Italienischer Aktienmarkt

Alles zum italienischen Aktienmarkt bei GeVestor | Aktuelle Nachrichten und Kursdaten zum Index FTSE MIB | ISIN IT0003465736 | WKN 145814 | Symbol XMB
7 min | Stand 22.12.2021
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Inhaltsverzeichnis

Italien – ökonomische Herausforderungen und wichtige Aktien

Italiens Aktienindex: Der FTSE MIB

Der italienische Leitindex FTSE MIB (kurz für Financial Times Stock Exchange Milano Italia Borsa) umfasst die 40 wichtigsten italienischen Unternehmen. Damit deckt er rund 80 Prozent der inländischen Marktkapitalisierung ab.

Die wichtigsten Vertreter sind:

  • Enel (ISIN: IT0003128367)
  • Eni (ISIN: IT0003132476)
  • Intesa Sanpaolo (ISIN: IT0000072618)
  • Generali (ISIN: IT0000062072)
  • Unicredit (ISIN: IT0005239360)
  • Ferrari (ISIN: NL0011585146)
  • Fiat Chrysler Automobiles (ISIN: NL0010877643)

Häufig wird Italien als ein Land der Schönheit, der Kultur und der Geschichte erwähnt. Besucher genießen die schönen Seiten des „Dolce Vita.“ Gleichzeitig ist es aus Anlegersicht interessant, hinter die Kulissen zu blicken und die ökonomischen Daten und Fakten zu Italien zu kennen und zu verstehen. Aus diesem Grund beschäftigt sich dieser Artikel eingehend mit der Wirtschaft des Landes, dem hohen Schuldenstand der Republik Italien und insgesamt mit den Herausforderungen und Chancen für Italien aus wirtschaftlicher Sicht. Ebenfalls geht die Abhandlung darauf ein, an welchen Börsen Italiens Anleger und Investoren Wertpapiere handeln können und welche italienischen Unternehmen wichtig und aus Anlegersicht lukrativ sind. 

Ökonomische Fakten zu Italien – welche Details Anleger kennen sollten

Nach dem Brexit ist Italien nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 1,88 Billionen US-Dollar gehört Italien gleichzeitig zu den zehn größten Wirtschaftsnationen der Welt. Das italienische Bruttoinlandsprodukt (BIP), das als wesentlicher Wirtschaftskennzeichnungsindikator Aufschluss zur Gesamtwirtschaftsleistung eines Landes gibt, ist in den letzten Jahren signifikant angestiegen. Vor allem um die Jahrtausendwende steigerte Italien seine Wirtschaftsleistung. Das BIP stieg in knapp 10 Jahren vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2010 um das Doppelte. 

Korruption und ineffektive Verwaltungen als negative Einflussfaktoren

Seit 2010 stagniert das Wirtschaftswachstum in Italien. Neben der Finanz- und Bankenkrise und der Corona-Krise tragen inneritalienische Probleme dazu bei, dass die italienische Wirtschaft und das Wirtschaftswachstum nicht erneut an Fahrt aufnehmen. Ein wesentlicher Grund für das seit vielen Jahren stagnierende Wirtschaftswachstum sind die Korruption und Schattenwirtschaft in Italien. Die unter dem Oberbegriff Mafia zusammengefassten kriminellen Organisationen wie Cosa Nostra oder Camorra sind im Besonderen im Drogenhandel und in der Schutzgelderpressung aktiv. Im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage am 19.08.2010 bezifferte die Europäische Kommission den Umsatz der mafiösen Strukturen in Italien mit mehr als 130 Milliarden Euro. 

Da Korruption in die höchsten Regierungskreise Einzug findet, sind Behörden und staatliche Strukturen in Italien im Ländervergleich träge und weniger effektiv. Dass dies einen Impact auf die Wirtschaftskraft des Landes hat, erkennt man, wenn man die Ergebnisse des Doing Business Reports betrachtet. 

Im Doing Business Ranking der Weltbank werden unterschiedliche Einflussfaktoren verglichen, die für die Attraktivität und den Erfolg von Volkswirtschaften entscheidend sind. Im Ranking von 190 Volkswirtschaften belegt Italien zum Beispiel bei der Frage von unbürokratischen Unternehmensgründungen den 98. Platz. Beim Zugang von Krediten für die Wirtschaft besteht ebenso Handlungsbedarf, da der Platz 119 von 190 darauf hinweist, dass Unternehmen wenig finanzieller Spielraum für Investitionen zur Verfügung steht. Bei der Steuerbelastung liegt Italien abgeschlagen auf Rang 128. Insgesamt betrachtet belegt Italien als achtgrößte Volkswirtschaft weltweit den 58. Platz im Doing Business Ranking. 

