Griechenland-Drama: Schäubles Treuhandfonds und die wahren Hintergründe

Das Griechen-Drama geht weiter. Die wirtschaftliche Lage im Land verschlechtert sich täglich. Griechenland steht vor einer wirtschaftlichen, aber auch humanitären Katastrophe.

Die Links-Regierung in Griechenland soll beseitigt werden

Bis morgen soll der griechische Regierungschef Alexis Tsipras die von der EU und ihren Gläubigern geforderten Reformen durchpeitschen. Wie ich Ihnen bereits aufgezeigt habe, bedeuten diese noch mehr Einsparungen für sein Volk.

Tsipras soll und wird das politisch wohl nicht überleben. Die von den EU-Technokraten so verhasste Links-Partei aus Austeritäts-Gegnern hat verloren. Die EU statuierte ein Exempel für andere Regierungen, die sich ebenfalls von der strengen Sparpolitik verabschieden wollen.

Die EU zieht die Zügel an

Aber das reicht noch nicht, um die Hellenen vollends am Boden zu sehen. Die EU zieht weiter die Zügel an. Allen voran Deutschland unter Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Auch der Vorschlag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble führt zur Enteignung und Plünderung Griechenlands. Ich meine nicht den, dass Griechenland fünf Jahre aus der Eurozone ausgeschlossen werden soll – ein „Grexit-Light“, ein Grexit auf Zeit also -sondern Schäubles zweiten „Geistesblitz“: Die Schaffung eines Treuhandfonds, in den staatliches Vermögen fließt. Erlöst durch Privatisierungen.

Ausverkauf des griechischen Staatsvermögens

Die Hellenen sollen nun also das gesamte Staatsvermögen verkaufen, aus dem sich dann die Gläubiger bedienen können. 50 Milliarden soll das insgesamt einbringen. Und die sollen so genutzt werden:

25 Milliarden Euro sollen der Rückzahlung für die Rekapitalisierung der Banken dienen.

12,5 Milliarden der Schuldenrückzahlung.

12,5 Milliarden neuen Investitionen.

Die totale Vermögensenteignung

Dabei liegt das Risiko nur bei den Griechen selbst. Dem griechischen Staat wird die Verfügungsgewalt seiner Vermögenswerte vollkommen aus der Hand genommen.

Oder anders ausgedrückt: Das ist nichts anderes als eine Enteignung des griechischen Volksvermögens. So wird es nicht mehr lange dauern und die europäischen Unternehmen werden als „Schnäppchenjäger“ Schlange stehen beim Ausverkauf Griechenlands – so wie die Hellenen jetzt vor ihren Bankautomaten.

Griechen-Premier Alexis Tsipras hat sich lange gegen diesen Ausverkauf seines Landes gewehrt. Jedoch ohne Erfolg. Derjenige, der Geld verteilt, hat auch die Macht. Und das sind die Eurokraten.

Treuhandfonds in deutscher Hand

Worüber jedoch (fast) gar nichts berichtet wird: Wolfgang Schäubles Vorschlag zur Einrichtung eines Treuhand-Fonds, in den das griechische Staatsvermögen übertragen werden soll, hat einen bitteren Beigeschmack.

Ich sage Ihnen: Dieser Fonds existiert bereits. Er gehört der staatlichen KfW-Bank. Bereits 2014 ist dieser Fonds gegründet worden. Aus einem Techtelmechtel zwischen der CDU und ihrer griechischen Schwesterpartei Nea Dimokratia.

Und wissen Sie, wer der Fonds-Chef, der Chairman ist? Bingo! Schäuble selbst! Und Wirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel ist sein Stellvertreter.

Nachtigall ick hör dir trapsen, kann ich da nur sagen!

Das ist ein Skandal, der als solcher von den Medien noch gar nicht aufgegriffen wurde.

Tsipras zur Zustimmung „gezwungen“

Nun also soll, laut Schäuble, das griechische Volksvermögen mir nichts, dir nichts, in eine deutsche Staatsbank überführt werden. Zu dem die Griechen keinen Zugriff mehr haben. Das ist zu allem auch noch eine Entmündigung der Hellenen.

Dieser Bedingung, um neue ESM-Kredite zu bekommen, musste Tsipras zustimmen. Mit der Pistole auf der Brust, wie er sagte. Nur so kann er eine wirtschaftliche und humanitäre Katastrophe vermeiden. Und auf ein weiteres, ein drittes Hilfspaket aus rund 86 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren hoffen.

Die Demütigung führt in die Katastrophe

Die Demütigung der Hellenen durch die Eurokraten setzt sich also fort. Das ist ihre Rache für das Volksreferendum im vorletzten Sonntag, in dem sich die Griechen gegen die EU-Sparpolitik ausgesprochen haben. So ist die Katastrophe vorprogrammiert.

Und daran werden noch immer einige verdienen, wie ich Ihnen bereits aufgezeigt habe. Nicht jedoch der einfache Bürger, Steuerzahler und Sparer. Dieser wird verlieren. Und zwar alles.

14. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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