Mega-Fusion unter europäischen Öltanker-Reedereien

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Möglicherweise werden Sie schon von dem Deal, über den ich heute berichten möchte, gehört haben. Denn schon seit einigen Monaten gibt es Verhandlungen über eine mögliche Fusion zwischen zwei führenden europäischen Öltanker-Reedereien. Doch diese Fusionspläne wurden immer wieder durch den Einspruch von Großaktionären verzögert.

Gestern teilte die norwegische Reederei Frontline Ltd., die in Hamilton/Bermuda ansässig ist, und der belgische Mitbewerber Euronav NV nun offiziell mit, dass sie sich auf eine Fusion auf Aktienbasis geeinigt haben. Beide Tankerbetreiber konkretisierten damit ihre bereits im April veröffentlichten Fusionspläne.

Aus der 4 Mrd. US-Dollar (USD) schweren Fusion entstehe laut Firmenangaben ein weltweit führender unabhängiger Eigner und Betreiber von Öltankern. Das Fusionsunternehmen hätte nach aktuellem Stand eine Flotte bestehend aus 68 sehr großen Rohöltankern und 78 kleineren Tankschiffen.

Fusion durch Aktientausch

Durchgeführt werden soll die Fusion im Rahmen eines Aktientausches. Inhaber von Euronav-Aktien erhalten für jedes ihrer Papiere 1,45 Frontline-Aktien. Auf Basis des Aktienkurses der Frontline-Papiere vom vergangenen Freitag von 8,34 USD entspricht der vorgeschlagene Wechselkurs einem Wert von 12,09 USD pro Euronav-Aktie.

Kommt die angestrebte Fusion zustande, werden die bisherigen Euronav-Aktionäre 55% der Anteile an der fusionierten Gruppe halten, während die Frontline-Investoren die restlichen 45% besitzen würden.

Anleger reagieren verhalten

An den Börsen hatte die Bekanntgabe der Fusionsvereinbarung am gestrigen Montag nur relativ geringe Auswirkungen auf die Kurse der beteiligten Unternehmen. Die Euronav-Aktie legte am Montag an der New Yorker Börse (NYSE) lediglich 0,80% zu und ging mit 11.38 USD in den Feierabend.

Der Kurs der Frontline-Aktie verlor an der NYSE 3% und lag beim Erklingen der Schlussglocke bei 8,09 USD. Die Investoren scheinen offensichtlich nicht davon überzeugt zu sein, dass der Deal den von den Parteien erhofften Mehrwert bringen wird.

Möglicherweise zweifeln Sie aber auch daran, dass der Deal überhaupt zustande kommen wird. So sprach sich Alexander Saverys, Sohn der belgischen Gründerfamilie von Euronav, bereits im April gegen einen möglichen Zusammenschluss aus. Sie müssen wissen: Saverys hält immerhin knapp 20% der Euronav-Papiere.

Nach der am Montag veröffentlichten Fusionsvereinbarung muss Frontline mindestens 50% der Euronav-Papiere zuzüglich einer weiteren Aktie besitzen, damit die Fusion zustande kommen kann.

Unternehmen wollen Größenvorteile nutzen

Beide Unternehmen streben eine Fusion an, weil dadurch Größenvorteile und Synergien ausgenutzt werden können, wie Frontline-Direktor John Fredriksen betont:

„Durch diese Transaktion entsteht ein klarer Marktführer auf dem Tankermarkt, der die gemeinsame Gruppe in die Lage versetzen wird, kontinuierlich und nachhaltig Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen und erhebliche Synergien zu realisieren.

Ähnlich begründet auch der Euronav-Geschäftsführer, Hugo de Stoop, die geplante Fusion: „Der vorgeschlagene Zusammenschluss ist eine große Chance, eine führende Position in der Tankerindustrie einzunehmen, da wir den Übergang zu einer Welt der sauberen, sicheren und nachhaltigen Schifffahrt meistern wollen.“

Wie es weitergeht

Die fusionierte Gruppe wird unter dem Namen Frontline firmieren und ihren Hauptsitz in Zypern haben. Die kombinierte Gruppe wird nach Abschluss des Übernahmeangebots an der Euronext Brüssel, der Osloer Börse OSE und der NYSE notiert sein.

Frontline wird vor dem offiziellen Start des Übernahmeangebots von den Bermudas nach Zypern verlegt werden. Nach Abschluss dieses Umzugs wird das Übernahmeangebot voraussichtlich im 4. Quartal 2022 veröffentlicht werden.