Erwartungen und ihr Einfluss auf Aktienkurse

Erwartungen sind der Auslöser dafür, dass Außenstehende zuweilen den Eindruck haben, Wertpapiere würden sich vollkommen irrational verhalten und keinerlei ökonomischen Gesetzmäßigkeiten entsprechen.

Zum Beispiel dann, wenn Aktien von Unternehmen einbrechen, nachdem zuvor hohe Zuwachsraten bei Umsatz und Ertrag veröffentlicht wurden.

In diesem Fall wurde eben eine noch bessere Entwicklung erwartet.

Erwartungen sind absolut entscheidend

Aber auch am anderen Ende der Bandbreite sind derartige Anomalien möglich, wenn die Aktien von Unternehmen steigen, obwohl kurz zuvor hohe Verluste gemeldet wurden.

In diesem Fall hatten Investoren und Analysten mit einer noch katastrophaleren Entwicklung der Ertragssituation gerechnet.

Diese beiden Beispiele machen deutlich, dass allein die Erwartungen über die zukünftige Entwicklung den Wert bestimmen, den Investoren einem Unternehmen zubilligen – nicht die Zukunft selbst.

Erwartungs‐Management ist für Unternehmen von hoher Bedeutung

Waren also die Erwartungen, etwa aufgrund einer ehrgeizigen Zielvorgabe des Managements, hochgesteckt, wird selbst eine nur geringfügige Verfehlung mit einem unmittelbaren Kurseinbruch bestraft werden.

Auch wenn das Unternehmen in der Berichtsperiode den Cashflow steigern, wertschöpfende Investitionen tätigen und die durchschnittlichen Kapitalkosten senken konnte.

Die letzten Quartalszahlen von Apple waren solch ein Fall. Obwohl Apple den höchsten Quartalsgewinn der Firmengeschichte erzielt hatte, kam die Aktie deutlich unter Druck.

Offensichtlich waren die Zahlen zwar gut, aber eben nicht gut genug, um die hohen Erwartungen der Anleger zu erfüllen.

Erwartungen sind wesentlicher Bestandteil von DCF‐Modellen

Dass Aktien fallen, nachdem die Erwartungen der Marktteilnehmer verfehlt worden waren, ist keine Willkür, sondern verdeutlicht Ihnen nur, wie gut Investoren arbeiten.

Denn Erwartungen sind die wesentlichen Bestandteile der Bewertungsmodelle der führenden Investoren, insbesondere der DCF-Modelle.

Sie bestimmen die Werte für das langfristige unternehmerische Umsatzwachstum und die erzielten Ergebnismargen.

Je höher die Erwartungen sind, desto höher ist auch der sich aus dem DCF-Modell abzuleitende Unternehmenswert.

Wenn dann die Erwartungen revidiert werden, führt dies notgedrungen auch zu einem niedrigeren Unternehmenswert – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Aktienkurs.

28. Februar 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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