Ölpreis steigt vor Treffen der Opec+

Ölpreis steigt vor Treffen der Opec+
William Potter / shutterstock.com
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Die Unsicherheit steigt – und der Ölpreis gleich mit. Am Mittwoch dieser Woche steht die nächste Sitzung der Opec+ auf der Agenda. Im Gegensatz zu vorangegangenen Monaten steht diesmal jedoch nicht eine planmäßige moderate Anhebung der Fördermengen auf der Tagesordnung. Vielmehr geht es bei dem Treffen des Ölkartells und seiner Verbündeten um eine Richtungsentscheidung.

Normalniveau erreicht – wohin steuert das Kartell jetzt?

Denn seit August fördern die Ölexporteure bereits wieder die Menge, bei der sie im Mai 2020 gestartet waren. Damals hatte die Opec ihre täglichen Fördermengen drastisch gekürzt in Reaktion auf die Coronapandemie. Seither wurde die Förderung in monatlichen Schritten jeweils leicht angehoben. Weil dieses Programm zur Normalisierung nun aber auf dem Papier abgeschlossen ist, steht die Frage im Raum, wohin die Opec+ ab September steuern werden: Behält das Bündnis die aktuelle Fördermenge bei, einigt man sich auf eine weitere Erhöhung oder drosselt man die Kapazitäten sogar?

Ein Festhalten am derzeitigen Status quo würde dem Kartell mehr Zeit verschaffen und die Märkte in eine Warteschleife schicken. Spätestens im September stünde man dann vor derselben Fragestellung. Stattdessen könnte die Opec+ am Mittwoch auch eine Richtungsentscheidung verkünden, die das weitere Vorgehen für September und womöglich den Rest des laufenden Jahres skizziert.

Rechnet das Kartell mit einer Rezession?

Dabei ist eine weitere Ausweitung denkbar, denn schon in den vergangenen Monaten haben kleinere Ölförderer die Grenzen ihrer Kapazitäten erreicht, Luft nach oben besteht hingegen bei Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie könnten zusätzliches Öl in die Märkte pumpen, wenn eine Erhöhung der Gesamtfördermenge beschlossen wird.

Auf der anderen Seite nimmt die Opec+ auch die gesamtwirtschaftliche und konjunkturelle Entwicklung weltweit unter die Lupe. Kommt man hier zu dem Ergebnis, dass eine Rezession wahrscheinlich ist, könnte eine Kürzung der Fördermengen aus Sicht des Kartells die angemessene Reaktion sein – in Erwartung nachlassender Nachfrage.

Das allerdings dürfte den Ölpreis kurzfristig in die Höhe treiben, da aktuell die Nachfrage groß ist. Ein weiter steigender Ölpreis aber würde die Wirtschaft zusätzlich belasten – und das Abgleiten in Richtung Rezession wahrscheinlicher machen. Eine Kürzung der Fördermengen könnte somit beitragen zu einem klassischen Fall einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Ölpreis steigt im Vorfeld – Verhältnis zu Russland auf dem Prüfstand?

Neben den künftig angestrebten Fördermengen steht das Verhältnis des Kartells zu Russland auf dem Prüfstand. Russland gehört als einer der größten Ölexporteure der Welt zwar nicht zur Opec, arbeitet aber im Rahmen der Opec+ seit einigen Jahren eng mit dem Bündnis zusammen. Das hat nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar zu unangenehmen Reaktionen aus dem Westen geführt. Dennoch scheint Saudi Arabien als einflussreichstes Land in der Opec bestrebt, Russland weiter in die Gestaltung von Fördermengen und Preissteuerung einzubinden.

Der Ölpreis ist im Vorfeld des Treffens zuletzt bereits wieder gestiegen. Eine weitere Produktionsausweitung könnte zu einer Entspannung und Stabilisierung der Preisentwicklung beitragen. Eine unveränderte Förderquote dürfte hingegen die Unsicherheiten lediglich verlängern, da eine Entscheidung auf September vertagt würde. Eine Kürzung der täglichen Ölförderung würde den Preis wohl sprunghaft ansteigen und die ohnehin hohe Inflation weiter in die Höhe schießen lassen.

Auf Wochensicht legte zuletzt der Ölpreis für die US-Sorte WTI um 2 Prozent zu und bewegte sich wieder in Richtung 100 Dollar. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um fast 5 Prozent auf rund 110 Dollar je Barrel.