Match Group: Tinder-Mutter mit nachlassendem Wachstum

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Kaum eine Dating-App verbreitete sich in den letzten Jahren so rasant wie Tinder. Einfach nach rechts wischen – viel mehr braucht es bei der Verkupplungs-App Tinder nicht für das nächste Date. Das machte sich auch in den Zahlen der Konzernmutter Match Group und vor allem auch in der Entwicklung des Aktienkurses lange Zeit positiv bemerkbar.

Beim Börsengang in 2015 kam die Aktie zu 12 Dollar an den Markt und kletterte bis Oktober 2021 im Hoch bis auf 175 Dollar. Seither ist die Euphorie aber aus den Papieren entwichen. Nach Vorlage der Zahlen gestern sackten die Papiere um 17% bis auf 63 Dollar in den Keller. Damit summieren sich die Verluste im Börsenjahr 2022 auf über 50%.

Dating per App voll im Trend

Kontaktanzeigen in Zeitungen, das war gestern. Stattdessen laden sich Single heutzutage einfach eine Dating-App aufs Smartphone. Die Partnersuche im Netz boomt. Analysten schätzen, dass der weltweite Markt für Dating-Apps weiter rasant anwachsen wird.

Platzhirsch unter den Online-Dating-Diensten ist Tinder. Die seit 2012 auf iPhones und seit 2013 auch auf Android-Geräten verfügbare App hatte zuletzt über 75 Millionen Nutzer weltweit.

Match Group – der Platzhirsch unter den Dating-Apps

Inzwischen ist die Anzahl der Dating-Apps rasant gewachsen. Ob OKCupid, Hinge, Plenty of Fish und Meetic (neu.de, LoveScout24) oder auf engere Zielgruppen fokussierte Apps wie OurTime (Singles >50 Jahre) oder BlackPeopleMeet (Afroamerikaner) oder Chispa (Latinos). Doch was viele wahrscheinlich nicht wissen. Hinter einem Großteil der Dienste (>40) steckt die Match Group aus Texas, die in den zurückliegenden Jahren auch viele Anbieter aufgekauft hat.

Umsatz klettert um 12% im zweiten Quartal

Mit seiner Strategie und dem Fokus auf Onlinedating hat die Match Group eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hingelegt, die sich auch im zweiten Quartal fortsetzte: Die Umsätze kletterten um 12% auf 799,51 Millionen Dollar. Das lag allerdings 10,97 Millionen Dollar unter den Erwartungen der Analysten. Ohne negative Währungseffekte betrug das Umsatzplus 19%.

Regional war das Wachstum stark unterschiedlich: Amerika zeigte ein Umsatzplus von 9% auf 409 Millionen Dollar, Europa verbesserte sich um 6% auf 208 Millionen Dollar während es in der Regionen „Asien und Pazifik“ um 32% auf 163 Millionen Dollar aufwärts ging. Je zahlendem Nutzer stieg der Umsatz um 3% auf 15,86 Dollar.

Tinder weiter von hoher Bedeutung

Die Bedeutung der Tinder-App für den Konzern ist weiterhin groß: Umsätze über Tinder Direct wuchsen um 13% angetrieben durch ein Wachstum der Zahler um 14 % (auf 10,9 Millionen), das durch einen Rückgang des Umsatzes pro Zahler um 1 % teilweise ausgeglichen wurde. Bei den anderen Marken des Unternehmens wuchs der direkte Umsatz um 12 %, angetrieben durch einen Anstieg der Zahler um 2 % (auf 5,5 Mio.) und einen Anstieg des Umsatzes pro Zahler um 10 %.

Match Group rutscht in die Verlustzone

Aufgrund einer Wertminderung in Höhe von 217 Millionen Dollar im Zusammenhang mit der Übernahme von Hyperconnect musste das Unternehmen einen Betriebsverlust von 10 Millionen Dollar hinnehmen. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg hingegen um 9 % auf 286 Millionen Dollar bei einer Marge von 36 % (gegenüber 37%).

Nachlassende Wachstumsdynamik verschreckt die Anleger

Das Unternehmen rechnet mit einem unterdessen mit einem „gedämpften Umsatzwachstum“ in der zweiten Jahreshälfte. Für das laufende dritte Quartal stellt der Konzern einen Umsatz von 790 bis 800 Millionen Dollar in Aussicht. Das ist im Wesentlichen unverändert, aber deutlich unter dem Prognosen der Analysten, die bislang von 887,7 Millionen Dollar ausgegangen waren. Die Prognose für das bereinigte Betriebsergebnis von 255 bis 260 Millionen Dollar impliziert eine Marge von 32% in der Mitte der Prognosespanne.

Fazit: Die Zahlen haben den Anlegern nicht geschmeckt. Vor allem die umsatz- und margenstarken Regionen Amerika und Europa können nicht mehr an die ehemals hohen Wachstumsraten heranreichen. Auch der Abgang des Tinder- Chefs Renate Nyborg und der strategische Schwenk (Tinder legt Pläne für virtuelle Währungen und Metaverse-basiertes Dating auf Eis) konnte die Investoren bislang nicht überzeugen. Dabei ist das bei Weitem nicht alles. Neue Funktion wie Livestreaming-Videos und ein neues Pricing sollen neue Kunden anlocken. Ob das gelingt, werden aber erst die kommenden Quartalszahlen zeigen.