Zusammenfassend haben sowohl die Korruption und ebenso die ineffektiven behördlichen Strukturen einen negativen Einfluss auf den Wirtschaftsstandort Italien und seine Wirtschafts- und Innovationskraft. 

Schuldenstand Italiens und Auswirkungen auf die EU

Italien gehört beim Parameter Wirtschaftswachstum zu den Sorgenkindern der Europäischen Union. Gleiches trifft auf die Staatsverschuldung zu, die durch die Corona-Pandemie einen neuen Höchststand erreicht hat. In Relation zum BIP lag die Staatsverschuldung Italiens 2020 bei 155,81 Prozent und damit ungefähr doppelt so hoch wie in Deutschland. In absoluten Zahlen betragen die Verbindlichkeiten Italiens 2,69 Billionen Euro. Damit ist Italien neben Frankreich Rekordhalter in Sachen Schulden in Europa. Die deutsche Staatsverschuldung liegt mit knapp 2,4 Billionen Euro knapp darunter. 

Insgesamt stellt die hohe Staatsverschuldung Italiens und der anderen Südstaaten der Europäischen Union eine immense Belastung dar. Italien, Spanien, Frankreich und Griechenland sind für über 60 Prozent der Staatsverschuldung in Europa verantwortlich. Dies führt insgesamt zu negativen Effekten beim Wirtschaftswachstum in Italien und der EU. Am Beispiel Griechenlands ist nachvollziehbar, dass insolvente oder angeschlagene Staaten mit einer zu hohen Staatsverschuldung die gesamte Europäische Union in einen Abwärtsstrudel ziehen können. Ebenso besteht die Gefahr, dass Staaten wie Italien oder Spanien bei einer geänderten europäischen Geldpolitik und steigenden Zinsen zahlungsunfähig werden. 

Italiens Wirtschaft: stark im Norden und schwächer im Süden

Bei einem Blick auf Italiens Wirtschaft und die stärksten Unternehmen Italiens fällt auf, dass in Italien ökonomisch ein Nord-Süd-Gefälle vorherrscht. Vor allem das produzierende Gewerbe in Italiens Norden rund um die Metropolen Mailand, Turin, Genua und Parma ist widerstandsfähig, innovationsfreudig und erfolgreich. 

Die Lombardei mit ihrer Hauptstadt Mailand gilt als der wirtschaftliche Motor Italiens. Die Wirtschaftskraft der Region liegt zum Beispiel um 30 Prozent höher als in Gesamtitalien. Das BIP pro Kopf liegt in der Lombardei mit über 35.000 Euro ebenfalls deutlich besser als in Gesamtitalien mit 26.500 Euro. Auf bekannte, in der Lombardei ansässige Unternehmen wie Pirelli, Autogrill, die UBI Banca oder Italcementi gehen mehr als 20 Prozent der Wirtschaftskraft Italiens zurück. 

Gleichzeitig ist die Gegend im Norden weniger von global agierenden Konzernen und vielmehr von kleinen und mittelständischen Betrieben geprägt. Industrieunternehmen der metallverarbeitenden oder der Elektroindustrie zählen ebenso zu den wirtschaftlichen Schwergewichten wie die Schuhindustrie und die Möbelindustrie. Im europäischen Vergleich gehört die Metropolregion Mailand zu den effizientesten und erfolgreichsten Städten. Mailand ist zusätzlich der bedeutendste Börsenplatz Italiens und größter Messeplatz Europas. 

Neben Mode, Reifen und Industrieerzeugnissen ist Italien ebenso für seine Lebensmittel berühmt. Italien ist der größte Weinproduzent der Welt. Sein hochwertiges Olivenöl wird weltweit geschätzt. Exportiert werden darüber hinaus Zitronen, Tomaten, Melonen, Orangen und weitere Obst- und Gemüsearten. Bei der Herstellung und beim Export von Nudeln sind die Italiener ebenfalls Weltmarktführer. 

Die Provinz Kalabrien als wirtschaftliches Schlusslicht Italiens

Im Gegensatz zu den positiven Ergebnissen und Wachstumszahlen in Norditalien ist der Süden Italiens mit seinen bekannten Städten Palermo, Bari oder Neapel wirtschaftlich abgeschlagen. In Süditalien sind die Arbeitslosigkeit und vor allem die Jugendarbeitslosigkeit im Landesvergleich deutlich erhöht. Einkommen und Produktionskraft fallen ab. 

Eines der wesentlichen Probleme in Süditalien ist die ausufernde Korruption, die einen wirtschaftlichen Aufschwung und Innovationen einbremst. Die Provinz Kalabrien liegt mit einem Pro-Kopf-BIP von unter 18.000 Euro nicht nur abgeschlagen hinter der Lombardei, sondern ist ebenso im EU-Durchschnitt unterdurchschnittlich. Damit ist Kalabrien trotz seiner landschaftlichen Schönheit die ärmste Region Italiens. 

Italien Aktien: einflussreiche italienische Unternehmen 

Zu den international bekanntesten italienischen Unternehmen gehören vor allem die Fahrzeughersteller Fiat und Ferrari, Modemarken wie Gucci und Armani oder der Nudelhersteller Barilla. Betrachtet man die wichtigsten italienischen Unternehmen nach Umsatz, entsteht ein anderes Bild. An erster Position findet sich in diesem Fall der Mischkonzern EXOR mit einem Jahresumsatz von mehr als 138,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020. Nach Börsenwert führt der italienische Energieerzeuger ENEL vor der Bank Intesa Sanpaolo das Ranking der wichtigsten Unternehmen an. 

Das italienische Investmentunternehmen EXOR ist ebenfalls das größte italienische Familienunternehmen. Die Familie Agnelli, Gründerfamilie der Automarke Fiat und Eigentümer von EXOR gehört zu den einflussreichsten Familien in Italien. EXOR besitzt Anteile am weltbekannten Fahrzeugbauer Fiat Chrysler Automobiles, am Sportwagenhersteller Ferrari und am Fußballklub Juventus Turin. 

Ebenfalls in Deutschland bekannt ist der Versicherungskonzern Generali Group, der zu den sechs größten Versicherungen der Welt gehört. Mit einem Umsatzvolumen von 90 Milliarden US-Dollar ist die Generali Group ein Schwergewicht der Branche. In Deutschland sind ebenso die Tochterunternehmen der Generali Group, beispielsweise CosmosDirekt, der Rechtschutzversicherer AdvoCard und Deutsche Bausparkasse Badenia bekannt und für die Versicherungswirtschaft wesentlich. 

Im Umsatzvergleich weit abgeschlagen finden prominente Marken wie Barilla (3,89 Milliarden Euro), Ferrero (11,37 Milliarden Euro), Ferrari (3,76 Milliarden Euro) oder Bertolli (605,5 Millionen Euro). Modemarken wie Gucci (9,62 Milliarden) oder Giorgio Armani (5,9 Milliarden Euro) reichen ebenfalls nicht an die nach Umsatz wichtigsten Unternehmen Italiens heran. 

Der Aktienmarkt in Italien – das müssen Anleger über die Mailänder Börse wissen

Wer sich mit italienischen Unternehmen und der italienischen Wirtschaft beschäftigt, kommt an der Mailänder Börse nicht vorbei. Die Borsa Italiana, die ebenfalls als Borsa di Milano bekannt ist, steht für den größten Aktienmarkt der Eurozone nach der Euronext Paris. Sie gehört seit 2020 zum europäischen Konsortium Euronext. Die Mailänder Börse ist gleichzeitig der achtgrößte Aktienmarkt der Welt. Die Borsa Italiana wurde 1807 gegründet und fortlaufend erweitert. Leitindex an der Borsa di Milano ist der FTSE MIB. Seine Abkürzung steht für „Financial Times Stock Exchange Milano Italia Borsa.“ Er bildet die 40 führenden italienischen Aktiengesellschaften ab.

Im Geschäftsjahr 2021 hat der FTSE MIB deutlich um über 6.000 Punkte zugelegt. Darüber hinaus konnte sich der FTSE MIB insgesamt von den Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Italien vor allem zu Beginn im Frühjahr und Sommer stark getroffen hatte, erholen. Im Corona-Frühjahr 2020 verlor der FTSE MIB mehr als 10.000 Punkte und konnte sich schrittweise stabilisieren. Bis Ende 2021 konnte er die verlorenen Punkte aufholen und ein neues Allzeithoch von mehr als 27.500 Punkten erreichen. 

Ein wesentlicher Grund für die Belebung des Aktienmarktes in Italien im Jahr 2021 sind die positiven Signale aus Brüssel. Der europäische Wiederaufbaufond, aus dem Italien 191 Milliarden Euro erhält, nährt die Hoffnung, dass die italienische Wirtschaft in der Zukunft durchstarten kann. 

Ein Großteil des Geldes fließt in Zukunfts- und Infrastrukturprojekte, in die digitale Transformation und in die Ausbildung von Jugendlichen und Frauen. Als weiterer positiver Meilenstein gilt die Justizreform in Italien, die Bedingung für die Hilfszahlungen war. Jahrelange Gerichtsverfahren lähmten bisher die italienische Wirtschaft und schmälerten die Verlässlichkeit in den italienischen Justizapparat. Inwieweit sich die Hoffnungen erfüllen, dass die Milliarden des Europäischen Wiederaufbaufonds die Wirtschaft und damit die Aktienmärkte langfristig beleben, muss abgewartet werden.