Besser als der Dax – So holt man die Aufsteiger ins Boot

Ehrgeizig und innovativ, wendig und ganz nah am Kunden – kleinere Unternehmen sind meist flexibler und dynamischer als große Dickschiff-Konzerne. Mit schlanker Struktur und kurzen Entscheidungswegen können sie sich rasch an Änderungen im Markt anpassen. Die erfolgreichsten unter ihnen finden sich im deutschen Nebenwerteindex Sdax.

Sdax-ETF: deutsche Mittelstandsdynamik in einem Paket

Ein ETF auf den kleinsten der drei Prime-Standard-Indizes der Deutschen Börse ergänzt das Portfolio um dessen geballte Dynamik. Und gerade die ist es, die Anlegern höhere Durchschnittsrenditen beschert hat. Während der Dax in den letzten fünf Jahren um 83% zulegte, schaffte der Sdax mehr als 108%. Und im weltweiten Vergleich mit anderen Small-Cap-Indizes steht er an der Spitze.

Firmen wie Bertrandt, Heidelberger Druck oder Koenig & Bauer werden gerade von ausländischen Anlegern als typische Vertreter des exportstarken deutschen Mittelstands wahrgenommen. Wie sehr sie international gefragt sind, zeigt sich allein daran, dass nur noch 23% aller Aktien in deutscher Hand sind – die Investoren sehen großes Potenzial.

Dieses lässt sich am besten über Indexfonds abholen. Ein Sdax-ETF bildet den Mittelstandsindex passiv ab und vollzieht dessen Wertentwicklung fast identisch nach. Damit entfallen aufwändige Fundamentalanalysen genauso wie Ausgabenaufschläge beim Kauf einzelner Aktien, was die Sache denkbar einfach und günstig macht.

Zwei Indexfonds im Angebot

Groß ist die Auswahl allerdings nicht. Das liegt zum einen daran, dass die Nebenwerte von der Masse weniger wahrgenommen werden. Zum anderen unterliegen institutionelle Investoren internen Anlagerichtlinien, die Indizes mit größeren Börsenwerten vorziehen. Angeboten werden zwei Sdax-ETFs, und zwar vom Commerzbank-Ableger ComStage.

Der eine entspricht der Urform einer physischen, also direkten Replikation, bei der alle Aktien des Index gehalten werden. Der andere bildet als synthetischer ETF den Sdax indirekt ab, indem dessen Wertentwicklung über ein Tauschgeschäft von einer Bank garantiert wird.

Letztere Variante liegt konstruktionsbedingt etwas dichter an der Indexperformance und ist ein ausschüttender Fonds. Dividenden werden direkt ausgezahlt und lassen sich beliebig verwenden. Der physische ETF indes ist thesaurierend, wie das Indexkürzel TR (Total Return) zeigt. Alle Ausschüttungen werden automatisch wiederangelegt. Über den Zinseszinseffekt ist das Endvermögen langfristig bedeutend größer.

Beide Fonds liegen mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,70% deutlich über denen der Dax-ETFs. Das erklärt sich zum Teil mit dem höheren Anpassungsbedarf, der mit der Fluktuation im Index entsteht. Der Sdax ist die Auf- und Abstiegsbasis gegenüber Mdax und Dax.

Keine Shorts aber große Sparplanauswahl

Wer sein Investment mit regelmäßigen Beträgen langsam aufstocken will, findet ab 50 € monatlich acht Sparplanangebote. Einsteigerraten zu 25 € gibt es nur bei comdirect und Consorsbank. Was es nicht gibt, ist ein Short-ETF als taktischer Schutz gegen fallende Kurse. ComStage-Chef Thomas Meyer zu Drewer sieht schlicht keine Nachfrage, die ein Mindestfondsvolumen ermöglicht.

Insgesamt können sich die Nebenwerte-ETFs als Perlen im Portfolio erweisen. So sind etwa im Sdax viel mehr Unternehmen mit hohen Nettomargen, die den prozentualen Anteil am Gewinn ausweisen. Allerdings werden sie von der Masse weniger wahrgenommen, weshalb auch die Fondsvolumina deutlich geringer sind.

Gleichzeitig ist der Sdax ein solider Index im Prime Standard der Deutschen Börse mit hohen Anforderungen. Hier finden sich potenzielle Aufsteiger, die es irgendwann in den Dax schaffen. Anders als der deutsche Leitindex aber ist der Sdax noch lange nicht ausgereizt.

22. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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