Erdöl: Diese 3 Faktoren bewegen den Ölpreis

Es war ein wahrer Wahlkampf-Schlager vor der Bundestagswahl 2017: die Diskussion um Verbrennungsmotoren, Fahrverbote und Diesel-Nachrüstungen.

Zu verdanken haben wir diese Debatte in 1. Linie dem im Jahr 2015 aufgeflogenen VW-Skandal um systematisch manipulierte Abgaswerte bei etlichen Diesel-Fahrzeugen.

Die Affäre hat die Diesel-Technologie in Verruf gebracht und das Image der Automobil-Industrie – speziell das von Volkswagen – empfindlich angekratzt.

Rohöl vor dem Aus?

Erst sollten Diesel-Fahrzeuge aus deutschen Innenstädten verbannt werden, dann war die Rede vom Aus des Verbrennungsmotors insgesamt – und das am liebsten schon im Jahr 2030

Zumindest sollte dies so sein, wenn es nach den Grünen geht, die recht gute Chancen auf eine Regierungs-Beteiligung im nächsten Merkel-Kabinett haben.

Doch ganz so einfach ist das nicht… Zwar sind die technologischen Möglichkeiten durchaus vorhanden:

Bereits jetzt gibt es einige rein elektrisch betriebene Fahrzeuge, auch von deutschen Herstellern, und in den kommenden Jahren werden zahlreiche weitere Modelle hinzukommen.

Doch bis die Infrastruktur geschaffen ist und die Fahrzeuge in erschwingliche Preissegmente auch für niedrigere Einkommens-Schichten vordringen werden, ist es noch ein weiter Weg.

Die Übergangs-Phase dürfte erheblich länger dauern als das angestrebte Idealziel 2030.

Weltweit hohe Nachfrage

Jenseits von Deutschland sieht die Lage ohnehin ganz anders aus:

Zwar haben auch andere europäische Länder in letzter Zeit angekündigt, bereits in relativ naher Zukunft keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr neu zulassen zu wollen.

Doch in anderen Teilen der Welt geht der Boom gerade erst richtig los.

Insofern ist davon auszugehen, dass – Energiewende hin, Diesel-Skandal her – die Nachfrage nach Rohöl auch in Zukunft nicht nachlassen, sondern, im Gegenteil, sogar eher noch steigen wird.

In welche Richtung sich der Ölpreis bewegt, hängt dann von verschiedenen Faktoren ab:

Nr. 1: Die OPEC

Die OPEC-Staaten haben sich bekanntlich im Jahr 2016 darauf verständigt ihre Produktion zu begrenzen und somit den Ölpreis künstlich zu stabilisieren.

Das hat auch geklappt – zumindest teilweise: Die meiste Zeit bewegt sich der Ölpreis seither auf einem Niveau um die 50 Dollar je Barrel; manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger.

Im Frühjahr 2017 einigten sich die beteiligten Staaten auf eine Verlängerung des Kompromisses bis ins Jahr 2018 hinein.

Doch wer die OPEC kennt, weiß, dass der Beschluss auf tönernen Füßen steht und jederzeit bröckeln kann.

Fingen die ersten Länder an die Vereinbarung zu brechen und wieder mehr zu fördern, würden die anderen wohl schnell nachziehen, es gäbe eine erneute Ölflut und die Preise würden fallen.

Nr. 2: Die USA

Ein weiterer, nicht mehr wegzudenkender Faktor in Sachen Ölpreis sind die USA:

Seit sich die umstrittene Fracking-Methode dort durchgesetzt hat, fördern die Vereinigten Staaten, was das Zeug hält – und können so möglicherweise mühelos die steigende Nachfragen bedienen.

Allerdings gingen die über Monate hinweg prall gefüllten Lagerbestände zuletzt etwas zurück, was Beobachter z. T. als Anzeichen einer Stabilisierung im Verhältnis von Angebot und Nachfrage werteten.

Nr. 3: Fehlende Investitionen

Als entscheidender Faktor könnte sich dieser Umstand erweisen:

Viele Ölkonzerne haben in der Phase des Preis-Crashs ihre Investitionen massiv zurückgefahren und deutlich weniger Ölfelder für künftige Förderprojekte erschlossen als sonst üblich.

Diese fehlenden Investitionen dürften sich bereits in naher Zukunft bemerkbar machen und die Angebots-Seite verknappen – steigende Ölpreise wären die Folge.

30. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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