Ist der Ölpreis mit den aktuellen Zinssätzen verbunden?

Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort, nur einige Theorien. In der Realität ist der Ölpreis in bestimmten Maße […] (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort, nur einige Theorien. In der Realität ist der Ölpreis in bestimmten Maße mit den Zinssätzen verbunden, andererseits eben auch nur „in bestimmtem Maße“. Sowohl für den Ölpreis als auch für die Zinssätze spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die sich jedoch überschneiden können. In anderen Fällen gibt es einfach keine Erklärung für eine Beziehung.

Eine der Grundtheorien nimmt an, dass eine steigende Zinsrate die Kosten für Konsumenten und Hersteller in die Höhe treibt. Dies führt dazu, dass weniger Zeit und Geld für das Fahren eines Autos zur Verfügung bleibt. Umso weniger Menschen auf der Straße fahren, desto weniger Öl wird verlangt – die Preise fallen. Daher kann dies eine umgekehrte Korrelation sein, bei der eine Rate steigt und die andere fällt.

Folgt man der gleichen Theorie, würde ein Sinken der Zinssätze dazu führen, dass sich mehr und mehr Konsumenten und Hersteller Geld leihen und ausgeben können, was den Ölbedarf in die Höhe treibt. Je höher der Ölverbrauch ist – bei durch die OPEC festgelegten Produktionslimits – desto mehr treiben die Konsumenten den Ölpreis in die Höhe.

Eine weitere Theorie will ebenfalls eine umgekehrte Korrelation beweisen. Steigende oder hohe Zinssätze stärken demnach den Euro gegenüber anderer Währungen. Ein starker Euro bedeutet, dass deutsche ölverarbeitende Unternehmen – darunter auch Tankstellen – mehr Öl für ihr Geld kaufen können. Diese Ersparnisse werden am Ende an den Kunden weitergegeben. Natürlich ist auch eine gegenteilige Entwicklung möglich – niedrige Zinsen treiben den Wert des Euros nach unten, weniger Öl kann gekauft werden und der Ölpreis steigt.

Natürlich spielen jedoch Naturereignisse, Kriege, verbesserter Spritkonsum von Fahrzeugen, das Förderlevel der OPEc und zahlreiche weitere Faktoren eine sehr große Rolle beim Ölpreis, die allesamt nichts mit dem aktuellen Zinssatz zu tun haben. Dies führt dazu, dass die Zinssätze steigen, der Ölpreis aber nicht darauf reagiert. Allein die Furcht vor Kriegen kann den Ölpreis nach oben tragen, obwohl er eigentlich fallen sollte. Beispiele hierfür gab es in den letzten Jahren genug.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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