Übernahme zwischen Kohl’s und Franchise Group geplatzt

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Die aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten führen vermehrt dazu, dass immer häufiger aussichtsreiche Übernahmeverhandlungen abgebrochen werden. Über einen solchen Fall möchte ich Ihnen heute berichten.

So hat die US-amerikanische Einzelhandelskette Kohl’s Corp am vergangenen Freitag bekannt gegeben, dass sie die seit Monaten laufenden Übernahmeverhandlungen mit dem Mitbewerber Franchise Group Inc. abgebrochen hat.

Direktorium beschließt Verhandlungsabbruch

Konkret teilte der Einzelhandelskonzern mit, dass das Direktorium einstimmig beschlossen habe, den strategischen Überprüfungsprozess zu beenden. Das derzeitige Finanzierungs- und Einzelhandelsumfeld spiegele sich im Preis und in den Bedingungen des letzten Angebots der Franchise Group wider, das nicht zufriedenstellend sei, so Kohl‘s.

Peter Boneparth, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Kohl’s, kommentierte den Abbruch der Verhandlungen wie folgt: „In Anbetracht des Umfelds und der Marktvolatilität entschied der Vorstand, dass es einfach nicht ratsam war, eine mögliche Übernahme weiter zu verfolgen.“

Aktienkurse brechen ein

An den US-Börsen hatte der plötzliche Abbruch der Übernahmeverhandlungen gravierende Folgen für die Kurse der beteiligten Unternehmen. Der Kurs der Kohl’s Corp. stürzte am Freitag an der New Yorker Börse NYSE um fast 20% ein. Hierfür war allerdings nicht nur der Abbruch der Übernahmeverhandlungen alleine verantwortlich.

Kohl’s hat in der Pressemitteilung über den Verhandlungsabbruch auch mitgeteilt, dass das Unternehmen mit einem massiven Umsatzeinbruch zu kämpfen hat. Konkret rechnet der US-Handelskonzern für das 2. Quartal 2022 mit einem Umsatzrückgang im hohen einstelligen Bereich.

Als Grund für diesen Umsatzeinbruch gab Kohl’s an, dass die US-Verbraucher wegen der aktuell sehr hohen Inflation ihren Gürtel enger schnallen bzw. ihr Kaufverhalten massiv einschränken.

Aber auch der Kurs der Franchise Group-Aktie verlor am vergangenen Freitag deutlich an Boden. Er fiel an der US-Technologiebörse NASDAQ um knapp 7,5%. Die Anleger zeigten sich offensichtlich enttäuscht darüber, dass die schon lange andauernden Übernahmeverhandlungen so abrupt beendet wurden.

So liefen die Übernahmeverhandlungen

Aktivistische Investoren hatten Kohl’s bereits im vergangenen Jahr zum Verkauf des Unternehmens gedrängt. Im Januar 2022 beauftragte der Einzelhandelsriese, der in den USA mehr als 1.100 Geschäfte betreibt, die Investmentbank Goldman Sachs mit der Evaluierung einer möglichen Übernahme.

Die Investmentbanker verhandelten insgesamt mit 25 Interessenten, von denen schließlich die Franchise Group als finaler Verhandlungspartner übrig blieb. Franchise Group hatte seinerzeit ein unverbindliches Angebot von etwa 60 US-Dollar (USD) für jede Kohl’s-Aktie gemacht. Bei gut 128 Mio. Aktien wurde Kohl’s dadurch mit etwa 7,7 Mrd. USD bewertet.

Aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds legte die Franchise Group später ein überarbeitetes Angebot in Höhe von nur noch 53 USD pro Aktie vor, was einen Gesamtwert von etwa 6,7 Mrd. USD ausmachte. Allerdings war die Finanzierung dieses Angebotes nicht abgesichert.

Nach langwierigen Verhandlungen, in denen die Parteien laut Kohl’s Corp. mit erheblichen Hindernissen konfrontiert wurden, kam es schließlich am 1. Juli 2022 zum Abbruch der Übernahmeverhandlungen.

Wenn man bedenkt, dass die Geschäftsführung von Kohl’s durch einige aktivistische Investoren überhaupt erst zum Verkauf ihres Unternehmens gedrängt worden war, ist es nicht wirklich verwunderlich, dass die Verhandlungen sich verzögerten und schließlich abgebrochen wurden.