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Ölproduzenten Tullow Oil und Capricorn wollen fusionieren

Inhaltsverzeichnis

Auf den internationalen Energiemärkten sind – angeregt durch die explodierenden Energiepreise – rege M&A-Aktivitäten zu verzeichnen. Ein Beispiel hierfür ist der heute bekannt gegebene Fusionsplan zwischen den britischen Ölförderern Tullow Oil PLC (Public Limited Company; eine Kapitalgesellschaft nach britischem Recht) und Capricorn Energy PLC.

Konkret teilten die Vorstände beider Unternehmen in einer gemeinsamen Presseerklärung mit, dass sie eine Einigung über die Fusion von Tullow und Capricorn zur Schaffung einer kombinierten Gruppe erzielt haben.

Im Rahmen des Zusammenschlusses wird Tullow im Rahmen eines Aktientauschs alle ausgegebenen und noch auszugebenden Capricorn-Aktien erwerben. Bevor ich den Fusionsplan im Detail erläutere, möchte ich Ihnen die beiden Ölfirmen kurz vorstellen.

Tullow Oil und Capricorn Energy im Kurzporträt

Tullow Oil ist ein unabhängiges Öl- und Gasexplorations- und -produktionsunternehmen. Die Gruppe hält Beteiligungen an über 30 Explorations- und Produktionslizenzen in acht Ländern. Ein Schwerpunkt liegt in Afrika, wo Tullow in Gabun, Elfenbeinküste, Mauretanien, Ghana und Kenia aktiv ist.

Tullow wurde 1985 in Tullow/Irland gegründet, hat seinen Sitz aber schon vor Jahren nach London verlegt. Die knapp 1.000 Tullow-Mitarbeiter haben in 2021 eine Ölfördermenge von 59.200 bopd (barrels of oil per day) erzielt. Ein Barrel (deutsch: Fass) entspricht 158,99 Liter.

Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Tullow einen Umsatz von 1,27 Mrd. US-Dollar (USD). Der Verlust nach Steuern belief sich in 2021 auf 81 Mio. USD.

Capricorn Energy ist laut eigenen Angaben eines der führenden unabhängigen Upstream-Energieunternehmen in Europa mit Hauptsitz in Edinburgh/Schottland. Bis Ende letzten Jahres firmierte das Unternehmen unter Cairn Energy PLC. Die von Capricorn in 2021 geförderte Ölmenge belief sich auf 36.500 bopd.

Das Unternehmen ist in der Erkundung, Erschließung und Ausbeutung von Öl- und Gasfeldern (diese Tätigkeiten werden als Upstream bezeichnet) weltweit aktiv. Einen regionalen Fokus hat Capricorn in Afrika. Dort ist das Unternehmen in Ägypten, Ghana, Kenia, Senegal und Uganda tätig.

Im Geschäftsjahr 2021 erzielten die knapp 200 Capricorn-Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 57,1 Mio. USD. Der operative Gewinn (EBITEarnings Before Interest and Taxes, deutsch Gewinn vor Zinsen und Steuern) belief sich in 2021 auf -130,9 Mio. USD. Beide Unternehmen sind an der Londoner Börse LSE gelistet.

Fusionsplan sieht Aktientausch vor

Laut dem von den Vorständen der Unternehmen beschlossenen Fusionsplan soll Tullow alle ausgegebenen und noch auszugebenden Capricorn-Aktien durch Aktientausch erwerben. Dabei erhalten die Capricorn-Aktionäre 3,8068 neue Tullow-Aktien für jede Capricorn-Aktie.

Nach Abschluss der Fusion werden die Capricorn-Aktionäre etwa 47% und die Tullow-Aktionäre ca. 53% der kombinierten Gruppe halten. Das Fusionsunternehmen hätte Stand gestern einen Börsenwert von 1,79 Mrd. USD (1,67 Mrd. Euro).

Das fusionierte Unternehmen würde über Reserven von 343 Mio. Barrel Öläquivalent und 696 Mio. Barrel Öläquivalent an Ressourcen verfügen. Mit einer Produktion von 96.000 bopd im Jahr 2021 würde es zu einem der größten börsennotierten afrikanischen Explorations- und Produktionsunternehmen werden.

So reagierten die Anleger

Der Kurs der Tullow-Aktie bewegte sich nach Bekanntwerden der Fusionsbestrebungen an der Londoner Börse LSE nur wenig. Anders sah es allerdings bei den Capricorn-Papieren aus. Dort sprang der Kurs in den Morgenstunden um mehr als 4% nach oben, verlor aber im weiteren Tagesverlauf wieder etwas an Boden.

Beim Redaktionsschluss um 14.30 Uhr lag der Capricorn-Kurs bei 202,80 Pence. Das war ein Plus von immerhin noch 2,17%. So hat die Ankündigung einer möglichen Fusion zumindest den Capricorn-Kurs in die Höhe treiben können.

Wie es weitergeht

Der Fusionsplan bedarf noch der Zustimmung der Aktionäre und der zuständigen Aufsichtsbehörden. Die beteiligten Unternehmen rechnen damit, dass die Fusion noch im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden kann.

Für das Fusionsunternehmen soll ein neuer Name gefunden werden. Die Aktien des Unternehmens werden weiterhin an der LSE gelistet werden.