Ölpreis fällt unter 100 Dollar

Ölpreis fällt unter 100 Dollar
William Potter / shutterstock.com
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Kurzfristig sinkt der Ölpreis dieser Tage. So fiel die Nordseesorte Brent am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit März. Das Barrel war für unter 98 US-Dollar zu haben. Die US-Sorte WTI verbilligte sich auf weniger als 94 Dollar. Zum Vergleich: Noch vor einem Monat lag der Preis beider Sorten deutlich jenseits der 120 Dollar.

Steigende Risiken – fallender Ölpreis

Der aktuelle Preisverfall geht nach Einschätzung von Experten unter anderem auf die steigenden Rezessionsrisiken zurück. Weil die Notenbanken rund um den Globus ihre Geldpolitik deutlich straffen und die Leitzinsen steigen, könnte der postpandemische Wirtschaftsaufschwung abgewürgt werden. Im zurückliegenden Jahrzehnt hatten Währungshüter wie die Europäische Zentralbank oder die US-Notenbank Federal Reserve eine expansive Geldpolitik verfolgt, mit Zinsen nahe Null und mehrfachen Programmen, die monatliche milliardenschwere Anleihekäufe vorsahen.

Nun aber, im Angesicht der höchsten Inflationsraten seit rund 40 Jahren, setzt ein mehr oder minder beherzter Kurswechsel ein. Die Fed hat vorgelegt und seit März bereits mehrere Zinsschritte vorgenommen, die EZB dürfte in Kürze diesem Vorbild folgen und ebenfalls an der Zinsschraube drehen.

Saudi Arabien profitiert

Weil aber steigende Zinsen das Potenzial haben, wirtschaftliches Wachstum zu begrenzen, fürchten nicht wenige ein Abgleiten in eine Rezession – zusätzlich befeuert wird diese nicht unbegründete Sorge durch den offenen Konflikt mit Russland, der zu einer tiefgreifenden Krise in der Gas- und Energieversorgung in Europa führen könnte. Bereits in den vergangenen Wochen hat Moskau mehreren europäischen Ländern den Gashahn abgedreht. Ob Deutschland nach Abschluss der Wartungsarbeiten an der Ostsee-Pipeline Nord Stream I wieder beliefert wird, zeigt sich wohl in der kommenden Woche.

Für Saudi Arabien indes könnte die Lage kaum besser sein: Weil wegen westlicher Sanktionen viele Staaten kein Öl mehr aus Russland beziehen, ist dieses am Markt günstig zu haben. Die Saudis kaufen viel davon, um ihre im Sommer permanent laufenden Klimaanlagen zu versorgen – und verkaufen das im eigenen Land geförderte Öl teuer weiter an den Westen.

Opec rechnet 2023 mit steigendem Ölbedarf

Trotz der gestiegenen Rezessionsrisiken geht die in Wien ansässige Organisation ölexportierender Länder (Opec) im Übrigen davon aus, dass sie auch im kommenden Jahr hohe Preise wird durchsetzen können: Laut einem am vergangenen Dienstag veröffentlichten Ausblick auf 2023 rechnet das Kartell damit, dass die Nachfrage stärker anzieht als das Angebot – obwohl die Fördermengen bereits schrittweise angehoben werden.

Begründet wird die Prognose von Seiten der Opec unter anderem mit dem Wirtschaftswachstum in wichtigen Schwellenländern. Für das kommende Jahr rechnet die Organisation mit einem Mehrbedarf an Rohöl von 2,7 Millionen Barrel pro Tag.

Opec bleibt bei moderaten Kapazitätsausweitungen

Wegen der zuletzt stark gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise hatten westliche Regierungen wiederholt versucht, die Opec zu einer Ausweitung ihrer Fördermengen zu bewegen. Das Kartell aber bleibt bei seiner Linie und hebt die Produktionskapazitäten Monat für Monat nur moderat an. Kein Wunder, schließlich lässt sich hier gerade ordentlich Kasse machen, nachdem sich der Ölpreis in den vergangenen Jahren überwiegend in einem Korridor zwischen 40 und 65 Dollar bewegt hat.

Doch ebenso wie die Notenbanken mit ihrer Zinspolitik muss auch die Opec aufpassen, mit ihrer Politik der Verknappung nicht zu übertreiben, um das Wirtschaftswachstum – und damit die Nachfrage – nicht zu stark abzuwürgen.