Immobilieninvestments im Ausland sind wenig ratsam

Ein Immobilieninvestment im Ausland ist oft mit hohen Risiken behaftet. Bei Steuer- und Rechtsstreitigkeiten kann es sehr schwierig werden. (Foto: Scanrail1 - Shutterstock.com)

Deutsche Immobilien wurden in letzter Zeit für Ausländer immer attraktiver. Doch wie steht es umgekehrt? Schließlich ist der deutsche Markt weitgehend ausgereizt, woran auch niedrige Zinsen wenig ändern.

In Europa und weltweit bieten sich eigentlich zahlreiche Chancen auf gute Renditen mit Wohnungen, Häusern und Büros. Doch beim Immobilieninvestment im Ausland sind die Deutschen vergleichsweise zurückhaltend.

Immobilieninvestments im Ausland bieten Überraschungen

Dazu hat die Finanzkrise, die 2007 als Hypothekenkrise begann, genauso beigetragen wie die leidlichen Erfahrungen mit den geplatzten Immobilienblasen in Irland oder Spanien. Ein zentrales Risiko besteht nach wie vor: Immobilien lassen sich notfalls nicht in Kürze verkaufen, sie sind wenig liquide. Deshalb mussten vor gut zehn Jahren etliche offene Immobilienfonds geschlossen werden, deren Reiz gerade darin lag, mit wenig Kapital vom Immobilienmarkt zu profitieren.

Erst recht geschlossene Immobilienfonds bewahren nicht vor bösen Überraschungen. Hier werden gleich mindestens 10.000 € investiert, im Glauben, dass sich alle Projekte und die Beteiligten sich an die Versprechungen im Prospekt halten. Dass dem nicht zwingend so ist, mussten vor Jahren Kunden eines von der Postbank vertriebenen Fonds erfahren, der bis zu 15 % Rendite für eine Hotelanlage in Südafrika versprach.

Stattdessen verschwand das investierte Kapital dort in dunklen Kanälen. Den Anlegern blieb nur der Klageweg. Das Problem bei Immobilieninvestments im Ausland: Ansprüche lassen sich oft nur schwer durchsetzen. Ebenso sind die steuerlichen Risiken nicht immer abschätzbar. In Erinnerung ist auch die Pleite von Fonds des Düsseldorfer Finanzunternehmens ACI. Hier war es um Flops bei Projekten in Dubai gegangen. Geschlossene Fonds unterliegen keiner Aufsicht und gehören zum grauen Kapitalmarkt. Zudem bedienen sich hier die Vermittler mit hohen Provisionen.

Fonds, Aktien, Anleihen oder Crowdinvesting?

Wesentlich liquider ist ein Investment in Aktien von Immobilienunternehmen, die global oder in einem bestimmten Land agieren. Der Nachteil: Die Firmen hängen in hohem Maße von der Marktentwicklung und Rahmenbedingungen wie etwa niedrige Zinsen ab. Entsprechend stark können die Schwankungen der Kurse sein. Wenn dann, wie derzeit bei deutschen den Unternehmen, die Aktien durch den Boom getrieben hoch bewertet sind, bleibt für weitere Kurssteigerungen wenig Luft.

Die nächste Variante sind Anleihen von Immobilienunternehmen. Die bieten jedoch oft nicht mehr als eine Scheinsicherheit. Schon deutsche Papiere bieten hier keine erstrangigen Kreditsicherheiten. Immobilienanleihen sind vergleichsweise komplex und im Detail nicht leicht nachvollziehbar.

Eine neuere Form des Investments ist das Crowdinvesting. Dabei schließt man sich über eine Internet-Plattform mit anderen Privatanlegern zusammen und investiert bereits mit kleineren Beträgen in bestimmte Projekte und Objekte. Der Vorteil: Mit kurzen Laufzeiten bleibt man flexibel, die Informationen sind vergleichsweise transparent und es gibt keine der sonst üblichen Vertriebskosten.

Direktinvestment erfordert Zeit und Landeskenntnis

Zudem lassen sich die Projekte nach Belieben aussuchen, sodass eine breite Streuung entsteht. Im Ausland kann man sich etwa an Ferienwohnungen und Tourismusanlagen in Mallorca oder Portugal beteiligen. Crowdinvesting ist kein Langzeitinvestment.

Wer sein Geld für die zweite Lebenshälfte im Ausland anlegen will, kann natürlich versuchen, ein Haus dort zu kaufen, sei es alleine oder in Eigentümergemeinschaft. Dies jedoch verursacht einiges an Aufwand, erfordert regelmäßige Präsenz und die Kenntnis der landesspezifischen Gewohnheiten von Partnern und Behörden. Und die können es in sich haben. Auch wenn bei Immobilien im Ausland mitunter hohe Renditen winken: Wer sich nicht gerade ein Haus für den Eigenbedarf kaufen möchte, ist mit einem Crowdinvesting derzeit am besten bedient.

Checkliste Betriebskosten zum kostenlosen Download:
Hilfreiche Checkliste zum Ausdrucken & zum täglichen Gebrauch als PDF . . . . . .
Hier Klicken und Checkliste erhalten ➜

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt