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Ölpreis steigt unaufhaltsam – Opec+ zerlegt sich selbst

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Streitigkeiten im Ölkartell haben für einen deutlichen Anstieg des Ölpreises gesorgt: Auf Wochensicht legte der Preis um gut 3 Prozent zu, sowohl die US-Sorte WTI als auch die Nordseesorte Brent kosteten am Dienstag mehr als 75 US-Dollar je Barrel.

Opec+ kann sich nicht einigen

Vorangegangen waren dem jüngsten Preisanstieg mehrtägige Verhandlungen der sogenannten Opec+, also dem Kartell der Öl exportierenden Staaten und ihren Verbündeten, darunter Russland. Diskutiert wurde über eine schrittweise Anhebung der Fördermengen ab August, doch die Vertreter der beteiligten Staaten konnten sich letztlich auf keinen Kompromiss verständigen. Die Verhandlungen wurden ergebnislos vertagt, einen Termin für die Fortsetzung der Gespräche gibt es bislang nicht.

Bereits seit einigen Jahren stimmen sich die Staaten im Rahmen der Opec+ Gespräche regelmäßig über ihre Förderkapazitäten ab, um für stabile Ölpreise zu sorgen. „Stabil“ bedeutete dabei anfangs: Den freien Fall zu stoppen und für steigende Ölpreise zu sorgen, indem die Fördermengen begrenzt wurden.

Wirtschaftliche Erholung sorgt für steigende Nachfrage

Die Förderkürzungen wurden mit Beginn der Pandemie noch einmal verschärft, um einen Preisverfall zu vermeiden, der ansonsten durch das abrupte Abbremsen der globalen Konjunktur und das Zusammenbrechen des weltweiten Flugverkehrs zu erwarten gewesen wäre. Die Stabilisierung ist gelungen, mehr noch: Seit Monaten steigt der Ölpreis, auf Jahressicht liegt er mehr als 80 Prozent im Plus.

Die sich erholende wirtschaftliche Entwicklung sorgt inzwischen wieder für steigende Nachfrage, auch Treibstoff wird wieder mehr gebraucht, da Home Office Verordnungen auslaufen und Ferienflieger wieder Touristen um die Welt transportieren dürfen.

Eine Ausweitung der Förderkapazitäten wäre nun also angezeigt, um den Ölmarkt nicht zu überhitzen. Davor warnte zuletzt auch die US-Regierung, die an den Gesprächen zwar nicht beteiligt ist, indirekt aber durchaus Einfluss nimmt.

Steigt der Ölpreis unaufhörlich weiter?

Die Staaten, deren öffentlicher Haushalt in hohem Maße vom Ölexport abhängig ist, sind zwar einerseits an einem hohen Ölpreis interessiert – andererseits darf dieser aber nicht so hoch steigen, dass er die Konjunktur abwürgt und dadurch die Nachfrage einbrechen lässt. Eine gesunde Balance sehen viele Experten daher bei einem Preisniveau um 60 bis 80 Dollar, hier bewegt sich der Ölpreis mittlerweile auf das obere Ende der Spanne zu.

Viele Beobachter halten daher einen Anstieg auf 80 Dollar noch in diesem Sommer und auf 100 Dollar im kommenden Jahr für realistisch. Doch es gibt auch Stimmen, die – gerade nach den aktuell zutage getretenen Unstimmigkeiten innerhalb der Opec+ – von gegenteiligen Effekten ausgehen.

Verliert die Opec die Kontrolle?

Wenn sich das Kartell nicht mehr auf eine einheitliche Linie verständigen kann, könnten einzelne Ölexporteure sich an die gemeinsamen Beschlüsse nicht mehr gebunden fühlen – und ihrerseits einseitig die Fördermengen erhöhen. Je mehr Staaten eigene Wege einschlagen, desto stärker die Gefahr, dass der Markt mit Öl geflutet wird und die Preise wieder deutlich abrutschen.

Die Opec+ wäre in ihrem eigenen Interesse gut beraten, sich zeitnah auf eine gemeinsame Linie zu einigen – ansonsten droht das Kartell, sich selbst zu entmachten und die Kontrolle über die Ölpreisentwicklung zu verlieren.