Visa schluckt britisches Finanzsoftware-Unternehmen Currencycloud

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Der Kreditkartenriese Visa will das britische Finanzsoftware-Unternehmen Currencycloud übernehmen. Dabei wird das auf Fremdwährungstransaktionen spezialisierte Unternehmen mit 700 Mio. Britischen Pfund bewertet. (Foto: Valeri Potapova / Shutterstock.com)

Der führende US-amerikanische Kreditkartenanbieter Visa Inc. und das in London ansässige Finanzsoftware-Unternehmen Currencycloud Ltd. haben am Donnerstag in einer gemeinsamen Presseerklärung bekannt gegeben, dass sie zukünftig gemeinsame Wege gehen wollen. Mit anderen Worten: Visa will Currencycloud übernehmen.

Das auf Fremdwährungstransaktionen spezialisierte Finanzsoftware-Unternehmen Currencycloud wird im Rahmen des Deals mit stolzen 700 Mio. Britischen Pfund (GBP) bewertet, was etwa 817,6 Mio. Euro entspricht.

Allerdings muss Visa nicht die vollständige Summe an die Eigentümer des nicht börsennotierten Unternehmens überweisen. Denn Visa hat als führender Investor an einer Series-E-Finanzierungsrunde des in London beheimaten Unternehmen teilgenommen und besitzt somit bereits Anteile an Currencycloud.

Currencycloud im Porträt

Das in San Francisco beheimatete Kreditkartenunternehmen Visa muss ich Ihnen nicht näher vorstellen, denn der weltweite Marktführer im digitalen Zahlungsverkehr dürfte hinlänglich bekannt sein.

Hingegen ist das britische Finanzsoftware-Unternehmen Currencycloud nur Insidern ein Begriff. Aber schon der Name des 2012 gegründeten Unternehmens deutet auf den Geschäftszweck des Londoner Unternehmens hin.

Currencycloud entwickelt cloudbasierte Software bzw. Schnittstellen (sog. APIs), die den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in unterschiedlichen Währungen unterstützt. Dadurch bietet Currencycloud Banken, Fintechs und Unternehmen die Möglichkeit, Geld schnell über Grenzen hinweg zu bewegen und weltweit in mehreren Währungen zu agieren.

Currencycloud hat seit seiner Gründung Überweisungen von mehr als 100 Mrd. US-Dollar (USD) in über 180 Länder abgewickelt und mit Banken, Finanzinstituten und Fintechs auf der ganzen Welt zusammengearbeitet.

Die fast 400 Mitarbeiter von Currencycloud sind am Hauptsitz in London und in den Niederlassungen in New York, Amsterdam, Cardiff und Singapur ansässig. Ein großer Teil der Mitarbeiter ist auch im Home-Office für das Unternehmen aktiv.

Visa will sein bestehendes Zahlungsnetzwerk ausbauen

Durch die Übernahme von Currencycloud kann Visa sein eigenes Netzwerk um innovative internationale Zahlungsprodukte erweitern, die Visa-Kunden dabei helfen, ihre grenzüberschreitenden Anforderungen zu erfüllen. Dies betonte die Finanzchefin und Vizepräsidentin von Visa, Colleen Ostrowski, in einem Statement:

„Verbraucher und Unternehmen erwarten zunehmend Transparenz, Schnelligkeit und Einfachheit beim Ausführen oder Empfangen von internationalen Zahlungen. Mit unserer Akquisition von Currencycloud können wir unsere Kunden und Partner dabei unterstützen, die Schwierigkeiten grenzüberschreitender Zahlungen weiter zu reduzieren und großartige Nutzererfahrungen für ihre Kunden zu entwickeln.“

Die jetzt bekannt gegebene Übernahme von Currencycloud ist jedoch nicht der erste Fintech-Deal, den das US-Kreditkartenunternehmen in diesem Jahr getätigt hat. So teilte Visa bereits vor einem Monat mit, dass es den schwedischen Finanzsoftware-Entwickler Tink AB aus Stockholm für stolze 1,8 Mrd. Euro übernehmen will.

Wie es weitergehen wird

Laut Aussagen der Unternehmen wird Currencycloud seine Geschäftstätigkeit weiterhin vom Hauptsitz in London aus fortführen. Auch das aktuelle Currencycloud Managementteam wird weiter an Bord bleiben.

Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Aufsichtsbehörden und anderer üblicher Abschlussbedingungen. Über einen möglichen Abschlusstermin der Übernahme machten beide Unternehmen keine näheren Angaben.

Übrigens: Im Bieterwettstreit um die britische Supermarkt-Gruppe Morrisons ist Bewegung gekommen: Morrisons hat für den 16. August eine Hauptversammlung einberufen, auf der die Aktionäre über das von der Fortress-Investment-Bietergruppe gemachte Angebot abstimmen werden.

Die britische Übernahmekommission (Takeover Panel) hat am Donnerstag vergangener Woche bekannt gegeben, dass das Bieterkonsortium um Clayton, Dubilier & Rice (CD&R), noch bis zum 09.08.2021 Zeit hat, ein verbindliches Angebot abzugeben oder sich aus dem Bietergefecht zurückzuziehen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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