Wer verliert mehr: Twitter oder Tesla?

Wer verliert mehr: Twitter oder Tesla?
Tesla
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Warum eine Aktie steigt oder fällt – dafür gibt es an der Börse schnell immer eine Begründung. Die ist oft genug aber Quatsch. Schauen wir uns das anhand eines Beispiels bei Tesla und Twitter an.

Dass Elon Musk Twitter kaufen wollte, haben Sie vermutlich mitbekommen. Wer sich ansatzweise für Börse interessiert und Nachrichten liest, konnte um diese Meldung fast gar nicht herumkommen.

Jetzt gab es jedoch einen Rückzieher. Musk will Twitter doch nicht mehr kaufen. Prompt fällt die Aktie in den letzten 3 Handelstagen in der Spitze um 14 Prozent. Diese Begründung lasse ich gelten. Schließlich war das Übernahmeangebot von Musk wesentlich höher als die aktuellen Kurse.

Außerdem schossen die Kurse von Twitter um fast 40 Prozent nach oben, als die mögliche Übernahme bekannte wurde. Heute stehen wir etwa 5 US-Dollar unter dem Preis vor dieser Bekanntgabe. Es gab also zwischendurch reichlich Bewegung in der Aktie, doch letztlich liegt Twitter fast wieder am Jahrestief. Das ist derzeit bei 31,30 US-Dollar. Heute notiert die Aktie bei 33,46 US-Dollar.

Was machte Tesla?

Als Musk den Übernahmegedanken aussprach, fiel die Tesla-Aktie in den Tagen danach um 15 Prozent. Seitdem ging es etwa 40 Prozent nach unten. Doch das schaffte der gesamte Markt auch. Und den wollte Musk nicht kaufen.

Eine Apple-Aktie fiel seitdem Elon Musk Twitter kaufen wollte um fast 30 Prozent. Eine Amazon-Aktie fiel seitdem Elon Musk Twitter kaufen wollte um 40 Prozent. Sehen Sie da irgendwo einen Zusammenhang? Aber wenn Tesla dieselbe Strecke nach unten hinlegt, liegt das an der möglichen Twitter-Übernahme?

Wenn Musk mit seinem Geld Twitter nach einem Crash kaufen würde, wieso soll das der Tesla-Aktie einen Schaden von 40 Prozent zufügen? Manchmal wirken die Begründungen auf den ersten Blick offensichtlich. Deshalb werden sie auch gerne in den Börsennachrichten verknüpft. Wenn Sie aber genauer hinschauen, ist das nicht immer ganz so einfach und auch letztlich nicht alles entscheidend.

Es war im April viel wichtiger zu sehen, dass der gesamte Markt nach unten dreht. Da ging es nicht nur um Twitter und Tesla. Und wenn Amazon einen derartigen Crash hinlegt, sollte das auch den letzten Anleger wachrütteln.

So einfach können Begründungen widerlegt werden

Sie erinnern sich: Tesla-Aktien fielen im Wert, weil die Aktionäre es keine gute Idee fanden, dass Elon Musk Twitter kaufen will. Im Gegenzug stiegen die Twitter-Aktien.

Jetzt fallen die Twitter-Aktien, weil Elon Musk Twitter doch nicht kaufen will. Also müssen die Tesla-Aktien wieder steigen. Ist doch logisch! Heute fällt Tesla aber um 5 Prozent. So viel dazu…

Fazit

Glauben Sie nicht jeder Begründung, die Sie an der Börse hören. Oder nutzen Sie diese zumindest nicht für Ihre Investment-Strategie. Natürlich können Begründungen auch stimmen. Zum Beispiel, dass Aktien vor einem Aktiensplit meistens steigen. Die Anleger erhoffen sich danach Anschlusskäufe, weil die Kurse jetzt quasi günstiger sind und auch Investoren mit kleinerem Geldbeutel zugreifen werden.

Das war bei Amazon so. Von umgerechnet 103 US-Dollar stieg die Aktie vor dem Split auf fast 129 US-Dollar. Danach ging es in den Folgetagen wieder runter auf 101 US-Dollar. Heute stehen wir bei 112 US-Dollar also irgendwo zwischen den Pre-Split-Tiefs und dem Split-Hoch.

Wenn Sie langfristig investieren wollen, sind kurzfristige Begründungen für Kursschwankungen eher hinderlich. Schauen Sie sich die Aktie an. Finden Sie das Geschäftsmodell gut und verstehen Sie es? Ist die Aktie bei einem Kurs, den Sie bereit sind zu zahlen? Lassen Sie die Marktgeräusche links liegen. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche!