Einlagensicherung in Deutschland: Depots überstehen auch Bankenpleiten

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Einlagensicherung: Die wichtigsten Informationen zur Sicherheit Ihres Geldes bei Ihrer Bank in aller Kompaktheit. (Foto: Anton Violin / shutterstock.com)

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Die Bankenkrise, die im Jahr 2008 mit der Lehman-Pleite ausbrach, hat sich in den vergangenen Jahren etwas entspannt. Experten erwarten dennoch, dass uns die Bankenschwäche insbesondere auch durch die Corona Pandemie 2020/21 noch mehrere Jahre beschäftigen wird. Viele Sparer sorgen sich um die Sicherheit ihrer Geldanlage. In diesem kompakten Beitrag zeigen wir Ihnen daher, wie sicher Ihr Geld bei Ihrer Bank ist.

Einlagensicherung in Deutschland – Ein Überblick

Definition Einlagensicherung: Gesetzliche und freiwillige Maßnahmen, die Gläubiger während einer Bankenkrise vor dem Verlust ihres Bankguthaben schützen sollen

Sicherungssysteme: Es gibt die gesetzliche Einlagensicherung und darüber hinaus freiwillige Sicherungssysteme (zwei Säulen der Einlagensicherung)

Höhe des Rechtsanspruchs: Seit dem 31.12.2010 max. 100.000 € bei gesetzlichen Sicherungssystemen (davor 50.000€); höhere Summen bei freiwilligen Einlagensicherungssystemen

In der Europäischen Union sind die Spareinlagen von Bankkunden vor einem Zahlungsausfall ihrer Bank geschützt. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestsumme beträgt 100.000 Euro pro Kunde. Sie als Bankkunde würden im Falle einer Pleite Ihrer Bank diese Summe zurückerhalten. Bei Gemeinschaftskonten, bspw. eines Ehepaares, wird der Schutz auf 200.000 Euro erhöht.

Viele Banken sichern sogar einen höheren Betrag als die genannten 100.000 Euro ab. Es ist jedoch zu beachten, dass nicht jede Form der Geldanlage unter die sogenannte Einlagensicherung (auch Guthabensicherung genannt) fällt.

Was fällt unter die Einlagensicherung?

Spar-, Sicht- und Termineinlagen sind geschützt. Unter diesen 3 Einlageformen versteht man das Geld, welches auf verschiedenen Bankkonten liegt. Diese Konten sind beispielsweise:

  • Girokonten
  • Tagesgeldkonten
  • Sparkonten
  • Festgeldkonten
  • Verrechnungskonten, die zu einem Wertpapierdepot gehören, über die Wertpapiergeschäfte abgewickelt werden

Fallen Aktien, ETFs und Fonds unter die Einlagensicherung?

Aktien, ETFs und Fonds im Depot einer Bank fallen nicht unter die Einlagensicherung. Das ist allerdings keine schlechte Nachricht für Sie. Denn: Die Wertpapiere sind Ihr Eigentum und nicht das der Bank. Das bedeutet, dass Ihre Depotbank nur treuhänderisch tätig ist. Sie haben jederzeit die Möglichkeit, Ihr Eigentum (beispielsweise Ihre Aktien) zurückzuverlangen.

Diese Möglichkeit bleibt auch im Falle einer Pleite Ihrer Bank bestehen, da die Gläubiger der Bank oder ein Insolvenzverwalter darauf keinen Zugriff haben. Der Inhalt von Bankschließfächern fällt übrigens auch nicht unter den gesetzlichen Einlagenschutz. Sie haben einen Anspruch auf die Herausgabe der darin gelagerten Wertgegenstände.

Fallen Fremdwährungskonten unter die Einlagensicherung?

Fremdwährungskonten sind inzwischen eine beliebte Alternative zu Konten, die auf Euro lauten. So beispielsweise Konten in Schweizer Franken oder Norwegischer Krone. Denn in Euro-Krisen versprechen sie Schutz gegen den Verfall der Währung. Wie aber sieht es bei Fremdwährungskonten mit dem Einlagenschutz aus?

Gesetzlich ist die Lage klar: Einlagenschutz wird nur für Konten gewährt, die entweder auf Euro lauten oder auf die sonstige Währung eines EU-Mitgliedstaates. So steht es in Paragraph 4 des Einlagensicherungs- und Anlegerschutzgesetzes (EAEG). Dafür gibt es über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus auch noch eine freiwillige, der die meisten Banken in Deutschland angehören.

