den am stärksten internationalisierten Banken Chinas und gemessen am Kernkapital sogar zu den 20 wichtigsten Banken der Welt.

3. PetroChina

Die PetroChina Company Ltd. zählt zu den größten Herstellern und Vermarktern von Öl, Ölprodukten und verwandten Produkten wie Erdgas in China. Das im Jahr 1999 gegründete Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der China National Petroleum Corporation und hat ihren Sitz in Peking.

Das Kerngeschäft von PetroChina umfasst die Förderung, die Produktion, den Transport und die Vermarktung von Ölprodukten bzw. von verwandten Produkten. Damit deckt das Unternehmen die gesamte Palette an Geschäftszweigen des Mineralölhandels ab. Darüber hinaus ist PetroChina in der Produktion und Vermarktung von Petrochemikalien und anderer chemischer Produkte tätig. Große Aufmerksamkeit widmet das Unternehmen zudem der Forschung und Entwicklung.

4. Ping An Insurance

Die Ping An Insurance (Group) Company of China Ltd. ist ein Holding Konglomerat, das hauptsächlich im Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbereich tätig ist. Das Unternehmen mit Sitz in Shenzhen hat eine Reihe von Tochterunternehmen, die unter anderem in verschiedenen Bereichen des Gesundheitssektors tätig sind. Die Telemedizin-App „Good Doctor“ erlangte zuletzt im Zuge der Covid-19-Pandemie große Popularität.

Weitere Tochtergesellschaften von Ping An sind in den Bereichen der Lebens- und Krankenversicherungen, dem Bankwesen, der Vermögensverwaltung, der Finanztechnik sowie im Bereich der Künstlichen Intelligenz tätig.

Die Aktie des Unternehmens ist neben dem Shanghai Composite Index auch im CSI 300 sowie im Hang Seng Index notiert.

Was ist der Shanghai Composite Index und welche Bedeutung hat er?

Der Shanghai Composite Index ist der wohl wichtigste chinesische Aktienindex (ohne Hongkong). Er umfasst alle an der Shanghai Stock Exchange gelisteten Unternehmen. Insgesamt handelt es sich dabei um etwa 1.500 Unternehmen.

Der Shanghai Composite Index ist als Referenzindex des chinesischen Aktienmarktes weitgehend anerkannt. Neben dem Hauptindex, der alle an der Börse Shanghais gelisteten Unternehmen umfasst, gibt es noch einige enger gefasste Indizes, welche nur die größten bzw. wichtigsten chinesischen Unternehmen umfassen. Zwei der bekannten Schlüsselindizes sind der SSE 180 Index und der SSE 50 Index, welche die Wertentwicklungen der 180 repräsentativsten bzw. der 50 größten, liquidesten und repräsentativsten Unternehmen Chinas abbilden, die an der Shanghai Stock Exchange gelistet sind.

Im Shanghai Composite Index sind sowohl die sogenannten A-Aktien enthalten, die üblicherweise nur inländischen Investoren zur Verfügung stehen, als auch die B-Aktien, die sowohl für inländische, als auch ausländische Investoren zugänglich sind. Seit 2002 haben sich die Zugangsbeschränkungen für A-Aktien etwas gelockert und können auch von ausländischen Anlegern (von sogenannten „Qualified Foreign Institutional Investors“) gehandelt werden, sofern sie über ein Konto bei einem chinesischen Broker verfügen.

Die asiatischen Börsen nahmen in den letzten Jahren deutlich an Fahrt auf und deren Umsätze und Handelsvolumina steigen weiterhin. Einige der asiatischen Börsen zählen mittlerweile zu den wichtigsten und größten der Welt. Neben japanischen, koreanischen und indischen Börsen steht dabei die Shanghai Stock Exchange als größte und wichtigste Börse Chinas und als viertgrößte Börse der Welt ganz oben auf der Liste. Sie gilt als der Hotspot unter Asiens Aktienmärkten.

Wie funktioniert die Zusammensetzung des Shanghai Composite Index?

