Spanischer Aktienmarkt

Alles zu spanischen Aktien und dem IBEX 35 bei GeVestor | Aktuelle News und Kursdaten | ISIN ES0SI0000005 | WKN 969223 | Symbol I35
6 min | Stand 22.12.2021
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Inhaltsverzeichnis

Spaniens Wirtschaft – ökonomische Fakten und der Aktienmarkt

Spaniens Aktienindex: Der IBEX 35

Im IBEX 35 (ISIN: ES0SI0000005) sind die 35 größten spanischen Unternehmen gelistet.

Die wichtigsten Vertreter sind:

  • Banco Santander (ISIN: ES0113900J37)
  • Iberdrola (ISIN: ES0144580Y14)
  • Inditex (ISIN: ES0148396007)
  • Telefónica (ISIN: ES0178430E18)
  • Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (ISIN: ES0113211835)
  • Amadeus IT Group (ISIN: ES0109067019)

Was sind die ökonomischen Fakten und Herausforderungen von Spanien? Der Artikel skizziert, welche Branchen und Unternehmen für die spanische Wirtschaft essenziell sind, beschäftigt sich mit dem Bruttoinlandsprodukt Spaniens und seiner Staatsverschuldung und stellt weltbekannte spanische Firmen vor. Ebenfalls beschäftigt er sich mit dem spanischen Leitindex IBEX, der die 35 wichtigsten Unternehmen an der Börse in Madrid abbildet.  

Die spanische Wirtschaft – Fakten zum BIP und zur Staatsverschuldung Spaniens

Die spanische Wirtschaft ist im weltweiten Vergleich ein Schwergewicht und wichtiger Handelspartner für viele Länder, einschließlich Deutschland. Spanien lag im globalen Ranking der größten Volkswirtschaften, bewertet nach dem Bruttoinlandsprodukt, im Jahr 2020 auf dem 14. Platz. Das Bruttoinlandsprodukt ist ein Begriff aus der Volkswirtschaftslehre und ein wesentlicher Wirtschaftskennzeichnungsindikator, um die Wirtschaftskraft unterschiedlicher Staaten zu vergleichen. Das BIP Spaniens betrug 2020 1.121 Milliarden Euro oder pro Kopf 23.694 Euro. Damit liegt Spanien bei der Pro-Kopf-Bewertung des BIP ähnlich wie Italien oder Südkorea. 

Wirtschaftlicher Aufstieg und Fall aufgrund der Finanzkrise

Die wirtschaftliche Entwicklung Spaniens in den letzten Jahrzehnten und vor allem seit dem Ende der Diktatur Francos ab dem Jahr 1975 verlief ausgesprochen positiv. Mit Beginn der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2007 endete das langfristige Wirtschaftswachstum Spaniens abrupt. In der Folge gehörte Spanien neben Griechenland zu den Staaten, die am stärksten von der Eurokrise betroffen waren. Nachdem der Bau- und Bankensektor im Land einbrach, musste die spanische Regierung im Jahr 2012 den Rettungsschirm des EFSF in Anspruch nehmen. Dies bedeutete, mehr als 40 Milliarden Euro aufzunehmen, um die landeseigenen Banken zu stützen. In dieser Zeit wurde Spanien zu den sogenannten PIGS (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) gezählt – Staaten, die im Besonderen als bankrottgefährdet galten. 

Neben dem Bau- und Bankensektor wurde die gesamte Wirtschaft Spaniens in der Folge mit in die Negativspirale gezogen. Dies spiegelte sich zum Beispiel darin wider, dass die Arbeitslosigkeit und ebenso die Jugendarbeitslosigkeit stark anstiegen. Teilweise waren über 50 Prozent der jungen Erwachsenen unter 25 Jahren erwerbslos. In der gleichen Zeit gingen ebenfalls die Tourismuseinnahmen in Spanien zurück, die jährlich zwischen 8 bis 12 Prozent des BIP ausmachen. 

