Monday.com: Wie es nach dem Kursrutsch weitergeht

Software – monsitj ado

So geht es nach dem Kursrutsch des Softwareanbieters Monday.com weiter - die Anleger senken trotz eines Umsatzwachstums von 94% den Daumen. (Foto: monsitj / Adobe Stock)

Bereits zum Börsengang des israelischen Start-ups an der Börse Nasdaq stuften zahlreiche Analysten die Bewertung der Firma als ambitioniert ein. Dennoch ging die Aktie nach der Erstnotiz im Juni durch die Decke und kletterte von 140 bis auf fast 450 Dollar in die Höhe. Erst nach der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen wurde der Höhenflug der Aktie abrupt ausgebremst. Der Anbieter von Workflow-Software zum Selber Bauen übertraf zwar die Erwartungen, die Papiere stürzten aber dennoch mehr als 20% in den Keller.

Monday.com – mit No Code zum Erfolg

Bevor wir auf die aktuelle Geschäftsentwicklung im Detail kommen, möchte ich Ihnen das Geschäftsmodell des israelischen Start-ups erst einmal vorstellen: Monday.com stellt mit sogenannter No-Code- oder Low-Code-Software einzelne Bausteine zur Verfügung, mit denen Unternehmen ohne beziehungsweise mit nur wenig Programmieraufwand Workflow-Prozesse und Projekte digitalisieren können. Die Einsatzbereiche sind vielfältig und können vom Marketing, der Personalverwaltung, Kundenbeziehungen oder die Softwareentwicklung betreffen.

Dabei verfügt der Konzern über renommierte Kundschaft. Sogar Großkonzerne wie Universal Mucis, Mars, Bayer oder auch die US-Armee setzten auf die Monday.com-Software.

Umsatzwachstum von 94% im dritten Quartal

Zuletzt zeigte das Unternehmen ein dynamisches Wachstum: Im zurückliegenden Quartal kletterten die Umsätze um 94% auf 83,01 Millionen Dollar in die Höhe. Das lag 8,23 Millionen Dollar über den Konsensschätzungen.

Bemerkenswert: Die sogenannte Net Retention Rate (NRR) erhöhte sich bei Kunden mit mehr als 10 Nutzern zum Vorquartal von 125% auf 130%. Im ersten Quartal lag der Wert „nur“ bei 120%. Dabei handelt es sich um eine der wichtigsten Kennziffern in der Analyse von Subskriptions-Geschäftsmodellen.

Zum Hintergrund: Die NRR besagt, wie sich der Umsatz mit Bestandskunden im Zeitablauf verändert und wird berechnet als Umsatz der Vorperiode minus “Churn Rate” (Umsatz, der durch Kundenverluste oder geringere Preise fehlt) zuzüglich der “Expansion Rate” (zusätzlicher Umsatz mit diesen Kunden durch Nutzungssteigerung, Upsell, Preiserhöhungen).

NRR-Werte über 100% bedeuten ein Wachstum des Umsatzes mit der Bestandskundschaft und sind gleichzeitig ein Hinweis auf hohe Kundenzufriedenheit.

Großkunden gewinnen an Bedeutung

Deutlich nach oben ging es auch bei der Anzahl der Großkunden, die mehr als 50.000 Dollar an Jahresumsatz generieren: Im Jahresvergleich konnten 449 neue Kunden in dieser Kategorie gewonnen werden (+231%). Damit ist die Zahl der Großkunden bei Monday.com auf 613 angestiegen. Darunter finden sich namhafte Adressen wie BBC, Carrefour oder auch der Fitnessbike-Hersteller Peloton.

Verlust weiter reduziert

Unter dem Strich konnte Monday.com seinen Betriebsverlust von -30,9 Millionen Dollar (Q3 2020) auf -9,4 Millionen Dollar verringern. Damit lag der Verlust je Aktie bei 26 Cent, was deutlich über den Erwartungen der Analysten in den Banken lag. Diese waren im Vorfeld von einem Verlust von 60 Cent je Anteilschein ausgegangen.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2021 stellt das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 300 bis 301 Millionen Dollar in Aussicht. Das liegt nochmals 20 Millionen Dollar über der bisherigen Planung und entspricht einem Umsatzwachstum von +86% bis 87%. Gleichzeitig wird ein Betriebsverlust von 64 bis 65 Millionen Dollar erwartet. Auch das ist deutlich besser als bislang prognostiziert (alte Planung: 91 bis 93 Millionen Dollar Verlust).

Fazit: Die Zahlen des Workflow-Spezialisten Monday.com waren stark und lagen in Summe über den Erwartungen. Auch die angehobene Prognose macht deutlich, dass sich der Konzern weiter auf einem klaren Wachstumspfad befindet. Dennoch zeigt die Reaktion der Anleger deutlich, dass die mittlerweile sportliche Bewertung (16 Milliarden Dollar Börsenwert) hohe Erwartungen mit sich bringt. Mit einem bloßen Übertreffen der Zahlen geben sich auf diesem Kursniveau die wenigsten Investoren zufrieden.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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