Um an der Shanghai Stock Exchange zu notieren und in weiterer Folge im Shanghai Composite Index gelistet zu werden, müssen die Unternehmen die folgenden Anforderungen erfüllen:

  • Genehmigung der China Securities Regulatory Commission (CSRC), welche die Einhaltung der Vorschriften im Hinblick auf Größe, Alter und Rentabilität überprüft
  • Das Unternehmen weist ein Gesamtkapital von mindestens 30 Millionen Renminbi (RNB) auf
  • Mindestens 25 % der ausgegebenen Aktien müssen öffentlich verfügbar sein. Beträgt das eingetragene Gesamtkapital mehr als 400 Millionen RNB, genügen 15 % öffentlich verfügbare Aktien
  • Das Unternehmen weist eine einwandfreie Erfolgsbilanz auf und war in den letzten drei Jahren in keinerlei Finanzbetrug oder in andere illegale Handlungen verwickelt
  • Das Unternehmen existiert seit mehr als drei Jahren und hat in drei aufeinanderfolgenden Jahren Gewinne erwirtschaftet

Größere Unternehmen erhalten im Shanghai Composite Index grundsätzlich mehr Gewicht, wobei die Gewichtung im Index nicht genau der Marktkapitalisierung entspricht. Der Index ist ein Kursindex, der nur um die Erträge aus Bezugsrechten und Sonderzahlungen bereinigt wird. Er wird, wie auch der CSI 300, von der China Securities Index Company herausgegeben. Erstmals wurde der Index am 15. Juli 1991 veröffentlicht, dann jedoch bis zum 19. Dezember 1990 zurückgerechnet. Der Basiswert wurde zu diesem Datum mit 100 festgelegt. Im Shanghai Composite Index dominieren vor allem die Finanzbranche an erster Stelle und der Industriesektor an zweiter Stelle.

Was sind die Chancen und Risiken von Chinas Aktienmarkt?

Auch wenn der Altmeister Warren Buffett in der Vergangenheit immer wieder betonte, dass man niemals gegen US-amerikanische Aktienmärkte wetten sollte, so lassen sich die gigantischen Entwicklungen in den asiatischen Märkten nicht mehr ausblenden. Die riesigen asiatischen Volkswirtschaften wie China und Indien wiesen in der Vergangenheit ein enormes Wirtschaftswachstum auf, das sich jedoch nicht automatisch in spektakulären Aktienrenditen widerspiegelt.

Die Chancen und Wachstumspotentiale dieser Märkte lassen sich gewiss nicht abstreiten, dennoch sollten auch die Risiken beachtet werden, die im Falle Chinas vor allem politischer Natur sind. Die aktuellen Spannungen im Handelskonflikt mit den USA, die drohende Annektierung Taiwans durch China und die staatlichen Eingriffe in die größten Konzerne des Landes sprechen hier eine sehr deutliche Sprache.

Auch die vergleichsweise höhere Volatilität demonstriert das erhöhte Risiko chinesischer Aktien. Anleger reagieren auf Nachrichten, die im Zusammenhang mit politischen Ereignissen stehen, oftmals sehr sensibel, weshalb chinesische Aktien bzw. Aktien aus Schwellenländern im Allgemeinen, als besonders schwankungsanfällig gelten. Dennoch hat die Beimischung von Aktien aus diesen Regionen auch einen vorteilhaften Diversifikationsnutzen für das Investmentportfolio.

Wie kann man in Chinas Aktienmarkt investieren?

Die erwähnten Risiken im chinesischen Aktienmarkt und die unterschiedlichen (und vor allem für Privatanleger oft unübersichtlichen) Regulierungen im Hinblick auf die verschiedenen Aktienklassen der A- und B-Aktien, verschrecken viele Anleger, weshalb sie chinesische Aktien lieber meiden. Für Privatanleger, die sich für den chinesischen Aktienmarkt interessieren, ist es jedoch ohnehin am sinnvollsten und am einfachsten, über ETFs in den Aktienmarkt Chinas zu investieren.

Es gibt eine Reihe verschiedener ETFs, die chinesische Indizes abbilden, wie den CSI 300, FTSE China 50, MSCI China, MSCI China A oder etwa den S&P China 500. Als Alternative zu China-ETFs können Anleger zudem in einen ETF auf den Hang Seng Index investieren.

Darüber hinaus kommen Schwellenländer-Indizes als Alternative zu China- oder Hongkong-Indizes in Frage, da China in diesen Indizes meist mit einem relativ großzügigen Anteil vertreten ist. So beinhaltet etwa der MSCI Emerging Markets Index in den gängigen ETF-Varianten einen China-Anteil zwischen 26 % und 30 %. Ein Schwellenländer-ETF hätte zudem den Vorteil eines größeren Diversifikationsnutzens, der vor allem bei volatilen Aktienmärkten wie China nicht zu unterschätzen ist.