Rezessionsrisiken: Sinkt jetzt der Ölpreis – und mit ihm die Inflation?

Rezessionsrisiken: Sinkt jetzt der Ölpreis – und mit ihm die Inflation?
William Potter / shutterstock.com
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Deutschland ächzt unter der hohen Inflation. Die Teuerungsrate lag im Euroraum zuletzt bei 8,6 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert seit mehreren Jahrzehnten.

Ölpreis hauptursächlich für Mega-Inflation

Ein Hauptverursacher ist der hohe Ölpreis. War das Barrel im vergangenen Jahr noch um eine Notierung von rund 60 Dollar gependelt, sind dreistellige Preise in diesem Jahr nichts ungewöhnliches mehr. Insbesondere der Krieg in der Ukraine und die darauffolgenden Sanktionen westlicher Staaten gegen Russland haben dazu beigetragen, den ohnehin schon im Steigen begriffenen Ölpreis noch weiter anzufachen.

Zwar ging es auf Monatssicht zuletzt spürbar abwärts: Der Preis je Barrel verbilligte sich um rund 13 Prozent. Die US-Sorte WTI kostete am Wochenende rund 105 Dollar, die Nordseesorte Brent wurde zu 107 Dollar pro 159-Liter-Fass gehandelt.

Steigendes Angebot bei rückläufiger Nachfrage?

Doch ob sich damit bereits eine Trendumkehr abzeichnet, ist hochumstritten – zumal sich der Preis nach wie vor auf hohem Niveau bewegt. Einige Analysten verweisen nun aber auf eine drohende Rezession. Mit einem wirtschaftlichen Abschwung verbunden wäre demnach auch eine nachlassende Nachfrage und somit ein sinkender Ölpreis.

Begünstigt werden könnte eine solche Entwicklung zusätzlich durch steigende Förderkapazitäten. So weiten nicht nur die USA ihre Bohrungen aus, auch die Opec-Staaten und ihre Verbündeten hatten zuletzt angekündigt, die Förderung in diesem Sommer stärker anzukurbeln als in den Vormonaten. Mit Beginn der Pandemie hatten die Staaten der Opec+, zu denen auch Russland gehört, ihre Fördermengen drastisch gedrosselt, um dem Preisverfall etwas entgegenzusetzen. Tatsächlich pendelte der Ölpreis daraufhin längere Zeit um die 60 Dollar. Eine Rückkehr in vergleichbare Sphären halten Experten jedoch bis auf Weiteres für ausgeschlossen.

Sinkender Ölpreis könnte Inflation entspannen

Tatsächlich aber könnten ein höheres Angebot bei nachlassendem Bedarf zumindest für etwas Entspannung sorgen – und damit womöglich auch in Sachen Inflationsdynamik etwas Druck aus dem Kessel nehmen. Während die allgemeinen Preissteigerungen zuletzt mit gut 8 Prozent beziffert wurden, liegt die Teuerung im Bereich Energie binnen Jahresfrist längst bei mehr als 40 Prozent.

Geschürt werden die Rezessionsängste nicht zuletzt durch das Eingreifen der Notenbanken. Die Federal Reserve hat seit März bereits mehrfach an der Zinsschraube gedreht, auch die Europäische Zentralbank plant in absehbarer Zeit eine Zinswende zur Bekämpfung der Inflation und einer Rückkehr zum eigentlich angestrebten Teuerungsziel von 2 Prozent.

Weil aber steigende Zinsen die wirtschaftliche Erholung ausbremsen könnten, steigt das Risiko eines konjunkturellen Abschwungs. Selbst wenn ein allzu deutlicher Preisverfall am Ölmarkt kurzfristig nicht zu erwarten ist, gehen doch immer mehr Beobachter davon aus, dass die Preisspitzen von mehr als 120 Dollar je Barrel, die im Juni erreicht wurden, vorläufig einen Maximalwert markieren könnten und eine Stabilisierung auf nach wie vor hohem Niveau bevorsteht.