Erholung der Wirtschaft seit 2015 und Schock durch die Corona-Pandemie

Nach dem lang anhaltenden Wirtschaftseinbruch durch die Finanz- und Bankenkrise und der Nutzung des europäischen Rettungsschirms konnte durch zahlreiche Reformvorhaben eine Erholung der Wirtschaft erreicht werden. Von 2015 bis 2019 wuchs die spanische Wirtschaft stärker als im EU-Vergleich und um mehr als 3 Prozent jährlich. Die Corona-Pandemie hat diese positive ökonomische Entwicklung Spaniens ungewollt beendet. Da im Zuge der Ausbreitung des Covid-19-Virus nahezu flächendeckend alle touristischen Aktivitäten abgesagt werden mussten, erlebte die spanische Wirtschaft im Jahr 2020 einen massiven Wirtschaftseinbruch. Das Bruttoinlandsprodukt sank um mehr als 10 Prozent. 

Darüber hinaus gehörte Spanien zu den von der Pandemie medizinisch am stärksten getroffenen Ländern. Monatelange landesweite Lockdowns und 50.000 Todesfälle im Jahr 2020 gehörten zu den weiteren negativen Schlagzeilen, die über Spanien zu lesen waren. 2021 hat sich die Lage in Bezug auf das Corona-Virus entspannt. Spanien überzeugt durch eine im EU-Vergleich hohe Impfquote von circa 80 % vollständig geimpften Personen, was möglicherweise zu einer Herdenimmunität führt. 

Staatsverschuldung Spaniens und spanischer Wiederaufbauplan

Betrachtet man die Kurve der Staatsverschuldung Spaniens, erkennt man einen eindeutigen Zusammenhang mit der Finanz- und Wirtschaftskrise ab dem Jahr 2007. Bis zum Jahr 2007 lag die Staatsverschuldung Spaniens moderat bei unter 400 Milliarden Euro. Mit Beginn der Finanzkrise schnellte die Staatsverschuldung nach oben und erreichte im Jahr 2017 erstmals die Billionengrenze. Im Jahr 2019 lag die spanische Staatsverschuldung bei über 1,3 Billionen Euro, was mehr als 95 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Im Vergleich lag die Staatsverschuldung Deutschlands im gleichen Zeitraum bei unter 60 Prozent des BIP. 

Es ist anzunehmen, dass die spanische Staatsverschuldung in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Ein Lichtblick für die gebeutelte spanische Wirtschaft war die Genehmigung des spanischen Wiederaufbauplans durch die Europäische Union. Im Rahmen des Konjunkturpakets NextGenerationEU entfallen auf Spanien insgesamt Zuschüsse von circa 140 Milliarden Euro. Die Hälfte der Konjunkturhilfen fließen bis 2026 und sollen Spanien digitaler und nachhaltiger machen und modernisieren. 

Diese Wirtschaftssektoren und Branchen stützen die spanische Wirtschaft

Spanien ist sowohl bei Ausländern und ebenfalls bei Spaniern als Reiseland beliebt. Dies führte bis zum Beginn der Corona-Pandemie dazu, dass pro Jahr mehr als 80 Millionen Touristen die unterschiedlichen Reiseziele in Spanien besuchten. Nachdem im Jahr 2020 der Tourismus nahezu vollständig eingebrochen ist, konnten im Jahr 2021 mehr Gäste begrüßt werden. Trotz positiver Tendenzen musste im Jahr 2021 ein Einbruch von 59 Prozent im Vergleich zu den Besucherzahlen 2019 hingenommen werden. Im Jahr 2018 erwirtschaftet der Tourismus-Sektor einen Umsatz von circa 70 Milliarden Euro. Eine in Deutschland bekannte spanische Hotelkette ist zum Beispiel die RIU-Gruppe, die große Hotels in den Urlaubsmetropolen Spaniens unterhält. 

Neben dem Tourismus gehören der Maschinenbau, Finanzunternehmen und Banken, die Sparten IT- und Telekommunikation sowie die Landwirtschaft und die metallverarbeitende Industrie zu den wichtigsten Erfolgsbranchen der spanischen Wirtschaft. Deutsche Verbraucher schätzen vor allem die landwirtschaftlichen Produkte Spaniens. Im Jahr 2012 wurden circa 1,2 Millionen Tonnen Gemüse aus Spanien nach Deutschland mit steigender Tendenz importiert. 