Der freiwillige Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken schützt auch Konten, die auf eine Fremdwährung lauten. Allerdings behält es sich der Fonds vor, die Entschädigung gegebenenfalls in Euro vorzunehmen.

Sie sollten bei einer Privatbank also zuerst prüfen, ob sie dem freiwilligen Einlagensicherungsfonds überhaupt angeschlossen ist, oder ob sie nur den gesetzlichen Mindestschutz bietet, in dem Fremdwährungskonten von Nicht-EU-Ländern nicht erfasst sind. Bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen ist der Einlagenschutz durch eine Art Institutssicherung gegeben. Andere Institute müssen einspringen, sodass eine solche Bank gar nicht erst pleite gehen kann. Somit sind auch die Fremdwährungskonten geschützt.

Wie funktioniert die Einlagensicherung in Deutschland?

Die Art Ihrer Bank entscheidet darüber, wie genau die Einlagen abgesichert werden. In Deutschland existieren unterschiedliche Sicherungssysteme, die von den Banken umgesetzt werden können. Genossenschaftsbanken (Volks-, Raiffeisen- und Spardabanken) sowie Sparkassen unterliegen dem sogenannten Institutsschutz. Das bedeutet, dass eine Bank aus dem Verbund, die in Schieflage geraten ist, von den anderen dazugehörigen Banken gerettet wird.

Den Genossenschaftsbanken sind ebenfalls die Bausparkasse Schwäbisch Hall und die Ärzte- und Apothekerbank angeschlossen. Bei den Sparkassen ist der Institutsschutz etwas anders organisiert als bei den Genossenschaftsbanken. Im Ergebnis gibt es für Sie allerdings keinen Unterschied im Vergleich zu den Genossenschaftsbanken. Der Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden, dass diesen auch die Landesbausparkassen (LBS) angeschlossen sind.

Privatbanken hingegen haben kein Interesse daran, einzelne Institute vor einer Insolvenz zu retten. Nach Ansicht der Privatbanken ist die Zahlungsunfähigkeit einer Bank nicht das Problem anderer Banken, die dazu in Konkurrenz stehen. Bei Privatbanken gibt es daraus resultierend keinen Institutsschutz. Dafür greift im Falle der Insolvenz einer Bank sofort der Einlagenschutz.

Es muss also im Zusammenhang mit Privatbanken nicht erst ein ganzer Verbund pleite sein, bevor die Einlagensicherung greift. Der gesetzlich vorgeschriebene Schutz beträgt 100.000 Euro pro Kunde und ist von der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) garantiert.

Praxisbeispiel: Was würde im Falle einer Pleite der Commerzbank passieren?

Damit Sie die wichtigsten Szenarien kompakt in einer Übersicht haben, hier ein Praxisbeispiel:

  • Ihre Tages-, Giro- und Festgeldkonten, sowie Sparbücher sind durch die gesetzliche Einlagensicherung bis mindestens 100.000 Euro abgedeckt.
  • Ihr Aktien- und Fonds-Depot ist Sondervermögen und geht deshalb nicht (!) in die Insolvenzmasse ein. Es wird ohne Verlust auf eine neue Bank übertragen.
  • Falls Sie Aktien oder Anleihen der Commerzbank besitzen, sind diese rechtlich geschützt, würden aber im Falle einer Commerzbank-Pleite an der Börse wahrscheinlich wertlos verfallen.
  • Inhaberschuldverschreibungen der Commerzbank unterliegen, da diese nicht börsengehandelt sind, dem sogenannten Emittentenrisiko. Durch die Pleite des Emittenten wären diese Papiere wertlos.

Fazit: Wertpapierdepots im Pleitefall der Bank sicherer als Bankkonten

Aktien und Fonds werden von der Bank nur verwaltet und bleiben Ihr Eigentum. Geldvermögen kann dagegen im Falle einer Bankenpleite ab einer gewissen Grenze verfallen. Vor dem Hintergrund einer möglichen Pleite Ihrer Bank sind Wertpapierdepots sicherer als Bankkonten, die unter die Einlagensicherung fallen.

Denn wie Sie erfahren haben, greift die Einlagensicherung in der Regel nur bis 100.000 €. Darüber hinausgehende Beträge wären im Falle einer Pleite Ihrer Bank sehr wahrscheinlich verloren. Ihr Wertpapierdepot hingegen würde von einer Bankenpleite gar nicht betroffen sein. Hier müssten Sie sich daher auch über Beträge, die über 100.000 € hinausgehen, keinerlei Sorgen machen.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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