Thoma Bravo kauft US-Fintech Bottomline für 2,6 Mrd. Dollar

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In den USA wurde jetzt ein spektakulärer Mega-Deal bekannt gegeben. Die Beteiligungsgesellschaft Thoma Bravo schluckt das Fintech Bottomline für stolze 2,6 Mrd. Dollar. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Bei Kurssprüngen im zweistelligen Bereich können Sie davon ausgehen, dass es gute Neuigkeiten über das betroffene Unternehmen gibt. So war es auch am vergangenen Freitag, als die Aktie des US-amerikanischen Fintechs Bottomline bereits im vorbörslichen Handel um mehr als 15% zulegen konnte.

Sie ahnen es schon: Der Grund für diesen Kurssprung war die Bekanntgabe einer Übernahmevereinbarung. So teilten Vorstand und Geschäftsführer von Bottomline Technologies Inc. am frühen Freitagmorgen mit, dass sie eine Vereinbarung mit der US-Beteiligungsgesellschaft Thoma Bravo über den Verkauf ihres auf Finanzdienstleistungen spezialisierten Unternehmens unterzeichnet hätten.

Übernahmeprämie von guten 42%

Thoma Bravo bietet den Bottomline-Eignern stolze 57,00 US-Dollar (USD) pro Aktie in bar. Das entspricht einem Aufschlag von etwa 42% auf den Schlusskurs der Bottomline-Aktie am 19. Oktober 2021, dem letzten Handelstag vor Bekanntgabe der Übernahmeverhandlungen.

Die Bottomline Technologies Inc. hat etwas mehr als 45 Mio. Aktien ausgegeben. Somit summiert sich das Übernahmeangebot von Thoma Bravo auf etwa 2,6 Mrd. USD (etwa 2,3 Mrd. Euro).

Die beteiligten Unternehmen im Porträt

Da die an der Transaktion beteiligten Unternehmen in Deutschland eher unbekannt sind, möchte ich sie Ihnen kurz vorstellen. Die in San Francisco/Kalifornien beheimatete Beteiligungsgesellschaft Thoma Bravo ist laut eigenen Angaben eine der größten Private-Equity-Firmen der Welt.

Die Kalifornier verwalteten ein Vermögen von mehr als 91 Mrd. USD (etwa 81 Mrd. Euro). Das Unternehmen investiert vor allem in wachstumsorientierte, innovative Unternehmen aus dem Software- und Technologiesektor. In den letzten 20 Jahren hat Thoma Bravo mehr als 325 Unternehmen mit einem Unternehmenswert von über 155 Mrd. USD erworben (etwa 138 Mrd. Euro).

Das in Portsmouth/New Hampshire ansässige Fintech Bottomline Technologies bietet Unternehmen und Banken technische Lösungen für nationale und internationale Zahlungen, effizientes Cash Management sowie automatisierte Workflows für die Zahlungsverarbeitung und Rechnungsprüfung an.

Daneben entwickelt das Unternehmen Lösungen für die Betrugserkennung, Verhaltensanalyse und Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Bottomline betreut Kunden in den USA, Europa und im asiatisch-pazifischen Raum.

Bottomline Technologies beschäftigt 2.000 Mitarbeiter und hat etwa 1.200 Banken und Finanzinstitutionen als Kunden. Weltweit nutzen mehr als 600.000 Unternehmen die von Bottomline entwickelten Lösungen. Im Geschäftsjahr 2020/21, das im Juni 2020 endete, erzielte das Fintech einen Umsatz von 471 Mio. USD (etwa 420 Mio. Euro). Das waren gute 6,6% mehr als noch im Vorjahr.

Fintechs profitieren von der Corona-Krise

Fintechs wie Bottomline haben in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum hinlegen können. Einen weiteren Impuls für die Fintech-Branche gab auch die Corona-Krise, in der der bargeldlose Zahlungsverkehr deutlich zugenommen hat.

Dies ist sicherlich ein Hauptgrund, warum die US-Beteiligungsgesellschaft Thoma Bravo ihre Fühler nach dem erfolgreichen Fintech aus dem Ostküstenstaat New Hampshire ausgestreckt hat, wie auch Brian Jaffee, Direktor bei Thoma Bravo, betont:

„Wir beobachten Bottomline bereits seit vielen Jahren als Teil unserer umfassenderen Bemühungen im Bereich der Finanztechnologie und freuen uns darauf, eng mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten, um seine starke Erfolgsbilanz in Bezug auf beständige Innovation und Wachstum weiter auszubauen.“

Wie es weitergeht

Die Transaktion soll laut Firmenangaben voraussichtlich im zweiten Quartal 2022 abgeschlossen werden. Vorher müssen die Bottomline-Aktionäre dem Deal noch zustimmen.

Wie bei Übernahmen üblich, müssen auch noch diverse Aufsichtsbehörden den Deal freigeben. Nach Abschluss der Transaktion sollen die Bottomline-Stammaktien von der Börse genommen und das Unternehmen somit privatisiert werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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