Das sind die größten und wichtigsten spanischen Unternehmen

Informiert man sich über die größten spanischen Unternehmen nach Umsatz, ist eines auffällig. Viele dieser Konzerne spielen ebenso in Deutschland eine wichtige Rolle. Als Unternehmen mit dem stärksten Umsatz stellte sich im Jahr 2020 der Bankenriese Santander dar. In Deutschland gehört Santander zu den fünf größten Privatkundenbanken mit einer Bilanzsumme von mehr als 50 Milliarden Euro. 

Ähnlich verhält es sich mit dem Telekommunikationsunternehmen Telefónica. Mit einem Umsatz von knapp 50 Milliarden Euro im Jahr 2020 nimmt Telefónica den zweiten Platz nach Umsatz ein und ist in Deutschland neben der Deutschen Telekom, Vodafone und 1&1 ein wichtiger Player auf dem Mobilfunkmarkt. Nach der Übernahme des E-Mobilfunknetzes von E-Plus und mit seiner Marke O2 konnte Telefónica über 42 Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland ans Unternehmen binden. 

Das nach Börsenwert wertvollste Unternehmen Spaniens erkennt man in Deutschland erst auf den zweiten Blick. Es handelt sich um den Einzelhandelsriesen Inditex. Inditex ist der weltweit zweitgrößte Textileinzelhändler nach dem amerikanischen Unternehmen TJX Companies mit seiner Marke TJ Maxx. Inditex wird von Analysten mit mehr als 106 Milliarden US-Dollar bewertet. Es konnte im Jahr 2020 einen Umsatz von über 23 Milliarden Euro ausweisen. Bekannt ist Inditex in Deutschland mit seinen Marken Zara und Mango und unzähligen Bekleidungsstores in allen Ballungsräumen. 

Zu den 10 größten Unternehmen nach Umsatz gehören mit der CaixaBank und der BBVA zwei weitere Banken. Touristen ebenfalls bekannt ist das Energieunternehmen Repsol, dass in Spanien zahlreiche Tankstellen unterhält sowie die Groupo ACS, einer der wichtigsten Baukonzerne Europas. 

Was sollten Anleger über den spanischen Aktienmarkt wissen?

In Spanien gibt es insgesamt vier Börsenplätze. Sie befinden sich in Bilbao, Valencia, Barcelona und Madrid. Die größte Börse ist die Bolsa de Madrid in der spanischen Hauptstadt Madrid. Sie wurde 1831 gegründet und ist Handelsplatz des IBEX 35. Der Iberia Index 35 ist der Name des spanischen Leitindexes. Er bildet die Kurse wichtiger spanische Unternehmen wie der Banco des Sabadell SA, CIE Automotive SA, Repsol, Santander oder Telefónica ab. 

Die Performance des IBEX 35 im Jahr 2021 ist positiv. Gestartet bei circa 8.000 Punkten hat der IBEX 35 bis Jahresende über 1.000 Punkte zugelegt, was circa 15 Prozent entspricht. Überblickt man die längerfristige Entwicklung des IBEX 35 ist eine negative Tendenz auffällig. Während der Kurs im Jahr 2017 bei über 11.000 Punkten lag und sind bis 2019 bei knapp 10.000 Punkten einpendelte, fiel er durch die Corona-Pandemie zeitweise bis auf einen Minuswert von 6.000 Punkten ab. 

Wie sich die Kurse im IBEX 35 in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln werden, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich stehen die Zeichen für Spaniens Wirtschaft nach den harten Einschnitten durch die Corona-Pandemie positiv. Durch die hohe Impfquote stagniert die Anzahl der mit Covid-19 infizierten Personen in Spanien. Gleichzeitig besteht Hoffnung, dass die Tourismusbranche sich in den nächsten Jahren weiter erholen und an die positiven Zahlen des Geschäftsjahres 2019 anknüpfen kann. 

Der spanische Wiederaufbauplan und die Hilfsgelder aus dem EU-Fond NextGenerationEU können, richtig eingesetzt dazu beitragen, die spanische Wirtschaft zu stützen und zukunftsfähig zu machen. Im Besonderen die beiden essenziellen Themen Digitalisierung und Klimaneutralität sind Zukunftsfelder, die einen positiven Einfluss auf Spaniens Wirtschaftskraft haben können.