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Ölpreis gibt nach – doch von Trendumkehr keine Spur

Ölpreis gibt nach – doch von Trendumkehr keine Spur
William Potter / shutterstock.com
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Der Ölpreis hat in der vergangenen Woche so deutlich nachgegeben wie schon lange nicht mehr – doch dabei dürfte es sich wohl nur um eine kurze Momentaufnahme handeln.

Ölpreis mit Wochenverlusten: Momentaufnahme statt Trendwende

Die US-Sorte WTI verbilligte sich in der zurückliegenden Woche um 4,6 Prozent auf gut 91 US-Dollar je Barrel, das Fass der Nordseesorte Brent war nach Abschlägen von 3 Prozent auf Wochensicht zuletzt für rund 93,60 Dollar zu haben.

Beobachter gehen jedoch davon aus, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der Ölpreis die Marke von 100 Dollar je Barrel wieder knacken wird. Das war zuletzt 2014 der Fall – und seither war der Ölpreis nie so hoch wie in diesem noch jungen Jahr.

Ukraine-Konflikt befeuert Ölpreisrally

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Akut ist es vor allem der Konflikt zwischen Russland und den USA sowie Europa rund um die Ukraine, der für Verunsicherung an den Märkten sorgt und auch den Ölpreis befeuert – immerhin ist Russland einer der größten Ölexporteure der Welt, eine militärische Auseinandersetzung dürfte den Preis je Barrel binnen kürzester Zeit in die Höhe schießen lassen.

Hinzu kommt, dass sich die Opec+, zu denen auch Russland gehört, in Zeiten fallender Ölpreise auf eine konzertierte Förderkürzung verständigt haben – und nun nicht gewillt sind, die Produktionskapazitäten in dem Maße hochzufahren, wie es die Abnehmerstaaten gerne sehen würden, um der Preisexplosion zu begegnen.

Spritpreise auf Rekordniveau: Produktion wird steigender Nachfrage nicht gerecht

Zwar werden die Fördermengen seit einigen Monaten wieder ausgeweitet, aber eben nur schrittweise und bei bislang gleichbleibendem, von den Staaten der Opec und ihren Verbündeten festgelegtem Tempo. Das aber wird der steigenden Nachfrage kaum noch gerecht: Die Weltwirtschaft befindet sich nach dem coronabedingten Einbruch im Frühjahr 2020 längst wieder auf Erholungskurs, was die Nachfrage kräftig hat ansteigen lassen. Auch der Flugverkehr nimmt allmählich wieder zu. Autofahrer zahlen unterdessen Rekordpreise für den Sprit – wer den Liter Super in Deutschland für unter 1,70 Euro findet, wähnt sich dieser Tage schon als Schnäppchenjäger.

Die zu Beginn der Pandemie schon fast überlaufenden Lagerbestände der Staaten sind indes weitgehend aufgebraucht, was den Ölpreis zusätzlich ansteigen lässt. Erschwerend kommt hinzu, dass Unternehmen aus der Ölbranche mit Ausbruch der Pandemie und Einbruch der Nachfrage ihre Investitionen drastisch heruntergefahren haben. Bereits zuvor hatte die Branche mit Blick auf den Preisverfall am Ölmarkt und den politischen Willen zur Energie- und Verkehrswende hin zu mehr Klimaneutralität ihre Ausgaben zusammengestrichen.

Fehlende Investitionen machen sich verzögert bemerkbar

Das rächt sich nun: Es wurden keine neuen Quellen erschlossen, stattdessen wurde Personal abgebaut. Bereits vor einigen Jahren hatten Experten davor gewarnt, dass sich die drastischen Einsparungen der Ölkonzerne rächen und zu höheren Preisen führen könnten. Genau das scheint sich nun zu bewahrheiten.

Die Ölpreisrally dürfte sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen, ein Ende ist bislang nicht in Sicht, ganz im Gegenteil. Ökonomen und Politiker macht das zunehmend nervös – denn die gestiegenen Ölpreise sorgen unter anderem für höhere Energiekosten und tragen massiv zur Inflationsdynamik bei.

Die Teuerungsraten in den USA und im Euroraum haben in den vergangenen Monaten die höchsten Stände seit mehreren Jahrzehnten erreicht. Setzt sich der Trend des steigenden Ölpreises fort, dürften auch bei der Inflation neue Höchststände bevorstehen.