Ölpreis: Was können wir erwarten?

Ölpreis: Was können wir erwarten?
William Potter / shutterstock.com
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Der Versuch unserer Regierung den Benzinpreis an der Tankstelle zu senken, ging nach hinten los. Der Staat kassiert jetzt weniger Steuern und wir zahlen wieder so viel, wie vor einem Monat. Doch darum soll es heute nicht gehen.

Wir schauen uns den Ölpreis im Chart an und überlegen, wohin die Reise in den kommenden Wochen und Monaten noch gehen kann.

Brent im Tageschart

Die Marke um 97 US-Dollar ist weiterhin der wichtige Support. Erst wenn wir tatsächlich darunter fallen sollten, haben die Kurse eine Chance, mittelfristig zu sinken. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Vor allem, weil die Kurse in die andere Richtung laufen.

(Quelle: Tradingview.com)

Schön im Chart zu erkennen: die blaue Trendlinie. Daran klettern die Kurse derzeit nach oben. Von unten kommt die dicke blaue Linie leider nicht wirklich näher. Das ist die EMA 200, also die gewichtete 200-Tagelinie.

Aber die OPEC wollte doch die Förderung anheben?

Ja, das dachte ich auch. Also, dass das einen Einfluss auf die Kurse haben kann. Seit Anfang Juni haben die ölexportierenden Länder sich darauf geeinigt, mehr Erdöl zu fördern. Eigentlich sollte diese Änderung im September erst stattfinden. Doch das wurde schon vorgezogen, weil der Markt entsprechend heiß gelaufen war.

Der Effekt ist aber offensichtlich verpufft. Es wird mehr Erdöl produziert, doch am Preis hat sich nichts geändert. Das aber nur auf den ersten Blick. Schließlich könnten Saudi-Arabien und auch die Vereinigten Arabischen Emirate die Produktion anheben. Hier gäbe es genug Puffer, um den Weltmarkt ausreichend zu versorgen. So die herrschende Meinung. Doch das passiert offensichtlich nicht.

Als Argument für eine gesteigerte Produktion wird der Exportrückgang aus Russland genannt. Inzwischen ist aber den meisten bekannt, dass Indien das Öl aus Russland kauft und mit Aufpreis wieder Richtung EU schickt. So funktionieren die Sanktionen.

Als besonderes Ziel sollen im kommenden Jahr 90 Prozent der russischen Exporte vermieden werden. Also offiziell. Was übrigens auch noch etwas seltsam ist: Die Vereinigten Arabischen Emirate und auch Saudi-Arabien verkünden, dass sie bereits am Limit seien. Das schüttet natürlich genau jetzt weiteres Öl ins Feuer, wenn es um den Preis geht. Denn hier wird erneut Verknappung als Marketing benutzt. Wenn nicht mehr produziert werden kann, müssen wir lieber jetzt kaufen. Wer weiß, wie es in der Zukunft aussieht.

Nachdem allerdings Staaten wie Libyen oder auch der Iran während des Lockdowns rote Zahlen schrieben, ist das jetzt ihre Chance wieder ins Plus zu kommen. Es ist insofern durchaus denkbar, dass der Preis künstlich hochgehalten wird, damit diese Staaten sich finanziell wieder verbessern können.

Und da kommt unsere Regierung und bittet die Tankstellen uns doch 10 oder 20 Cent pro Liter weniger abzuknöpfen. Es wäre ein Traum, wenn wir hier am längeren Hebel sitzen würden.